"Wollen Sie es wirklich hören?", fragte er und kniff ein wenig die Augen zusammen, als würde ihn das reflektierende Licht blenden.
"Ich bitte darum, Monsieur", forderte Perone höflich, aber bestimmend. Innerlich aber machte er sich dafür bereit eine konfuse Geschichte aufgetischt zu bekommen. Doch überwog die Neugier, mehr über diesen Menschen zu erfahren. Der Fremde schnaubte kurz durch die Nase und nickte, als würde er sich erbarmen, Perone des Rätsels Lösung zu präsentieren.
"Mein Name ist Thomsen, Werner Thomsen. Geboren wurde ich 1920 in Strahlsund, Deutschland. 1943 kam ich zur Kriegsmarine hier nach Lorient. Nach kurzer Kriegsgefangenschaft 1948 hatte ich mich dazu entschlossen, in Frankreich zu bleiben und die französische Staatsbürgerschaft anzunehmen."
"Thomsen?", erinnerte sich Perone, "Dann haben Sie diesen Brief in der Pension "Labarre" für einen gewissen Monsieur Boregard abgegeben?"
"Ja", bestätigte Thomsen, "es war eine Nachricht, die sehr wichtig für mich war."
"Für Sie?", fragte Perone verwundert, "Der Brief war doch für diesen Boregard, oder nicht?"
"Das ist richtig", antwortete Thomsen ruhig, "aber es ging auch um meine Person."
Perone verlor allmählich den Faden und konnte keinen plausiblen Zusammenhang erkennen. Der Fremde schien ihn immer rätselhafter. Wiederum erweckte es auch ein gewisses Interesse. Perone versuchte nun, seine Fragen so zu stellen, um sich ein zusammenhängendes Bild zu machen. Wissensdurstig zu erfahren, wie all das zusammenpasste.
"Wer war dieser Taucher?", fragte er weiter. Denn es interessierte ihn, was diesen Mann dazu bewog, diesen Taucher entkommen zu lassen. Thomsen machte eine lange Pause, als lege er sich diese Aussage noch zurecht.
"Dieser Taucher und vermeintliche Einbrecher ist ein und dieselbe Person. Sein Name ist Dirk Boregard. 1981 in Hamburg geboren und Amateurtaucher. Seine Spezialität ist das Wracktauchen. Daher auch sein Aufenthalt hier in Archile."
"Der Boregard, der vor einer Woche die Tauchausrüstung an Clemont zurückgegeben hat?", fragte Perone erstaunt nach. Thomsen nickte bestätigend. Perone schüttelte verwundert den Kopf und fragte: "Der Mann wurde aber weder von dem Ehepaar Clemont wiedererkannt, noch hatten sie die Ausrüstung herausgegeben. Haben Sie eine Erklärung dafür?"
Der Fremde blickte erneut auf das Meer hinaus und sog entspannend die salzige kühle Luft ein. Sein kurzer seitlicher Blick zu Perone zeigte, dass er bereit war, ihm eine etwas längere Geschichte zu erzählen. Wie jemand, der aufgab, den ständigen Hinterfragungen auszuweichen.
"Dort ist eine Bank, Monsieur. Gestatten Sie, dass ich mich setze?"
Perone nickte zustimmend und begleitete ihn zu der verwitterten alten Bank, auf der sie Platz nahmen. Sich entspannt zurücklehnend, begann der Fremde zu erzählen: "Nun Monsieur Perone, was ich ihnen jetzt erzähle, ist die Wahrheit. Sie ist genauso unglaublich wie abenteuerlich. Und ich versichere Ihnen, ich würde niemandem so eine Geschichte abnehmen, wenn ich es nicht selbst erlebt hätte. Sie sind der erste Mensch, dem ich das erzähle. Die Frage ist nur, ob Sie es aus meiner Sicht hören wollen oder aus der Sicht des Dirk Boregard?"
Perone war es im Grunde genommen egal und doch entschied er sich für jenen Boregard, der vor wenigen Minuten abgetaucht war. Schon aufgrund dessen, was diesen Mann dazu bewog, den Freitod zu wählen. Sich das Leben mit voller Tauchermontur zu nehmen. Wo es doch zig humanere Möglichkeiten gab, sein Leben zu beenden. Hinzu kam sicher die Gleichaltrigkeit zwischen diesem Boregard und Perone. Thomsen stabilisierte noch einmal seine Sitzhaltung. Sein Blick haftete dabei unablöslich am Horizont des Atlantiks. Die Hände übereinandergelegt, atmete er noch einmal tief durch und begann zu erzählen.
"Nun dann", leitete er die ersten Worte ein, "betrachten Sie mich als den 23-jährigen Dirk Boregard".
Er sagte es mit einem verschmitzten Lächeln, als ahnte er, dass Perone ihm den Altersunterschied zwischen Dirk Boregard und Werner Thomsen nicht so recht abnahm. Perone versuchte diese Tatsache zu ignorieren und nickte nur bestätigend, worauf der Alte fortfuhr. Er sprach so fließend, als las er alles von einem Transponder ab, den man vor ihm aufgebaut hatte.
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