Abends nach dem Baden hockte ich mich nackt aufs Bett, spreizte die Beine und sah mich dort an, wo die Jungen ihren komischen Schwanz hineinstecken sollten. Ich fand die Vorstellung eklig und konnte mir nichts denken, was dort hineingepasst hätte.
Sarah und ich sprachen eine ganze Weile nicht mehr über dieses Erwachsenenthema. Das zweite Schuljahr nahm uns ziemlich in Anspruch und auch die Freizeit war mit Ballettunterricht und Chor gut ausgefüllt. Zusätzlich brachte ich mindesten aller vierzehn Tage Marcell auf den Reiterhof, wo ich aber einen großen Bogen um die Koppel machte, aus Angst, noch einmal zwei Pferden beim Liebemachen zusehen zu müssen.
Ich wusste gar nicht, ob man das bei Pferden auch so nennt, doch noch immer gefiel mir der Begriff, weshalb ich eines Tages Sarah und Mathéo davon erzählte, was Emma und Clemént manchmal in meinem Kinderzimmer anstellten. Mathéo hatte auch zu reiten begonnen, weshalb wir uns wieder öfter sahen, und bestätigte, dass einige Pferde einen solchen Schlauch am Bauch hatten, mit dem sie pinkelten. Sarah aber interessierte sich mehr dafür, wie ich meine Puppen beim Liebemachen aufeinander legte, um Vater und Mutter zu spielen.
Sie hatte ein Buch in der Nachttischschublade ihrer Mutter gefunden, in dem auch solche Puppen abgebildet waren, die ähnlich wie Emma und Clemént miteinander Turnübungen machten. Dabei saß die Mädchenpuppe auf einigen Bildern auf der Jungenpuppe, dann wieder wechselte das Bild und der Junge lag mit seinem Gesicht zwischen den Beinen des Mädchens, die auf der nachfolgenden Abbildung das Gleiche bei dem Jungen machte. Auf anderen Bildern standen die Puppen hintereinander oder das Mädchen bückte sich, um vermutlich etwas aufzuheben, wobei der Junge sie von hinten festhielt, damit sie nicht falle.
Sarah und ich fanden diese komischen Turnübungen lustig und stellten sie mit Emma und Clemént nach, bis Mathéo fragte, ob die jetzt in dem Buch auch alle Liebemachen. So hatten wir das noch gar nicht gesehen und wunderten uns, wie das mit dem Schwangerwerden denn gehen solle, wenn die Mädchenpuppe mit dem Kopf auf dem Schoß des Jungen liegen würde, der wiederum ihren Bauch im Gesicht hatte. Das konnte auch Mathéo nicht erklären und so spielten wir den ganzen Nachmittag zu dritt Vater-Mutter-Kind, bis ich fand, dass Emma sich ausruhen müsse.
Es war ziemlich kalt draußen geworden. Regen fiel und der Wind trieb loses Heu über den Hof. Meine Großmutter hatte den Kamin angeschürt und rief uns Kinder runter in die gute Stube, damit wir uns bei Kakao und Keksen aufwärmen konnten. Gemeinsam saßen wir an einem kleinen Tisch beim Feuer und spielten T’en fais pas, ein Spiel, was wir später in Deutschland Mensch-ärgere-dich-nicht nannten. Marcelle und ihr Stoffhase Chap spielten mit, doch als meine kleine Schwester zwei Runden hintereinander verloren hatte, verschluckte sie vor Wut einen der Würfel, weshalb wir aufhören mussten. Meine Mutter brachte sie zur Strafe ins Bett und auch meine Freunde verabschiedeten sich nach Hause.
Sarah hatte versehentlich ihr Buch mit den Turnübungen bei mir im Zimmer vergessen, weshalb ich abends noch ein wenig darin blätterte. Oft lagen die Puppen nur nebeneinander am Boden, hatten mal das eine, mal das andere Bein von sich gestreckt, ähnlich wie wir es beim Aufwärmen im Ballettunterricht auch machten, nur eben jeder für sich. Auf einigen Bildern aber bildeten das Mädchen und der Junge ein solches Knäul, dass ich anhand der Beine und Arme nachzählen musste, wer wohin gehörte. Noch immer war mir unklar, wozu das gut sein mochte, und ich nahm mir vor, bei unserer nächsten Ballettstunde ein paar von den Übungen mit Sarah nachzumachen.
In dieser Nacht hielt ich Mr. Bee mit meinen Beinen fest umschlungen, so wie es das Puppenmädchen in Sarahs Buch auf vielen Bildern mit dem Puppenjungen tat.
Wieder einmal hatte geschneit und alle Kinder trafen sich am vereisten Weiher, wo wir Schneebälle warfen, Schlittschuh liefen oder uns einfach nur an einem der vielen kleinen Holzkohlefeuer wärmten und unterhielten.
Bernard und Clara hatten das Kriegsbeil begraben und sprachen wieder miteinander. Manchmal, wenn sie sich unbeobachtet fühlten, griff Bernard sogar nach Claras Hand, ohne dass diese sie sofort zurückzog. Sarah meinte, dass die beiden wohl wieder miteinander gingen, doch Clara stritt das vehement ab. Sie fände Jungs viel zu schrecklich, was ich verstehen konnte. Hatte ich doch selbst gerade ein komisches Erlebnis mit einem von denen gehabt.
Nahm ich doch seit Kurzem auch Reitstunden, da unsere Ballettlehrerin erkrankt war und deren Unterricht auf absehbare Zeit ausfallen würde. Ich war froh, als mir Monsieur Dutroux anbot, dass mir Charles das Reiten beibringen könnte, wenn ich nichts dagegen hätte. Ich hatte nicht und so kam es, dass ich mit Charles und Prince Noir alleine in der geheizten Longierhalle versuchte, auf den riesigen Rappen zu steigen. Das war schwerer als gedacht, doch als ich fast oben war, spürte ich, wie mir Charles direkt unter den Rock zwischen die Beine fasste und mich nach oben schob. Irritiert landete ich auf dem Rücken des Pferdes.
Charles ließ sich nichts anmerken, doch mich hatte diese Berührung verunsichert. Natürlich war es nett von ihm, mir auf das Pferd zu helfen, doch noch nie hatte mich ein Junge an dieser privaten Stelle berührt. Es hatte nicht wehgetan. Im Gegenteil, es erinnerte mich an das schöne Gefühl, wenn ich mir beim Baden oder auch mal im Bett selbst die Hand dorthin legte.
Noch mehr aber gefiel es mir, mit Mr. Bee zu schmusen und ihn auf die eine oder andere Art, die ich aus Sarahs Turnübungsbuch kannte, an meinen Körper zu pressen. Am schönsten fühlte sich seine harte Schnauze zwischen meinen Beinen an, auch wenn ich nicht wusste wieso. Ich hatte mich oft gefragt, wieso der Puppenjunge das in dem Buch so oft bei der Mädchenpuppe tat und ahnte, dass es ihr vielleicht auch so gut gefiel.
Emma und Clemént machten es uns nach und probierten im Laufe der Zeit alle Übungen aus dem Buch, bis mich Sarah bat, es zurückzugeben. Doch ich brauchte es längst nicht mehr, hatte ich doch die meisten Übungen verinnerlicht und brannte darauf, diese mit Sarah während des Balletts zu probieren. Da aber aktuell keine Stunden stattfanden, stimmte ich freudig zu, als sie vorschlug, zuhause die Tanzschritte zu üben.
Da Sarah in ihrem Zimmer einen großen Spiegel hatte, nahm ich meine Ballettsachen mit zu ihr und gemeinsam standen wir Hand in Hand davor, um uns bei den Drehungen und Balanceübungen zu stützen. Als wir unser Repertoire zweimal durch hatten und erschöpft am Boden saßen, erzählte ich Sarah von meiner Idee, doch auch ein paar von den Turnübungen aus dem Buch ihrer Mutter zu versuchen. Ich hielt das für ein gutes Training, sich zu dehnen und Sarah sah das ähnlich.
So bildeten wir rasch ein menschliches Knäul, verschränkten unsere Arme und Beine umeinander und hatten viel Freude dabei, uns anschließend wieder zu entwirren. Einmal setzte sich Sarah auf meinen Schoß und ich stütze mit meinen Händen ihren Brustkorb. Dann wieder drehte ich mich auf den Bauch, während sie sich oben auf meinen Rücken legte. Oft kitzelte es, manchmal tat auch ein Arm weh, wenn das Knie der anderen darauf landete, aber die meiste Zeit hatten wir Spaß, bis plötzlich Bernard im Zimmer stand. Er wollte zu Clara und hatte sich in der Tür geirrt. Überrascht sah er, wie ich bäuchlings zwischen Sarahs Beinen lag und schloss erschrocken die Tür.
Meine Mutter musste in die Stadt, doch diesmal nahm sie mich nicht mit. Sie wollte ins Krankenhaus und war im fünften Monat schwanger. So passte meine Großmutter auf Marcelle und mich auf, während sie weg war. Ich freute mich auf ein Brüderchen und Marcelle fragte mir den ganzen Tag Löcher in den Bauch, was man dort mit Maman anstellen würde, ob es weh tut, wenn der Bauch anschwillt und wie das Baby da überhaupt rein käme. Ich beließ es bei der vagen Andeutung, dass das passiert, wenn sich Papa und Maman besonders lieb haben und dass sie unsere Eltern fragen solle.
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