Diese Brücke verbindet mit ihren 935 Metern den Hunsrück mit der Eifel. Die Höhe über dem Grund beträgt 136 Meter und im Falle eines Krieges, besitzt diese Brücke im Inneren des Stahlbaus eine Vorrichtung, die mit Sprengstoff gefüllt werden kann, um sie ggf. zu zerstören.
Weiter geht es der Mosel entlang vorbei am Alkener Burgberg und an Löf. Leider bleibt auch hier der Versuch vergeblich, einen Stempel für meinen Pilgerausweis zu bekommen. Es ist schon wieder sehr warm und zwischendurch versorge ich mich immer wieder mit Trinkwasser und Essen.
Entlang der Mosel zu fahren, ist sehr angenehm. Immer schön am Wasser entlang auf einer fast geraden Strecke ohne viel Steigung. An diese Radstrecken werde ich mich noch zurücksehnen. Diese unglaubliche Schönheit der Weinberge und überall lockt der Wein. Die vielen Burgen, die Weingüter und die schmucken Fachwerkhäuser.
>> Nee wat iss dat schön ! <<
Dann im „Kreis –Karden“, nach unendlichen Weiten und immerwährenden Suchens, steht Sie vor mir. Leicht verdeckt von den Häusern, die die ersten Reihen der Mosel- Promenade säumen. Auf der dem Moselfluss zugewandten Seite stehend, die zwei wuchtigen Chortürme entgehen meiner Aufmerksamkeit nicht
Auf dem Begrüßungsschild vor dem Pfarrbüro der eindeutige Hinweis: „Jakobspilger willkommen“. Das Pfarrbüro ist in einem Seiteneingang der Kirche, in der es erst einmal eine Etage tiefer in den Keller geht. Und das Büro ist, wie ich mit Freude feststelle, geöffnet und sogar besetzt.
>> Wie angenehm kühl es hier ist <<, merke ich gegenüber der Leiterin des Pfarrbüros an.
>> Bekomme ich hier meinen 4.Stempel in mein Pilgerbuch? <<, frage ich weiter.
>> Selbstverständlich! <<, so die nette Frau.
Wir plaudern ein wenig über meine Abfahrt und die weitere Reise. Sie wünscht mir alles Gute und dass ich mein Vorhaben gesund zu Ende bringe möge!
>> Und nicht vergessen, noch einmal in die Kirche einkehren, und dort noch etwas verweilen ! <<, ermutigt mich die Frau. Diesen Rat befolge ich.
Ich betrete durch ein sehr großes altes Holzportal die Kirche und merke auch hier die deutliche Kühle. Der leicht muffige Geruch stört mich nicht.
Das Kircheninnere der Stiftskirche Karden entspricht in seiner Ausmalung den Farben und Ornamenten der Bauzeit. Die Spätromanischen und frühgotischen Raumteile fügen sich zu einer optischen Einheit zusammen. Ich nehme auf einer alten Kirchenbank Platz und genieße das jetzt.
Ich bin allein mit der Stille und mit mir. Ich schließe die Augen, komme runter und werde spürbar ruhiger. Ich verharre noch ein wenig in diesem Zustand und erinnere mich an meinen Meditationsgrundkurs.
>> „Es …Atmet… mich“<< und
>> „Ich nehme ganz gezielt meinen Herzschlag wahr.“ <<
Nach dieser kleinen Erholungspause geht es dann weiter. Es ist mittlerweile wieder richtig warm. In Gedanken freue ich mich schon auf mein Nachtlager und eine schöne kalte Dusche. Leider sollte daraus heute nichts mehr werden, was ich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht weiß.
Mit meinem vierten Stempel bepackt und glücklich geht meine Tour weiter.
Nach weiteren zwei Stunden Fahrtzeit in „Senheim“ bekomme ich einen Tiefpunkt.
Aufgrund der Wärme bin ich wieder nass geschwitzt und der Schweiß fließt mir den verlängerten Rücken herunter. Alles ist wieder wundgescheuert. Ich trockne mich ab, creme die störenden und schmerzenden Körperstellen ein und stelle fest, dass ich erst mal eine Pause einlegen muss. Ich suche mir eine Parkbank im Schatten, nehme etwas Nahrung auf, forme mir ein Kissen aus den Klamotten, die mittlerweile trocken sind, und gönne mir ein Mittagsschläfchen.
Eine gute Stunde später lustwandele ich weiter. Mittlerweile ist mein Wasser wieder aufgewärmt und bringt nicht die gewünschte Abkühlung. Also ran an einen Getränkeladen und zwei Dosen eiskaltes Bier gekauft. Die erste Dose ohne zu schlucken eingeatmet und die zweite Dose für später aufbewahrt.
Nach einer Weile, entlang der Mosel, erreiche ich die Stadt bzw. Gemeinde Alf. Sehenswert ist die über dem Ort gelegene, im frühen 12. Jahrhundert gegründete Burg Arras. Kurz nachdem ich aus dem Ort fahre, meldet sich mein Körper mit der dringenden Bitte, eine Nasszelle aufzusuchen. Da dieser sich schon vor einer Weile angekündigt hat, wird es jetzt Zeit, den drängenden Bedürfnissen, Taten folgen zu lassen.
>> Hier rechts in der Weinstube fahre ich ran und dann gibst Du bitte Ruhe ! <<
Da ich nicht unhöflich sein will, bestelle ich noch eine Weinschorle und eile dann schnell zum stillen Örtchen. Die Weinschorle wird von einer reiferen Dame so um die 70 Jahre und super rüstig, auf der Terrasse serviert. Die Terrasse ist urgemütlich und die Wände sind in rubinrot gestrichen. Weinreben ranken von der Decke und verleihen den Wänden ein mediterranes Flair. Von hier aus habe ich einen herrlichen Ausblick auf die Mosel und die angrenzenden Weinberge. Es ist jetzt auch an der Zeit, langsam aber sicher an ein Hotel oder an einen Zeltplatz zu denken. Ich bin wieder klatschnass geschwitzt und mein Körper sehnt sich nach einer Dusche. Die Weinschorle ist sehr süffig und ich bestelle eine weitere, um danach wieder aufzubrechen. Da dieses gemütliche Lokal quasi verwaist ist, frage ich die Kellnerin wieso das so ist.
>> Die Kinder wären in Kroatien, denn da käme mein Schwiegersohn her. Beide machen dort endlich Urlaub. Die sind so wenig weg, weil hier immer sehr viel zu tun ist. Aber jetzt endlich gönnen sie sich das. Leider kann ich ihnen aus diesem Grund, nichts zu essen anbieten. Gerne hätte ich ihnen einen Flammkuchen serviert. Für den sind wir sogar weit über die Ortsgrenzen von Alf bekannt . <<
Sie setzt sich zu mir und ich informiere die Hauswirtin über mein Vorhaben. Auch das die lokale Presse über meine Exkursion berichtet. Sie erzählt mir noch die Geschichte ihres Weingutes und dieser Schankwirtschaft.
Sie hat vor Jahren alles den Kindern abgetreten und ist nur noch zur Aushilfe hier, ansonsten hat sie mit ihrer privaten Pension genug zu tun. Wenn ich möchte, so kann ich auch bei Ihr auf dem Sofa übernachten. Ich lehne dankend ab und füge als Grund an, dass ich noch keine 100 km gefahren bin.
>> So, wenn sie mir versprechen, noch einmal wiederzukommen und unseren Flammkuchen zu probieren, falls Sie hier in der Ecke sind, dann spendiere ich ihnen noch einen Wein und einen Edelbrand, der auch von uns hergestellt wird ! <<
>> Sehr gerne ! <<, versichere ich.
Der Edelbrand ist sehr mild im Abgang und ich will die Dame gerade darüber informieren, dass ich zahlen möchte, da kommt ein älteres Ehepaar in einem BMW Cabrio vorgefahren. An den überschwänglichen Bewegungen der Arme kann ich sofort feststellen, dass man sich schon öfter begegnet ist. Das Ehepaar kommt zu uns an den Tisch und die Hausherrin teilt beiden mit:
>> Hier der Mann ist berühmt, der fährt nach Spanien und das nur mit dem Rad und die Zeitung schreibt darüber, er hat so viel zu erzählen, kommt setzt Euch zu uns ! <<
Oh je, denke ich, es ist schon nach 19:00 Uhr und ich muss noch 10 km drauf packen, um meine Tagesstrecke zu schaffen. Aber was soll es, sind ja alle ausgesprochen nett. Nachdem ich meine Geschichte rübergebracht habe, sind drei weitere Runden Wein konsumiert und die Zeit fließt dahin. Der graumelierte Herr sagt, dass er bei Bayer im Aufsichtsrat war und sich jetzt mit seiner Frau nach der Pensionierung in Alf niedergelassen hat. Wir tauschen noch einige Erfahrungen über Kreuzfahrten aus.
Die Gespräche sind echt kurzweilig und hätten mühelos noch einige Stunden überdauert. Dann war aber der Punkt für mich gekommen, aufzubrechen. Wir verabschieden uns voneinander und mir wird alles Gute für meine lange Fahrt gewünscht. Da es jetzt schon 21:00 Uhr ist, muss ich Gas geben, um noch an die 100 Kilometer ran zu kommen und um einen Schlafplatz zu finden. Ich denke noch kurz über meine selbst verursachte Verzögerung nach:
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