Ohne jegliche Verwandtschaft oder Freunde. Die wir sowieso nicht hatten. Meine Eltern waren tot. Beide bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Seine Eltern waren irgendwo angeblich nach Kanada ausgereist. Doch so recht wusste ich das nicht. Wir hatten nie über solche Dinge gesprochen und wenn es tatsächlich Mal zu diesem Thema kam, blieb Maik eher stumm und wechselte das Thema sofort wieder. Durch unsere ganze Reiserei hatten wir es genauso wenig geschafft, Freundschaften zu knüpfen. Maik hatte ein paar Arbeitskollegen, die hin und wieder zu Besuch waren mit ihren Frauen. Doch keine von denen sollte mir zu nah auf die Pelle rücken. Sie waren nett aber nicht ganz meine Wellenlänge und zu allem Überfluss machten sie hin und wieder meinem frischen Ehemann schöne Augen. Ich war eine Einzelgängerin. Schon immer. Der einzige Mensch, den ich in meine Nähe ließ war Maik. Seit dem Unfall meiner Eltern hatte ich kaum Kontakt mit irgendwem. Ich traf Maik am College. In irgendeinem bescheuertem Kurs, zu dem ich eigentlich gar nicht wollte. Doch heute bin ich froh darüber, ihn zu kennen. Er zeigte mir die Welt, kniete vor mir nieder und ist auch jetzt in nicht ganz so guten Zeiten bei mir und jetzt steht er hier dreckig und unrasiert und starrt mich an. Plötzlich räuspert er sich und sieht mir direkt in die Augen mit einem leichten Ansatz eines Lächelns im Gesicht und einem Hauch von Nervosität. „Du… sag mal, hab ich vielleicht irgendwas vergessen oder so? Unser Hochzeitstag ist doch erst in zwei Monaten. Oder liege ich falsch? Ich kann auch nochmal zum Blumenladen um die Ecke gehen und dir einen Strauß besorgen, falls du das als Entschädigung annimmst?“ Ich muss schmunzeln. Nein, er hatte nichts vergessen, dachte ich mir. Aber er schien sich sichtlich darüber zu freuen. Mit einem Grinsen im Gesicht schüttele ich den Kopf und ohne Vorwarnung beuge ich mich vor und falle ihm in die Arme. Er fängt mich auf und schlingt die Arme um mich und mir wird bewusst, dass sich im Ansatz meiner Augen, Tränen bilden. Es ist eine schwere Zeit und das lässt mich nicht kalt. Ich schmiege mich an seine starken Arme. Egal ob dreckig oder nicht. Ich bin froh hier zu sein. Er scheint immer noch verwirrt zu sein. Nimmt mich aber behutsam in seinen Armen auf und als er merkt wie mir die Tränen übers Gesicht kullern, streichelt er langsam meinen Haaransatz und versucht mich zu trösten. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ich alles richtig gemacht habe. Wir standen stundenlang so da, zumindest fühlte es sich so an. Doch das kann nicht sein. Ich löse mich von ihm und sehe ihn an. Ich hoffe, dass meine Schminke nicht verlaufen ist. Sonst wäre die ganze Mühe im Bad von heute Mittag völlig umsonst gewesen. Wir stehen immer noch im Flur und schweigen uns an. Ich wische mir mit dem Handrücken die Nase und die Wange ab und überlege was ich jetzt sage. Maik kommt mir zu vor: „Ist alles okay? Sag doch irgendwas?“ Er schaut mich mit seinen großen, grauen Kulleraugen an, wie ein kleiner Junge. Ängstlich und verwirrt. Er glaubt es sei seine Schuld, doch das ist es nicht. Endlich finde ich meine Stimme und meinen Verstand wieder und kann etwas erwidern: „Ich bin nur etwas müde, das ist alles. Es war ein langer Tag und nein, du hast Recht: unser Hochzeitstag ist erst in zwei Monaten. Aber… Aber ich dachte ich kann dir eine Freude bereiten, wenn ich etwas Leckeres koche und...“, ich unterdrücke mein Schluchzen und mir fällt mit einem Schlag der Braten im Ofen ein. Ohne ein weiteres Wort drehe ich mich um und renne zu unserer kleinen, geräumigen Küche. Ich sehe gerade noch, dass die Scheibe von dem Ofen rabenschwarz ist. Schnell öffne ich die vordere Klappe und ziehe mit einem Topflappen das Gitter auf dem sich der Braten befindet heraus. Die Küche ist schwarz. Mein ganzes Sichtfeld ist schwarz. Ich huste, um den elendigen Geruch von verbranntem Fleisch aus der Nase zu bekommen. Eifrig wedle ich mit dem Lappen, um die riesige Wolke von mir weg zu bewegen. Es gelingt mir das Fenster zu finden und es zu öffnen. „So ein Mist! So ein verfluchter scheiß Mist!“ fluche ich vor mich hin. Ich schmeiße den Topflappen gegen die Küchenfliesen und nun koche ich vor mich hin, nicht das Essen, dann hinter mir ein Lachen. Ich drehe mich wütend um und sehe wie Maik im Türrahmen lehnt und lacht. Er schaut auf den Boden und kann gar nicht mehr aufhören zu lachen. Ich stemme die Arme in die Hüfte und fauche ihn an: „Was ist daran bitteschön so lustig? Es ist alles versaut. Ich stand den ganzen Tag in der Küche und jetzt? Sieh es dir an! Das ist nicht komisch!“ Er bemerkt meinen angesäuerten Tonfall und reißt sich zusammen. Wieder ein Räuspern bevor er spricht: „Nein, du hast Recht. Das ist nicht komisch und ja, du hast dir wirklich Mühe gegeben.“ Wieder diese großen, grauen Kulleraugen. Meine Wut versiegt langsam. Ich lasse meine Arme wieder schlaff an meinem Körper herunter baumeln. Mir entfährt ein lauter Seufzer und ich lasse den Kopf hängen. Maiks Lachen versiegt nun komplett und er tritt vor mich. Seine rechte Hand umfasst mein Kinn und zieht es nach oben, sodass ich ihm in die Augen sehen muss. „Hey, alles gut. Ich hatte sowieso nicht allzu viel Hunger.“ Er zieht ein schiefes Lächeln, das nicht ganz bis zu seinen Augen reicht. Ich weiß, dass er lügt doch trotzdem muss ich lächeln. Seine linke Hand wandert an meiner Taille entlang und findet halt an der rechten Hälfte meines Hinterns. Er sieht mir tief in die Augen und drückt seine Lippen auf meine. Es ist kein normaler Kuss. In ihm liegt viel zu viel Leidenschaft, die all die letzten Wochen und Monate zugrunde gegangen war. Er zieht mich an seinen Körper und er ist heiß. Trotz Minustemperaturen außerhalb des Hauses glüht seine Haut. Seine Zunge schiebt sich langsam in meinen Mund und ich strecke ihm meine entgegen. Mir wird ebenfalls ganz warm. Er schmeckt süßlich und seine Zunge umspielt meine Mundhöhle. Mein Unterleib und meine restlichen Knochen ziehen sich gründlich zusammen. Sie lassen nicht einen Muskel außer Acht. Sanft schiebt er mich ein Stück zurück bis ich in meinem Rücken den schön gedeckten Küchentisch entdecke. Er löst sich von mir und alles in meinem Kopf dreht sich. In seinen Augen flammt etwas auf. Sie leuchten richtig. Mein Herzschlag beschleunigt sich und ich weiß nicht mehr wohin. Sein Mund ist ein Stück offen. Sein Atem geht schneller als normal. Er sagt nichts. Sieht mich nur an. Ohne den Blick von ihm zu nehmen schiebe ich die Tischdecke mit samt dem Geschirr nach hinten. Klirrend fallen Messer, Gabel und Kerzenständer zu Boden. Nichts geht zu Bruch. Ich setze mich leicht an die Tischkante und sehe ihn herausfordernd an. Die Stimmung ist zum Zerreißen gespannt. Wären wir zwei Elektroteilchen, würden wahrscheinlich Funken sprühen. Er tritt einen Schritt näher und kaut sich genüsslich auf der Unterlippe herum. Wir starren uns immer noch an. Er streckt seine Hand nach meinem Oberschenkel aus. Mein Kleid reicht mir bis knapp übers Knie, wenn ich sitze. Er legt seine Hand auf mein Knie. Seine Wärme durchströmt mich, wie ein Stromschlag. Ich lege meinen Kopf leicht in den Nacken, versuche aber den Blick trotzdem nicht von ihm zunehmen, er schiebt seine Hand langsam und ganz vorsichtig unter mein Kleid. Mit gierigen Blicken mustert er mich. Ich habe das Gefühl, dass mir schwindelig wird, dem ist aber nicht so. Ich bin wahrscheinlich nur tierisch durcheinander. Das letzte Mal bekam ich solche Berührungen ein paar Monate nach unserer Hochzeitsnacht. Ich lasse ihn ganz auf mich einwirken versuche mich, nicht zu bewegen denn ich will, dass er bloß nicht aufhört. Ich merke, wie ich unüberhörbar meinen Atem ausstoße, als seine Hand die Innenseite meiner Oberschenkel ertastet. Meine Arme habe ich auf seinen Schultern abgelegt und fahre mit meinen Fingern durch sein widerspenstiges Haar. Er merkt, wie sich die Lust zwischen uns ausbreitet. Seine zweite Hand schiebt sich zwischen meine Beine und zieht sie vorsichtig auseinander. Er stellt seine Füße so gegen meine, dass ich die Beine spreizen muss. Ich stehe so nah bei ihm, dass meine Oberschenkel seinen Jeansrand berühren. Seine langen Finger breiten sich auf meinem Körper aus, während er mich wieder küsst. Erst ganz langsam, dann etwas wilder. Unsere Zungen vereinen sich und spielen miteinander, während seine Finger von meinen Beinen hinauf zu meinen Brüsten finden. Die Massage, die ich über mich ergehen lasse, ist der Wahnsinn. Immer wieder schließt er seine Hände um meinen zierlichen Busen. Seine Finger finden meine Brustwarzen, die unter meinem Kleid hart geworden sind. Er packt sie zwischen Daumen und Zeigefinger und dreht und zieht sanft an ihnen, um die Härte beizubehalten. Ich stöhne leicht auf, als mich seine Berührungen zu überrollen drohen. Meine Finger krallen sich nun in seinen Nacken und flehen ihn an nur nicht aufzuhören. Ich spüre seine Erektion an meinem Geschlecht und bete zu Gott, dass dieser Moment niemals endet. Seine heißen Küsse drücken mich auf den Tisch unter mir. Immer ein Stück tiefer, bis mein Rücken die Platte berührt. Er löst die Lippen von mir und starrt mich mit offenem Mund an. „Nicht aufhören!“, sage ich und hoffe, dass es ihm genauso geht. Als er keinerlei Reaktion zeigt, stütze ich mich auf den Ellenbogen auf dem Tisch ab, fummle sein Shirt aus seiner Hose und zieh es ihm über den Kopf. Er wehrt sich nicht eine Sekunde. Ohne ein weiteres Wort greift er nach hinten und zieht den Reißverschluss von meinem Kleid nach unten. Ich lege mich zurück auf die Platte und lasse die eisige Kälte einen Moment auf mich wirken, währenddessen zieht er mir das Kleid über meinen Hintern und meine Beine und lässt es auf den Boden fallen. Außer meinem süßen Spitzenhöschen, trage ich jetzt nichts mehr. Maik steht Oberkörper frei vor mir. Wieder keine Reaktion von ihm. Ich setze mich auf, nehme sein Gesicht in meine Hände und küsse ihn ganz sanft, dann öffne ich seine Hose und sie rutscht ihm bis zu den Füßen. Er steigt hinaus und sieht mich an. „Bist du dir sicher, dass du das möchtest?“ Ich lächle ihn an. „Ja, genau jetzt und genau hier auf dem Tisch.“ Er stimmt in mein Grinsen ein und ehe ich mich versehe, fehlt mir mein Höschen und kurz darauf fällt auch seines. Wir sind beide nackt. Sein Penis federt etwas zurück, als er sich seine Shorts auszieht. Mein Blick durchbohrt ihn fast. Er lässt seine Finger noch einmal zwischen meine Schenkel gleiten und schiebt Zeige- und Mittelfinger in mich hinein. Ich stöhne auf. Er bewegt sich quälend langsam und ich merke wie ich feucht werde. Die andere Hand massiert meine Brust behutsam weiter. Ich recke mich ihm entgegen, dann zieht er seine Finger langsam zurück und drückt mich auf den Tisch, während er quälend langsam seinen Penis in mich schiebt. Ich stöhne wieder laut auf. Auf einmal ist alles weg. Die Geldsorgen, die Jobsuche, das verbrannte Essen, die verschmierte Schminke. Seine Hände finde ich an meiner Taille wieder und er drückt ihn noch tiefer in mich. Wieder ein Stöhnen. Er bewegt sich vor und zurück und mein Körper droht zu explodieren. Ich spreize meine Beine noch ein Stück um ihn voll und ganz willkommen zu heißen. Ich kann mein Stöhnen nicht mehr unterdrücken. Ihm gefällt das, wenn ich laut und ungezügelt bin. Er beginnt sich in einem atemraubenden Rhythmus zu bewegen und sein Daumen massiert meine Klitoris, was mich zum Beben bringt. Immer schneller. Ich spüre meinen Orgasmus, der mit großen Schritten auf mich zukommt. Mit einer Handbewegung ziehe seine Finger dort weg. Ich will noch nicht kommen. Nicht jetzt. Es ist zu gut. Es könnte meinetwegen die ganze Nacht so weiter gehen. Stundenlang. Heißen, innigen Sex auf unserem Küchentisch. Doch er packt meine Handgelenke und drückt mich zu Boden, ohne seinen Rhythmus zu verlieren. Er macht weiter. Ein Ziehen durchzuckt mich. Ich werde lauter und dann kann ich es nicht mehr halten. Ich schreie auf und lasse raus was raus muss. Mein Orgasmus überwältigt mich. Er macht noch ein, zwei Stöße weiter als er sich endgültig in mir verliert und sich in mir ergießt. Er ruft laut meinen Namen, als er kommt. Wir sinken auf dem Tisch zusammen. Beide erschöpft und müde. Keuchend legt Maik seinen Kopf auf meine Brust. Er zieht sich langsam aus mir zurück. Er scheint zufrieden. Minuten vergehen. Ich ringe nach Luft. Ich sehe auf. Maik liegt immer noch da. Ich hebe seinen Kopf ein Stück an und sehe ihn an. „Gehen wir jetzt ins Bett?“ Er lächelt und nickt nur. Ich gebe ihn einen Kuss auf die Stirn und wir erheben uns, lassen alles so stehen und liegen. Im Schlafzimmer angekommen kuscheln wir uns nackt aneinander und es ist die erste Nacht, in der ich keine Probleme habe einzuschlafen.
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