Ich habe von dem ganzen Drama gestern bei Dr. Kenneth Maik nichts erzählt. Ich sagte ihm, dass ich mich nicht wohlfühle und noch einen Tag länger daheim bleibe, während er arbeiten gehen würde. Gestern in der Praxis habe ich mit einer Assistentin von Dr. Kenneth einen Bluttest gemacht und warte nun voller Erwartungen auf den ersehnten Anruf, um endlich erlöst zu werden und eine Antwort auf meine Frage zu haben. Es ist acht Uhr früh und ich gehe im Wohnzimmer auf und ab. Ich konnte seit um sechs nicht mehr schlafen und habe mich dafür entschieden, mir einen Tee zu machen und etwas Fern zu sehen. Die Ungeduld bleibt. Die Praxis hat seit sieben Minuten geöffnet und seither bleibt mein Telefon stumm. Immer noch breitet sich Hoffnung in mir aus, dass es nur eine normale Grippe sei. Ich schaue auf die Uhr. Halb neun. Wieder gehe ich von einer Seite des Raumes zur anderen. Vielleicht sollte ich mich anziehen und zur Praxis gehen. Ich muss die Ergebnisse sowieso abholen, ob mit oder ohne Anruf. In dem Moment klingelt das Telefon. So schnell hatte ich noch nie den Hörer in der Hand. „Hallo?“, schreie ich schon fast ins Telefon. „Miss Withen ihre Testergebnisse sind da. Sie könnten…“ „Ich bin unterwegs.“ Ich lasse die nette Dame vom Empfang nicht einmal ausreden. Ich knalle den Hörer zurück, springe in meine Schuhe und ziehe mir noch im Gehen die Jacke über. Ich renne schon fast zu der Praxis. Ich reiße die Tür auf und erschrecke so gut wie alle, die sich dort aufhalten. Die Dame am Empfang mustert mich über ihren Brillenrand. Ich schnappe nach Luft und versuche mich trotz meines peinlichen Auftritts locker zu verhalten. Ich lehne mich an die Theke und schaue die Dame an. Ich versuche cool zu bleiben, doch in Wirklichkeit sieht es in mir ganz anders aus. Meine Beine ähneln einem Wackelpudding und mein Herz läuft Marathon um den Block. „Sie haben mich angerufen?“, versuche ich so ganz beiläufig hervor zu pressen. Ohne ein weiteres Wort lächelt sie mich an und drückt mir einen großen, weißen Briefumschlag in die Hand. Vorne drauf prangen mein Name und meine Adresse. Ich schaue sie erwartungsvoll an, nehme den Umschlag entgegen und gehe einen Schritt zur Seite ins Wartezimmer. Ich reiße, ohne den Rest der Welt zu beachten, den Umschlag auf. Ich überfliege die Anschrift und sämtliche unwichtigen Details. Wichtig ist, was ganz unten auf dem letzten Blatt steht und das, was dort steht, reißt mich von den Beinen. Ich schnappe nach Luft und versuche hinter mich zu greifen in der Hoffnung einen Stuhl zu packen zu bekommen. In meinem Augenwinkel sehe ich, dass sich eine fremde Frau zu mir beugt und irgendetwas hektisch ausruft. Die Dame vom Empfang steht plötzlich im Raum. Ich beachte sie gar nicht. Mir ist ganz schwindelig. Ich taumle ein wenig zur Seite, bis sich mein Außenbild verdunkelt. Ich klappe weg, haue mir an irgendetwas den Kopf an und werde bewusstlos. Der Zettel mit der Aufschrift: „Schwangerschaft bestätigt“ rutscht mir aus der Hand. Es ist also wahr. Ich bin schwanger.
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