So verrann die Zeit. Serenus wurde allmählich müde davon, dass sein Verlangen keine Erfüllung fand. Unzufrieden zog er sich wieder an. Da man ihn vielleicht auf sein Verschwinden ansprechen würde, pflückte er einen dicken Strauß von Maiglöckchen. Er hätte ihn am liebsten Onkel Goldfingers neuer Freundin geschenkt, aber er wusste, dass er sich das nicht trauen würde.
Solange dieser Sommer dauerte, ging er in den Wald, um sich auszuziehen. Er begann Blumen zu pressen, damit er ein Alibi hatte. Der Vater schenkte ihm ein Buch über seltene und geschützte Pflanzen. Aber Serenus stellte schnell fest, dass diese Pflanzen so selten gar nicht waren, wenn man nur die Augen offenhielt. Einmal pro Woche, an einem freien Nachmittag, bestieg er sein Rad und fuhr zur Stadt hinaus. Werktags begegnete man keinem Menschen. Bald kannte er die stillen Plätze, wo er ungestört seine Leidenschaft ausleben konnte. Im Juli setzte eine längere Regenperiode ein. Aber Serenus war so aufgereizt, dass er sich durch die Nässe nicht abhalten ließ. Er wollte alleine sein und sich den nervösen Schauern seines Körpers hingeben. Die dicken Tropfen, die von den Bäumen auf seine Haut fielen, verstärkten sogar seine Empfindungen.
Serenus lebte inzwischen alleine mit seinen Eltern. Der Bruder hatte die Universität gewechselt und war in eine stockkatholische Stadt gezogen, um Theologie und Pädagogik zu studieren. Als die Ferien anfingen, verreiste der Vater und ließ die Mutter mit Serenus zurück. Es war Beerenzeit und die Mutter kochte jeden Tag Marmelade, Gelee, Sirup und Kompott. Wenn Serenus nicht bei ihr in der Küche saß, beschäftigte er sich mit seinen getrockneten Pflanzen, mit botanischen Büchern oder mit der Carrera-Rennbahn. Bis er eines Tages entdeckte, dass sich nachmittags auf der Wiese vor seinem Fenster die Mädchen aus der Nachbarschaft einfanden. Sie waren ungefähr gleichaltrig, manche jünger, einige schon etwas älter. Sie trugen ihre Badeanzüge und spielten in der Hitze des Nachmittags auf dem Rasen.
Serenus stand stundenlang an seinem Fenster und beobachtete sie. Am besten gefiel ihm die ganze Versammlung. Aber es gab zwei oder drei Mädchen, die er besonders mochte. Die lockige Jacqueline, die allerdings noch klein war, die ernste Erika, die als einzige schon einen Busen hatte, und die Italienerin aus dem baufälligen Mietshaus, die Rosanna hieß. Serenus verbrachte ganze Nachmittage nackt in seinem Zimmer. Oft stieg er auf seinen Schreibtisch, der am Fenster stand, und wichste sein Glied. Er fürchtete, dass die Mädchen ihn erblicken könnten, und gleichzeitig sehnte er sich danach. Bis der Vater aus Amerika zurück kam, beschäftigte sich Serenus hauptsächlich mit Jacqueline, Erika, Rosanna und den anderen, ohne dass sich jedoch die Mädchen mit ihm beschäftigt hätten. Sie wussten nicht einmal, dass er ihnen hinterher sah. Niemand beachtete den elfjährigen Jungen, der nackt am Fenster stand und gesehen werden wollte. Von da an ging er nicht mehr in den Wald.
Serenus litt unter dem Doppelleben, das er führte. Er leistete der Mutter Gesellschaft, lernte für die Schule, soviel wie nötig war, und betrieb seine Hobbies wie Pflichtübungen. Wenn die Mutter Gäste hatte, setzte er sich dazu und beantwortete die üblichen Fragen nach seinen Lieblingsfächern und seinen Traumberufen. Oder er hörte einfach zu, wie sich die Erwachsenen über ihre Nichtigkeiten unterhielten. Ebenso oft war er draußen unterwegs, um mit den anderen Kindern zu spielen, auch mit den Mädchen, die er heimlich beobachtete und für die er sich auszog, wenn seine Gefühle ihn erhitzten. Seine Nacktheit verletzte die Regeln der Gemeinschaft. Ständig quälte ihn die Vorstellung, dass man ihm seine Verrücktheit ansehen könnte. Wenn er zum Beispiel mit Rosanna Himmel und Hölle spielte, stellte er sich vor, dass sie Bescheid wusste und ihn aus purem Mitleid wie einen normalen Spielkameraden behandelte. Wenn er masturbierte, hatte er keine Angst, dass die Mutter sein Zimmer betreten könnte, denn sie kam nie in ungebeten herein. Aber nun dachte er, seine Mutter öffnete seine Türe nur deshalb nicht, weil sie genau wusste, was er dort tat. Er selber hielt es eigentlich gar nicht für eine Sünde. Schlimm war nur die Vorstellung, dass die anderen ihn dafür verachteten.
Als die Ferien zu Ende gingen, kam es ihm vor wie eine Befreiung. Es war das letzte Jahr, bevor er aufs Gymnasium übertreten würde. Er wollte hohe Anforderungen an sich selber stellen und sich damit von seinen schwülen Träumen ablenken. Der Plan ging tatsächlich auch auf. Zehn Monate lang klemmte er sich hinter die Lehrbücher. Auf diese Weise gelang es Serenus, den Brand einzudämmen. Er tat die erregenden Dinge nur noch in seinem Bett unter der Decke und beschränkte sich auf eine halbe Stunde vor dem Einschlafen.
Er befreundete sich mit dem dicken Daniel, einem Streber, den niemand in der Klasse mochte. Fast jeden Tag trafen sie sich, um zusammen Hausaufgaben zu machen. Gleichzeitig schämte sich Serenus für diese Freundschaft. Daniel wartete jeden Morgen auf dem Gehsteig vor dem Haus und begleitete ihn zur Schule. Nach dem Unterricht trottete er an seiner Seite wieder heimwärts. Serenus wusste genau, warum sich der Dicke an ihn hängte. So lange sie gemeinsam unterwegs waren, wurde Daniel nicht von den anderen Jungen gepiesackt.
Der schlimmste Quälgeist in der ganzen Schule war Bruno. Für Jungen wie Daniel war er der Angstfeind Nummer eins. Weil er andauernd die Lehrer provozierte und sich mit anderen Kindern prügelte, stand er unentwegt mit dem Direktor im Clinch. Abgesehen davon, dass er seine Aggressionen nicht zügelte, war er ein humorvoller und charmanter Kerl, der mehr Lebenserfahrung hatte, als der Rest der Klasse zusammen. Zu Daniels Schrecken wurden Bruno und Serenus ebenfalls Freunde. Außerhalb der Schule verbrachte Serenus seine Zeit mit Daniel, weil dieser ehrgeizig war und sich für die guten Noten abrackerte. Innerhalb der Schule steckte Serenus jedoch ausschließlich mit Bruno zusammen und schenkte Daniel keine Beachtung. Bruno wusste über Sexualität Bescheid und Serenus ließ sich von ihm aufklären.
„Erkläre mir nochmals, wie das Ding bei den Mädchen gebaut ist.“
„Die Mädchen haben ein Loch zwischen den Beinen. Für dich ist es besser, wenn du Scheide dazu sagst. Ich nenne es Fotze. Aber Scheide gefällt mir auch, weil da etwas genau hineinpasst.“
„Wie meinst du das, dass da etwas genau hineinpasst?“
„Der Pimmel, wenn er hart ist, hat gerade richtig Platz in einer Fotze. Ein satter Schwanz ist mindestens zwanzig Zentimeter lang und vier Zentimeter dick.“
„Und wie war das wieder mit den Lippen?“
„Das Loch liegt zwischen zwei Wülsten. Sie sind dick und weich wie kleine Bäckchen. Aber inwendig, um das Loch herum, sind diese kleinen feuchten Hautlappen. Und dazwischen, oben an dem Loch, gibt es einen winzigen Knopf aus Fleisch, der total empfindlich ist. Darum heißt er Kitzler.“
„Und der Pimmel geht zwischen diesen Lippen hindurch in die Scheide? Wie kann das denn ausgeführt werden?“
„Das geht natürlich nur, wenn der Mann und die Frau, wenn beide scharf sind, wenn sie ficken wollen. Sie müssen sich vorher ausziehen. Dann bekommt der Mann einen Ständer und die Fotze wird glitschig. So geht es ganz leicht.“
„Und am Ende spritzt etwas aus dem Mann in die Frau hinein?“
„Der Samen. Der Mann bewegt seinen Schwanz rein und raus, rein und raus. Zum Abschluss bohrt er sich in sie hinein, so tief er kann, und spritzt ab.“
„Und dann bekommt die Frau ein Kind?“
„Genau! Jeden Monat kann die Frau während ein paar Tagen Kinder bekommen. Wenn der Mann sie genau dann abfüllt, wird sie schwanger.“
„Aus meinem Pimmel kommt nichts heraus. Nur Pisse.“
„Es kann bei dir jetzt jeden Tag soweit sein. Ich hatte es auch erst ein paar Mal. Manchmal kommt es in der Nacht, wenn ich schlafe.“
Читать дальше