Wie zu Beginn dieses Kapitels bereits erwähnt, beschäftigt sich die Familienpsychologie, als Teildisziplin der wissenschaftlichen Psychologie, mit dem Verhalten, dem Erleben und der Entwicklung von Personen im Kontext des Beziehungssystems Familie. Schneewind (1987) führt zur Klärung eines psychologischen Familienbegriffs, die vier Kriterien Abgrenzung, Privatheit, Nähe und Dauerhaftigkeit an, wodurch sich die Familie als intimes Beziehungssystem definieren lässt. Abgrenzung bezieht sich dabei auf den Zusammenschluss von zwei oder mehr Personen, die in wechselseitiger Bezogenheit aufeinander ihr Leben nach bestimmten Regeln, in Abgrenzung von anderen Personen oder Personengruppen, gestalten. Privatheit bezieht sich auf das Vorhandensein eines umgrenzten Lebensraumes, der die Verwirklichung von intimen interpersonalen Beziehungen ermöglicht. Nähe wiederum bezieht sich auf die Verwirklichung von physischer, geistiger und emotionaler Intimität im Prozess interpersonaler Beziehungen. Dauerhaftigkeit schließlich bezieht sich auf den Zeitrahmen, der durch wechselseitige Verpflichtungen sowie die Bindung und Zielorientierung auf längerfristige Gemeinsamkeit geprägt ist (nach Schneewind, 1987, S. 973). Gemäß Schneewind (1999) ist die traditionelle Familie zugleich legale, biologische und funktionale Familie, wobei sich alle Familienmitglieder als zur Familie zugehörig wahrnehmen und in einen Lebensrahmen mit langfristigem Verpflichtungscharakter eingebunden sind. Nach Schneewind (1999) fehle alternativen familiären Lebensformen hingegen wenigstens eines der genannten Beudeutungs- und Bindungscharakteristika (Schneewind, 1999, S.21).
Hier werden bereits wesentliche Punkte deutlich, die bei Kindern aus vollständig zerrütteten Scheidungsfamilien einer stärkeren Beeinträchtigung unterliegen, als es bei Kindern aus Scheidungsfamilien der Fall ist, die nach der Trennung noch den Umgang mit beiden leiblichen Eltern und deren Familien haben: Ein Lebensrahmen mit langfristigem Verpflichtungscharakter existiert beispielsweise für Scheidungskinder aus vollständig zerrütteten Familien nicht in der Form, wie er für Scheidungskinder aus Familien existiert, die noch Kontakt zu beiden leiblichen Eltern haben. Weiterhin wird die Wahrnehmung der Kinder, zu einer Familie zugehörig zu sein, durch eine vollständige Familienzerrüttung ebenfalls stärker beeinträchtigt, als bei Kindern, die nach der Scheidung noch den Kontakt zu beiden leiblichen Eltern, einschließlich der zugehörigen Familien, haben. Denn durch die vollständige Zerrüttung der Familie und dem erfahrungsgemäß damit verbundenen kompletten und abrupten Wegfall der Beziehungen zu einem leiblichen Elternteil und der kompletten Verwandtschaft, wird sowohl das Zugehörigkeitsgefühl zur Familie als auch der Lebensrahmen mit einem langfristigem Verpflichtungscharakter gegenüber allen Familienmitgliedern nachhaltig gestört. Diese genannten Gründe können im weiteren Verlauf dazu führen, dass die betroffenen Kinder, selbst noch im Erwachsenenalter, Probleme im sozial-emotionalen Umgang innerhalb der eigenen Familien haben. Die Betroffenen können in unterschiedlichem Ausmaß eine Bindungsstörung sowie Verlustangst entwickeln, was sich auf ihr Verhalten in sozialen Interaktionen auswirken kann. Möglicherweise entwickeln Kinder aus vollständig zerrütteten Familien später eine Unfähigkeit, selbst intime Beziehungen adäquat führen zu können. Es wird davon ausgegangen, dass gerade in diesem Bereich stark ausgeprägte Störungen entstehen können. In jeder Familie, ganz gleich welcher Gestalt, in der Kinder leben, ist Erziehung eine der wichtigsten Aufgaben, mit denen sich Eltern auseinandersetzen müssen. In der Familienpsychologie unterscheidet man dabei zwischen einem vernachlässigendem, einem nachgiebigen, einem autoritären und einem autoritativen Erziehungsstil, wobei letzterer sich als am günstigsten für eine positive Entwicklung der Kinder erwiesen hat. Der autoritative Erziehungsstil beinhaltet Wertschätzung und Respekt für das Kind, Fordern und Grenzen setzen sowie die Gewährung von Eigenständigkeit (nach Schneewind, 2010, S.101). Eltern sollten folglich selbst über ein breites Repertoire an sozial-emotionalen, kommunikativen sowie erzieherischen Kompetenzen verfügen. Überdies sollten ihnen ausreichend soziale Ressourcen zur Verfügung stehen und Eltern sollten mögliche Hilfsangebote bewusst sein und sie sollten im Zweifelsfall auch fähig sein, diese zu nutzen.
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