PK Stumm nahm an dem Gespräch teil um meine Interessen zu vertreten. Behauptete zumindest POR Fahle. Um gleich darauf klar zu machen, er würde auch gegen meinen Willen auf dessen Anwesenheit bestehen. Schön wenn sich der Vorgesetzte so um einen sorgt.
Kurz darauf teilte er mit, er werde beantragen mich zum Ablauf meiner Probezeit am 14. Juni 2009 zu entlassen oder zumindest eine Verlängerung meiner Probezeit erwirken. PHK Kauf habe ihn nämlich vor einigen Tagen auf eine Reihe von Problemen mit mir aufmerksam gemacht. Eine Nachfrage bei EPHK Heil, dem ehemaligen stellvertretender Leiter der Bundespolizeiinspektion Ulm, habe ihn dann zur Erkenntnis gebracht, ich sei dumm und faul und deshalb in der Bundespolizei fehl am Platz. Eine Argumentation die mich bis heute verwundert. Zwar will ich nicht abstreiten dumm und faul zu sein. Warum ich, oder irgendjemand sonst, deshalb für die Bundespolizei ungeeignet sein soll erschließt sich mir aber immer noch nicht. Was allerdings auch an meiner Dummheit liegen kann.
Als hochrangiger und verdienter Bundespolizist konnte POR Fahle seine Einschätzung natürlich begründen. Und zwar mit mehreren Vorfällen, bei denen ich jeweils etwas gemacht oder gesagt hätte das meinen Mangel an Intelligenz, Fleiß und Empathie beweisen würde. Wenn Sie jetzt auf eine ausführliche Schilderung meiner Schandtaten hoffen muss ich sie enttäuschen. Schon weil ich mich nur ungefähr an sie erinnern kann. Statt dessen werde ich im Verlauf des Buches einzelne Anschuldigungen, die sich aus irgendeinem Grund von den übrigen abheben, ansprechen. Außerdem waren die an jenem 29. Mai gemachten Vorwürfe nicht so wichtig. Im folgenden Streit zwischen mir und dem Dienstherrn ging es fast nur um zwei Vorfälle. Von denen einer, der vermeintlich schwerwiegendere, damals nicht erwähnt wurde.
Die andere wurde von POR Fahle als „negatives Ereignis mit einer gewichtigen Person“ bezeichnet. Dass ich in Anbetracht dieser präzisen Schilderung zuerst keine Ahnung hatte wovon er sprach und es auch mitteilte, bestätigte meinen Mangel an Intelligenz. Glücklicherweise lies er sich dazu herab den Sachverhalt zu präzisieren. Demnach hatte ich eine vor der BPOLI Ulm befindliche Frau, aufgrund ihrer Körperfülle, gegenüber ihrer Mutter übel beleidigt. Woraufhin die Mutter die Fassung verlor und meine Kollegen sie nur mit großer Mühe von einer Beschwerde oder gar Anzeige gegen mich abbringen konnten. Damit werden Sie sich bis auf weiteres begnügen müssen. Mir selbst wurde der Vorwurf ebenfalls nicht weiter erläutert.
Was insofern nicht nötig war, als dass ich zu wissen glaubte auf was er sich bezog. Ich räumte daher ein eine etwas ungeschickte Äußerung getätigt, bestritt jedoch die Tochter beleidigt zu haben. Auch habe sich die Mutter damals keineswegs an meiner Aussage gestört, verlor schon gar nicht die Fassung und hatte nie die Absicht sich zu beschweren. Solch ein plumper Versuch mich aus der Verantwortung zu stehlen konnte POR Fahle natürlich nicht beeindrucken. Schließlich stand meine Wahrnehmung damit im Gegensatz zu der mehrerer Kollegen. Womit die Beweisaufnahme beendet war. Wer die Kollegen waren oder mit welchem Wortlaut ich die Frau beleidigt hätte erfuhr ich nicht.
So oder ähnlich lief das ganze Gespräch. Versuche die Anschuldigungen zu entkräften wurden durch brillante Rhetorik, wie sie wohl dem höherem Dienst der Bundespolizei vorbehalten ist, zurückgewiesen. Rhetorik die einem einfachen ungebildeten Menschen wie mir die Sprache verschlägt und in Ehrfurcht erstarren lässt. Rhetorik mit Sätzen voller Weisheit und erlesenem Vokabular. Sätze wie: „Das sagt aber ein Hauptkommissar“ . Wie konnte ein einfacher PK wagen die Darstellungen eines Hauptkommissars zu bestreiten. Allein das war eigentlich Grund genug mich zu entlassen. Weshalb sich POR Fahle nun um so sicherer gewesen sein dürfte. Zumindest waren, durch die Erwähnung des Dienstgrades, die Fronten geklärt. Das Gespräch hatte nur Alibifunktion und das Ergebnis stand schon fest. Selbst mir als begriffsstutzigem Beamten hätte damit klar sein müssen, dass es für mich nichts zu holen gab. Was es scheinbar nicht war. Sonst hätte ich einfach die Klappe gehalten.
Sinn hätten meine Ausreden vielleicht gehabt, wenn sie gar nicht an POR Fahle sondern an PK Stumm gerichtet waren. Um so zumindest den Vertreter des Personalrats auf meine Seite zu ziehen. Ob so ein Unterfangen erfolgversprechend war ist eine andere Frage. Weder PK Stumm als Person noch der Personalrat als Ganzes hatten den Ruf die Interessen der von ihnen vertretenen Beschäftigten sonderlich interessiert zu vertreten. Zwar hatte ich selbst, schon mangels Gelegenheit, keine entsprechenden Erfahrungen gemacht. PK Stumms Verhalten während des Gesprächs, in dem er mit Ausnahme zur Begrüßung nicht ein Wort sagte, war jedoch nicht geeignet den Ruf zu widerlegen.
Wahrscheinlich habe ich überhaupt nicht nachgedacht, sondern war einfach ich selbst. Und wenn jemand Streit sucht, mit mir kann er ihn haben. Sollte POR Fahle also geplant haben mich einfach runter zu putzen wurde er enttäuscht. Ich habe seinen mühsam gewonnen und wasserdicht bewiesenen Erkenntnissen weiterhin widersprochen. Was zwar nutzlos war, geschadet hat es aus dem selben Grund, er hatte eh schon entschieden, aber auch nicht. Vielleicht konnte ich ihn so zumindest etwas ärgern. Irgendwas muss man ja können.
Zum Abschluss teilte POR Fahle daher mit, er habe leider keine andere Wahl als bei der Bundespolizeidirektion Stuttgart meine Nichtanstellung, man könnte auch sagen meine Entlassung, zu beantragen. Bis dahin würde ich, da die Dienstgruppe vor mir geschützt werden müsse, im Ermittlungsdienst der BPOLI Stuttgart eingesetzt. Es kann also niemand sagen PHK Kauf hätte mich falsch informiert. Er hatte halt vergessen ein unbedeutendes Detail zu erwähnen. Kann ja mal passieren.
Damit war das Gespräch beendet, zumindest für mich. Denn während ich vor POK Fahles Büro geschickt wurde blieben er, PHK Kauf und PK Stumm im Raum. Vermutlich unterhielten sie sich wie der Dienstplan während des Cannstatter Wasens so mitarbeiterfreundlich wie möglich gestaltet werden konnte. Nach vier, fünf Minuten gesellte sich PK Stumm zu mir vor die Tür, nahm sich meiner an und wollte wissen was ich jetzt vorhabe. Auf die Antwort, mir möglicherweise einen anderen Beruf zu suchen, riet er, ich solle versuchen um jeden Preis bei der BPOL zu bleiben. Schließlich sei die Wirtschaftslage ausgesprochen unsicher und da habe die Sicherheit des Beamtenverhältnisses einen kaum zu überschätzenden Wert. Zudem sicherte er mir die Unterstützung des Personalrats zu. Gerade habe er sich schon für mich eingesetzt und POR Fahle gesagt, im Streifendienst würde nun einmal eine andere Ausdrucksweise herrschen als die Leitung sich das vorstelle und gern hätte. Eine paar deutliche Worte dürften da nicht überbewertet werden. War es in meiner Abwesenheit etwa doch nicht um den Dienstplan zum Cannstatter Wasen gegangen?
Jedenfalls hatte POK Stumm damit wahrscheinlich wieder meine Streitlust geweckt. Ich wollte ihm erst einmal klar machen, dass sich nicht einer der mir vorgeworfenen Sachverhalte tatsächlich so abgespielt hatte. Was schon im Ansatz scheiterte, da er sich zur nahegelegenen S-Bahnhaltestelle Nürnberger Straße aufmachte. Schließlich fuhr im Hauptbahnhof gegen zehn nach vier ein ICE Richtung Ulm und wer möchte schon wegen so einer Lapalie verspätet ins Wochenende kommen. Kurz darauf kam PHK Kauf aus dem Büro und wir fuhren zum Hauptbahnhof Stuttgart zurück. Wobei wir kurz, vor der S-Bahnhaltestelle, PK Stumm aufsammelten und mitnahmen.
Das Gespräch hatte ungefähr eineinhalb Stunden bis 15:30 Uhr gedauert. Bedingt durch die folgenden Unterredungen dürften wir gegen 15:40 Uhr von der Inspektion losgefahren sein. Da ich an die Fahrt und die herrschenden Verkehrsverhältnisse keine Erinnerung habe drängt sich mir jetzt eine Frage auf. Hat es PK Stumm auf den ICE nach Ulm geschafft? So unglaublich es klingt, bisher kam mir dieses Problem noch gar nicht in den Sinn. Was zweifellos meiner mangelnden Intelligenz und Empathie geschuldet ist. Daher möchte ich mich bei PK Stumm für die fehlende Nachfrage diesbezüglich, und wenn er den ICE verpasst haben sollte hierfür ebenfalls, in aller Form entschuldigen. Hätte ich doch meine Klappe gehalten und das Gespräch nicht unnötig in die Länge gezogen.
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