Während wir uns einrichteten, gab es plötzlich Lärm. Nach Osten zu hatte man weidende Kamele gesehen, und die Unternehmungslustigen unter den Djuheinas machten sich auf, fingen die Tiere und trieben sie ins Lager. Faisal war wütend und schrie ihnen zu, haltzumachen; aber sie waren zu aufgeregt, um zu hören. Er ergriff sein Gewehr und schoß auf den Vordersten; dieser purzelte vor Schreck aus dem Sattel, so daß die anderen stoppten. Faisal ließ die Gesellschaft vor sich kommen, hieb mit seinem Reitstock auf die Anführer ein, beschlagnahmte die Kamele und, zur gerechten Strafe, auch die der Diebe. Dann ließ er die Tiere ihren Eigentümern, den Billi, wieder zustellen. Hätte er nicht so gehandelt, so würde der Vorfall wahrscheinlich einen Sonderkrieg mit den ortsangesessenen Stämmen – unseren Verbündeten von morgen – entfacht und ein weiteres Vorrücken über Wedjh hinaus vereitelt haben. Von solchen Kleinigkeiten konnte unser Enderfolg abhängig sein.
Am nächsten Morgen marschierten wir bis an die Küste und erreichten um vier Uhr Habban. Die »Hardinge« lag wirklich draußen, zu unserer großen Erleichterung, und landete Wasser; aber die schmale Bucht gab nur geringen Schutz, und in der schwer rollenden See war das Ankommen für die Boote gefährlich. Die erste Ladung reservierten wir für die Maultiere und gaben, was an Wasser übrigblieb, den erschöpften Fußgängern. Es wurde eine unruhige Nacht. Haufen von Durstigen drängten sich um die Tanks im Licht der Scheinwerfer und hofften auf einen Trunk, wenn die Boote nochmals die Landung wagen würden.
Ich ging an Bord und erfuhr, daß die Flotte den Angriff, ohne die Landarmee abzuwarten, begonnen hätte; denn Boyle hatte gefürchtet, daß bei längerem Zögern die Türken davonlaufen würden. Tatsächlich hatte der türkische Kommandant, Ahmed Tewfik Bey, am gleichen Tage, als wir Abu Zereibat erreichten, eine Ansprache an die Garnison gehalten und dabei erklärt, Wedjh müßte bis zum letzten Blutstropfen gehalten werden. Dann, bei Dunkelheit, hatte er sich mit wenigen, gut berittenen Begleitern nach der Eisenbahn davongemacht. Die zweihundert Mann Infanterie beschlossen ihrerseits, die Pflicht, die er versäumt hatte, gegenüber dem Landungskorps zu erfüllen; doch standen sie einer gegen drei, und das schwere Feuer der Schiffsgeschütze hinderte sie daran, ihre Stellungen richtig auszunutzen. Soweit auf der »Hardinge« bekannt war, hatte der Kampf noch nicht geendet, aber die Stadt Wedjh war bereits von Marinesoldaten und Arabern besetzt.
Die günstigen Nachrichten belebten die Armee, und bald nach Mitternacht begann sie sich nordwärts in Bewegung zu setzen. Beim Morgengrauen sammelten wir die einzelnen Gruppen, marschierten geschlossen weiter und trafen dann auf versprengte türkische Abteilungen, von denen einzelne kurzen Widerstand leisteten. Die Ageyl saßen ab, um sich ihrer Mäntel, Kopftücher und Kleider zu entledigen; dann gingen sie in ihrer braunen Halbnacktheit vor, wodurch, wie sie erklärten, etwaige Wunden sauber und außerdem ihre kostbaren Gewänder unbeschädigt bleiben würden.
Es war hübsch anzusehen, wie diese kräftigen braunen Männer im Sonnenlicht durch das sandige Tal schritten, in dessen Mitte der türkisblaue Spiegel eines Salzsees erglänzte, von dem sich die beiden vorangetragenen Banner rot leuchtend abhoben. Sie gingen in einem langen, gleichmäßigen Schritt vor, in einem Tempo von fast sechs Meilen in der Stunde, in tiefstem Schweigen, und erreichten und erklommen die steile Höhe bei Wedjh, ohne einen Schuß abzufeuern. Auf diese Weise erfuhren wir, daß die Arbeit schon von der Flotte und dem Landungskorps für uns getan war.
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.