»Sie wird wohl herumgefragt haben.«
»Nicht ganz. Sie hat … Nun ja, sie hat mit den Kandidaten Affären begonnen.«
»Oh je, das passt. – Melanie hat immer Angst gehabt, sich irgendwie zu blamieren. Und lieber den … nun, den nonverbalen Weg gewählt. Weglaufen. Oder in diesem Fall … Meinen Sie, dass einer der Männer …?«
»Das ist momentan unsere Vermutung, ja.«
»Arme Socke. Wird sich in sie verliebt haben.«
»Warum arm?«
»Weil er keine Chance bei ihr hatte. Melanie hatte endlich die Liebe ihres Lebens gefunden.«
»Wissen Sie, wer das war?«
»Eine Arbeitskollegin.«
»Melanie war …?«
»Lesbisch. Ja.«
War dies das Puzzlestück, das Katharina gefehlt hatte? Was hatte Paul Leydth gesagt? »Es könnte auch eine Frau sein.«
»Wissen Sie, wer die Kollegin war?«, fragte Katharina rasch.
»Hilfe, mein Namensgedächtnis! Eine Sylvia, Sarah … So ein knuddeliger Typ. Kräftig, aber hübsch – wissen Sie, was ich meine?«
»Sandra Beckmann. Klar. Ich kenne sie.« Verdammt, schalt Katharina sich. Sie war blind gewesen. »Tante Sandra«! »Kann ganz toll Pfannkuchen machen zum Frühstück«! »War so mit Mama wie die Frauke mit dir«! Sie hätte noch mehr auf Lauras Worte achten sollen.
»Und Sie?«, fragte sie schließlich. »Wie haben Sie es herausgefunden? Und vor allem …«
Tom Wahrig zuckte mit den Achseln: »Jenseits leicht gekränkter männlicher Eitelkeit … Melanie war immer meine beste Freundin, wissen Sie? Schon in der Schule. Ich habe es wohl geahnt, noch bevor sie es mir eines Tages gestanden hat. Und ich habe sie ermutigt.«
»Ermutigt?«
»Melanie kam aus einem erzkonservativen Elternhaus. Deswegen haben wir auch so früh geheiratet. Weil sie da rauswollte. Und mit der Zeit kam sie wohl immer mehr hinter ihre eigentliche sexuelle Identität. Und dann hat sie sich richtig verliebt.«
»Und Sie haben das unterstützt?«
»Natürlich. Ich wollte immer nur, dass sie glücklich wird.«
Das war die Wahrheit, das spürte Katharina. Die Karten waren neu gemischt.
»Tun Sie mir einen Gefallen?«, fragte Tom Wahrig ernst, nachdem sie eine Weile schweigend am Küchentisch gesessen hatten. »Kriegen Sie den, der das getan hat.«
***
Gemeinsam waren Tom Wahrig und Katharina schließlich ins Gästezimmer gegangen und hatten Laura beim Packen geholfen.
»Gehen wir wirklich nach Brasilien, Papa?«
»Ja. Du wirst sehen, da wird es dir gefallen.«
»Kann Katharina mitkommen?«, setzte Laura ihren Masterplan in Gang. »Weißt du, Papa, sie ist nämlich auch alleine.«
»Aha!« Tom Wahrig schmunzelte in sich hinein.
»Und da könnt ihr doch …«
»Ich glaube, Frau Klein kann nicht so einfach weg. Sie hat doch ihren Beruf.«
»Aber es gibt doch auch in Brasilien Polizisten.«
»Ach Laura, ich kann doch nicht so einfach mit euch weggehen«, sagte Katharina.
Das kleine Mädchen setzte sich aufs Bett und ließ den Kopf hängen. »Ich will aber, dass du meine neue Mama wirst.«
»So einfach ist das nicht. Melanie ist deine Mama. Die ist ganz traurig, wenn du sie einfach so vergisst.«
»Meinst du?«
»Ganz sicher.«
»Kannst du nicht trotzdem mitkommen?«
Katharina schwieg. Doch dann hatte sie eine Idee. »Ich muss doch erst noch mein Versprechen einlösen.«
»Versprechen?«, fragte das kleine Mädchen zaghaft.
»Weißt du nicht mehr, was ich dir versprochen habe?«
»Doch. Dass du die bösen Männer fängst, die das mit Mama waren.«
»Genau. Die muss ich erst mal fangen.«
»Dauert das lange?«
»Ich weiß es nicht. Vielleicht.«
»Okay.«
Das kleine Mädchen schloss Katharina in die Arme.
***
Mit hängendem Kopf hatte Laura den kleinen Rucksack geschultert und sich Zon aus dem Lande Yan unter den Arm geklemmt, während Tom Wahrig die restlichen Taschen nahm. Katharina brachte die beiden zu Tür.
Zum Abschied sah Laura noch mal auf: »Kommst du uns wenigstens besuchen?«
»Wenn ich darf.«
»Natürlich«, antwortete Tom Wahrig. »Wenn mein Haus fertig umgebaut ist, sind Sie jederzeit herzlich willkommen.«
***
Stille.
Katharina saß im Wohnzimmer und versuchte nachzudenken. Doch diese Stille war wirklich bedrückend. Laura war doch nicht den ganzen Tag Topfdeckel gegeneinanderschlagend durch die Wohnung gezogen?
Schließlich hielt Katharina die Stille nicht mehr aus. Sie konnte ebenso gut arbeiten. Also rief sie Wigo Bach an.
»Hi Wigo, ich bin’s, Katharina.«
»Oh hi! Wie geht’s? Hast du André schon verhaftet?«
»Noch nicht. Aber kannst du mir die Nummer von Sandra Beckmann geben?«
»Klar. Sie ist doch nicht etwa verdächtig? Ohne sie können wir die Agentur knicken.«
»Nein, nein. Keine Sorge. Und entschuldige die späte Störung.«
»Kein Problem. Sven und ich wollen ohnehin gleich noch losziehen.«
»Na dann viel Spaß.«
Sie legte auf und wählte die Nummer von Sandra Beckmann. Nur die Mailbox. Katharina bat um Rückruf.
Und jetzt? Diese Stille machte sie wahnsinnig.
Auf gut Glück wählte sie die Nummer von Andreas Amendt. Auch dort meldete sich nur der Anrufbeantworter. Sie hinterließ keine Nachricht.
Was jetzt? Sie ging in die Küche und spielte mit Hans und Lutz eine Runde Mensch-ärgere-dich-nicht. Aber ohne Laura machte es einfach keinen Spaß.
***
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