„Das war alles“, sagte sie leise.
„Hammer“, flüsterte Vanessa nach einer gefühlten Ewigkeit. „Ich meine, ich kenn Isabella und ja sie sieht aus wie du.“
„Und dass ich“, Elodie spürte, dass sie sich kläglich anhörte. Nervös knetete sie ihre Serviette und sah Vanessa gebannt an.
„Ich wusste es schon immer. So wie du mich manchmal angesehen hast und dann das Mädchen in der Zehnten. Die blonde, du weißt, wen ich meine“, erwiderte Vanessa betont leichthin.
„Anna“, sagte Elodie leise mit geschlossenen Augen. Anna, die in der Zehnten in ihre Klasse gewechselt war. Sie hatte Annas Blicke auf sich gespürt und Vanessas Eifersucht. Die beiden hatten einander vom ersten Blick abgrundtief gehasst, weil beide in Elodie verliebt gewesen waren. Und Elodie hatte es genossen. Begehrt zu werden, zu begehren. Und dennoch war sie froh gewesen, als Anna nach der Zehnten die Schule gewechselt hatte und nur noch sie und Vanessa übrig geblieben waren. Rom, die Nacht in Rom, immer wieder fiel ihr die Nacht in Rom ein. In der Zehnten hatte sie schon angefangen mit Viktor auszugehen, den sie über einen Tanzabend kennengelernt hatte. Und Vanessa hatte sich mit Greta aus der Kollegstufe angefreundet, mit der sie ihre Liebe zur österreichischen Geschichte teilte und bald auch mehr. Es hatte wehgetan, aber sie hatte Viktor gehabt und Vanessa war immer Vanessa geblieben, ihre beste liebste Freundin und Seelenverwandte. Trotz Viktor, trotz Greta, trotz Anna und trotz Rom.
Wien, 28. November 19 Uhr
Elodie hatte versucht sich abzulenken. 2 Stunden BWL Vorlesung an der Uni, keine gute Idee. Danach hatte sie im Fitnessstudio den Hometrainer massakriert, was ihren Kopf freibekommen hatte.
Jetzt saß sie auf ihrem Sofa, die Marie Antoinette Tasse mit frischem Kaffee in ihrer Hand. Den Blick auf ihr BWL Skript gerichtet. Weder die Zahlen noch die Worte gaben groß Sinn und Elodie gähnte herzhaft. Müde rieb sie sich die Augen und warf einen Blick auf ihr Handy.
„Viktor“
Wohl oder übel musste sie mal rangehen.
„Hallo Viktor“, sagte sie leise, nachdem sie Viktors Stimme am anderen Ende vernommen hatte.
„Hallo Liebes, dass man dich auch mal erreicht, ich dachte schon du existierst nicht mehr“. In Viktors ruhiger Stimme klang ein leiser Vorwurf mit und Elodies Herz zog sich schmerzhaft zusammen.
„Ich vermiss dich, Liebes“, hörte sie Viktors Stimme.
„Ich dich auch“, erwiderte sie leise. Und es stimmte auch. Sie vermisste ihn, wie ihren besten Freund, ihren großen Bruder. Sie vermisste seine nette, unkomplizierte Art, seine Weine, seine Geselligkeit, seine Scherze. Aber sie vermisste ihn nicht, wie sie Vanessa vermissen würde, wenn diese nach London gehen würde, so wie Greta es getan hatte. Sie würde durchdrehen vor Raserei und Eifersucht. Sie würde in den nächstbesten Flieger steigen, dabei hatte sie Angst vor dem Fliegen, panische Angst.
„Ich hatte viel um die Ohren, Vik. Greta kommt zurück und hat ne Neue im Schlepptau. Du kannst dir ja vorstellen, wie fertig die arme Ness war. Ich musste sie echt aufheitern und stell dir mal vor, sie ist jetzt auch unserer Meinung, dass die Sachertorte die beste ist.“
Sie hörte Viktor am anderen Ende der Leitung lachen und wünschte ihm noch einen schönen erfolgreichen Arbeitstag, sich eine gute Lügnerin scheltend.
Verzweifelt griff sie zu ihrem BWL Buch, dessen Buchstaben aber sofort wieder vor ihren Augen zu tanzen begannen. Das alles ergab keinen Sinn und ihr Kopf glitt langsam nach hinten auf ihre aufgetürmten Kissen.
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