Schwester Betty muss leise lachen. »Die letzten drei Monate habe ich dich gewaschen, Kindchen. Ab jetzt bist du wieder dran. Meinst du, dass du es schaffst, oder soll ich hierbleiben?«
»Das schaffe ich alleine«, entgegne ich mit fester Stimme. »Hätten Sie einen Shaver für mich?«
»Hat dein Verlobter alles mitgebracht.« Sie zwinkert mir zu. »Lass dir Zeit, die nächste Untersuchung ist in zwei Stunden.«
Ich nicke hastig, schlage die Bettdecke von meinem Körper und spüre seit langer Zeit mal wieder Boden unter meinen Füßen. »Ganz schön wackelig.« Der Arm von Betty gibt mir Sicherheit.
»Ruhig, Kleines. Eigentlich solltest du nicht jetzt schon auf eigenen Beinen stehen. Erst müssen wir noch eine ganze Menge Untersuchungen machen, Physiotherapie, Ergo …«
Weiter kommt sie nicht mehr. Noch bevor sie mich greifen kann, schaffe ich die ersten unsicheren Schritte bis zum Schrank.
Einige Herzschläge dauert es, bis Schwester Betty sich fängt und mir nacheilt. Sie ist kalkweiß. »Herr im Himmel, du solltest eigentlich noch nicht einmal krabbeln können.« Vorsichtig fasst sie meinen Arm. »Wie ist das möglich?«
»Ich meine, mich erinnern zu können, dass ich schon immer zu den Schnelleren gehörte, die manchmal auch dumme Entscheidungen treffen«, hauche ich leise und stütze mich weiter ab.
Betty wischt den Gedanken mit einer Handbewegung beiseite. »Du gehörst anscheinend wirklich zur schnellen Sorte. Aber mir ist das gleich, hörst du. Wir machen erst einmal ein paar Übungen.«
Jeder Schritt schmerzt, mein ganzer Körper scheint sich gegen die Bewegung zu wehren. Betty und ich gehen im Zimmer umher. Erst sind meine Schritte langsam und tippelnd, doch schon bald lege ich an Sicherheit zu. Nach einer halben Stunde schaffe ich es, ohne fremde Hilfe zu gehen, und stehe aufrecht. Weitere 30 Minuten später sehen meine Bewegungsabläufe beinahe schon wieder menschlich aus. Ganz abgesehen davon, dass ich schweißgebadet in diesem sexy Patientenleibchen mitten im Zimmer stehe und mein Po für jeden offen einsehbar ist, fühle ich mich fast schon wohl.
»Sehr gut, Kindchen«, lobt mich Betty. »Deine Muskeln scheinen weniger abgebaut zu haben als bei vielen anderen. Du bist ja richtig fit. Ich denke, dass ich dich alleine duschen lassen kann. Wenn etwas ist, ich bleibe hier und beziehe dein Bett erst einmal neu.«
Puh – Glück gehabt. Ich konzentriere mich auf jeden Schritt, während ich zum Bad gehe und die Klinke herabdrücke. Kurz bevor ich im Badezimmer verschwinde, drehe ich mich zu Betty. Immerhin kennt sie mich und jeden Zoll meiner Haut bereits seit drei Monaten. »Danke schön«, hauche ich.
Als das warme Wasser wenige Sekunden später über meine Haare fließt, kann ich die Augen endlich schließen und genieße das Rauschen um mich herum. Zu viel Stille kann sehr laut sein. Wieder dehne ich meine Muskeln, streiche über meine Haut und massiere diverse Körperstellen. Meine Hände sind übersät von kleinen Narben und schlecht verheilten Abschürfungen. Anscheinend arbeite ich gerne im Garten oder gehe einer anderen Tätigkeit nach, die mit den Händen erledigt werden muss. Weitere Verletzungen sehe ich an meinem Bauch, den Knien und Ellenbogen. Alles nicht schlimm und wirklich nur auf den dritten Blick erkennbar, aber hier im Licht schimmert das weißliche Narbengewebe schon sehr. Besonders die Stelle rechts unter meinem Bauchnabel lässt mich nicht mehr los. Als ob ich dort operiert wurde … und zwar stümperhaft.
Es dauert, bis ich mich von meinem eigenen Körper losreiße und das mitgebrachte Shampoo zwischen meinen Fingern verteile. Die Lotion duftet nach Vanille und Honig. Erst als ich mich wirklich vergewissert habe, dass Schwester Betty nicht einfach durch die Tür stürzt, massiere ich es in meine Haare und genieße die Berührungen. Dabei lasse ich mir Zeit und drücke meinen Rücken durch. Seitdem ich aufgewacht bin, fühle ich mich zum ersten Mal richtig wohl. Zu gerne würde ich dieses Gefühl noch ein wenig beibehalten, also ergreife ich das Duschgel und trage es langsam auf meine Haut auf.
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die alte Jasmin einen Busch dort unten schön fand. Also nehme ich mir vor, so lange zu rasieren, bis ich mich wieder erinnere. Das Wasser sucht sich windend einen Weg meinen Körper herab, während ich mit der Klinge über die eingeschäumte Haut fahre. Erst, als nur noch ein feiner Strich aus Härchen den Weg zu meiner intimsten Stelle weist, bin ich zufrieden. Auch meine Beine und etliche andere Stellen sind jetzt glatt. Ich begutachte mich von allen Seiten und lege den Rasierer zur Seite. Während das Wasser immer noch warm auf meinen Busen plätschert, streichle ich in langen Zügen über meine Haut. So langsam scheint auch die Erinnerung zurückzukommen. Ich kann meinen eigenen Körper wieder fühlen und was noch besser ist, dieser kurze Lustintervall, den ich beim Aufwachen spürte, scheint in voller Stärke wiederzukommen.
Meine Brustwarten werden augenblicklich hart, als ich an Ryan denke. Sein Duft, die großen, starken Hände, die blauen Augen. Ich beiße mir auf die Zunge und überlege, ob es überhaupt angebracht ist, wenn ich meine Hände jetzt weiter nach unten gleiten lasse.
Reiß dich zusammen, Jasmin.
Komisch, die Gedanken scheinen etwas bei mir auszulösen, was ich mir noch nicht ganz erklären kann. Andererseits … er ist mein Verlobter, da darf ich doch an Sex mit ihm denken, oder?
Ich bin hin- und hergerissen.
Schließlich siegt die Lust. Ich scheine nicht der Typ zu sein, der auf Blümchensex steht und dabei so leise ist wie ein Fisch. Ohne es zu wollen, stöhne ich auf. Drei Monate lang lag ich im Bett wie eine faule Kartoffel, da habe ich das Recht auf ein wenig Spaß.
Oder zumindest versuche ich, mir das einzureden.
Noch bevor ich weiter über den moralischen Aspekt nachdenken kann, gleitet meine Hand über meine Scham. Es fühlt sich wundervoll an, über die glattrasierte Haut zu streicheln, bis ich den dünnen Strich erreiche und von dort aus meine Schamlippen berühre.
Von Schwäche oder Leidenschaft gebeutelt, muss ich mich an der Wand anlehnen, während ich über meinen Kitzler streichle. Erst beginne ich dabei noch zärtlich, meine Brustwarzen zu streicheln, doch als die Wellen der Begierde immer stärker über mich hinwegfegen, kneife ich sanft in die so reizbare Haut. Ein lautes Seufzen entringt meiner Kehle, als ich meine Klit umspiele. Ich werfe meinen Kopf nach hinten, der harte Strahl des Wassers scheint meine Leidenschaft noch weiter entfachen zu wollen und gießt immer weiter Öl in das Feuer meiner Lust.
Tiefer versinke ich in dieser Welt, bis meine Finger mich weiter reizen und genau die Stellen treffen, die mich wanken lassen. Ich könnte ewig hier sein, das alles verdrängen und weiß doch, dass es nicht normal ist, was ich gerade hier mache. Meine Emotionen fahren Achterbahn und ich habe nicht einmal einen Gurt an. Vielleicht ist es genau dieser Gedanke, der mich zum Rasen bringt, als ich noch fester greife und ein Schauer meinen Körper erfasst.
»Ist alles in Ordnung da drin?«
Bettys Stimme durchdringt meinen Kokon aus Lust. Es folgt ein schweres Klopfen an der Tür.
»Soll ich hereinkommen und dir helfen, Kleines?«
»Nein, danke«, sagte ich schwer atmend, ergreife das Handtuch und beginne mich abzutrocknen. »Ich bin gleich fertig und komme heraus. Vielen Dank!«
Schwester Betty scheint zufrieden mit meiner Wortmeldung. »Gut, ich warte hier.«
Welcher Teufel hat mich denn da geritten?
Sekunden später ist die Wollust gewichen und ich spüre einen kalten Zug um meine Haut. Schnell wickle ich mir den Stoff um die Brust und trete vor die Tür. Noch bevor ich auch nur einen Gedanken formulieren kann, halte ich inne.
»Es ist wundervoll, dich wieder auf den Beinen zu sehen.«
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