Volker Langhirt - Kinder und Jugendliche im Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen

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Gesellschaftliche Umwälzungsprozesse, veränderte Familienformen, Selbstoptimierung, globale Krisen – der soziale Bezug für die psychoanalytische Praxis verändert sich. Dies beeinflusst den professionellen Alltag von Psychotherapeuten. Der Autor beschreibt die Konflikte Jugendlicher – wie bspw. Identität, Familien, das heutige Ideal von Körperlichkeit – und stellt eine Auswahl sich verändernder Störungsbilder dar. Behandelt werden unter anderem geschlechtsspezifische Störungsbilder, das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom und Auswirkungen gesellschaftlicher Krisen. Das Buches konzentriert sich auf das Spannungsverhältnis sich stetig verändernder gesellschaftlicher Impulse und deren Folgen im Praxisalltag mit Kindern, Jugendlichen und ihren Familien.

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Meine Bewertung entsprechender Phänomene hat sich, nicht zuletzt aufgrund der Covid-19-Pandemie, verändert. In Zeiten weitgehender Beschränkungen war es den Jugendlichen möglich, mit anderen in Kontakt zu treten und zu bleiben. In jüngster Zeit entstehen vermehrt Untersuchungen, die diesen Teil des In-Beziehung-Seins untersuchen. Bonaminio (2016; vgl. auch Lemma & Caparrotta, 2016) fordert die eigene psychotherapeutische Berufsgruppe dazu auf, der veränderten Gesellschaft gegenüber aufgeschlossen zu sein. Das Auftauchen neuer Krankheitsbilder müsse verstanden werden, ohne sie gewaltsam in alte Denk- und Handlungsmuster einzupassen (ebd., S. 158ff). Der Psychoanalytiker sei Teil der Gesellschaft, müsse sich als solcher verstehen und stünde nicht außerhalb von dieser. Deshalb erscheine es sinnvoll, über neue Konzepte der virtuellen Realität innerhalb der psychotherapeutischen Behandlung nachzudenken. Bonaminio beschreibt die vielfältigen Veränderungsprozesse, die vor allem auf Jugendliche einwirken und unsere Sicht als Psychoanalytiker zu entsprechenden Anpassungsprozessen der Jugendlichen.

Selina, heute 19 Jahre, ist seit zwei Jahren in psychotherapeutischer Behandlung. Sie hatte keine sozialen Kontakte, fühlte sich ausgegrenzt, zog sich zurück, konnte ihren Schulalltag nicht bewältigen. Sie machte die Nacht zum Tag, saß vor ihrem PC, der zum wichtigsten Objekt in ihrem Leben wurde. Sie unterzog sich dem gesamten Spektrum therapeutisch/psychiatrischer Maßnahmen, einschließlich Klinikaufenthalt und medikamentöser Behandlung. Eine Auswirkung auf ihren Lebenszusammenhang war nicht erkennbar. Eines hatte ich als Therapeut wohl am Anfang übersehen: Selina entzog sich aus meiner damaligen Sicht durch ihren PC der realen Welt, was ich damals als kritisch betrachtete. Meine bewertende Haltung hinsichtlich ihrer Kontakte im Netz veranlasste sie, sich von mir stärker zurückzuziehen. Ich befürchtete, dass sie sich in Traumwelten flüchtete und keine Grenzen setzte. Tatsächlich konnte sich Selina jedoch im Netz sehr gut positionieren, war wortgewandt und perfektionierte zudem ihre Englischkenntnisse. Über weite Strecken berichtete sie mir kaum etwas davon, da ich mit meiner therapeutischen Sicht und Position scheinbar weit von ihrer Welt entfernt war. Selina lernte über das Netz einen jungen Mann aus England in ihrem Alter kennen, der ihr Selbstbewusstsein erheblich stabilisierte. Sie überraschte mich mit einem Flug nach England, brachte daraufhin ihren Freund mit nach Deutschland und präsentierte ihn stolz in einer Therapiestunde. Selina öffnete sich anderen sozialen Kontakten, nahm eine Ausbildung zur Webdesignerin auf.

Selina ist damit ein Beispiel einer Jugendlichen, die das Netz sozusagen als Übergangsraum verwenden konnte. Erfahrungen wie diese lassen mich dafür plädieren, diese Lebenswelten der jugendlichen oder kindlichen Patienten nicht von vornherein negativ zu bewerten, sondern sie mehr in den therapeutischen Prozess einzubinden.

In vielen Familien gerät der innerfamiliäre Dialog in den Hintergrund. Daraus ergeben sich Folgen und Aufgaben, denen sich Kinderanalytiker in Zukunft mehr widmen müssen. Zudem wünsche ich mir eine zunehmende Berücksichtigung gesellschaftlicher Strömungen und Veränderungen in die Gesamtarrangements einer Therapie. Einelternfamilien, Ganztagesschulen, Druck der Arbeitswelt bei Beurlaubung der Eltern aufgrund von Therapieterminen stellen Herausforderungen für den Praxisalltag dar, die jedoch weder fachintern noch extern in grundlegende Diskussionen münden. Der gesellschaftliche Druck, der auf Familien lastet, kann kaum psychotherapeutisch als innerer Konflikt behandelt werden, sondern muss im Zusammenspiel zwischen Kinderanalytiker, Patient und seiner Familie gut und kompromisshaft ausgehandelt werden. Reflektieren wir unsere Kontaktaufnahmen mit öffentlichen Institutionen, Mitbehandlern, Kliniken und anderen, merken wir, dass wir kaum noch persönlich mit diesen Institutionen in Kontakt treten.

Unsere Welt hat sich verändert, wir werden das Rad nicht zurückdrehen. Ich persönlich plädiere für eine ausgewogene Haltung zwischen traditionellen Werten und zeitgemäßen Neuerungen. Ich selbst muss mir bewusst sein, dass Jugendliche ihre eigene Welt erschaffen, dass diese Welten mir davoneilen und dass ich sie auf diesem Weg begleiten möchte. Die damit verbundenen Kränkungen müssen ertragen werden, pädagogische Lehrmeisterei hilft keinem, die Betroffenen werden ansonsten nicht erreicht.

Die grundsätzliche Kritik am kindlich/jugendlichen Gebrauch digitaler Medien setzt sofort Abwehrprozesse in Kraft. Grundsätzlich geben Kinder und Jugendliche weniger Zeit für den Konsum digitaler Medien an, als sie tatsächlich dafür verwenden. Dies überträgt sich auch auf die therapeutische Situation. Die eigene Kontrolle über den Gebrauch ist zeitweise außer Kraft gesetzt, das verführerische Medium lässt jeglichen Sinn für die Realität ausblenden. Andererseits steigt die Zahl der Kinder oder Jugendlichen, die mittlerweile exzessiven Gebrauch von den digitalen Medien machen. Nicht selten steht der Missbrauch solcher Medien im Mittelpunkt der Anmeldung, der Konfliktsituation des Kindes oder Jugendlichen. Ein ausgewogenes Verhältnis, auch beim Schreiben hierzu einzunehmen, ist schwierig, die öffentliche Diskussion ist polarisiert. Der schlichte Versuch mancher Berufsgruppen, die mit Jugendlichen und Kindern beschäftigt sind, den Gebrauch pädagogisch zu bewerten bzw. zu verordnen, schlägt fehl. Auch hier wird die Seite der Erwachsenenwelt häufig außer Acht gelassen. Wie viele Eltern nutzen selbst diese Medien und wären gut beraten, dies selbst zu reflektieren? Kritisch betrachte ich die Nutzung solcher Medien im kinderanalytischen Alltag.

Kurz gesagt, unsere Welt bietet zu wenig Räume, in denen Kinder spontan vital und leidenschaftlich ihre Welt erforschen und erkunden können, deshalb ist die Erwachsenenwelt aufgefordert, dem entgegenzusteuern. Die mittlerweile übliche Freizeitgestaltung von Kindern ist das Spiel mit der Konsole, bei Jugendlichen der Online-Chat in den sozialen Medien. Die heutige Lebenswelt gestaltet sich hochambivalent, gesellschaftliche, familiäre Anforderungen an den Einzelnen müssen offenbar durch Besuch diverser mittlerweile nach kommerziellen Gesichtspunkten eingeführten Freizeitangebote (Fitnessstudio, Indoorspielplätze, Lasertag etc.) kompensiert werden. Der mediale Begleiter in Form eines Smartphones scheint heute bereits für viele jüngere Kinder zur Grundausstattung zu gehören, ihr Tagesablauf wird von diesem mitbestimmt. Erziehung setzt ein beziehungsdynamisches Modell voraus, dass auf den verschiedenen Ebenen reflektiert werden muss. Vielen Eltern fällt es jedoch heutzutage sehr schwer, sich Zeit zu nehmen und familiäre Interaktionsmuster zu hinterfragen. Auch Eltern geraten zunehmend unter Druck, kompetent und anpassungsfähig mit den gesellschaftlichen Vorgaben umzugehen.

Ein zehnjähriger Patient, gekennzeichnet vor allem durch seine tägliche Unlust und Langeweile, thematisiert in einer Therapiestunde mit gewissem Stolz, endlich den Anforderungen, sicherlich auch meinen, zu entsprechen und Sport zu treiben. Er spiele jetzt Tennis. Ich empfinde gegenüber dieser plötzlichen Veränderung meines Patienten sehr positive Gefühle und bin stolz darauf, den Bann gebrochen zu haben. Meine Enttäuschung folgt zugleich, als er mir darlegt, das Tennisspiel auf der Konsole perfekt zu spielen.

Was mich an dieser Szene nachträglich beschäftigt, ist die Selbstverständlichkeit des Jungen, mir seine »sportliche« Aktivität tatsächlich als Errungenschaft und Anpassung an die Erwartungen seiner Umwelt darzustellen. Weshalb geraten hier meine Betrachtungen seiner Aktivitäten in eine Diskrepanz? Einerseits befürchte ich, dass die Wahrnehmung seiner Aktivitäten sich zunehmend verzerrt, er in der Auseinandersetzung mit sich und seinem Körper zunehmend Schwierigkeiten zeigt. Nebenbei überlege ich mir, ob es heute noch passende Angebote im sportlichen Bereich für Jugendliche, die nicht »leistungsoptimiert« sind, gibt. Er hat das Gefühl, tatsächlich endlich etwas gefunden zu haben, was ihm entspricht und er regelmäßig ausführt, ohne es abzubrechen. Keiner kritisiert ihn, keiner schaut verächtlich aufgrund seiner Körperfülle. Bislang war Sport für ihn ein Ziel, an dem er scheiterte.

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