»Ich schätze mich glücklich, so grobe, waschechte Kerle getroffen zu haben«, sagte er.
»Der Barde denkt daran, hierzubleiben«, erklärte Oop. »Er möchte sich bei uns niederlassen.«
»Nein, nicht der Barde«, sagte Shakespeare. »Ich bin dieses Namens nicht würdig. Ich bin nur ein ehrlicher Fleischhauer und Tuchhändler.«
»Nur ein Ausrutscher«, beruhigte Oop ihn. »Wir sind so daran gewöhnt …«
»Aye, aye, ich weiß«, sagte Shakespeare. »Ein Irrtum schleppt viele hinter sich.«
»Hierbleiben?« fragte Maxwell. Er warf Oop einen schnellen Blick zu. »Weiß Harlow, daß er hier ist?«
»Ich glaube nicht«, antwortete Oop. »Wir haben uns jedenfalls bemüht, ihn abzuschütteln.«
»Ich entkam der Leine«, sagte Shakespeare grinsend. »Jedoch nur mit Hilfe dieser Männer, wofür ich ihnen zu Dank verpflichtet bin.«
»Himmel, lernt ihr Idioten nie …«, begann Maxwell.
»Pete, seien Sie still«, unterbrach ihn Carol. »Ich finde es sehr nobel von Oop. Da kommt dieser arme Teufel aus einer anderen Zeit und möchte ganz harmlos unsere Welt kennenlernen, und …«
»Setzen wir uns«, sagte Gespenst zu Maxwell. »Du siehst aus, als könntest du einen harten Drink vertragen.«
Maxwell setzte sich neben Shakespeare. Gespenst nahm den freien Stuhl auf der anderen Seite des Gastes. Oop reichte eine Flasche über den Tisch.
»Fang nur an«, sagte er. »Keine langen Zeremonien. Hier geht es auch ohne Glas.«
Maxwell hob die Flasche an den Mund und nahm einen tiefen Schluck. Shakespeare beobachtete ihn bewundernd. Als er die Flasche absetzte, sagte Shakespeare: »Ich kann Ihr Mannestum nur bewundern. Ich versuchte einen Tropfen dieses Trankes, und er verbrannte mich nahezu.«
»Man gewöhnt sich daran«, tröstete ihn Maxwell.
Shakespeare deutete mit dem Finger auf eine halbvolle Flasche Bier. »Doch dieses Gebräu ist sanft für den Gaumen und Magen.«
Sylvester zwängte sich hinter Shakespeares Stuhl vorbei und legte seinen Kopf auf Maxwells Schoß. Maxwell kraulte ihn hinter den Ohren.
»Wird diese Katze schon wieder aufdringlich?« sagte Carol.
»Sylvester und ich sind Kumpel«, erklärte Maxwell. »Wir haben gemeinsame Kriege durchgestanden. Vergessen Sie nicht, daß wir letzte Nacht dem Rollenfüßler begegnet sind.«
»Ihre Miene ist freundlich«, sagte Shakespeare zu Maxwell. »Mich deucht, daß Ihre Geschäfte, die Sie bis jetzt ferngehalten haben, günstig verlaufen sind.«
»Sie sind überhaupt nicht verlaufen«, sagte Maxwell. »Der einzige Grund für meine freundliche Miene ist die nette Gesellschaft, in der ich mich befinde.«
»Du willst sagen, daß Harlow dich sitzenließ!« explodierte Oop. »Er hat dir nicht einmal einen Tag gegeben?«
»Er konnte nicht anders«, erklärte Maxwell. »Er hat die Bezahlung bereits erhalten, und der Rollenfüßler schafft das Ding morgen weg.«
»Wir können ihn dazu zwingen, seinen Entschluß zu ändern«, sagte Oop finster.
»Jetzt nicht mehr«, widersprach Maxwell. »Er kann nicht mehr aussteigen. Er kann weder das Geld zurückgeben, noch sein Wort brechen. Und wenn ihr das vorhabt, was ich euch an der Nasenspitze ansehe, dann braucht er nur den Vortrag abzublasen und den Leuten das Eintrittsgeld zurückzuerstatten.«
»Du hast wohl recht«, meinte Oop. »Wir wußten nicht, daß der Handel schon abgeschlossen war. Wir hatten die Absicht alle zusammen zu Arnold zu gehen und ihm handgreiflich klarzumachen, was zu tun ist. Aber das ist jetzt vorbei — darum nimm noch einen Schluck und gib mir dann die Flasche zurück.«
Maxwell nahm noch einen Schluck und reichte Oop die Flasche. Shakespeare trank sein Bier leer und knallte die Flasche auf den Tisch. Carol holte sich den Schnaps von Oop und goß sich etwas in ihr Glas.
»Es ist mir gleich, wenn ihr euch wie Barbaren aufführt«, sagte sie. »Aber ich trinke nicht aus der Flasche.«
»Bier!« brüllte Oop. »Mehr Bier für unseren werten Gast!«
»Ich danke Ihnen, Sir«, sagte Shakespeare.
»Wie hast du denn dieses Loch gefunden?« wollte Maxwell wissen.
»Ich kenne die Hintergassen des Universitätsviertels«, sagte Oop.
»Es war genau das Richtige für uns«, sagte Gespenst. »Die Leute vom Zeit-College werden die Gegend nach unserem Freund abklappern. Hat Harlow dir erzählt, daß er verschwunden ist?«
»Nein«, erwiderte Maxwell. »Aber er schien etwas nervös. Er erwähnte, daß er in Schwierigkeiten sei, aber man merkte ihm nicht an, daß es so schlimm stand. Ich glaube, er gehört zu den Leuten, die auf einem explodierenden Vulkan sitzen können, ohne die Miene zu verziehen.«
»Was ist mit den Reportern?« fragte Maxwell nach einiger Zeit. »Belagern sie immer noch die Hütte?«
Oop schüttelte den Kopf. »Nein. Aber sie werden zurückkommen. Wir müssen eine andere Schlafstelle für dich finden.«
»Ich kann mich ihnen ebensogut stellen«, sagte Maxwell. »Irgendwann kommt die Geschichte doch ans Tageslicht.«
»Ganz genau«, rief Oop. »Laß die Galaxis wissen, was sie verloren hat.«
»Nein«, sagte Maxwell. »Harlow ist mein Freund. Ich kann ihm das nicht antun.«
Ein Kellner brachte eine Flasche Bier und stellte sie ab.
»Eine Flasche!« wütete Oop. »Was soll das, eine Flasche? Gehen Sie sofort zurück und holen Sie einen ganzen Arm voll. Unser Freund hier ist vollkommen ausgetrocknet.«
»Hätten Sie ja gleich sagen können!« meinte der Kellner. »Ich kann es schließlich nicht riechen.«
Er schlurfte weg, um mehr Bier zu holen.
»Ihre Gastfreundschaft ist ohne Tadel«, sagte Shakespeare. »Doch ich fürchte, ich komme zu einer Zeit, da Sie mit Sorgen beladen sind.«
»Das mit den Sorgen stimmt«, erklärte Gespenst. »Gerade deshalb sind Sie uns willkommen.«
»Wie meinte Oop das, als er sagte, Sie wollten sich hier niederlassen?« erkundigte sich Maxwell.
»Meine Zähne sind krank«, sagte Shakespeare. »Sie hängen lose im Kiefer, und zu Zeiten leide ich an furchtbaren Schmerzen. Ich habe erfahren, daß es hier großartige Meister gibt, die sie ohne Schmerzen ziehen und mir neue einsetzen können.«
»Das ist tatsächlich möglich«, sagte Gespenst.
»Ich ließ ein Weib mit keifender Zunge daheim«, fuhr Shakespeare fort, »und es wäre mir lästig, zu ihr zurückzukehren. Auch ist das Getränk, das ihr Bier nennt, über alle Maßen wohlschmeckend, und ich hörte mit Freude, daß ihr ohne Zank mit den Kobolden und Feen zusammenlebt. Und daß ich hier, an diesem Tisch, mit einem Gespenst zusammensitzen kann, geht über all mein Verständnis hinaus und gibt mir das Gefühl, am Born der Weisheit zu schöpfen.«
Der Kellner kam mit einer ganzen Batterie von Flaschen und knallte sie auf den Tisch.
»Da!« sagte er knurrig. »Das wird wohl eine Weile reichen. Die Köchin sagt, daß das Essen gleich kommt.«
»Sie haben also nicht die Absicht, zu dem Vortrag zu erscheinen?« fragte Maxwell Shakespeare.
»Das wäre fürwahr ungeschickt«, erwiderte Shakespeare. »Man würde mich sofort nach der Rede zurück nach England schicken.«
»Da hat er recht«, warf Oop ein. »Sobald sie ihn in den Klauen haben, lassen sie ihn nicht mehr los.«
»Aber wovon wollen Sie hier leben?« fragte Maxwell. »Ihre Fähigkeiten passen nicht mehr in diese Welt.«
»Ich werde etwas finden«, sagte Shakespeare, »sobald mich die Not dazu zwingt.«
Der Kellner kam mit einem hochbeladenen Servierwagen. Er begann, das Essen auf den Tisch zu richten.
»Sylvester!« rief Carol.
Sylvester hatte sich schnell erhoben, die Tatzen auf den Tisch gelegt und sich zwei halbgare Scheiben Rostbraten geangelt. Mit dem Fleisch in der Schnauze verschwand er unter dem Tisch.
»Das Kätzchen ist hungrig«, sagte Shakespeare.
»Wenn es ums Essen geht, hat er überhaupt keine Manieren«, klagte Carol.
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