»Das stimmt«, sagte er. »Vor dem Bruch. Wir hatten … Tatsächlich, Miss Lelache, hatten wir eine Verabredung zum Mittagessen. Im Dave’s in der Ankeny. Wir haben es nicht geschafft.«
»Ich bin nicht Miss Lelache, das ist mein Mädchenname. Ich bin Mrs. Andrews.«
Sie sah ihn neugierig an. Er stand da und ertrug die Realität.
»Mein Mann ist im Krieg im Nahen Osten gefallen«, fügte sie hinzu.
»Ja.« sagte Orr nur.
»Entwerfen Sie alle Sachen hier?«
»Die meisten Werkzeuge und so. Und das Kochgeschirr. Sehen Sie, gefällt Ihnen das?« Er brachte einen Teekessel mit Kupferboden zum Vorschein, massiv und doch elegant, so zweckdienlich entworfen wie ein Segelschiff.
»Wem würde das nicht gefallen?« sagte sie und streckte die Hand aus. Er gab ihr den Kessel. Sie wog ihn und bewunderte ihn. »Ich mag Sachen«, sagte sie.
Er nickte.
»Sie sind ein wahrer Künstler. Er ist wunderschön.«
»Mr. Orr ist Experte für Gebrauchsgegenstände«, warf der Besitzer tonlos aus dem linken Ellbogen ein.
»Hören Sie, jetzt erinnere ich mich«, sagte Heather plötzlich. »Natürlich, das war vor dem Bruch, darum ist in meinem Kopf alles so durcheinander. Sie haben geträumt, ich meine, Sie glaubten, daß Sie Dinge träumen, die dann wahr werden. Ist es nicht so? Und der Arzt hat Sie gezwungen, es immer öfter und öfter zu machen, aber das wollten Sie nicht und suchten nach einer Möglichkeit, wie Sie aus der Freiwilligen Therapie rauskommen konnten, ohne daß Ihnen eine Zwangstherapie aufgebrummt wurde. Sehen Sie, ich kann mich erinnern. Sind Sie denn einem anderen Seelenklempner zugeteilt worden?«
»Nein. Ich bin darüber hinweggekommen«, sagte Orr und lachte. Sie lachte ebenfalls.
»Was haben Sie wegen Ihren Träumen unternommen?«
»Oh … einfach weitergeträumt.«
»Ich dachte, Sie könnten die Welt verändern. Etwas Besseres haben Sie sich nicht für uns einfallen lassen können als — dieses Schlamassel?«
»Es wird wohl so genügen müssen«, sagte er.
Er selbst hätte auch ein kleineres Schlamassel bevorzugt, aber das lag nicht in seiner Macht. Und wenigstens war sie jetzt Teil des Schlamassels. Er hatte sie gesucht, so gut er konnte, hatte sie nicht gefunden und so in seiner Arbeit Trost gesucht; viel Trost hatte sie ihm nicht gerade gespendet, aber es war die Arbeit, für die er geschaffen war, und er war ein geduldiger Mann. Doch jetzt mußte diese trockene und stumme Trauer um seine verlorene Frau ein Ende haben, denn jetzt stand sie hier, die lebhafte, widerspenstige und zerbrechliche Fremde, die er immer wieder neu erobern mußte.
Er kannte sie, er kannte seine Fremde und wußte, wie er sie zum Reden und wie er sie zum Lachen bringen konnte. Schließlich sagte er: »Möchten Sie gern eine Tasse Kaffee trinken? Nebenan ist ein Cafй. Es ist sowieso Zeit für meine Mittagspause.«
»Einen Dreck ist es«, sagte sie; es war kurz vor siebzehn Uhr. Sie sah zu dem Außerirdischen. »Einen Kaffee würde ich schon gern trinken, aber —«
»Ich bin in zehn Minuten wieder da, E’nememen Asfah«, sagte Orr zu seinem Arbeitgeber, als er den Regenmantel holen ging.
»Nehmen Sie Abend frei«, sagte der Außerirdische. »Wir haben Zeit. Es gibt eine Wiederkehr. Gehen heißt wiederkehren.«
»Schönen Dank auch«, sagte Orr und schüttelte seinem Boss die Hand. Die große grüne Flosse lag kühl in seinen menschlichen Fingern. Er trat mit Heather hinaus in den warmen, regnerischen Sommernachmittag. Der Außerirdische, der sie hinter den Glasscheiben des Geschäfts beobachtete wie ein Meereslebewesen in einem Aquarium, sah sie vorübergehen und im Nebel verschwinden.