Frank Herbert - Der Wüstenplanet

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Herzog Leto Atreides erhält vom Imperator Arrakis zum Lehen, den Wüstenplaneten, eine schreckliche Welt, in der nur die Stärksten überleben können. Aber gleichzeitig ist Arrakis die wertvollste Welt der Galaxis, denn nur in ihren Dünenfeldern ist das Melange zu finden, eine Droge, die den Menschen die Gabe verleiht, in die Zukunft zu blicken. Als der Herzog Arrakis betritt, ist er so gut wie tot. Seine mächtigen Gegner haben längst alles vorbereitet, um die Familie Atreides auszurotten. Doch seinem Sohn gelingt es, in die Wüste zu entkommen und bei den Premen unterzutauchen. Er wird der Anführer, und sie nennen ihn Muad'dib. Er sammelt die Wüstenbeduinen um sich zu einem gnadenlosen Rachefeldzug.

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»Dann werde ich bleiben und Ihnen helfen. Bis zu dem Tag, an dem Sie mir sagen, ich solle mich aufmachen und Ihren Vater und all die anderen rächen, die …«

»Hören Sie mir zu, Sie Kämpfer «, sagte Tuek. Er beugte sich über den Tisch nach vorn und zog den Kopf zwischen die Schultern. Das Gesicht des Schmugglers war plötzlich so dunkel wie ein regennasser Stein. »Das Wasser meines Vaters kaufe ich mir selbst zurück, mit meinem eigenen Messer.«

Halleck sah den Mann an und stellte fest, daß er in diesem Moment frappierend Herzog Leto glich: eine Führernatur, selbstsicher und sich dessen bewußt, was er wollte. Er war genau wie der Herzog — bevor er nach Arrakis kam.

»Wollen Sie, daß ich Ihnen dabei helfe?« fragte Halleck.

Tuek setzte sich zurück, entspannte sich und schaute ihn schweigend an.

»Sie halten mich für eine Kämpfernatur? « bohrte Halleck weiter.

»Sie sind der einzige von den Leutnants des Herzogs, dem die Flucht gelang«, meinte Tuek. »Sie kämpften gegen einen übermächtigen Gegner und sind ihm doch entkommen … Sie besiegten ihn auf die gleiche Art, wie wir Arrakis besiegen.«

»Wie?«

»Wir leben hier in einem ständigen Kampf, Gurney Halleck«, erklärte Tuek. »Und unser Gegner heißt Arrakis.«

»Sie meinen, man sollte nicht gleichzeitig gegen verschiedene Feinde kämpfen?«

»Genau.«

»Ist es das, was die Fremen ausmacht?«

»Vielleicht.«

»Sie sagten eben, ich würde das Leben unter ihnen nicht mögen. Meinen Sie das, weil sie in der offenen Wüste leben?«

»Wer kann schon sagen, wo sie wirklich leben? Für uns ist das Zentralplateau ein Niemandsland. Aber ich würde lieber über …«

»Ich habe gehört, daß die Gilde selten Gewürz-Leichter über die offene Wüste fliegen läßt«, sagte Halleck. »Aber es gibt Gerüchte, daß man, wenn man weiß, wohin man zu schauen hat, da und dort Grünflächen sehen kann.«

»Gerüchte!« schnaufte Tuek. »Würden Sie sich jetzt endlich zwischen uns und den Fremen entscheiden? Wir leben hier nach den Gesetzen einer zivilisierten Gesellschaft, auch wenn wir unser Quartier in den Felsen kratzen mußten und unsere Tätigkeit verbergen. Die Fremen sind nichts anderes als ein paar herumstreunende Banden, die wir als Gewürzjäger einsetzen.«

»Aber sie sind in der Lage, den Harkonnens zu schaden.«

»Und mit welchem Resultat? Während wir uns hier unterhalten, werden sie überall gejagt wie Tiere — mit Lasguns, weil sie über keine Schilde verfügen. Man hat sie für vogelfrei erklärt. Und warum? Weil sie Harkonnen-Soldaten töteten.«

»Waren es wirklich Harkonnens, die sie töteten?« fragte Halleck.

»Wie meinen Sie das?«

»Haben Sie nichts davon gehört, daß sich unter den Harkonnen-Truppen verkleidete Sardaukar befunden haben sollen?«

»Gerüchte!«

»Aber ein Pogrom — das deutet nicht auf die Harkonnens hin. Das wäre in ihren Augen Verschwendung.«

»Ich glaube nur das, was ich mit meinen eigenen Augen sehe«, erklärte Tuek. »Treffen Sie Ihre Wahl, Kämpfer. Entscheiden Sie sich für mich oder die Fremen. Ich kann Ihnen Sicherheit bieten — und eines Tages vielleicht auch das Blut, auf das wir beide warten. Dessen können Sie sicher sein. Bei den Fremen erwartet Sie nur das Leben eines permanent Gejagten.«

Halleck zögerte. Er spürte Weisheit und Sympathie in den Worten des Schmugglers, aber irgend etwas Unerklärliches hielt ihn zurück.

»Vertrauen Sie Ihren eigenen Fähigkeiten«, meinte Tuek. »Welche Entscheidungen führten dazu, daß Ihre Truppe den Kampf überstand? Es waren Ihre eigenen. Entscheiden Sie sich.«

»Es muß sein«, sagte Halleck. »Der Herzog und sein Sohn sind tot?«

»Die Harkonnens gehen davon aus. Und wenn es um solche Dinge geht, tendiere ich dazu, Ihnen zu glauben.« Er lachte grimmig. »Das ist das einzige Vertrauen, das ich ihnen entgegenbringe.«

»Dann muß es so sein«, sagte Halleck. Er streckte die rechte Hand aus, zeigte Tuek die innere Fläche und preßte den Daumen in der traditionellen Geste von innen dagegen. »Mein Schwert ist das Ihre.«

»Akzeptiert.«

»Wünschen Sie, daß ich mit meinen Leuten rede?«

»Würden Sie sie ihre eigenen Entscheidungen treffen lassen?«

»Sie sind mir auch bis hierher gefolgt. Viele von ihnen wurden auf Caladan geboren. Arrakis ist nicht das, was sie erwartet hatten. Sie haben auf diesem Planeten alles bis auf ihr Leben verloren. Ich würde sie selbst entscheiden lassen, nach dem, was sie durchgemacht haben.«

»Es ist jetzt nicht die Zeit, zu schwanken«, sagte Tuek. »Sie sind Ihnen auch bisher gefolgt.«

»Sie brauchen sie, ist es das?«

»Wir können immer erfahrene Kämpfer gebrauchen. In diesen Zeiten mehr als je zuvor.«

»Sie haben mein Schwert akzeptiert. Wünschen Sie, daß ich sie überrede, ebenfalls zu bleiben?«

»Ich glaube, Sie würden Ihnen folgen, Gurney Halleck.«

»Es ist anzunehmen.«

»Das ist es.«

»Ich soll also in dieser Angelegenheit meine eigene Entscheidung treffen?«

»Ja.«

Halleck erhob sich und fühlte, daß die kurze Ruhepause ihm gutgetan hatte. »Dann gehe ich jetzt in ihre Quartiere hinüber und sehe, was sich tun läßt.«

»Sprechen Sie mit meinem Quartiermeister«, sagte Tuek. »Er heißt Drisq. Sagen Sie ihm, daß es mein Wunsch sei, Ihnen jegliche Unterstützung zu gewähren. Ich werde dann später selbst herüberkommen. Zuerst muß ich noch einige Gewürzkontrollen durchführen.«

»Das Glück kann einem an jeder Stelle begegnen«, sagte Gurney Halleck.

»An jeder Stelle«, wiederholte Tuek. »Leerlauf ist nicht gut für unser Geschäft.«

Halleck nickte, hörte ein feines Zischen und fühlte den Luftzug, als die Tür hinter ihm aufsprang. Er drehte sich um und ging hinaus.

Er befand sich nun in der Versammlungshalle, durch die man ihn und seine Männer durch Tueks Stellvertreter hatte hereinführen lassen. Es war ein langer, aus dem Felsen herausgebrochener Raum, dessen Oberfläche mit irgendeinem unbekannten Material bearbeitet worden war. Die Decke war hoch und ließ ebenfalls kaum noch etwas davon ahnen, wie sie in ihrem Originalzustand ausgesehen hatte. An den Wänden befanden sich Waffenständer.

Mit einem Gefühl des Stolzes registrierte Halleck, daß jene Männer, die sich noch auf den Beinen halten konnten, keinesfalls umgefallen waren. Einige Mediziner der Schmuggler umschwärmten sie und behandelten die Verletzten. Man hatte in einer Ecke der Halle Tragbahren aufgestellt, auf denen diejenigen lagen, die bei den zurückliegenden Kämpfen etwas abbekommen hatten. Unverletzte Männer in den Uniformen der Atreides' kümmerten sich um jeden einzelnen von ihnen.

Das Atreides-Training, das unter dem Motto ›Wir sorgen für uns selbst‹ stand, bewährte sich also immer noch.

Einer der Leutnants kam auf ihn zu. Er trug den Kasten, der Hallecks Baliset enthielt, salutierte und sagte: »Sir, die Mediziner hier meinen, daß Mattai es wohl nicht überleben wird. Leider verfügen sie nicht über Knochen- und Organbänke. Sie haben nur die üblichen Medikamente. Es gibt keine Hoffnung mehr für ihn, Sir, und Mattai weiß das auch. Er hat eine Bitte an Sie.«

»Welche?«

Der Leutnant reichte ihm das Instrument. »Er möchte, daß Sie ein Lied spielen, Sir, um die Sache für ihn zu erleichtern. Er sagt, Sie wüßten sicher, welches er meint … weil er Sie oft darum gebeten hat, es zu spielen.« Der Leutnant schluckte. »Es ist das Lied ›Meine Frau‹, Sir. Falls Sie …«

»Ich weiß.« Halleck nahm das Baliset an sich, entlockte ihm einen leisen Akkord und stellte fest, daß jemand es bereits für ihn gestimmt hatte. In seinen Augen war ein Brennen, aber er verbannte es aus seinen Gedanken, griff in die Saiten und zwang sich zu einem Lächeln.

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