Frank Herbert - Der Wüstenplanet

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Herzog Leto Atreides erhält vom Imperator Arrakis zum Lehen, den Wüstenplaneten, eine schreckliche Welt, in der nur die Stärksten überleben können. Aber gleichzeitig ist Arrakis die wertvollste Welt der Galaxis, denn nur in ihren Dünenfeldern ist das Melange zu finden, eine Droge, die den Menschen die Gabe verleiht, in die Zukunft zu blicken. Als der Herzog Arrakis betritt, ist er so gut wie tot. Seine mächtigen Gegner haben längst alles vorbereitet, um die Familie Atreides auszurotten. Doch seinem Sohn gelingt es, in die Wüste zu entkommen und bei den Premen unterzutauchen. Er wird der Anführer, und sie nennen ihn Muad'dib. Er sammelt die Wüstenbeduinen um sich zu einem gnadenlosen Rachefeldzug.

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»Wie Sie wollen, Sire.« Hawat setzte sich zurück und senkte den Blick.

»In Ordnung«, meinte der Herzog. »Wir sind uns nun im klaren darüber, was uns erwartet — nämlich harte Arbeit. Aber wir sind dazu ausgebildet und haben einige Erfahrungen aufzuweisen. Wir wissen ebenso, daß ein Lohn auf uns wartet — und auch über die Alternativen machen wir uns nichts vor. Jeder sollte jetzt genauestens im Bilde sein.« Er sah zu Gurney hinüber. »Am besten nimmst du dich der Schmuggler an.«

»Und so begebe ich mich denn hin zu den Rebellen, die in der Wüste hausen«, zitierte Halleck feierlich.

»Irgendwann werde ich dich schon noch ohne eine schlagfertige Antwort erwischen«, schmunzelte der Herzog. »Und dann stehst du nackt vor mir.« Die am Tisch versammelten Männer lachten, aber es war nicht zu überhören, daß sich die meisten dazu zwingen mußten.

Leto sagte zu Hawat: »Sorg dafür, daß der Nachrichtenmann auf diesem Stockwerk einen Mitarbeiter erhält. Wenn es soweit ist, möchte ich mit dir sprechen.«

Hawat stand auf und sah in die Runde, als erwarte er, daß ihn jemand unterstütze. Dann geleitete er als erster die übrigen Männer aus dem Raum. Die Offiziere folgten ihm hastig in kleinen Gruppen.

Allgemeine Verwirrung, dachte Paul, während sein Blick auf die Rücken der letzten Hinausgehenden fiel. Bisher hatten Besprechungen dieser Art meistens zu konkreten Ergebnissen geführt. Diesmal war ihm die ganze Sache ziemlich einseitig erschienen. Und sie hatte mit einer verhohlenen Auseinandersetzung geendet.

Zum erstenmal zwang Paul sich dazu, ernsthaft über mögliche Verteidigungsmaßnahmen nachzudenken. Es war nicht die Angst, die ihn dazu brachte — oder etwa die Warnung, die er von der Ehrwürdigen Mutter erhalten hatte. Nein, der Grund war, daß er sich selbst in den Strudel der Ereignisse hineingestürzt hatte.

Mein Vater ist verzweifelt, dachte er. Es geht nicht so, wie er es sich vorgestellt hat.

Und Hawat — er rief sich ins Gedächtnis zurück, wie der alte Mentat reagiert hatte — zeigte deutlich dieses Zögern und die Zeichen innerer Unruhe.

Hawat machte sich ernsthafte Sorgen.

»Es wird am besten sein«, sagte der Herzog, »wenn du den Rest der Nacht hier verbringst, mein Sohn. Es ist sowieso bald Morgen. Ich werde deiner Mutter deswegen Bescheid geben.« Müde stand er auf. »Warum stellst du nicht ein paar von den Stühlen zusammen und versuchst dich ein wenig hinzulegen?«

»Ich bin nicht sehr müde, Sire.«

»Wie du meinst.«

Der Herzog faltete hinter dem Rücken die Hände und begann unruhig an den Tischen entlang auf und ab zu gehen.

Wie ein Tier im Käfig, durchzuckte es Paul.

»Hast du vor, diese Verräter-Geschichte mit Hawat zu diskutieren?« fragte er.

Der Herzog blieb vor seinem Sohn stehen und erwiderte, den verdunkelten Fenstern zugewandt: »Wir haben diese Möglichkeit schon mehr als einmal in Erwägung gezogen.«

»Die alte Frau schien sich ziemlich sicher zu sein«, meinte Paul. »Und die Botschaft der Ehrwürdigen Mutter …«

»Wir haben alle Sicherheitsmaßnahmen ergriffen«, erwiderte der Herzog. Er warf einen Blick durch den Raum, und Paul bemerkte in seinem Blick die Anzeichen einer gejagten Kreatur. »Bleib hier. Ich habe noch einige Dinge mit Thufir zu besprechen.«

Als er hinausging, nickte er den Wachtposten kurz zu.

Paul starrte auf die Stelle, an der sein Vater zuletzt gestanden hatte. Schon bevor der Herzog hinausgegangen war, war sie ihm merkwürdig leer erschienen. Und er erinnerte sich an die Warnung der Ehrwürdigen Mutter: »… für deinen Vater gibt es keinen Ausweg.«

13

Am ersten Tag, als Muad'dib mit seiner Familie durch die Straßen von Arrakeen fuhr, erinnerten sich viele der am Wegesrand stehenden Menschen der Legenden und Prophezeiungen und riefen laut: »Mahdi!« Aber ihre Rufe waren mehr eine Frage als eine Feststellung, weil sie bis dahin nur damit rechneten, er sei der Lisan al-Gaib, die Stimme der Außenwelt. Aber sie lenkten ihre Aufmerksamkeit ebenso auf seine Mutter, weil bereits bekannt war, daß sie zu den Bene Gesserit gehörte, was sie für die Leute praktisch in den gleichen Rang erhob.

Aus ›Leitfäden des Muad'dib‹, von Prinzessin Irulan.

Der Herzog fand — geleitet von einer Wache — Thufir in einem Eckzimmer. Die Geräusche einer Gruppe von Männern, die im Nebenzimmer eine nachrichtentechnische Ausrüstung bedienten, waren nicht zu überhören. Aber dieser Raum war dennoch einigermaßen ruhig.

Der Herzog sah sich um und Hawat erhob sich hinter einem von Papieren überladenen Tisch. Es war ein grüngestrichenes Zimmer, und zur Einrichtung gehörten außer dem Tisch noch drei Suspensorsessel, von deren Rückenlehnen man das Wappen der Harkonnens offenbar sehr eilig entfernt hatte. Der farbliche Unterschied war einwandfrei zu erkennen.

»Die Stühle sind sicher«, sagte Hawat. »Wo ist Paul, Sire?«

»Ich habe ihn im Konferenzzimmer zurückgelassen. Ich hoffe, daß er einige Ruhe hat, wenn ich nicht da bin.«

Hawat nickte und durchquerte eilig den Raum, um die Tür zum Nebenzimmer zu schließen. Der Lärm verstummte.

»Thufir«, begann der Herzog, »ich habe über die Gewürzlager des Imperators und der Harkonnens nachgedacht.«

»Ich verstehe nicht?«

Der Herzog schürzte die Lippen. »Lagerhäuser sind sehr anfällig.« Als Hawat etwas erwidern wollte, hob er die Hand. »Natürlich nicht die des Imperators. Normalerweise würde es ihm sicher gefallen, wenn die Harkonnens eine Schlappe erleiden. Und wie sollte der Baron in der Lage sein, sich darüber zu beschweren, wo er nicht einmal offen zugeben darf, daß er diese Lagerhäuser besitzt?«

Hawat schüttelte den Kopf. »Das kostet uns zu viele Leute.«

»Dann setzen wir Idahos Männer ein. Möglicherweise würde es sogar einer ganzen Reihe von Fremen gefallen, Arrakis mal von oben zu sehen. Ein Überfall auf Giedi Primus — solche Manöver können sich als gute Möglichkeiten der Ablenkung erweisen, Thufir.«

»Wie Sie wünschen, Mylord.« Als Hawat sich abwandte, erkannte der Herzog Nervosität in dem alten Mann. Er dachte: Möglicherweise glaubt er, ich mißtraue ihm. Er sollte ahnen, daß ich vor Verrätern gewarnt wurde. Nun am besten, ich beruhige ihn gleich.

»Thufir«, begann er, »da du einer der wenigen bist, denen ich völlig vertrauen kann, will ich dir sagen, daß es auch noch ein anderes Problem gibt, über das wir reden müssen. Wir wissen beide, daß wir ständig auf der Lauer liegen müssen, um zu verhindern, daß unsere Streitkräfte von Verrätern unterwandert werden … Ich habe zwei neue Mitteilungen erhalten.«

Hawat drehte sich um und starrte ihn an.

Und Leto wiederholte die Geschichten, die Paul ihm erzählt hatte.

Anstatt zu einer intensiven Mentat-Konzentration zu führen, schienen die Neuigkeiten Hawat eher noch nervöser zu machen.

Leto beobachtete den alten Mann nachdenklich und sagte schließlich: »Du verbirgst etwas vor mir, alter Freund. Und das ist mir bereits während der Stabskonferenz aufgefallen. Was ist es, daß du vor der Versammlung nicht davon sprechen wolltest?«

Hawats saphogefärbte Lippen formten sich zu einem schmalen Strich, an dessen Rändern die Falten des Alters nur um so mehr hervorstachen. Sie bewegten sich kaum, als er erwiderte: »Mylord — ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll.«

»Wir haben bereits so oft füreinander den Kopf hingehalten, Thufir«, entgegnete der Herzog, »daß es zwischen uns eigentlich keine verbalen Probleme mehr geben sollte.«

Hawat starrte ihn an und dachte dabei: So mag ich ihn am liebsten. Dies ist der Mann von Ehre, der meine völlige Loyalität anerkennt. Aber — wie kann ich ihm Schmerzen zufügen?

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