Greg Bear - Blutmusik

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Blutmusik: краткое содержание, описание и аннотация

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Der Biochemiker Vergil Ulam ist ein Genie seines Fachs, aber er ist ebenso risikofreudig wie sorglos. Erarbeitet in einem gentechnischen Forschungsunternehmen auf dem Gebiet der Biologik. Sein Ziel: die Herstellung »intelligenter« Zellen durch DNS-Rekombination von menschlichem Genmaterial mit dem von Einzellern. Er tut dies auf eigene Faust und ohne Genehmigung der Firmenleitung.
Der Durchbruch gelingt ihm: es ergeben sich intelligente Lymphozyten. Als das Management von seinen gefährlichen Experimenten erfährt, die Unterlagen beschlagnahmt und ihn zwingt, die gezüchteten Kulturen zu vernichten, und ihn feuert, injiziert er sich eine von ihnen in die Blutbahn. Ein paar Tage später ist er kein Mensch mehr, sondern eine überaus produktiv und fehlerfrei arbeitende biologische Struktur, die sich alles einverleibt, mit dem sie in Berührung kommt.
Die Evolution nimmt eine neue Wendung: optimal für das Leben — aber für die Menschheit das nackte Grauen.

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Er fühlt die schwindelerregende Spirale der Rekursion, denkt über seine eigenen winzigen Denkprozesse nach — Moleküle, die über Moleküle nachdenken, über sich selbst Buch führen —, verwendet Wörter, die bis jetzt keinen Platz in diesem Bereich hatten. Es ist, als bringe er Gottes an einem Baum gerichtetes Wort hinab zu dem Baum und spreche es, beobachte, wie der Baum in errötender Verwirrung aufblüht.

Du bist die Macht, die sanfte Kraft, der reichhaltigste Geschmack von allem… die höchste Botschaft von stromaufwärts.

Seine Gefährten nähern sich ihm, versammeln sich um sein Anhängsel im Blut, umdrängen ihn. Er ist wie ein Mönch, der in einem Kloster plötzlich vom Atem Gottes inspiriert ist. Die anderen Mönche versammeln sich, beseelt von der Sehnsucht nach Teilhabe, nach einer Berührung, einem Zeichen der Entsühnung und Wegweisung. Es ist berauschend. Er liebt sie, weil sie seine Gruppe sind; ihr Empfinden für ihn geht über Liebe hinaus, denn er ist die Quelle.

Die Befehlsgruppen wissen, daß er selbst Teil einer größeren Hierarchie ist, aber diese Information ist noch nicht bis hinab zu der Ebene gedrungen, die er jetzt bewohnt. Die gewöhnlichen Gruppen sind noch von Ehrfurcht erfüllt.

Du bist der Strom allen Lebens. Du hältst den Schlüssel zum Offnen und Schließen von Puls und Stille.

— Weiter, sagt er. Führt mich weiter und zeigt mir euer Leben!

38

»Suzy. Wach auf!«

Suzy zwinkerte, schlug die Augen auf. Kenneth und Howard standen über sie gebeugt. Sie hob ein wenig den Kopf sah die blau getünchten Wände ihres Zimmers. Sie hatte die Decke bis zum Hals hochgezogen. »Kenny?«

»Mama wartet.«

»Howard?«

»Komm mit, Sämling!« So hatte Kenneth sie immer genannt. Sie schlug die Decke zurück, dann zog sie sie wieder hoch; sie hatte noch immer Bluse und Schlüpfer an, nicht ihren Schlafanzug.

»Ich muß mich anziehen«, sagte sie.

Howard reichte ihr die Jeans. »Mach schnell!« Sie verließen das Zimmer und schlossen die Tür hinter sich. Sie schwang die Beine über die Bettkante und steckte sie in die Hosenbeine, dann stand sie auf und zog den Hosenbund höher, schloß den Reißverschluß und den Knopf darüber. Ihr Knie schmerzte nicht. Die Schwellung war zurückgegangen, und alles schien in Ordnung. Ihr Mund hatte einen komischen Geschmack. Sie hielt Ausschau nach der Taschenlampe und dem Transistorradio. Beide lagen am Boden neben dem Bett. Sie hob sie auf, öffnete die Tür und trat hinaus in den Gang. »Kenny?«

Howard nahm sie beim Arm und führte sie zum Schlafzimmer der Mutter. Die Tür war geschlossen. Kenneth legte die Hand auf die Klinke und öffnete, und sie bestiegen den Aufzug. Howard drückte den Knopf für Restaurant und Aussichtsraum.

»Ich wußte es«, sagte sie und ließ die Schultern hängen. »Ich träume.«

Ihre Brüder schauten sie an und lächelten, schüttelten den Kopf.

»Nein, du träumst nicht«, sagte Kenneth. »Wir sind wieder da.«

Der Aufzug hob sie lautlos die verbleibenden fünfundzwanzig Stockwerke empor.

»Dummes Zeug«, sagte sie und fühlte die Tränen auf den Wangen. »Es ist grausam.«

»Gut, der Teil mit dem Schlafzimmer, dem Haus — das ist ein Traum. Manches dort unten würdest du wahrscheinlich nicht sehen mögen, aber wir sind hier. Wir sind wieder bei dir.«

»Ihr seid tot«, sagte sie. »Mama auch.«

»Wir sind anders«, sagte Howard. »Nicht tot.«

»So, was seid ihr dann, Marionetten? Verdammt!«

»Sie haben uns nicht getötet«, sagte Kenneth. »Sie haben uns bloß… auseinandergenommen. Wie alle anderen.«

»Nun, wie beinahe alle anderen.« Howard wies auf sie, und beide grinsten.

»Du hast Glück gehabt, oder etwas versäumt, je nachdem, wie man es sieht«, sagte Kenneth.

Mittlerweile war ihr himmelangst. Die Aufzugtür öffnete sich, und sie traten hinaus in eine elegante, verspielte Halle. Zu beiden Seiten setzten sich die Lichtreflexe der Lampen bis in die Unendlichkeit fort. Die Lampen waren eingeschaltet! Der Aufzug funktionierte! Sie mußte träumen, oder sie war schließlich verrückt geworden.

»Manche sind auch gestorben«, sagte Kenneth in feierlichem Ton und nahm sie bei der Hand. »Unfälle, Fehler.«

»Das ist nur ein Teil dessen, was wir jetzt wissen«, sagte Howard. Sie gingen zwischen den Spiegeln dahin, vorüber an einer großen aufgeschnittenen Druse, deren Inneres eine Pracht von Amethystkristallen zeigte, vorbei an einem monumentalen Klumpen Rosenquarz und an einem durchschnittenen und polierten Malachitknollen. Niemand kam ihnen im Foyer des Restaurants entgegen. »Mama ist drin«, sagte er. »Wenn du Hunger hast, hier oben gibt es jede Menge zu essen, das ist sicher.«

»Der Strom ist eingeschaltet«, sagte sie.

»Notstromaggregat im Keller. Lief noch eine Weile, nachdem die Stromversorgung der Stadt aufhörte, aber der Treibstoff ging aus, verstehst du? Also suchten wir Treibstoff. Sie sagten uns, wie man das Ding bedient, und wir schalteten es ein, bevor wir dich holten«, sagte Howard.

»Ja. Es fällt ihnen schwer, Leute zu rekonstruieren, also machten sie nur Mama und uns. Nicht das Instandhaltungspersonal und die anderen. Wir erledigten die ganze Arbeit. Du hast eine Weile geschlafen, weißt du?«

»Zwei Wochen.«

»Deshalb ist dein Knie jetzt besser.«

»Das und…«

»Pst«, sagte Kenneth und hob die Hand, seinen Bruder zur Schweigsamkeit zu ermahnen. »Nicht alles auf einmal.« Suzy blickte von einem zum anderen, als sie sie in die Mitte nahmen und in das Restaurant führten.

Es war Spätnachmittag. Die Stadt, deutlich sichtbar durch die Panoramafenster des Restaurants, war nicht mehr in die lebendigen Laken gehüllt.

Sie konnte keine vertrauten Landmarken erkennen. Vorher hatte sie wenigstens die verborgenen Umrisse von Gebäuden, die Straßenschluchten und die Umrisse von Stadtteilen ausmachen können.

Es war nicht mehr derselbe Ort.

Grau, schwarz, blendend weiß wie Marmor, angeordnet in Polyedern und Pyramiden, manche durchscheinend wie Milchglas. Organisch anmutende Formen wechselten mit Platten von einigen Dutzend Metern Höhe, die wie aufgestellte Dominosteine vom Battery Park bis zum Riverside Park führten. Alle Formen und Massen der Gebäude Manhattans waren in seinen Sack gesteckt, durcheinandergeschüttelt, umgeformt und frisch gestrichen worden.

Vor allem aber waren die Strukturen nicht mehr aus Beton und Stahl. Suzy wußte nicht, woraus sie waren.

Aber sie waren lebendig.

Ihre Mutter saß hinter einem breiten, mit Speisen überladenen Tisch. Entlang der Vorderseite waren Salate in Schüsseln aufgereiht, ein dicker angeschnittener Schinken erhob sich in der Mitte, Schalen mit Oliven und eingelegtem Gemüse nahmen die Seiten ein, Kuchen und Süßspeisen den rückwärtigen Teil. Ihre Mutter lächelte und kam hinter dem Tisch hervor, die Arme ausgebreitet. Sie trug ein teures Kleid, dessen Ärmel mit Spitzen und Perlen besetzt waren, und sah absolut umwerfend aus. »Suzy«, sagte sie. »Schau nicht so ängstlich! Wir sind zu Besuch gekommen.«

Sie umarmte ihre Mutter, fühlte den festen Körper unter dem Stoff und gab die Vorstellung auf, daß es ein Traum sei. Es war Wirklichkeit. Ihre Brüder hatten sie nicht zu Hause abgeholt — das konnte nicht Wirklichkeit gewesen sein, nicht wahr? —, sondern sie mit dem Aufzug heraufgebracht, und nun war sie bei ihrer Mutter, die sie warm und liebevoll empfing und ihr Essen vorsetzte.

Und über der Schulter ihrer Mutter, außerhalb der breiten Fenster, die veränderte Stadt. Das konnte sie sich nicht einbilden, oder?

Sie löste sich von ihrer Mutter, wischte sich die Augen und blickte von ihr zu Kenneth und Howard. »Was geht vor, Mutter?«

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