Robert Silverberg - Über den Wassern

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Über den Wassern: краткое содержание, описание и аннотация

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Auf der Wasserwelt Hydros leben seit Generationen Siedler von der Erde friedlich nebeneinander mit den amphibischen Eingeborenen des Planeten. Als eines Tages ein Fischer ein paar von den intelligenten Fischen im Meer tötet, haben die Menschen ihr Siedlungsrecht verwirkt. Sie müssen ihre kleinen schwimmenden Inseln, die ihnen längst zur Heimat geworden sind, verlassen und sind gezwungen, ein geheimnisvolles dunkles Land zu sucher, das vielleicht nur in den Sagen existiert.

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* * *

Am ersten Tag, während sie noch durch die Bucht segelten, hatte Lawler sich dabei ertappt, daß er immer wieder nach achtern wanderte und zur Insel Sorve zurückblickte, bis sie immer mehr entschwand und unsichtbar wurde.

Während dieser ersten Stunden der Reise hatte Sorve sich noch hinter ihm erhoben wie ein langgestreckter gelbbrauner Hügel. Es schien immer noch real und greifbar geblieben. Er hatte den vertrauten Mittelkamm und die sich breitenden Schenkel ausmachen können, die grauen Spitzen der Vaarghs, das Kraftwerk, die verstreuten Gebäude der Delagard-Werft. Er bildete sich sogar ein, er könne die Reihen düsterer Gillies ausmachen, die sich zum Strand begeben hatten, um die Abfahrt der sechs Schiffe zu überwachen.

Dann nahm das Wasser eine neue Färbung an; das leuchtende Dunkelgrün der seichten Bucht wurde von der Farbe des Ozeans abgelöst, die hier ein dunkles Blau war, mit Grau vermischt. Hier war wirklich der Punkt der Trennung vom Land, wenn die Bucht hinter einem lag. Lawler empfand dies, als wäre eine Falltür unter ihm aufgegangen und er ohne Rettungsleine ins Bodenlose gestürzt worden. Sobald der künstliche Meeresboden hinter ihnen zurückgeblieben war, begann Sorve rapide zu schrumpfen, wurde immer weniger, schließlich nur mehr eine dunkle Linie überm Horizont, und dann war es verschwunden.

Weiter draußen würde der Ozean wieder andere Färbungen aufweisen, je nach den Mikroorganismen, die in ihm lebten, je nach dem Klimaumfeld, je nach den Stoffen, die aus der Tiefe heraufgewälzt wurden. Die einzelnen Meeresgebiete des Großozeans waren nach der in ihnen vorherrschenden Färbung benannt worden: das Rote Meer, das Gelbe, Azurblaue, Schwarze Meer. Fürchten mußte man das ›Leere Meer‹, eine Seegegend wie fahlblaues Eis, eine Wasserödnis. Gewaltige Teile des Ozeans waren von dieser Art, und es gab beinahe nichts Lebendiges in ihnen. Allerdings führte der geplante Kurs der Expedition nirgendwo in die Nähe eines dieser Leeren Meere.

Die Flottille zog in enggeschlossener Keilformation dahin, und es war beabsichtigt, dies Tag und Nacht durchzuhalten. Jedes Schiff des Konvois stand unter dem Kommando eines der Fährschiffkapitäne Delagards, mit einer Ausnahme: Das Schiff mit den elf Frauen der ›Schwesternschaft‹ wurde von ihnen selber gesteuert. Delagard hatte innen einen seiner Männer angeboten, doch sie hatten, wie er es erwartet hatte, ein Männerkommando abgelehnt. »Ein Boot zu segeln, das ist doch kein Problem«, wies ihn Schwester Halla zurecht. »Wir werden einfach darauf achten, wie ihr das macht, und genau das gleiche tun.«

Die Queen of Hydros, Delagards Flaggschiff mit Gospo Struvin als Kapitän, lag an der Spitze der Keilformation. Danach folgten die Black Sea Star unter Poitin Stayvol und die Sorve Goddess unter Bamber Cadrell; dahinter die restlichen drei Schiffe in breiterer Linie, die übrigen Schiffe, in der Mitte die Hydroskreuz mit den Konventschwestern, flankiert von den Three Moons unter Martin Yanez und der Golden Sun mit Käptn Damis Sawtelle.

Nun war nichts mehr zu sehen als der Himmel und die See, der weite flache Horizont und die sanfte Dünung des Ozeans. Über Lawler senkte sich ein merkwürdiges friedliches Gefühl; er fand es erstaunlich leicht, in die überdimensionale Weite einzutauchen und sich darin zu verlieren. Die See ging ruhig, und es sah so aus, als werde sie in alle Ewigkeit so bleiben. Sorve war nicht mehr sichtbar, gewiß, Sorve war fort. Doch was machte das? Sorve war nicht mehr von Bedeutung.

Er ging auf dem Deck nach vorn und genoß dabei den Wind in seinem Rücken, der das Schiff voranschob und ihn Augenblick um Augenblick von allem, was er je gekannt hatte, immer weiter entfernte.

Father Quillan stand beim Fockmast. Der Geistliche trug eine dunkelgraue Hülle aus irgendeinem ungewöhnlichen Webstoff, der weich und luftig aussah, ein Kleidungsstück, das er von einer fremden Welt mitgebracht haben mußte. Auf Hydros gab es derartige Stoffe nicht.

Lawler blieb bei ihm stehen. Quillan deutete mit weit ausholender Armbewegung über das Wasser. Das Meer sah aus wie ein gewaltiger, wild funkelnder blauer Edelstein, der sich überallhin ausdehnte, als wäre der ganze Planet eine einzige glatte schimmernde Kugel. »Wenn man sich das so betrachtet, käme man doch nie auf den Gedanken, daß es in der Welt noch etwas anderes geben könnte als Wasser, nicht wahr?«

»Hier jedenfalls.«

»Ein derartig riesiger Ozean. Und diese Leere überall.«

»Das zwingt einem die Vermutung auf, daß es Gott geben muß, wie? Diese scheinbare Unendlichkeit.«

Der Priester blickte Lawler bestürzt an.

»Tut es das?«

»Ich weiß es nicht, ich habe dich gefragt.«

»Glaubst du an Gott, Lawler?«

»Mein Vater glaubte.«

»Aber wie ist es mit dir?«

Lawler zuckte die Achseln. »Mein Vater hatte mal eine Bibel. Er las uns daraus vor. Irgendwie ging das Buch dann vor langer Zeit verloren. Oder man hat es gestohlen. Ich erinnere mich daran, aber nur wenig. Und Gott sprach, es werde ein Festes zwischen den Wassern und es scheide die Wasser von den Wassern. Und Gott nannte dies Feste Himmel… Da, diesen Himmel dort oben, richtig, Father Quillan? Hinter unserem Himmel? Und die Gewässer jenseits davon, sofern es sie gibt, die sind der Ozean des Raumes?« Der Priester starrte ihn verblüfft an. »Und Gott sprach, es sammle sich das Wasser unter der Feste an einem Orte, daß man das Trockene sehe. Und also geschah es. Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer.«

Quillan fragte: »Sie kennen die ganze Bibel auswendig?«

»Nein, nur eine Winzigkeit. Die erste Seite. Das ganze übrige Zeug ergab für mich einfach keinen Sinn… diese ganzen Propheten und Könige und Schlachten und so.«

»Und Jesus?«

»Die Geschichten mit dem waren weiter hinten. Ich bin nie bis dorthin gekommen mit Lesen.« Lawler blickte zu dem stetig davongleitenden Horizont: Blau, das sich unter anderem Blau ins Unmeßbare weiterkrümmte. »Aber da es hier kein trockenes Land gibt auf Hydros, hat Gott anscheinend für hier eine andere Schöpfungsabsicht verfolgt als bei der Erschaffung der ERDE. Meinen Sie nicht auch? Gott nannte das trockene Land ERDE. Und das nasse Land nannte er dann wohl Hydros, vermute ich. Das muß eine fürchterliche Arbeit gewesen sein, die Erschaffung all dieser verschiedenen Welten. Nicht bloß die ERDE, sondern auch jede einzelne andere Welt in der Galaxis. Iriarte, Fenix, Megalo Kastro, Darma Barma, Mentirosa, Copperfield, Nabomba Zorn, den ganzen Sack voll, die Abermillionen Planeten. Mit einer bestimmten speziellen Absicht für jede einzelne Welt, oder wozu hätte er sonst dermaßen viele schaffen sollen? Und es war doch wohl der eine gleiche Gott, oder, der sie erschaffen hat?«

»Ich weiß es nicht«, sagte Quillan.

»Aber du bist doch — Priester!«

»Das bedeutet nicht, daß ich alles weiß. Es bedeutet nicht einmal, daß ich überhaupt etwas weiß.«

»Glaubst du an Gott?« fragte Lawler.

»Ich weiß es nicht.«

»Glaubst du an überhaupt irgend etwas?«

Quillan schwieg lange. Sein Gesicht war völlig ohne Ausdruck, als wäre momentan seine Seele aus dem Körper gewichen.

»Nein, ich glaub nicht«, sagte er dann.

* * *

Die See wirkte aus irgendeinem unerfindlichen Grund jetzt auf einmal flacher, als es von der Insel aus der Fall gewesen war. Die Nacht brach hier plötzlicher herein, fast schlagartig. Die Sonne sackte durch den westlichen Himmel, schwebte einen kurzen Augenblick über der Kimmung des Meeres und tauchte unter. Und praktisch gleichzeitig wurde es hinter ihnen dunkel, und das KREUZ begann aufzuleuchten.

»Erste Wache, Essenfassen!« brüllte Natim Gharkid und trommelte auf einen Topfboden.

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