Robert Silverberg - Über den Wassern

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Über den Wassern: краткое содержание, описание и аннотация

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Auf der Wasserwelt Hydros leben seit Generationen Siedler von der Erde friedlich nebeneinander mit den amphibischen Eingeborenen des Planeten. Als eines Tages ein Fischer ein paar von den intelligenten Fischen im Meer tötet, haben die Menschen ihr Siedlungsrecht verwirkt. Sie müssen ihre kleinen schwimmenden Inseln, die ihnen längst zur Heimat geworden sind, verlassen und sind gezwungen, ein geheimnisvolles dunkles Land zu sucher, das vielleicht nur in den Sagen existiert.

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»Wenn ich mal was für dich tun kann, Doc, dann brauchste das bloß zu sagen. Jederzeit.«

»Das ist sehr freundlich von dir«, sagte er.

Neyana kroch hinaus. Nicko Thalheim kroch herein. Er war wie Lawler auf Sorve geboren und ebenso Abkömmling einer Ersten Familie mit einem Pedigree über fünf Generationen bis zu den Tagen, als der Planet noch Strafkolonie war. Nicko war eine der führenden Persönlichkeiten der Insel, ein derber rotgesichtiger Mann mit dickem Genick und ausladenden Schultern. Als Kinder waren er und Lawler Spielgefährten gewesen, und auch jetzt waren sie noch gute Freunde. Insgesamt gab es sieben Thalheims auf der Insel, machten also ein Zehntel der Humanbevölkerung aus. Nickos Vater, seine Frau, seine Schwester und seine drei Kinder. Es war ungewöhnlich, daß eine Familie drei Kinder hatte. Thalheims Schwester hatte sich vor etlichen Monaten der Klosterfrauengruppe am anderen Ende der Insel angeschlossen; sie war jedermann inzwischen unter dem Namen ›Schwester Boda‹ bekannt. Thalheim war über ihren Profeß nicht erfreut gewesen.

»Läuft der Eiter aus dem Abszeß gut ab?« fragte Lawler.

Thalheim hatte eine Infektion in der linken Achselhöhle. Lawler vermutete, daß ihn da irgendwas in der Bucht gestochen haben könnte, doch Thalheim verneinte das. Es war eine hartnäckige Sache und eklig, immer wieder floß Eiter heraus. Lawler hatte den Abszeß schon dreimal geschnitten und zu säubern versucht, aber er hatte sich immer wieder neu entzündet. Beim letztenmal hatte er vom Weber Harry Travish aus Seeplastik eine kleine Auffangröhre fertigen lassen und sie festgesteckt, damit darin der Eiter aufgefangen und von der entzündeten Stelle weggeleitet werde.

Er hob nun den Verband ab, zerschnitt die Stichnaht, durch die der Auffangtubus festgehalten wurde, und inspizierte die Entzündung. Die ganze Haut im Umkreis war gerötet und fühlte sich unter den Fingern heiß an.

»Tut höllisch weh«, sagte Thalheim.

»Ja, und es sieht auch ziemlich übel aus. Tust du auch wirklich die Medizin drauf, die ich dir gegeben habe?«

»Aber sicher mach ich das.«

Es klang nicht überzeugend. Lawler sagte: »Das kannst du halten, wie du willst, Nicko. Aber wenn sich die Entzündung ausbreitet und den Arm runterwandert, werde ich dir vielleicht den ganzen Arm amputieren müssen. Meinst du, du kannst auch mit nur einem Arm richtig weiterarbeiten?«

»Ist ja bloß mein linker, Val.«

»Das kann ja wohl kaum dein Ernst sein.«

»Nein. Natürlich nicht.« Er stöhnte knurrend, als Lawler die Geschwulst erneut berührte. »Also, vielleicht hab ich ja mal einen Tag auf die Medizin vergessen, oder vielleicht auch zwei. Tut mir leid, Val.«

»In einiger Zeit wird es dir noch viel mehr leid tun.«

Und kühl und ohne Zimperlichkeit säuberte Lawler den Infektionsherd, als schnitte er an einem Stück Holz herum. Thalheim blieb bei der Prozedur stumm und bewegte sich nicht.

Als Lawler den Drainagetubus wieder anheftete, sagte Thalheim auf einmal: »Wir kennen uns schon sehr lange, Val.«

»Ja, fast vierzig Jahre.«

»Und uns hat es alle beide nicht gedrängt, auf eine andere Insel zu gehen.«

»Ich bin nie auf so einen Gedanken gekommen«, sagte Lawler. »Aber davon mal abgesehen, ich war schließlich hier der Doktor.«

»Genau. Und mir hat es einfach hier gefallen.«

»Ja«, sagte Lawler. Worauf wollte er hinaus?

»Weißt du, Val«, sprach Thalheim weiter. »Ich hab drüber nachgedacht, über diese Geschichte, daß wir hier fort müssen. Es ist mir zuwider. Es macht mich innerlich ganz krank.«

»Ich bin auch nicht begeistert davon, Nicko.«

»Klar. Aber du scheinst dich damit abgefunden zu haben.«

»Was bleibt mir denn anderes übrig?«

»Vielleicht gibt‹ s doch ’ne andere Möglichkeit, Val.«

Lawler schaute ihn an und wartete.

Thalheim fuhr fort: »Ich hab dich bei der Gemeindeversammlung gehört. Was du da gesagt hast, daß es zu nichts führt, wenn wir versuchen, uns gegen die Gillies zu wehren. Ich war da nicht einverstanden mit dir, aber nachdem ich noch mal über alles nachgedacht habe, sah ich, daß du recht hast. Trotzdem überlege ich mir die ganze Zeit, ob es nicht doch eine Möglichkeit gibt, daß ein paar von uns hierbleiben können.«

»Was?«

»Also, wenn zehn, zwölf von uns sich am anderen Ende verstecken, dort wo die Schwestern sich niedergelassen haben. Du, und ich, meine Familie, und die Katzins, die Hains — das wäre ein Dutzend. Und außerdem ’ne recht anständige Gruppe, keine Reibereien, alle mitsammen Freunde. Wir verhalten uns ganz still, gehen den Gillies aus dem Weg, fischen auf der anderen Seite der Insel und versuchen so weiterzuleben wie bisher.«

Der Gedanke war dermaßen absurd, daß er Lawler an einem ungeschützten Punkt traf. Eine verrückte Sekunde lang fühlte er sich tatsächlich in Versuchung. Hierbleiben, trotz allem? Die vertrauten Pfade, die liebe vertraute Bucht nicht aufgeben zu müssen? Und die Gillies kamen nie zum unteren Inselende. Vielleicht merkten sie es gar nicht, wenn ein paar Humaninsulaner zurückblieben…

Doch, nein!

Die Aberwitzigkeit des Plans knallte ihm ins Bewußtsein wie die Faust der Tidenwoge. Die Gillies brauchten gar nicht zur Inselspitze zu gehen, um zu wissen, was dort los war. Sie wußten immer irgendwie, was sich irgendwo auf ihrer Insel tat. Sie würden sie innerhalb von fünf Minuten finden und sie über den rückwärtigen Deich ins Meer werfen, und damit hatte es sich dann. Außerdem, selbst wenn es ein paar Leuten gelingen sollte, der Aufmerksamkeit der Gillies zu entgehen, wie konnte jemand annehmen, sie würden danach genauso weiterleben können, wie sie es gewohnt waren, wo doch der größere Teil der Gemeinde in der Fremde lebte? Nein. Nein, das Ganze war absurd und unmöglich.

»Na, was hältst du davon?« fragte Thalheim.

Nach einer kurzen Pause sagte Lawler: »Vergib mir, Nicko. Aber es ist ebenso hirnrissig wie dieser Vorschlag von Nimber neulich, wir sollten den Gillies eins ihrer Götzenbilder stehlen und es als Sicherheitspfand behalten.«

»Meinst du wirklich?«

»Ja!«

Thalheim schaute stumm zu, wie Lawler ihm die Geschwulst unter dem Arm verband.

Dann sagte er: »Du hast schon immer die Dinge mit einem praktischen Verstand gesehen. Irgendwie kaltblütig, Val, aber praktisch, immer praktisch. Du gehst einfach nicht gern ein Risiko ein, denk ich mir.«

»Nicht wenn die Chancen eine Million zu eins gegen mich sind.«

»Du glaubst, es ist so schlimm?«

»Es kann nicht klappen, Nicko. Auf gar keine Weise. Nun gib es schon zu. Keiner kann die Gillies austricksen. Die Idee ist das reine Gift, sie ist selbstmörderisch.«

»Ja, vielleicht.«

»Nicht vielleicht.«

»Einen Moment lang kam sie mir recht gut vor.«

»Wir hätten nicht die geringste Chance«, sagte Lawler.

»Nein. Nein. Wir hätten wirklich keine Chance, was?«

Thalheim schüttelte den Kopf. »Ich möchte aber wirklich so gern hier auf der Insel bleiben, Val. Ich will von hier nicht weg. Ich würde alles dafür geben, wenn ich bleiben dürfte.«

»Ich auch«, sagte Lawler. »Aber wir ziehen fort. Wir müssen!«

* * *

Sundira Thane kam in seine Sprechstunde, als sie ihren Taubkraut- Tranquilizer ganz aufgebraucht hatte. Ihre energiegeladene lebhafte Persönlichkeit wirkte in dem kleinen Sprechzimmer des Vaargh wie ein Trompetenstoß.

Allerdings hustete sie auch wieder. Und Lawler wußte auch, warum, und es war nicht etwa, weil fremdartige Fungi ihre Lungen befallen hatten. Sie machte einen angespannten, überreizten Eindruck. Und das Leuchten, das ihren Augen diese intensive Lebendigkeit verlieh, war diesmal nicht Ausdruck ihrer inneren Stärke, sondern der Angst.

Lawler füllte den kleinen Vorratskürbis mit einem frischen Vorrat der rosa Tropfen, genug für die Zeit bis zum Tag des Auszugs. Danach, wenn der Husten sie auch auf See noch immer belästigte, konnte sie von seinem Vorrat abbekommen.

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