Robert Silverberg - Der Seher

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»Es tut mir leid«, sagte er noch einmal.

»Okay.«

»Wenn ich etwas für dich tun kann…«

»Okay. Okay. Okay!«

38

Ein wilder Blizzard raste zwei Tage vor Weihnachten durch die Stadt, ein Schneesturm gleich einem wütenden Reptil, mit brutalem Wind, arktischen Temperaturen und Massen trockenen, harten, grobkörnigen Schnees. Ein Sturm, wie er einen Mann aus Minnesota deprimieren und einen Eskimo zum Heulen bringen kann. Den ganzen Tag lang bebten meine Fenster in ihren altehrwürdigen Rahmen, während Kaskaden windgepeitschten Schnees wie Kies dagegen trommelten, und ich bebte mit ihnen und sagte mir, daß wir Januar und Februar mit ihrem ganzen Winterelend noch vor uns hatten, und Schnee auch im März keineswegs undenkbar war. Ich ging früh zu Bett, und als ich früh erwachte, strahlte die Sonne. Kalte, sonnige Tage sind nach Schneestürmen, wenn klare, trockene Luft einfällt, durchaus üblich, aber das Licht war seltsam: Es hatte nicht das harte, spröde Zitronengelb eines Wintertages, sondern eher das süße, weiche Gold des Frühlings; als ich das Radio einschaltete, sprach der Ansager gerade über die dramatische Wetteränderung. Offenbar waren Luftmassen aus den Carolinas über Nacht nordwärts gewandert, und es war plötzlich warm wie Ende April.

Und April blieb es. Tag für Tag umschmeichelte die unzeitgemäße Wärme die wintermüde Stadt. Natürlich war alles zuerst ein einziger Sumpf, als der Schnee schmolz und in reißenden Bächen durch die Gossen strömte; aber bis zur Mitte der Feiertagswoche war der Schneematsch verschwunden, und Manhattan sah schmuck, trocken, wohlgeschrubbt aus wie selten. Flieder und Forsythien durchbrachen voreilig ihre Knospen, um Monate zu früh. Eine Welle des Leichtsinns schwappte durch New York: Überzieher und Schneejacken verschwanden, die Straßen füllten sich mit lächelnden, aufgekratzten Menschen in Hemden und Blusen, Scharen nackter und halbnackter Sonnenanbeter breiteten sich, blaß, aber eifrig, auf den sonnigen Böschungen des Central Park aus, jeder Brunnen in der Stadt war von Musikanten, Jongleuren und Tänzern umlagert. Die Karnevalsatmosphäre verdichtete sich, als das alte Jahr dem Ende zutickte und das erstaunliche Wetter immer noch anhielt; denn dies war 1999, und was da im Gehen war, war nicht nur ein Jahr, sondern ein ganzes Jahrtausend. (Diejenigen, die darauf bestanden, daß das Einundzwanzigste Jahrhundert und das Dritte Jahrtausend ordnungsgemäß erst am i. Januar 2001 begännen, wurden als Spielverderber und Pedanten betrachtet.) Das Aprilwetter im Dezember entfesselte alle. Die unnatürliche Wärme, die so dicht auf die unnatürliche Kälte folgte, die geheimnisvolle Helligkeit der Sonne, die niedrig über dem südlichen Horizont hing, die frühlingshafte Weichheit der Luft, all das gab diesen Tagen einen bizarren, apokalyptischen Geschmack, so daß alles möglich schien und man sich nicht verwundert hätte, seltsame Kometen am nächtlichen Himmel oder heftige Verrückungen in den Sternzeichen zu entdecken. Ich stellte mir vor, so ähnlich muß es in Rom kurz vor dem Einfall der Goten gewesen sein oder in Paris vor dem Ausbruch des Terrors. Es war eine fröhliche, aber heimlich beunruhigende, beängstigende Woche; wir genossen die wundersame Wärme, nahmen sie aber auch als Omen, als Vorzeichen einer düsteren Prüfung, die noch kommen würde. Mit dem letzten Dezembertag kam eine wahrnehmbare Erhöhung der Spannung. Noch beherrschte uns die leichtsinnige Stimmung, aber sie hatte einen Stachel. Unser Zustand glich der verzweifelten Fröhlichkeit von Seiltänzern, die über bodenlosem Abgrund tanzen. Einige, denen die grimme Prophezeiung offenbar ein grausames Vergnügen bereitete, sagten, der Silvesterabend würde unter plötzlichem, ungeheurem Schneefall ersticken, unter Flutwellen oder Tornados, obwohl der Wetterbericht weiter mildes Wetter ansagte. Der Tag war hell und süßlich wie die sieben vorangegangenen Tage. Zur Mittagszeit erfuhren wir, daß es jetzt schon der wärmste 31. Dezember war, seit solche Daten in New York City gesammelt werden, und das Quecksilber kletterte den ganzen Nachmittag, so daß wir von einem Pseudo-April in eine verblüffende Juni-Imitation gerieten.

Während dieser ganzen Zeit hatte ich niemanden aufgesucht, war allein geblieben mit trübseliger Konfusion und Selbstmitleid. Ich rief niemanden an — weder Lombroso noch Sundara, weder Mardikian noch Carvajal, noch sonst jemand aus meinem früheren Leben. Täglich wanderte ich ein paar Stunden durch die Straßen — wer konnte schon dieser Sonne widerstehen? —, aber ich sprach mit niemandem und ermutigte niemanden, mit mir zu sprechen, und abends war ich zu Hause, alleine, las ein wenig, trank etwas Brandy, hörte Musik, ohne wirklich zu hören, ging früh zu Bett. Meine Isolation schien mich aller stochastischen Disziplin und Würde zu berauben: Ich lebte ausschließlich in der Gegenwart, wie ein Tier, ohne Ahnung, was als nächstes passieren würde, ohne das alte Bewußtsein von Mustern und Tendenzen, die sich sammelten und ineinander griffen.

Am Silvesterabend mußte ich hinausgehen. Der Gedanke, mich an einem solchen Abend, unter anderem dem Abend meines vierunddreißigsten Geburtstages, in meiner Einsamkeit zu verbarrikadieren, war mir unerträglich. Ich dachte daran, Freunde anzurufen, aber nein, die sozialen Energien hatten mich verlassen: Allein und unbekannt würde ich durch die Seitenwege Manhattans schleichen, wieder Kalif Harun al-Raschid durch Bagdad. Aber ich hüllte mich in mein bestes Pfauenkostüm, einen Sommeranzug in Scharlachrot mit Gold mit glitzernden Nähten, ich stutzte den Bart und rasierte die Kopfhaut, und munter ging ich hinaus, das Jahrhundert zu Grabe zu tragen.

Am späten Nachmittag war es dunkel geworden — immer noch waren wir ja tief im Winter, egal, was das Thermometer sagte —, und die Lichter der Stadt funkelten. Obwohl es erst sieben Uhr war, fing man offensichtlich schon an zu feiern, ich hörte Gesang, fernes Lachen, das Geräusch zersplitternden Glases. In einem kleinen Automatenrestaurant auf der Third Avenue nahm ich ein mageres Abendessen zu mir und ging dann ziellos in westlicher und südlicher Richtung.

Gewöhnlich bummelte man nach Einbruch der Dunkelheit nicht durch Manhattan. Aber heute Abend waren die Straßen so belebt wie sonst am Tage, Fußgänger überall, lachende Menschen, die in die Schaufenster der Geschäfte guckten, Fremden zuwinkten, einander spielerisch anrempelten — ich fühlte mich sicher. War dies wirklich New York, die Stadt der verschlossenen Gesichter und argwöhnischen Augen, die Stadt der Messer, die in dunklen Straßen aufblitzten? Ja, ja, ja, New York, aber ein verwandeltes New York, ein New York der Jahrtausendwende, New York auf dem Gipfel seiner Saturnalien.

Saturnalien, ja, darum handelte es sich, eine irre Orgie, eine Raserei ekstatischer Geister. Jede Droge aus dem psychedelischen Arsenal wurde an Straßenecken angeboten, und der Verkauf schien lebhaft. Niemand ging mehr auf gerader Linie. Sirenen heulten überall, als das Treiben toller wurde. Ich selbst nahm keine Drogen außer der uralten, Alkohol, den aber überaus reichlich, in einer Taverne nach der anderen, ein Bier hier, einen schrecklichen Whisky dort, etwas Tequila, etwas Rum, einen Martini, sogar dunklen, süßen Sherry. Ich war benommen, aber nicht erledigt: Irgendwie gelang es mir, aufrecht zu bleiben, und mein Geist schien mit der gewohnten Klarheit zu funktionieren, während ich beobachtete und registrierte.

Sichtbar stieg die Tollheit von Stunde zu Stunde. In den Bars waren Nackte um neun Uhr noch selten, aber um halb zehn tummelte sich nacktes, verschwitztes Fleisch überall: wippende Brüste, wackelnde Hintern, klatscht in die Hände, hoch mit den Füßen, und jetzt alle im Kreis. Um halb zehn sah ich die ersten Leute auf der Straße vögeln, um zehn wurde beinah in jedem Hauseingang gebumst. Eine Unterströmung von Gewalttätigkeit war den ganzen Abend über gegenwärtig gewesen — Fenster wurden eingeschlagen, Straßenlampen zerschossen —, aber nach zehn schwoll sie rasch an: Es gab Schlägereien, einige freundschaftlich, einige blutrünstig, und an der Ecke von Siebenundfünfzigster Straße und Fifth Avenue war eine Massenschlacht im Gange, Hunderte von Männern und Frauen schienen wahllos aufeinander einzuprügeln. Überall beschimpften sich Autofahrer lautstark gegenseitig, und ich hatte das Gefühl, daß einige Fahrer absichtlich ihre Wagen in andere hineinjagten, aus purer Freude an der Zerstörung. Gab es Mord und Totschlag? Gewiß. Vergewaltigungen? Tausende. Verstümmelungen und andere Monstrositäten? Ich zweifle nicht daran.

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