Ilija Trojanow - Der Weltensammler

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Der Weltensammler: краткое содержание, описание и аннотация

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Ein spannender Roman über den englischen Abenteurer Richard Burton (1821–1890). Anstatt in den Kolonien die englischen Lebensgewohnheiten fortzuführen, lernt er wie besessen die Sprachen des Landes, vertieft sich in fremde Religionen und reist zum Schrecken der Behörden anonym in den Kolonien herum. Trojanows farbiger Abenteuerroman über diesen Exzentriker zeigt, warum der Westen bis heute nichts von den Geheimnissen der anderen Welt begriffen hat.

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— Er hat Menschen erschossen?

— Wie viele denn?

— Er schoß auf Tiere, nur auf Tiere, mein Kleiner. Auf viele, viele Tiere. Wenn es ein Totenreich gibt für Tiere, es ist seitdem so voll wie die Moschee zu Ramadan.

— Er konnte sich mit niemandem unterhalten, vielleicht mußte er deswegen so viel töten.

— Wenn das richtig wäre, Baba Adam, dann wären die Stummen die allerschlimmsten Mörder.

— Er war oft einsam, das ist wahr, und er wurde einsamer, je länger unsere Reise andauerte. Bwana Burton fand mit fast jedem eine gemeinsame Sprache, mit den Sklavenhändlern sprach er Arabisch, mit den Soldaten, den Belutschen, sprach er Sindhi, nur gegenüber seinem Freund, gegenüber Bwana Speke, kam ihm die Sprache abhanden. Er lernte auch Kisuaheli, in langsamen Schritten, denn sie gefiel ihm nicht, unsere Sprache.

— Was hatte er daran auszusetzen? Es ist die beste aller Sprachen.

— Das behauptet jeder, der keine zweite Sprache kennt.

— Arabisch ist die beste aller Sprachen.

— Kisuaheli ist wie eine Welt, die aus lauter schönen Landschaften besteht.

— Was willst du damit sagen, Baba Ilias? Stammen die Flüsse etwa aus Persien und die Berge aus Arabien und die Wälder aus Uluguru …

— So ungefähr. Du beginnst zu verstehen.

— Und der Sand aus Sansibar.

— Und der Himmel?

— Der Himmel ist nicht Teil der Landschaft.

— Sähe sie nicht nackt aus, ohne Himmel?

— Wie eine Kanga, um die Lenden der Erde geschwungen.

— Bei Sonnenuntergang.

— Was habe ich gesagt. Haben eure Ohren gehört, wie schön Kisuaheli klingen kann, selbst aus solchen Plappermäulern.

— Wir reden nicht von eurem Geschmack, sondern von seinem. Er mochte es nicht, den Worten etwas voranzustellen, das sei wie ein Mundkorb, so sagte er, hinter dem die Wörter nicht mehr so sind, wie sie ursprünglich waren. Trotzdem, er hat gelernt, er hat einiges gelernt, und als wir zurückkehrten, sprach er soviel Kisuaheli, wie er benötigte.

— Und der andere?

— Kein Wort. Nicht einmal ›schnell‹ oder ›halt‹.

— Zwei ungleiche Männer.

— Sehr ungleich. Wer sollte verstehen, warum zwei so unterschiedliche Menschen sich gemeinsam auf eine Reise begaben, auf der sie ihr Leben in die Hand des anderen legen mußten. Schon ihr Aussehen war ungleich, der eine war kräftig gebaut und dunkel, der andere schlank, geschmeidig und hell wie der Bauch eines Fisches.

— Nur mancher Fische.

— Sie waren ungleich in ihrem Wesen, der eine laut, offen, stürmisch, der andere ruhig, zurückhaltend, verschlossen. Sie waren ungleich in ihrem Verhalten, der eine ausfallend und nachsichtig, der andere beherrscht und nachtragend. Der eine hatte Lust und Hunger auf alles, und er gab seiner Lust und seinem Hunger immer nach, der andere kannte auch Gelüste, aber er hatte sie angebunden, manchmal versuchten sie, sich loszureißen, dann wurden sie zurückgezerrt.

— Wenn sie in der Lage waren, gemeinsam jahrelang durch das Land zu ziehen, dann muß ihnen auch etwas gemein gewesen sein?

— Ehrgeiz und Eigensinn. Sie waren dickköpfiger als die dreißig Esel, mit denen wir Bagamoyo verließen. Und sie waren reich, unermeßlich reich. Mehr als hundert Männer waren nötig, um ihren Reichtum zu schleppen, Männer, die barfuß gingen, Männer, die nichts besaßen.

Sie haben sich alle versammelt in Bagamoyo, wo unzählige Sklaven die Last ihres Herzens abgelegt haben, wie der Name dieses Ortes, Ausgangspunkt aller Karawanen ins Landesinnere, verkündet. Sie warten auf das Zeichen zum Abmarsch. Die Träger, barfuß, sind armselig gekleidet, selbst am Tag des Aufbruchs, geschmückt nur mit einigen Streifen aus Fell oder Federbündeln. Einige von ihnen haben sich Glocken an die Unterschenkel gebunden. Sie klimpern zur Belustigung der vielen Kinder, die ihr Versteckspiel hinter bauchigen Baumstämmen unterbrochen haben. Sie haben die Stoffe, mit denen sie handeln werden, zu Nackenrollen gewickelt, fünf Fuß lang, und mit Zweigen gestärkt, eine Last, die siebzig Pfund wiegt. Mehr kann ihnen nicht aufgebürdet werden, zumal sie noch einige eigene Habseligkeiten schleppen müssen. Kisten werden über zwei Stangen gehängt (die leichten am Ende, die schweren in der Mitte) und von zwei Männern getragen.

Burton bespricht sich mit dem Kirangozi, Said bin Salim, der vorneweg marschieren wird, der Zeremonienmeister der Expedition. Ein redseliger Mann, dieser Vertreter des Sultans, dem es nicht im Traum einfallen würde, seine eigene Bedeutung zu unterschätzen. Befehle gehen durch ihn hindurch, aber er teilt sie aus, als stammten sie von ihm. Seine Treue ist einfach gestrickt, er achtet die Hand, die ihn satt macht. Er gibt einen Befehl, die Kesseltrommel wird zum ersten Mal geschlagen. Der Zug der Träger entwindet sich dem Schatten des Platzes und schleicht wie ein behäbiger Python auf die Allee zu, die ins Landesinnere führt. Die Mangobäume sind eng gepflanzt, ihre Äste schlingen sich ineinander. Unter diesem Baldachin ist es niemals gänzlich Tag. Burton gesellt sich zu Speke, der unter einem nahen Vordach dem bettlägerigen Konsul Gesellschaft leistet. Anstatt nach Hause zu segeln, hat er sie nach Bagamoyo begleitet. Um nach dem Rechten zu sehen, hat er behauptet. Um sich für immer zu verabschieden, vermutet Burton. Als wollte er zum Ausdruck bringen: Ihr reist ins Unbekannte und ich in den Tod.

Seht euch diesen Hampelmann an, sagt Speke. Muß er so ein purpurnes Gewand tragen? Und all den Firlefanz auf dem Kopf? Wie das Nest eines Greifs, bemerkt Burton, und sie lachen zusammen, ein kurzes, unangemessenes Lachen. Kein Sinn für Camouflage, wir werden Meilen gegen den Wind auffallen. Das ist durchaus beabsichtigt, sagt der Konsul. Deswegen hält er auch die rote Standarte des Sultans hoch, damit jedermann von weitem gewarnt ist, daß diese Karawane aus Sansibar stammt und unter dem direkten Schutz des Sultans steht. Um ihn mache ich mir keine Sorgen, sagt Burton, eher um unsere Schutztruppe. Die dreizehn Belutschen schreiten an ihnen vorbei, bewaffnet mit Musketen, Säbeln und Dolchen sowie einem Pulverbeutel, den ein jeder von ihnen auf eigene Art und Weise am Körper befestigt hat. Sie folgen ihrem Anführer, dem einäugigen, pockenvernarbten, langarmigen Jemadar Mallok. Ich habe ihnen eine Belohnung in Aussicht gestellt, sagt der Konsul, wenn sie euch beide heil zu uns zurückbringen. Die Belutschen drücken ihre Musketen gegen die Schulter und fallen in einen ungenauen Gleichschritt, als wollten sie eine Parade verhöhnen. Sie erinnern Burton an die Kompanie von Sepoy, die er in Baroda mühsam auf Vordermann brachte, an die Bashibazuk, die er im Krimkrieg mit Ach und Krach kommandierte. Doch die Sepoy waren im Vergleich zu diesem Haufen, der an ihm vorbeihampelt, geradezu diszipliniert, und die Bashibazuk waren um einiges wilder, kampfgieriger als diese Nachfahren von Fakiren, Matrosen, Kulis, Bettlern und Dieben, die aus einem öden Land stammen, das viele seiner Söhne vertrieben hat, und von diesen trotzdem in wehmütigen Liedern besungen wird, weil das karge Tal, dem ihre Vorväter den Rücken gekehrt hatten, in der Erinnerung erblüht.

Der Konsul übergibt das Empfehlungsschreiben des Sultans an Burton. Es ist wichtig, sagt er, zumindest auf der ersten Teilstrecke. Dann werdet ihr in Gebiete vorstoßen, in denen keiner weiß, daß es einen Sultan gibt, höchstens hat der eine oder andere von ihm gehört, vage, wie aus einer fremden Legende. Burton faltet das Schreiben sorgfältig zusammen und steckt es in seinen ledernen Beutel, zu seinen zwei Pässen, dem segnenden Brief des Kardinals Wiseman und dem Diplom des Sheikhs von Mekka, das seine Hadj bestätigt. Er ist gut vorbereitet, in jeder Hinsicht. Er verabschiedet sich vom Konsul mit einem schnellen Händedruck, für den er sich unmittelbar danach schämt, weil er sich eingestehen muß, daß es ihn vor der fleckigen Haut geekelt hat.

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