1 ...8 9 10 12 13 14 ...19 Der Teufel bediente sich dieses Tricks, weil er in die Verschwörung eingeweiht war. Er hat sich Adam nicht unmittelbar genähert, er nähert sich durch Eva – denn wenn man den Mann versuchen will, geht das nur über die Frau. Sonst, auf direktem Wege, funktioniert keine Versuchung. Jede Versuchung kommt durch den Sex – jede Versuchung kommt durch die Frau. Die Frau ist für den Teufel wichtiger, damit das Spiel läuft – denn es ist unmöglich, der Frau, die dich liebt, etwas zu versagen. Dem Teufel kann ein Mann widerstehen, aber der Frau …? Und der Teufel kommt in Gestalt der Schlange. Das ist nichts anderes als ein phallisches Symbol, ein Symbol für das Geschlechtsorgan, denn nichts eignet sich so gut wie die Schlange, um das männliche Geschlechtsorgan darzustellen – sie gleichen sich völlig. Der Teufel nähert sich durch die Frau, denn wie kann man einer Frau etwas abschlagen?
Mulla Nasrudin tat alles, um seine Frau zur Asthma-Kur in die Berge zu schicken. Aber seine Frau war nicht dazu bereit; sie weigerte sich. Sie sagte: „Ich fürchte, dass mir die Bergluft nicht zusagen wird.“ Mulla Nasrudin sagte: „Aber meine Liebe, mach dir doch keine Gedanken! Es gibt keine Bergluft, die so unverschämt wäre dir abzusagen. Mach dir keine Gedanken.“
Es ist unmöglich, der Frau, die du liebst, etwas zu versagen. Daher hat der Teufel ein leichtes Spiel mit jeder Frau. Adam wurde also indirekt versucht; er aß den Apfel vom Baum der Erkenntnis – und dafür wurde er aus dem Garten Eden verbannt… und das Spiel geht heute noch weiter. Darin steckt eine tief verborgene Harmonie. Gott kann nicht allein arbeiten. Ebenso wie Elektrizität nicht mit dem Pluspol allein funktionieren kann, ohne den Minuspol. Das wäre so, als würde Gott nur mit dem Mann arbeiten, ohne die Frau. Nein, das hatte er schon vorher ausprobiert – aber das war ein Fehlschlag. Erst erschuf er Adam, aber das war nichts, denn mit Adam allein konnte das Spiel nicht losgehen, es passierte nichts. Dann schuf er die Frau.
Und die erste Frau, die er schuf, war nicht Eva. Die erste Frau war Lilith – aber sie muss eine Anhängerin der Frauenbewegung gewesen sein. Sie machte Schwierigkeiten, weil sie behauptete: „Ich bin genauso unabhängig wie du.“ Und am ersten Abend, als sie zu Bett gehen wollten, ging der Krach los, sie hatten nämlich nur ein Lager, ein Bett. Wer also sollte auf dem Bett schlafen und wer auf dem Boden? Lilith sagte einfach: „Kommt nicht infrage! Du schläfst auf dem Fußboden.“ So argumentiert auch die Frauenbewegung. Adam hörte nicht darauf und Lilith verschwand. Lilith ging zu Gott und sagte: „Dieses Spiel spiele ich nicht mit.“ Genauso verschwindet jetzt im Westen die Frau –Lilith macht nicht mehr mit – und all ihre Schönheit und Anmut und alles Übrige ist dahin. Und das ganze Spiel steht auf dem Spiel, denn es gibt Frauen, die fordern: „Liebt keinen Mann!“
Ich las kürzlich eine Kampfschrift. Sie fordern: „Bringt den Mann um! Legt jeden Mann um! Denn solange der Mann lebt, kann es keine Freiheit für die Frau geben!“ Aber wenn ihr den Mann umbringt, kann es euch dann noch geben? Das Spiel braucht zwei Mitspieler.
Lilith trat von der Bühne ab, und so konnte das Spiel nicht weitergehen. Also musste Gott die jetzige Frau erschaffen. Diesmal versuchte er es mit einem Knochen des Mannes selbst, denn eine Frau separat zu erschaffen, hätte nur wieder zu Schwierigkeiten geführt. Also nahm er Adam eine Rippe weg und erschuf damit die Frau.
Und so gibt es eine Polarität, die dennoch eine Einheit bildet. Sie sind zwei und doch gehören sie zum gleichen Körper. Der Sinn ist dieser: Sie sind zwei, sie sind entgegengesetzt und doch gehören sie dem gleichen Körper an, tief drinnen entspringen sie der gleichen Wurzel. Tief drinnen sind sie ein Körper. Darum verschmelzen sie zu einem Körper, wenn sie einander in tiefer, liebender Umarmung begegnen. Sie gehen zurück in den Zustand des Adam, als er allein war, sie werden eins, begegnen sich und verschmelzen. Der Gegensatz ist da, damit das Spiel läuft; tief drinnen aber ist trotzdem Einheit. Beides ist notwendig, damit das Spiel weitergehen kann: Gegensatz – und dennoch Einheit. Wenn die Harmonie absolut wird, ist das Spiel aus – wer soll dann noch mit wem spielen? Und wenn die Entzweiung absolut ist, der Gegensatz unversöhnlich ist, wenn keine Harmonie mehr möglich ist, dann ist das Spiel ebenfalls aus. Harmonie in der Zwietracht, Einheit im Gegensatz: Das ist der Schlüssel zu allen Geheimnissen.
Erst durch den dauernden Wechsel
Kommen die Dinge zur Ruhe .
Die Menschen sehen nicht, dass alles ,
Was sich widerspricht ,
dadurch mit sich in Einklang kommt .
Der Teufel stimmt mit Gott überein, Gott stimmt mit dem Teufel überein – das ist der Grund, warum der Teufel existiert.
Es liegt Harmonie im Widerstreit ,
Das zeigen Bogen und Leier .
Ein Musiker spielt mit dem Bogen auf der Leier. Der Gegensatz besteht nur auf der Oberfläche. Auf der Oberfläche ist es Reibung und Widerstand, ein Kampf, ein Streit, eine Spannung. Aber daraus entsteht schöne Musik.
Aus Zwietracht entsteht Eintracht…
Gegenteile ergänzen sich…
Aus Missklang
Entsteht die höchste Harmonie
und:
Der Name des Bogens ist Leben ,
Aber sein Werk ist Tod .
Der Tod kann also nicht wirklich Gegensatz sein, er ist die Leier. Denn wenn der Name des Bogens Leben ist, dann muss der Name der Leier Tod sein. Und zwischen diesen beiden entsteht die höchste Harmonie des Lebens.
Du stehst genau in der Mitte zwischen Tod und Leben, aber du bist keins von beiden. Klammere dich also nicht ans Leben und fürchte dich nicht vor dem Tod. Du bist die Musik zwischen dem Bogen und der Leier. Du bist der Zusammenprall und das Zusammenkommen und das Verschmelzen und das Höchste, was daraus entstehen kann.
Wähle nicht!
Wenn du wählst, gehst du fehl. Wenn du wählst, wirst du dich an eine Seite binden, mit einer Seite identifizieren. Lass das Leben den Bogen sein, lass den Tod die Leier sein, und sei du die Harmonie zwischen den beiden, die verborgene Harmonie.
2. KAPITEL
WIR SCHLAFEN MIT OFFENEN AUGEN
Menschen sind selbst in wachen Augenblicken
Wie Blinde und beachten das,
Was um sie her geschieht, so wenig
Wie in ihrem Schlaf.
Narren sind, obwohl sie hören können,
Genau wie Taube.
Für sie gilt das Sprichwort:
Selbst anwesend
Sind sie abwesend.
Handelt nicht und sprecht nicht wie im Schlaf!
Wachende haben eine Welt gemeinsam –
Schlafende haben jeder eine Welt für sich.
Wachend sehen wir nichts als Tod,
Schlafend – nichts als Träume.
Heraklit rührt an das tiefste Problem der Menschheit – dass wir sogar im Wachzustand fest schlafen. Ihr schlaft, wenn ihr schlaft, aber ihr schlaft auch, wenn ihr wach seid. Buddha sagt es, Jesus sagt es und Heraklit sagt es auch: Ihr seht hellwach aus, aber das ist nur Schein; tief im Innern geht der Schlaf weiter. Was ist damit gemeint?
Sogar in diesem Augenblick träumt ihr im Innern. Tausende von Gedanken reihen sich aneinander – und ihr seid euch nicht bewusst, was ihr tut, ihr seid euch nicht bewusst, wer ihr seid.
Ihr wisst sicher, dass bestimmte Leute, sogenannte Somnambule , im Schlaf herumgehen, irgendetwas tun und sich dann wieder hinlegen. Sie steigen nachts aus dem Bett, mit offenen Augen, gehen herum, öffnen zum Beispiel die Tür zur Küche, machen sich etwas zu essen und legen sich dann wieder schlafen. Und wird so ein Mensch am Morgen danach gefragt, weiß er nichts davon. Er erinnert sich höchstens an einen Traum, in dem er aufgestanden ist und sich in der Küche etwas zu essen gemacht hat … aber freilich nur im Traum und selbst daran wird er sich kaum erinnern können.
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