15 2.4.1 Gewaltendreieck nach Galtung
16 2.4.2 Motivationstheorie 2.4.2 Motivationstheorie Die Motivation eines Menschen eine Handlung auszuführen, wurde im Lauf der Forschung zuerst auf angeborene Instinkte zurückgeführt. Später ging man davon aus, dass die Motivation eng mit Bedürfnissen und Emotionen verbunden ist.
17 2.4.3 Erweitertes kognitives Motivationsmodell nach Heckhausen 2.4.3 Erweitertes kognitives Motivationsmodell nach Heckhausen Der deutsche Psychologe Heinz Heckhausen (Heckhausen 1980) untersucht in seinem Modell den Ablauf von Motivation und Handlung. Vier Elemente spielen dabei eine wichtige Rolle:
18 3 Kommunikationstheorien 3 Kommunikationstheorien »Kommunikation ist eine Kette mehr oder weniger nützlicher Missverständnisse.« (Steve deShazer 1940–2005) Im Bereich der Pflege ist es sehr wichtig, sein Gegenüber wahrzunehmen und sich in ihn/sie hineinversetzen zu können. Gerade im sprachlichen Bereich kommt es häufig zu Missverständnissen und Störungen in der Kommunikation. Die folgenden Modelle beschäftigen sich damit, wie Kommunikation abläuft und welche Störungen auftreten können.
19 3.1 Sender-Empfänger-Modell von Stuart Hall 3.1 Sender-Empfänger-Modell von Stuart Hall Stuart Hall veranschaulicht das Prinzip der Kommunikation durch das Sender-Empfänger-Modell (Röhner 2015). Sender A und Empfänger B tauschen eine Nachricht aus. Damit die Kommunikation gelingt, müssen beide Parteien die gleiche Codierung verwenden. (z. B. unter einem Wort die gleiche Bedeutung verstehen). Hall teilt die Übermittlung und den Empfang einer Nachricht in sieben Schritte auf: 1. Kommunikationspartner A hat eine Absicht. 2. Er übersetzt sie in Worte. 3. Er sendet sie und spricht sie aus. 4. Die Nachricht wird übermittelt. 5. Kommunikationspartner B empfängt die Nachricht und hört sie. 6. Er übersetzt sie. 7. Er interpretiert die Bedeutung.
20 3.2 Die fünf Grundgesetze der Kommunikation von Paul Watzlawick (Watzlawick 2017) 3.2 Die fünf Grundgesetze der Kommunikation von Paul Watzlawick (Watzlawick 2017) 1. Man kann nicht nicht kommunizieren Die zwischenmenschliche Kommunikation findet auf mindestens drei Ebenen statt. Durch Tonfall, Mimik und Gestik werden verschiedene Reaktionen hervorgerufen.
21 3.3 Vier Seiten Modell von Schulz von Thun 3.3 Vier Seiten Modell von Schulz von Thun Der Psychologe und Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun beschreibt in seinem Vier-Seiten-Modell (Schulz von Thun 2011) vier Ebenen, die eine Nachricht bei der Übermittlung beeinflussen können: 1. Sachebene: Wie kann ich meinem Gegenüber den Sachverhalt klar und deutlich mitteilen? 2. Beziehungsebene: Was halte ich von meinem Gegenüber? Wie ist unser Verhältnis? Betrachte ich mein Gegenüber als gleichwertig? 3. Selbstaussage: Wieviel meiner Persönlichkeit gebe ich als Sprecher preis? Gefühle, Werte … 4. Appell: Zu was möchte ich mein Gegenüber veranlassen? Was möchte ich bewirken? Betrachten wir die Grafik genauer, wird deutlich, dass Kommunikation vierdimensional verläuft. Eine einzige Nachricht, kann viele Botschaften haben, je nachdem, wie sie vom Empfänger dekodiert wird. Gerade die Beziehungs- und Apell Ebene lassen einen großen Spielraum der Interpretation und sind deshalb besonders Störungsanfällig. Ist die Kommunikation gestört, kommt es zu Missverständnissen.
22 4 Sonstige Erklärungsmodelle 4 Sonstige Erklärungsmodelle 4.1 Körperliche Faktoren Neben den wissenschaftlichen Theorien und Missverständnissen bei der Kommunikation können auch körperliche Grunderkrankungen für ein gesteigertes aggressives Verhalten verantwortlich sein. Psychomotorische Erregungszustände sind gekennzeichnet durch wachsende Unruhe, bedrohendes Verhalten, Ängste und Gewaltbereitschaft. Ausgelöst werden sie u. a. durch Alkohol- und Drogenmissbrauch oder bei demenziellen Erkrankungen. Steinert & Berk (Steinert & Bergk 2008) haben in ihrer Studie untersucht, bei welchen Krankheitsbildern psychomotorische Erregung, in welcher Häufigkeit, auftritt: Besonders häufig ist sie zu beobachten bei: • Alkoholintoxikation (evtl. in Verbindung mit einer Persönlichkeitsstörung) • akuten Psychosen (Schizophrenie, Manie) • psychoreaktiven Erregungszuständen (z. B. familiäre Konfliktsituation, • gelegentlich mit begleitender depressiver Störung) • Intoxikationen mit stimulierenden Drogen (z. B. Kokain, Amphetamin, • Ecstasy, häufig Mischintoxikation bei Polytoxikomanie) Weniger oft ist sie zu beobachten bei: • postkonvulsivem Dämmerzustand bei Epilepsie • akuter Belastungsreaktion nach psychischem Trauma (z. B. Autounfall, Brand, Verlust nahestehender Angehöriger) • geistiger Behinderung mit rezidivierenden, gleichartig verlaufenden Erregungszuständen • sogenannten »Primitivreaktionen« als »Kurzschlusshandlung« bei intelligenzgeminderten, einfach strukturierten Personen • Demenz • Entzugssyndrom/Delir • einem unmittelbar vorangegangenem Schädel-Hirn-Trauma • Organischen Persönlichkeitsstörungen (»hirnorganische Wesensänderung«) Seltener bei: • Akuten Gehirnerkrankung, z. B. Subarachnoidalblutung, Enzephalitis (neurologische Symptome können zunächst fehlen!) • metabolischer Störung (z. B. Hypoglykämie, Nieren-/Leberinsuffizienz) • sonstiger Gehirnerkrankung (Tumor, Gefäßprozess) • pathologischem Rausch (abnorme Reaktion mit extremer Persönlichkeitsveränderung und aggressiven Durchbrüchen bei geringen Mengen von Alkohol) Psychomotorische Erregungszustände sind auf jeden Fall als psychiatrischer Notfall zu behandeln.
23 4.1 Körperliche Faktoren
24 4.2 Substanzmissbrauch 4.2 Substanzmissbrauch Laut einer Veröffentlichung des Bundesministeriums für Gesundheit (Gesundheit 2019) rauchen in Deutschland 14,7 Millionen Menschen, 1,8 Millionen Menschen sind alkoholabhängig und Schätzungen legen nahe, dass 2,3 Millionen Menschen von Medikamenten abhängig sind (hauptsächlich von Benzodiazepinen). Substanzmittelkonsum im Alter kann verschiedene Gründe haben: • Gewohnheit/Langeweile • Fehlende Sozialkontakte (Einsamkeit) • Kein geregelter Tagesablauf • Geringe Rente • Depressionen • Ängste (Abhängigkeit, Verlust der Selbständigkeit, Sterben) • Andere Erkrankungen • Schlaflosigkeit Risiken, die eine Abhängigkeit mit sich bringen: • Erhöhte Unfallgefahr • Rückzug aus dem sozialen Leben • Verlust der Selbständigkeit durch direkte Folgen der Abhängigkeit Um eine mögliche Abhängigkeit frühzeitig zu erkennen, sollten Pfleger und Angehörige auf folgende Hinweise achten: • Atem riecht nach Alkohol • Fehlender Antrieb • Massive Stimmungsschwankungen • Vernachlässigung der Person selbst (Aussehen, Körperpflege) und des Haushaltes • Entzugserscheinungen (zittern, innere Unruhe) • vermehrte Unfälle/Stürze • Medikamente/Alkohol werden gehortet Bei einem Verdacht auf Abhängigkeit, sollten Sie das Geschehen gründlich dokumentieren und andere Mitarbeiter sensibilisieren. Sprechen Sie mit dem Betroffenen und dessen Angehörigen über die Risiken und Folgen, die eine Abhängigkeit mit sich bringt. Zusätzlich sollte der Hausarzt zur Abklärung hinzugezogen werden (Achtung Schweigepflichtentbindung nötig!) oder schlagen Sie den Kontakt mit einer Beratungsstelle für Abhängige vor. Auch Angehörige können sich dort beraten lassen.
25 4.3 Medikamente als Aggressionsförderer 4.3 Medikamente als Aggressionsförderer Verschiedene Medikamente können, auch bei korrekter Dosierung, Aggressivität steigern oder erzeugen (Wesuls 2005) • Aktivierende Antidepressiva: Anafranil ® , Gamonil ® , Pertofran ® , Imipramin, Noveril ® , Vivilan ® • Schilddrüsenhormone: Levothyroxin, Eferox ® , Euthyrox ® , Thevier ® • Antiepileptika und Barbiturate: Luminal ® , Liskantin ® , Phenytoine, Epanutin ® • Parkinsonmittel: Levodopa, Dopaflex ® , kirim ® , Pravidel ® • Koffein: Alacetan, Coffetylin ® , Doppel-Spalt ® , Neuralgin ® , Octadon ® , Togal ® • Benzodiazepin-Tranquilizer: Adumbran ® , Diazepam, Praxiten ® • Benzodiazepin-Schlafmittel: Rohypnol ® , Mogadan ® , Remastan ®
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