Andrea Drumbl - Narziss und Narzisse

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Bezaubernd grausam wie im Märchen. Als die kleine Nurit wenige Wochen nach ihrer Geburt tot in ihrem Bett gefunden wird, ist es nur der grausame Beginn einer langen Reihe von Schicksalsschlägen. Die Hinterbliebenen versuchen mit ihrer Trauer umzugehen – sind dabei jedoch auf sich alleine gestellt.
Ein Roman über das Leben und Sterben von Menschen, über Trauer und über das Glück, das manchmal allzu lange auf sich warten lässt.

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Ein Tropfen zerrann auch in seinem Mund.

Dann fing sein Herz wieder an zu schmerzen, und er begann sich zu dehnen. Sich auszudehnen. Die langen Dunkelheiten in den Gassen gaben ihm Gelegenheit dazu. Ohne Licht und ohne Farbe folgte ein Schritt dem nächsten Schritt, Schritt auf Schritt. Und Schritt auf Schritt überkam ihn eine Einsamkeit, von der er nur mehr fort wollte und ihr doch nicht entkam.

Sein Kind war tot und seine Frau wahnsinnig geworden. Er hatte seine Frau verlassen. Er hatte sein totes Kind verlassen. Und Judith hatte er daraufhin auch noch im Stich gelassen. Weil er zu schwach für diese harte Prüfung in ihrem gemeinsamen Leben war und als Ehemann und Vater kläglich versagte.

Daran dachte er, als er jetzt seine Schritte, Schritt für Schritt, aneinanderreihte wie bei einer bleiernen Prozession, er dachte daran, wie er seine Frau verlassen hatte, wie er sein totes Kind verlassen hatte und wie er dann Judith bei Clara, einer entfernten Verwandten, gelassen, zurückgelassen hatte.

Nur vorübergehend, wie er betont hatte, es sollte nur vorübergehend sein, dass die Kleine bei dir leben kann, nur so lange, bis das Ärgste vorüber ist, und mach dir bitte keine Sorgen wegen des Geldes, das schicke ich dir wöchentlich, nur so lange, nur so lange darf die Kleine doch bei dir bleiben, nur so lange, bis das Ärgste dann endlich vorüber ist.

Das Geld hatte er ihr wöchentlich geschickt. Aber sehr viel mehr hatte er sich nicht um Judith bemüht.

Daran dachte er, als er jetzt mit dieser Furcht im Nacken und dem Stich im Herzen durch die Gassen in seine neue kleine Mietwohnung im Stadtzentrum ging, in die er sich, nur ein paar Straßen von der alten entfernt, nach der Trennung eingemietet hatte, die ihm aber auch keine Zuflucht mehr geben konnte, weil er ein kläglicher Versager war, den niemand, nicht einmal er selbst, mehr brauchte. Daran dachte er, als er jetzt sozusagen nach Hause ging, in ein Zuhause, in dem das Schweigen so schmerzhaft an den Wänden hing. In dieses Schweigen ging er direkt hinein. Es war sein Leiden. Sein Leiden für immer.

Gisela, seine große Liebe im Leben, sie war ihm so nahe und dann auch schon fort, einfach davongeglitten, aus den Fingern geglitten wie ein Fisch, den man mit bloßen Fingern fangen will. Das war ihre Krankheit, Giselas Gemütskrankheit, die sie einander fremd werden ließ. Daraufhin hatte er sie verlassen, feige hatte er seine Frau verlassen, feige hatte er auch sein totes Kind verlassen, und noch feiger hatte er Judith bei Clara gelassen, doch am feigsten hatte er seine Frau alleingelassen, hatte sie mit ihrem schweren Kummer im Stich gelassen. Und dabei wollte er doch einfach nur bei ihr sein und mit ihr sein, so wie früher, als ihr Leben noch in Ordnung war. Ein ungeheuerlicher Schmerz bohrte sich durch seine Brust, als er nach Luft rang, um sein Leben rang.

Plötzlich zog über ihm der Abendhimmel zu, und mit einem Mal gab es ein heftiges Gewitter, eine Explosion von einem Donnerwetter, das die Erde zittern ließ und die Luft mit grellen, hellen Blitzen verbrannte. Gerade rechtzeitig konnte sich Jakob noch unter einem Vordach in Sicherheit bringen.

Sein Kind war tot und seine Frau wahnsinnig geworden. Er hatte seine Frau verlassen und hatte damit auch sein totes Kind verlassen. Dann hatte er auch noch Judith bei Clara gelassen. Was ihm jetzt noch blieb, war einzig sein eigenes Leben. Und von diesem Leben blieb ihm nichts. Nichts. Außer diesem Stechen in seinem Herzen, das immer heftiger wurde und ihn ängstigte. Schon wieder Angst. Unsagbare Angst. Warum konnte er nicht endlich einmal so stark wie ein Mann sein, warum musste er so ein schrecklicher Schwächling sein, so ein Verlierer, ein verdammter Narr.

Er war der Narr und wusste, dass er als Narr ein echter Dummkopf war.

Von diesem Zeitpunkt an hasste er sich sehr.

III.

Ein paar Kilometer weiter zurück schaukelte sich die kleine Judith in einem großen Fernsehschaukelstuhl in ihrer kleinen Welt bei Clara, dieser netten Tante mit dem lieben Lächeln im Gesicht, vor und zurück, während sie sich einen Kinderzeichentrickfilm über Tiere im Fernsehen anschaute. Es war schon richtig spät, und trotzdem durfte sie noch auf sein. Das war wunderbar, denn das hatte sie zu Hause bei ihren Eltern früher nie dürfen. Draußen trommelte Regen gegen die Fensterscheiben, und auf den hübschen Vorhängen davor blühten kleine feine Margeriten. Das sah so schön aus, fand Judith, aber noch viel schöner waren die Vorhänge im Gästezimmer, das nun ihr Zimmer war, da wuchsen nämlich große gelbe Sonnenblumen auf grünem Untergrund, und das alles sah dann aus wie eine wunderschöne Sommersonnenblumenwiese.

Jetzt ist er tot, rief sie entzückt aus, als der böse Straßenköter in dem Kinderzeichentrickfilm, den sie gerade anschaute, in eine Falle geriet, die zuschnappte, als er einmal kurz nicht aufpasste. Tot war er trotzdem nicht, denn tote Tiere gab es in diesen Kinderzeichentrickfilmen nicht, die Clara der kleinen Judith zu schauen erlaubte.

Clara war eine so nette Frau, dachte Judith, als sie ihr kleines Händchen in die Schüssel mit den Keksen führte, so groß und so gescheit, wenn sie mit ihrer tiefen Stimme etwas sagte, so ernst und dann wieder lustig, wenn sie lachte, denn wenn sie lachte, dann warf sie den Kopf in den Nacken zurück und lachte lauthals heraus. Am schönsten aber fand Judith Claras Haar, das locker und weich über ihren Rücken fiel, wenn sie es bürstete und Judith ihr dabei zusehen durfte. Dann würde sie sich am liebsten hineinwühlen in diese Wellen ihres weichen Haares wie in ein Wasser, das sie ja auch so sehr liebte. Denn Judith liebte viele Dinge auf der Welt, da waren ihre hübschen Spielsachen, allen voran natürlich ihre Lieblingspuppe Berta mit dem blonden Puppenkopf und den blauen Augen, da waren aber auch all die Süßigkeiten, die sie niemals essen konnte, weil es viel zu viele waren und ihr dann bestimmt übel wurde, da waren lustige Kinderzeichentrickfilme, die liebte sie heute am meisten – und da war Clara mit ihrem wunderschönen Haar, die immer so nett zu ihr war, und ihre Mutter, der es nicht so gut ging, weil das kleine Schwesterchen so plötzlich gestorben war, und da war ihr Vater, den liebte sie heute nur ein bisschen, weil er sie weggegeben hatte, das verzieh sie ihm nicht. Wenn sie daran denken musste, und das kam immerhin öfter vor, als sie wollte, dann kamen ihr die Tränen in die Augen, weil sie es als eine Gemeinheit empfand.

Richtig gemein, schimpfte sie in den Fernseher hinein und stopfte sich eine Handvoll Kekse in den kleinen Mädchenmund.

Warum ist der doofe Straßenköter nicht endlich mausetot, schimpfte sie weiter, als der doofe Straßenköter im Kinderzeichentrickfilm blöde vom Bildschirm grinste, bis ihm die Spucke aus den Mundwinkeln sabberte.

Immer wenn sie an ihren Vater und an diese große Gemeinheit von ihm denken musste, wurde sie zornig auf sich und auf die ganze übrige Welt, und immer kamen diese Gedanken so ganz plötzlich in ihren Kopf. Sie kamen ohne Vorwarnung, sie waren einfach da. Sie kamen, wenn sie fernschaute, sie kamen, wenn sie naschte, sie kamen, wenn sie Clara beim Haarebürsten zuschaute, und sie kamen, wenn sie mit ihren vielen hübschen Spielsachen spielte. Und das empfand sie dann auch wieder als eine große Gemeinheit, weil sie diese Wut in sich ja gar nicht mochte, sie fühlte sich schlecht dabei und würde viel lieber froh und heiter über lustige Dinge lachen und nicht mehr wütend sein.

Alles war so eine große Gemeinheit, und doch liebte sie die »Tante« sehr, so nannte sie Clara nämlich insgeheim, obwohl Clara ihr erklärt hatte, dass sie keine Tante sei, bloß die Clara, so hatte sie gesagt, aber Judith gefiel der Gedanke an eine liebevolle Tante, das gab ihr eine gewisse Sicherheit, nachdem sie ihr Vater im Stich gelassen hatte.

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