Ilse Tielsch - Die Früchte der Tränen

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Anni lebt mit ihrem Mann Bernhard inmitten der Aufbruchsstimmung der 1950er-Jahre. Sie studiert und arbeitet nebenbei in einer Buchhandlung, abends feiern sie mit ihren Freunden in der kleinen Wohnung ausgelassene Feste. Sie alle haben den Krieg und die Flucht aus Mähren durchgestanden, aber sie leben in der Gegenwart, fest dazu entschlossen, das Leben zu genießen.
Ilse Tielsch zeigt den Neubeginn und den Wiederaufbau in den 1950er-Jahren inmitten der zeitgeschichtlichen Ereignisse und Entwicklungen, mit denen die Menschen konfrontiert waren. Die aufkeimende Hoffnung in der Zeit des Wirtschaftswunders auf eine neue, bessere Welt wird 1956 jäh von der Niederschlagung des Ungarnaufstands durchbrochen. Und es kommen neue Verjagte, neue Flüchtlinge, wieder Menschen, die ihre Heimat verloren haben …

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Daß ich damals nach Deutschland gegangen bin, sagt Hedwig, Valeries jüngere Schwester, ist unser Glück gewesen. In Österreich wären wir Bettler geblieben, in Österreich hätte ich nicht gewußt, wie ich die Eltern und die Kinder ernähren soll. Auch hier, sagt sie, war der Anfang sehr schwer. Auch die Einheimischen haben Not gelitten. Aber man hat uns wenigstens anerkannt, und man hat uns geholfen, wo es möglich war.

(Deutsche Zeitungen veranstalteten 1950 eine Umfrage mit dem Ergebnis, daß die meisten Menschen über zu niedrige Einkommen und zu hohe Lebenshaltungskosten klagten. Ein Lehrer verdiente etwa vierhundert Mark, ein mittlerer Beamter zweihundertfünfzig, ein Facharbeiter zweihundert Mark. Ausgebombte Familien sahen keine Möglichkeit, die nötigsten Möbelstükke, Wäsche oder Hausgerät anzuschaffen, selbst der Kauf eines Kleides, eines Mantels für den Winter, die Anschaffung von Schuhen bedeuteten unlösbare Probleme.)

Du kannst dir vorstellen, sagt Hedwig, wie es uns und den Flüchtlingen gegangen ist, auch wenn wir kleine Unterstützungsbeiträge bekommen haben.

Dann die Arbeitslosigkeit, sagt Hedwig. Sie half bei den Bauern auf den Feldern mit, auch der alte Vater arbeitete noch schwer, später fuhr sie mit dem Fahrrad in die nahe Stadt Erlangen und wusch die Wäsche einer amerikanischen Familie.

Nie, sagt Hedwig, hat mir die Amerikanerin etwas zu essen für mich und für die Kinder mitgegeben, sie ist wahrscheinlich gar nicht auf den Gedanken gekommen, mich zu fragen, ob wir genug zu essen hätten.

Sie hat auch nicht kochen können, sie hat überhaupt keine Vorstellung von richtigem Kochen gehabt. Sie hat ein Stück gefrorenes Fleisch aus dem Kühlschrank genommen, hat mit einer Hacke ein Stück davon abgehackt, hat es in die Pfanne geworfen, rasch abgebraten und dann ihrem Mann auf den Teller gelegt. Jeden Tag hat sich das gleiche abgespielt. Der Mann hat ein kleines Stück von dem Fleisch abgeschnitten, hat daran herumgekaut, hat es wieder ausgespuckt, hat dann den Teller weggeschoben und ist gegangen. Das Fleisch hat die Frau dann in den Abfalleimer geworfen.

Wahrscheinlich ist das gar nicht böser Wille gewesen, sagt Hedwig, daß sie mich nie gefragt hat, ob ich ein kleines Stück von dem Fleisch haben will, sie hat sich vielleicht gar nicht vorstellen können, daß es Leute gibt, die Hunger haben.

Ein Stückchen von dem Fleisch, habe ich manchmal gedacht, sagt Hedwig, und ich könnte für die ganze Familie eine herrliche Suppe kochen. Vielleicht hätte sie mir etwas gegeben, wenn ich sie darum gebeten hätte, aber ich habe es nicht gewagt, sie zu bitten, und ich wollte auch nicht als Bettlerin dastehen.

Dabei sind wir doch wirklich arm wie Bettler gewesen.

(Friedl, Christians Schulkollege aus dem Gymnasium, das auch Anni besucht hat, noch mit siebzehn Jahren einberufen und an die Front geschickt, in amerikanischer Gefangenschaft beinamputiert, hatte um diese Zeit als Student in Freiburg mit siebenundfünfzig Mark monatlich auszukommen. Fünfundzwanzig Mark, sagt Friedl, habe sein Zimmer gekostet, vom Rest mußte er den Lebensunterhalt bestreiten.

Wenn ich Brot gekauft habe, sagt Friedl, dann habe ich es drei Tage lang liegen lassen, altes Brot gibt mehr aus als frisches.

Natürlich habe ich Hunger gehabt. Erst 1951 hat es hundertfünfzig Mark zusätzlich für das Semester gegeben, von diesem Geld mußten die Bücher gekauft werden.

1984 sagt ein Mann, der im Zug von München nach Berlin unterwegs ist und von der Zeit nach dem Krieg erzählt: Zum Glück ist mein Bruder gefallen, sonst hätte ich, als ich eine Anstellung bekam, nicht einmal eine passende Hose anzuziehen gehabt.)

Heinrich und Valerie immer noch in der Küche mit dem Steinfußboden, in einem kleinen Schaff aus Zinkblech wusch Valerie die Wäsche, spannte dann einen Strick vom Fensterhaken zur Wand, hängte die Wäschestücke daran zum Trocknen auf. Zwei Gassen weiter war das Brausebad, TRÖPFERLBAD oder VERTIKALSTROMBAD sagten die Wiener.

Hedwig immer noch mit den beiden Alten und den Kindern in den winzigen Kämmerchen unter dem Dach, immer mißtrauisch beobachtet von den Hausleuten, fremd in der neuen Umgebung, keine Möglichkeit, in eine Stadt zu übersiedeln.

Judith mit ihren Eltern im Schrebergartenhaus ihrer Tante am Stadtrand von Wien, ein winziges Zimmerchen, eine Küchenecke, ein Feldbett, das abends aufgeschlagen wurde, zwei übereinandergestockte Bettstellen an der Wand, Wasser aus dem Brunnen im Gärtchen, der an kalten Wintertagen zugefroren war, auch auf dem Eimer, den man ins Haus geholt hatte, bildete sich eine Eiskruste über Nacht, die Milch auf dem Tisch fror zu weißen Kristallen.

Man muß wissen, was man will, sagte Judith zu Anni, die neben ihr auf dem unteren Stockbett saß. Man muß ein Ziel haben und immer dran denken, ob einen das, was man unternimmt, auf dem Weg zu diesem Ziel weiterbringt oder ob es einen zurückwirft.

Ich habe ein Ziel, sagt Judith. Ich möchte wieder so leben können, wie wir zu Hause gelebt haben.

Wieder leben, wie man zu Hause gelebt hatte, wieder besitzen, was man zu Hause besessen hatte, das wollten viele in dieser Zeit. Daran dachten sie, davon träumten sie, wenn sie an den beleuchteten Fenstern fremder Häuser vorbeigingen, die jenen Glücklichen gehörten, die durch Krieg und Bomben ihren Besitz nicht verloren hatten, die verschont geblieben waren, jedenfalls was den materiellen Besitz betraf. Manche träumten auch davon, einmal vielleicht, in einer nicht allzu fernen Zukunft, besser zu leben, als sie daheim gelebt hatten, manchen ist dies auch gelungen.

NICHTS MEHR BESITZEN wollte Narcisse, die blutjunge Pianistin aus Böhmen, als sie endlich an einem Ort angekommen war, an dem sie bleiben konnte, keine Möbel, keine Teppiche, keine Vorhänge an den Fenstern, keinen überflüssigen Gegenstand mehr, nichts von dem, was sie zu Hause besessen hatte, nur ein Klavier.

Wie und wo übten Pianisten, die kein eigenes Klavier besaßen, in jener Zeit?

Ein später sehr bekannter Pianist soll in der Auslage eines Klaviergeschäftes geübt haben, in der ein Flügel stand, man hatte es ihm erlaubt, weil man sich davon einige Werbewirkung versprach.

Narcisse übte nachts, in der Kantine des Eisenbahnausbesserungswerkes in Eßlingen am Neckar, sie spielte die Nächte durch, wenn die Arbeiter in ihren Betten lagen und schliefen. Ein Klavier zur Verfügung zu haben, wenn auch nur nachts, war Glück, war für den Anfang genug, mehr wünschte sie nicht. Erst Jahre später erfüllte sich ihr Traum von einem eigenen Flügel. Sie war glücklich. Was brauchte sie mehr?

Frei sein von der Herrschaft der Dinge, vielleicht hatte sie das gewollt, oder nichts mehr besitzen, woran man sein Herz hängen, was man eines Tages doch wieder verlieren konnte. Ohne die Dinge hätte sie leben können, nicht ohne ihre Musik.

NATÜRLICH KONNTE DAS NICHT SO BLEIBEN, da lagen die Noten auf dem Fußboden herum, man mußte sie unterbringen, da waren die Bücher, die sich vermehrten. Da kamen Gäste aus der Heimat, man hatte sie zu bewirten, man brauchte Teller, Löffel, Tassen. DIE HABE ICH HEUTE NOCH.

Eine Bekannte stellte ihr einen schönen alten Schrank vor die Tür, dem sofort ihre Liebe gehörte. Dann kam eines zum anderen, die Dinge vermehrten sich wieder, man kam nicht aus ohne die Dinge, man hatte neu zu überdenken, was man anstrebte, was man wollte, man hatte seine Beziehung zu den Dingen neu zu formulieren.

NUR NOCH WAS ICH WIRKLICH HABEN WOLLTE, sagt Narcisse, NUR NOCH, WAS MIR AM HERZEN LAG.

Aber gerade das, was man aus Neigung erwirbt, ist es ja, was man schmerzlich vermißt, wenn es einem wieder genommen wird. NIMM NUR DEINE WICHTIGSTEN SACHEN MIT, ALLEM ÜBRIGEN SAGE ADIEU UND WEINE DEN DINGEN KEINE TRÄNE NACH, ES STEHT NICHT DAFÜR. So hatte Heinrichs Onkel Hermann an seine noch in Mährisch Trübau verbliebene Schwester geschrieben, als feststand, daß man sie mit einem Lastwagen abholen und nach Österreich bringen würde, aber Friederike, Heinrichs Mutter, hatte zu diesem Zeitpunkt nichts mehr von dem besessen, was ihr lieb gewesen war. Das Eisenbett mit dem Drahteinsatz, das Küchenstockerl, den Korb mit Wäsche, den sie gerettet hatte, nahm man ihr beim Grenzübertritt ebenfalls ab. HÖR AUF, MAMA, pflegte Valerie zu sagen, wenn die Schwiegermutter immer wieder damit anfing, von den ihr geraubten Dingen zu reden, ICH BITTE DICH, MAMA, HÖR AUF.

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