A. V. Frank - Waldlichter
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Auf einmal wurden Kath und Tran von hinten von großen, starken Händen an den Schultern gepackt. Sie drehten sich um und umarmten die beiden Jungs, die hinter ihnen standen, fest. Während Tran Eric an sich drückte, küsste Philipp Katherina gerade zur Begrüßung. Die beiden waren jeden Sommer zusammen, hatten aber während der restlichen Zeit keinerlei Kontakt zueinander. Mit Eric war das etwas anderes. Er war einfach Trans bester Kumpel, und obwohl sie heimlich in ihn verliebt war, wusste sie, dass sie keine solche Beziehung wie Kath wollte.
Zu guter Letzt sichtete Marina das Pärchen Melissa und Lisa, das erst seit einem Jahr zu ihrem Freundeskreis gehörte. Sie kamen händchenhaltend auf die Gruppe zu und umarmten alle. Daraufhin wurde heftig Klatsch und anderes Wissenswertes ausgetauscht. Sie redeten und redeten. Tran stand ganz nahe bei Eric und hing an seinen Lippen, als er von seinen Eltern erzählte.
Plötzlich ertönte eine Stimme aus einem Lautsprecher und alle drehten sich zu Lilly um, die auf der Veranda eines Hauses stand und in ein Megafon sprach. „Alle mal herhören. Ich heiße euch in Grettersane willkommen und wünsche euch angenehme Ferien. Für diejenigen von euch, die neu sind, ich bin Lilly, die Leiterin und Verantwortliche für diese Wohnungen. Ich verlese jetzt eure Namen und sage euch die Nummer eures Hauses. Julia Andorn, Haus fünf, Lysana Appleton, Haus sieben, Jamie Brond, Haus eins ...“
So ging es weiter, Namen über Namen und lauter junge Leute, die in die ihnen zugeteilten Häuser gingen. Trans Freundinnen kamen in Haus sieben, zusammen mit der eben genannten Lysana und einem Mädchen namens Victoria. Eric und Philipp wurden in Haus eins untergebracht.
Als alle verteilt waren, zerstreute sich die Menge der Dorfbewohner, die zugesehen hatte, schnell. Nur Kath und Tran blieben draußen zurück, bis Caroline sie hereinrief. Drinnen herrschte ausgelassene Stimmung und ein Geschnatter, dass man beinahe taub wurde.
Die eine der beiden neuen, Lysana, ließ einen komplett verzweifeln. Das Bett war zu hart, der Platz zu gering, die Gesellschaft der anderen unangenehm und es war angeblich viel zu dreckig, was überhaupt nicht stimmte. Das ging so, bis die andere Neue, Victoria, sie anherrschte, was sie eigentlich für Probleme hätte. Wenn ihr das hier nicht recht wäre, hätte sie zu Hause bleiben sollen.
Da wurde Lysana still, bedachte sie mit einem tödlichen Blick und machte sich ans Auspacken. Dabei sagte sie: „Wenn mir einer an meine teuren Guccisachen geht, dann kann derjenige was erleben. Übrigens könnt ihr mich Ana nennen und ich werde schneller eure Freundin, wenn mir jemand etwas Alkoholisches beschafft.“
Tran runzelte ärgerlich die Stirn, stellte sich dann aber vor und ihre Freunde folgten ihrem Beispiel. Auch Victoria stellte sich vor, bat aber darum, sie Vici zu nennen. Sie war Tran sofort sympathisch, also fragte sie diese, ob sie mit ihnen mitkommen wolle. Sie lächelte Tran an, bejahte und packte fertig aus. Dann riefen draußen Philipp und Eric ihre Namen und Kath und Tran gingen vor. Während die vier auf den Rest warteten, tuschelten Kath und Philipp die ganze Zeit miteinander und konnten ihre Finger kaum bei sich behalten. Tran und Eric versuchten, sie nicht zu beachten, und unterhielten sich.
Es waren keine besonderen Themen, aber Tran merkte, wie sehr sie ihn vermisst hatte. Sie rückte näher an ihn heran und er legte ihr den Arm um die Schultern. Es war nichts Besonderes an dieser Geste, so saßen sie immer da, egal, ob im Pub oder am Lagerfeuer, aber sie fühlte sich sofort geborgen und lehnte den Kopf an seine Schulter. Doch leise Schuldgefühle beschlichen sie, als sie sich wünschte, statt Eric Sirman neben sich zu haben. Schnell verbannte sie diesen Gedanken wieder.
Als die anderen mit Vici und Ana zusammen aus Haus sieben kamen, standen sie auf. Tran suchte Caros Blick und schaute dann fragend zu Ana hinüber. Caro hatte eine leidende Miene aufgesetzt, nickte aber.
Seufzend ging sie auf Ana zu und sagte: „Da du anscheinend mitkommen willst, muss ich dir aber noch sagen, dass wir uns in dieser Gruppe nicht abfüllen oder wilde Partys veranstalten. Außerdem kannst du sofort wieder gehen, wenn du vorhast, uns nur die Ohren vollzujammern.“
Der Blick, mit dem Tran bedacht wurde, war eiskalt, aber Ana nickte. „In Ordnung. Bist du hier die Anführerin?“
Sie widerstand dem Drang, mit den Augen zu rollen und antwortete genervt: „Eher die Einheimische, eine Anführerin gibt es nicht.“
Da keine Erwiderung von Ana kam, drehte Tran sich um und schaute Kath an, wie es der Rest schon die ganze Zeit tat. Kath sagte immer, wo sie als Nächstes hingehen sollten oder was sie jetzt machen könnten – also eigentlich war sie die Anführerin, aber das musste diese Ana ja nicht wissen. Katherine lächelte schief und sagte: „Mir wäre jetzt erst einmal nach einem Drink.“
Als Tran einen Blick zurückwarf, sah sie, dass Ana grinste.
Im Pub war schon einiges los und Tran dachte bei sich, dass die Besitzer Lilly damals sicherlich auch unterstützt hatten, denn im Sommer florierte ihr Geschäft natürlich noch mehr. Sie bestellte sich ein Colabier und schmiegte sich wieder an Eric. Er erzählte dem Tisch gerade, wie seine kleine Schwester ihm den letzten Nerv raubte, indem sie ihn entweder in seinem Zimmer einsperrte oder seine Hausaufgaben mit Wasser übergoss. Sie alle mussten lachen, als Philipp die Szenen nachspielte, von denen sein Bruder berichtete.
So ging es den ganzen Nachmittag, bis Tran einschritt, als sie sah, dass Ana sich bereits das fünfte Bier bestellen wollte.
„Kommt, lasst uns zu unserem Platz gehen und ein Lagerfeuer anmachen. Dann holen wir Marshmallows und machen es uns gemütlich.“ Der Vorschlag traf überall auf Zustimmung außer bei Ana, was sie allerdings nicht kümmerte.
Sie teilten sich vor dem Pub auf. Marina und Melissa gingen zu Haus sieben zurück und holten ihren Mitbewohnern ein paar Sachen, die diese haben wollten. Philipp und Katherina marschierten zu ihrem Zuhause, um Holz für das Feuer zu holen, Tran machte sich mit Vici zu ihrem Wohnwagen auf, um die Zwei-Kilo-Tüte Marshmallows, die Tran erst vor Kurzem gekauft hatte, herbeizuschaffen, und Eric wanderte mit den Übrigen schon einmal auf die Wiese zu ihrem Platz. Es gab einen kleinen Lagerplatz auf den Wiesen, der von etwas Gestrüpp und halb verfallenen Mauern, die die Landschaft hier prägten, umgeben war, sodass man dort unbehelligt feiern konnte. Nur ein paar Meter weiter standen die Schafe des Dorfes und weideten.
Auf dem Weg zu ihrem Wohnwagen, als sie gerade an der großen Kirche St. Patrick vorbeigingen, rief Lilly nach ihnen. „Transca, Victoria, wartet mal kurz!“ Sie drehten sich um und sahen die Leiterin der Feriensiedlung auf sich zueilen. „Ich muss mit euch reden. Könnt ihr eurer Gruppe Bescheid sagen, dass wir jeden Dienstag einen Karaoke-Abend im Pub machen? Ich habe gerade das Einverständnis von George bekommen. Das wird so ein Spaß!“, teilte sie den beiden Mädchen etwas atemlos mit. Sie grinste sie breit an, als diese nickten, warf ihnen Luftküsse zu und verschwand dann in die andere Richtung.
Die Mädchen schauten einander an und fingen gleichzeitig an zu lachen. Lilly war einfach drollig. Sie schlenderten an der St.-Patricks-Kirche vorbei und kamen bald am Wohnwagen an. Dort suchte Tran erst mal die Marshmallows, denn Robin hatte sie wieder verlegt. Als sie sie gefunden hatte, trat sie wieder zu Vici. Diese nahm ihr schweigend ein paar Tüten ab und sie gingen gemeinsam hinaus auf die Wiesen, wo versteckt hinter einer hohen Hecke der Lagerplatz war. Die anderen waren bereits vollzählig versammelt und das Feuer loderte schon.
„Hier kommt euer Essen, leider nicht auf Rädern, aber auf Beinen“, rief Vici.
Sie lachten und machten sich über die Marshmallows her. Anschließend kuschelten sie sich unter ein paar Decken zusammen und redeten.
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