A. V. Frank - Waldlichter

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Im Westen Irlands werden drei Mädchen von geheimnisvollen Wesen in eine neue Welt voller Magie und Herausforderungen gezogen. Dabei lernen sie eine neue Kultur und Sprache kennen und müssen sich im Kampf gegen die monströsen Duorc behaupten.Doch ein Verräter hat sich unter sie gemischt und die Auseinandersetzungen im eigenen Lager werden größer. Werden die Mädchen es trotzdem schaffen zusammenzuhalten, um diese alte Kultur vor dem Untergang zu bewahren?

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Als das Flugzeug abhob, lächelte Lysana.

*

Kapitel 3

Transca stieß sich den Kopf an einem tief hängenden Ast. Fluchend rieb sie über die schmerzende Stelle und fragte sich, warum sie ihn nicht gesehen hatte. Sie blickte sich um und bemerkte erstaunt, dass sie bereits am Waldrand war. Dabei hatte es vorhin noch so ausgesehen, als ob sie inmitten des tiefsten Waldes auf einem ausgetretenen Pfad dahinschreiten würde. Eben hatte sie auch noch ein fließendes hellgrünes Kleid aus leichtem Leinen getragen, doch jetzt hatte sie ihre normale Khakihose und ihr ausgewaschenes, grobes und viel zu weites Sweatshirt wieder an. Sie runzelte verwirrt die Stirn. Sie nahm doch keine Drogen und trank auch nicht, woher dann die Halluzinationen?

Vorhin noch war ihr der wunderbare Duft des Waldes in die Nase gestiegen, ganz intensiv, aber jetzt roch sie nichts Besonderes. Einen schwachen Abklatsch des wunderbaren Aromas konnte sie noch wahrnehmen, aber mehr nicht.

„Jetzt werde ich endgültig verrückt, hat mich schon gewundert, warum das überhaupt so lange gedauert hat ...“, dachte sie und verzog den Mund zu einem ironischen Lächeln. Sie trat mit traumwandlerischer Sicherheit auf die trockenen, tragenden Stellen des Waldbodens, der ansonsten eher an eine Sumpflandschaft erinnerte, vor allem hier, weit im Süden. Dieser Wald war ihre Heimat, mehr noch als der Wohnwagen, in dem sie mit ihrem Cousin Robin lebte. Sie kannte ihn in- und auswendig.

Als sie aus dem grünen Dickicht hinaustrat, ging gerade die Sonne unter. Sie beeilte sich zurückzukommen, damit Robin sich nicht sorgte. Auch wenn sie in einem Monat schon 19 wurde, hatte er immer Angst, sie würde im Wald verschwinden und nie wieder zurückkommen.

Einmal hatte sie im Wald übernachtet, ohne ihm Bescheid sagen zu können, da ihr Handy nutzloserweise auf ihrem Bett lag. Er war schier verrückt geworden und sie hatte eine Woche nicht aus dem Wohnwagen gedurft. Seitdem nahm sie ihr Handy immer mit, auch wenn es meistens ausgeschaltet war.

Mit der Schule war sie längst fertig, da es hier in Grettersane nur eine Art Mittelschule gab, in der die Kinder bis zur elften Klasse unterrichtet wurden. Um ihren Cousin finanziell zu unterstützen, jobbte sie in dem Pub Zum tanzenden Kobold als Serviererin. Hier kannte sich jeder, und wenn einer der Nachbarn in finanziellen Schwierigkeiten steckte, dann half das gesamte Dorf. Oder Kleinstadt, wie es auf dem Papier hieß. Aber im Grunde war es wirklich nur ein heimeliges, kleines Dorf. Tran, wie sie von ihrem Cousin genannt wurde, liebte es hier. Sie wollte niemals woanders hin.

Zu ihrem 19. Geburtstag würde sie einen eigenen Wohnwagen bekommen, was sie verständlicherweise freute. Er sah sehr süß aus und wartete schon darauf, von ihr bezogen zu werden. Es gab einen kleinen Parkplatz, auf dem sie lebten, gemeinsam mit ein paar anderen, die es vorzogen, in einem mobilen Heim zu residieren.

Im Dorf war das Leben, das sich größtenteils im Pub abspielte, sehr friedlich. Dort war der Mittelpunkt des sozialen Lebens. Neue gab es zum Glück nur wenige. Die hatten immer so hohe Ansprüche. Natürlich gab es die Ferienwohnungen von Lilly Mairéan, deretwegen es ziemlichen Streit in Grettersane gegeben hatte, laut Robin zumindest. Lilly wollte unbedingt junge Leute in den Ferien herholen, damit diese ein bisschen Natur kennenlernten. Dem Rest der Einwohner passte das nicht, denn sie schätzten ihre Abgeschiedenheit. Tran wusste nicht wie, aber irgendwie war es Lilly gelungen, sich trotzdem durchzusetzen.

Jetzt verdiente das Dorf eine Menge an den Hütten. Und viele der Jugendlichen kamen wieder. Eine Familie war sogar nach einem solchen Urlaub hierher gezogen. Es waren Michael und Gloria Agnew. Ihre Tochter, die inzwischen zwanzigjährige Katherina, war eine gute Freundin von ihr geworden.

Tran freute sich auf die Ankunft der Gäste, denn es waren auch einige Freunde von ihr dabei, die seit drei Jahren immer kamen. Die Schwestern Marina und Caroline Knight aus London, beide inzwischen 19 Jahre, sowie die Brüder Eric und Philipp, 19 und 18 Jahre und beide supersüß, die in Glasgow wohnten. Und nicht zu vergessen das Paar Lisa (22) und Melissa (21), die sich immer freuten, aus Belfast herauszukommen. Das waren ihre Freunde, denn sie war eine der letzten Jugendlichen in Grettersane. Die anderen hatte es alle in die Großstädte gezogen.

Mit einem dumpfen Schlag knallte Transca gegen den Wohnwagen. Sie hatte schon wieder nicht geschaut, wo sie hinlief. Jetzt würde sie gleich zwei Beulen am Kopf bekommen, der bereits zu schmerzen begann. Sie verfluchte sich für ihre Unachtsamkeit. Nachdem sie um den Wagen herumgegangen war, machte sie die Tür auf und stieß prompt mit Robin zusammen.

„Verdammt, am besten packt man mich in Kissen ein und verhindert, dass ich mich bewege!“, schimpfte sie.

Erschrocken sprang Robin zurück. „Was ist denn los, Tran, dass du dich so aufregst?“, fragte er, konnte sich ein Grinsen jedoch nicht verkneifen.

Sie schnaubte, drückte sich an ihm vorbei und klatschte sich kaltes Wasser ins Gesicht. Dann drehte sie sich zu ihm um, sah ihn an und sagte: „Erst stoße ich mir den Kopf an einem Ast, dann renne ich volle Kanne gegen unseren Wohnwagen und schließlich knalle ich mit dir zusammen. Und der Ast war das weichste Hindernis von allen dreien.“

Sein Grinsen wurde noch breiter. „Tja, ich bin eben gut trainiert. Soll ich Kissen holen gehen?“

Sie bewarf ihn mit dem Handtuch, mit dem sie gerade ihre Hände getrocknet hatte, wandte sich um und ging in ihren Teil des Wagens, hörte allerdings noch sein schallendes Lachen.

Im Traum war sie wieder im Wald. Sie zwängte sich durch einen Spalt in einer Felswand, vor der sie plötzlich stand. Nun befand sie sich innerhalb eines perfekten Kreises, von dem acht Höhlen abgingen. In der Mitte stand ein riesiger Obelisk, doch sie konnte den Blick nicht darauf ruhen lassen, genauso wenig, wie sie ihre Umgebung genauer betrachten konnte.

Es zog sie in die braune Höhle, die keinerlei Verzierungen hatte außer einem Zeichen über dem Eingang. Es war ein senkrechter Strich, von dem oben ein Blatt abging und der unten in einer Schale stand. Sie betrat die Höhle und fühlte sich sofort geborgen. Dort ruhte auf einem kleinen Podest eine Schale aus Katzenauge, in die von oben bräunliches Wasser tropfte. Um das Podest herum standen kunstvoll verflochtene Gräser, dazwischen Tongefäße, in denen Kräuter und Früchte gelagert wurden.

Doch so interessant das auch war, Tran gelang es erneut nicht, ihren Blick darauf ruhen zu lassen und ihn somit von der Schale abzuwenden. Sie berührte das Gefäß sanft, wollte wissen, wie sich der Stein anfühlte, der so überirdisch aussah. Das Wasser begann auf ihre Berührung hin, braun zu glühen. Erschrocken wich sie zurück.

Eine Stimme ertönte, so ausgewogen, so hoffnungsvoll, dass ihr Tränen in die Augen traten. „Meine Tochter, du bist nach Hause zurückgekehrt. Das freut mich unendlich, denn ich bin nur so stark, wie es meine Kinder sind, und du wirst unglaublich stark werden. Ich bin Billingra, komme zu mir, sobald du kannst.“

Transca konnte nur stumm dastehen und nicken, bis das Glühen erlosch. Danach stolperte sie langsam aus der Höhle. Ihre Beine schienen ein Eigenleben zu entwickeln, denn plötzlich stand sie genau vor dem Obelisken und blinzelte im reflektierten Sonnenlicht. Sie wandte sich ab und sah sich der schwarzen Höhle gegenüber.

Verschwommen nahm sie eine Gestalt wahr, die aus dieser Höhle trat, eine junge Frau mit langem schwarzem Haar und hellgrauen Augen, die sie erschrocken und entgeistert anstarrte. Sie trug ein hellgrünes, langes, fließendes Kleid und Transca wusste intuitiv, dass es aus leichtem Leinen war. Es war die Person, die sie heute Nachmittag gespürt hatte, mit der sie sich verwechselt hatte. Verständlicherweise, denn auch Tran hatte lange schwarze Haare und graublaue Augen. Sie hatten sogar beinahe die gleiche Größe.

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