A. V. Frank - Waldlichter

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Im Westen Irlands werden drei Mädchen von geheimnisvollen Wesen in eine neue Welt voller Magie und Herausforderungen gezogen. Dabei lernen sie eine neue Kultur und Sprache kennen und müssen sich im Kampf gegen die monströsen Duorc behaupten.Doch ein Verräter hat sich unter sie gemischt und die Auseinandersetzungen im eigenen Lager werden größer. Werden die Mädchen es trotzdem schaffen zusammenzuhalten, um diese alte Kultur vor dem Untergang zu bewahren?

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Es kann einem wohl seltsam erscheinen, dass so viel geredet wurde, aber man muss sich ins Gedächtnis zurückrufen, dass die Freunde sich seit einem Jahr nicht gesehen hatten, und auch die Neuankömmlinge mussten natürlich von sich und ihrem Leben erzählen. Erst als es schon lange Zeit dunkel war, kam Tran dazu, ihnen die Nachricht von Lilly zu übermitteln. Und prompt ging das Gestöhne los. Karaoke-Abende waren anscheinend für Victoria und Lysana total schlimm und peinlich, dabei wussten sie nicht einmal, dass es bei solchen Veranstaltungen eine Liveband gab, der Text von einfachen Blättern abgelesen und bloß Volksmusik und Irish Folk gespielt wurde. Als Caroline und Katherina es ihnen schließlich erzählten, wurde die Verzweiflung bei Lysana nur noch größer, doch seltsamerweise schien diese Neuigkeit Victoria kaum zu schocken.

Daraufhin wurden Kath und Tran gebeten, ein paar dieser Volkslieder mit ihnen zu singen, damit sie alle etwas üben konnten. Die beiden dachten nach und entschieden sich dann für Whiskey in the Jar, das ziemlich bekannt war, und alle stimmten nach kurzem Zögern ein. Lauthals singend saßen sie an einem Lagerfeuer mitten in der Wildnis und genossen den Sommer.

Tran merkte allerdings, dass Vici, die neben ihr saß, nicht mit einstimmte, sondern lediglich den Mund bewegte. Sie runzelte die Stirn und beschloss, sie darauf anzusprechen. Man hörte den Einzelnen doch nicht heraus, wieso also sollte sie sich schämen?

Die Stimmung hatte sich durch die Einlage beträchtlich gebessert und sie gingen zum Witzeerzählen über. Tran lag an Eric gelehnt da und fühlte sich im Kreis ihrer Freunde geborgen und wohl. Doch dann schob sich ein Paar grüner Augen in ihre Gedanken und sie wollte nichts sehnlicher, als dass Sirman hier zwischen ihren Freunden saß und sie sich an ihn lehnen konnte. Nicht, dass Eric nicht eine gute Alternative war, aber er war eben bloß ihr Kumpel. Bestürzt bemerkte sie, dass sie nicht mehr in ihn verliebt war. Dieses Gefühl war so sehr Teil von ihr geworden, dass sie sich automatisch eingebildet hatte, es noch immer zu besitzen, doch dem war nicht so.

Sie spürte kein Kribbeln mehr auf der Haut, wenn er sie berührte, und hatte keine Schmetterlinge im Bauch, wenn sie ihn sah oder nur an ihn dachte. Doch nach der Bestürzung darüber befiel sie Erleichterung, denn es war um einiges angenehmer, ohne dieses Gefühl zu leben.

Mit Sirman war das etwas ganz anderes, denn seine Berührung verursachte nicht nur ein Kribbeln, sondern ein Brennen. Und sie hatte keine Schmetterlinge im Bauch, sondern Raketen. War das zu glauben? Sie hatte sich Hals über Kopf in einen Jungen verliebt, mit dem sie höchstens eine Stunde verbracht hatte, aber sie spürte einfach tief in sich drin, dass er der Richtige war. Sie fing leicht an zu zittern, als sie an seinen Kuss dachte, an die verführerische, leise Stimme und sein tolles Lächeln. Am liebsten wäre sie aufgesprungen und wieder zu der Lichtung gerannt.

Da rüttelte sie jemand an der Schulter. „Tran? Bist du eingeschlafen? Ist alles in Ordnung?“ Es war Eric.

Sofort setzte sie sich auf. Tatsächlich hatte sie die Augen geschlossen und es hatte wohl so ausgesehen, als schliefe sie. „Nein, ich hab nicht geschlafen, bloß nachgedacht, tut mir leid“, beantwortete sie die Frage. Sie sah auf den Gesichtern ihrer Freunde die Lachtränen glitzern und grinste. „Welchen Witz habe ich verpasst?“, fragte sie mit betont munterer Stimme. Da sahen sie neun Gesichter fassungslos an. Sie blinzelte. „Was ist denn? Was habe ich denn noch verpasst?“

Eric antwortete ihr, seine Stimme klang belegt: „Vici hat uns gerade erzählt, was sie hergeführt hat. Ihre Schwester ist hier verschwunden.“

Trans Augen wurden groß, sie sah zu Vici und begriff, dass es keine Lachtränen auf den Gesichtern ihrer Freunde waren, sondern Tränen des Mitleids und der Trauer. „Es tut mir leid, wirklich, ich hatte ja keine Ahnung.“ Kaum merklich nickte Vici und gab ihr damit zu verstehen, dass es nicht so schlimm war. Sie seufzte erleichtert auf.

Dann berührte Eric sie zart an der Schulter, sie sah auf und er fragte: „Sollen wir mal ein Stück gehen, damit deine Durchblutung wieder angeregt wird?“

Sie nickte und folgte ihm mit einem an ihre Freunde gerichteten „Wir sind gleich wieder da“.

Sie gingen, bis das Feuer nur noch in der Ferne zu erkennen war.

„Was hast du auf dem Herzen, Eric, dass du mich hierher verschleppst?“, fragte sie, als er langsamer wurde, und blieb stehen.

Er drehte sich um und grinste. „Du kennst mich viel zu gut.“ Sie schmunzelte ebenfalls. „Ich wollte wissen, was mit dir los ist. Du kommst mir so verändert vor. Und schieb es nicht auf die lange Zeit, die wir uns nicht gesehen haben, daran liegt es nicht.“

Er kannte sie ebenfalls zu gut ... Sie beschloss, ihm die Wahrheit zu sagen. Lügen konnte sie nicht ausstehen. Mit fester Stimme erwiderte sie: „Mit mir ist nicht sonderlich viel los, außer dass ich in den letzten Tagen andauernd irgendwo dagegengerannt bin und immer das Gefühl hab, in einer anderen Umgebung zu sein. Noch dazu habe ich im Wald einen Jungen getroffen und mich total in ihn verliebt, denn er hat mich zum Abschied geküsst und ist gleich darauf im Wald verschwunden. Es ist also nichts wirklich Besonderes außer einer gewissen Verwirrung.“

Er starrte sie an und schien ebenfalls irritiert zu sein. Was immer er erwartet hatte, diese Erklärung war es wohl nicht gewesen. „Ein Junge? Er hat dich geküsst? Warum? Wer? Wieso bist du in ihn verliebt? Kennst du ihn überhaupt?“ Er stammelte die Fragen unkontrolliert vor sich hin und sie wünschte sich, sie wäre nicht mit ihm mitgegangen. Dass er sich auch immer die pikantesten Themen heraussuchen musste.

„Sirman hat mich geküsst, nachdem wir gepicknickt hatten, und während dieser Zeit habe ich mich in ihn verliebt. Ich weiß, das hört sich verrückt an, deshalb bin ich ja so verwirrt.“

„Aufgrund eines Kusses? Wegen eines Kusses verliebst du dich?“

Nun schien er regelrecht wütend zu sein und sie fragte sich, was das werden sollte. Er war ein Kumpel und hatte gewollt, dass sie ihm ihr Herz ausschüttete, was sie gerade getan hatte. Wo lag das Problem und wieso stellte er so viele Fragen? Ein entsetzlicher Verdacht beschlich sie, doch sie schob den Gedanken ganz weit von sich. Das konnte nicht sein.

Doch was er dann tat, bestätigte den Gedanken und ließ ihr Hirn erstarren. So war sie zu nichts anderem fähig, als sich an ihn zu schmiegen, weil er auf sie zukam und sie leidenschaftlich küsste. Ihr Körper, der von ihrem Geist losgelöst zu sein schien, küsste ihn zurück und presste sich fest an ihn. Ihr Gehirn derweil taute langsam wie nach einer Schockfrostung auf und versuchte, mit dem Gedanken fertig zu werden, dass Eric in sie verliebt war. Dass er sie küsste!

Es war einfach unfassbar. Komplett falsch. Sie wollte nichts von ihm, wie ihr schlagartig bewusst wurde. Es fühlte sich schrecklich falsch an. Unvermittelt übernahm ihr Geist wieder die Kontrolle über ihren Körper, trat einen Schritt zurück und stieß ihn von sich.

„Wie konntest du? Natürlich liebe ich dich, aber doch eher wie einen Bruder als einen Freund, mit dem ich knutschen möchte. Ich dachte, das wäre dir inzwischen klar. Ich kann das nicht! Ich bin nicht Kath und du nicht Philipp! Wie konntest du mein Vertrauen nur derart missbrauchen?“, rief sie entsetzt. Dann drehte sie sich um und lief zurück zum Feuer.

Eric hingegen war ebenfalls schockgefroren. Seit Transca ihm das von diesem Sirman, oder wie dieser Wicht hieß, erzählt hatte, fühlte er Eifersucht und Wut. Wenn sie sich bloß aufgrund eines Kusses verliebt hatte, hätte er schon so oft mit ihr zusammen sein können. Wie Philipp und Kath. Als sie ihn von sich stieß, wusste er nicht mehr, wieso er das getan, sie geküsst hatte.

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