und Zeit zählt den verlorenen Sand.
Die Illusion jedoch hält Wacht,
sie will die Wahrheit noch verschweigen,
dass keine Liebe uns verband.
Schnaubende Wut stiebt aus den Nüstern
des Rappen Zorn, der wild sich bäumt,
in meinem Blut ein hämisch Flüstern
bricht sich im Schrei, mein Geifer schäumt.
Der Groll hält meinen Geist gepackt,
rennt Amok durch die tiefsten Venen,
entblößt die Seele, macht mich nackt,
spielt mit mir lustvoll Teufelsszenen.
Der Jähzorn fesselt Menschenwürde,
legt meine Ratio in Ketten,
um mich herum nur Zaun und Hürde,
nichts kann mich vor mir selber retten.
Geschmack der Rache auf der Zunge,
die fordernd nach Vergeltung schreit,
und keuchend bebt es aus der Lunge:
Mach Dich zum Angreifen bereit!
In einem Nebelbett der Mächte
thront demagogisch blinder Hass,
mein Führer durch schlaflose Nächte,
mich quälend ohne Unterlass.
Ich speie Feuer, Schutt und Aschen,
sieh’, mein Vulkan aus Rachelust
wird mir mein Blut mit Säure waschen,
ein brennend’ Feuer in der Brust.
Von Deinen Qualen will ich zehren,
ob Herzeleid, ob Angst und Not,
will Dich zerstören und Dich lehren,
Dir nichts zu wünschen als den Tod.
So hab ich Ira mich verschrieben
als Dienerin im Höllenfeuer,
bin roten Flüssen treu geblieben,
kein Mensch, kein Tier – nur Ungeheuer.
2016, gewidmet meiner lieben Freundin,
der Malerin Schirin Khorram, zu ihrem Bild IRA
aus dem Projekt »Sieben Todsünden«
Manchmal denk ich an alte Zeiten,
als wir vom Glück zu zweit geträumt,
heut spießen wir uns auf beim Streiten.
Den Absprung haben wir versäumt.
Wie oft schon wollt ich von Dir lassen,
denn was ich fühle, lässt Dich kalt,
heut kann ich Dich nicht einmal hassen.
Doch werden wir zusammen alt.
Gewohnheit nennt sich unser Laster,
das uns beherrscht mit aller Macht,
und was uns eint, ist ein Desaster.
Das haben wir aus uns gemacht.
Könnt ich noch einmal neu beginnen,
würd ich das Leben anders meistern,
und klopfst Du an, mich flugs besinnen,
die Türe schnellstens zuzukleistern.
Ich wollte Dir eine Rose sein.
Du sahst jedoch in mir
nur das Gänseblümchen,
zupftest mir die Blätter
einzeln aus –
und warfst mich fort …
2002
Die Erinnerungen an Dich
gleichen herbstlichem Laub, das
ich zusammenkehre und dem
Feuer preisgebe, um im Geruch
brennender Asche ungesagte
Worte zu betrauern.
Es tanzt der Herbst mit Laub gekrönt
auf bunten Blätterscherben,
die Augen schattentief verträumt,
im Morgennebel sterben
die letzten Sommermelodien, die
uns im Herz erklangen,
und unser Lächeln hat der Wind
im Spinnenweb gefangen.
Ich lausche Deinem leichten Schritt,
auf weiches Moos getreten,
hör den Gesang des wilden Schwans
und letzte Rosen beten.
Nun färbt die Zeit mein dunkles Haar
mit Ascheregen ein.
Komm, Liebster, füll’ den letzten Kelch
mit unserer Liebe Wein.
Es sprudelt aus dem Quellenmund
hinab in Traumwalds Tiefen
und formt die bunten Kiesel rund,
die tausend Jahre schliefen.
Ach, könnte ich nur ewig lieben,
wie sich das Weltrad dreht,
doch schon holt mich Dein Schatten ein
und flüstert leis: zu spät.
2012
Ich spüre diese goldene Kraft,
die nur die Liebe in uns schafft.
Ich rüttle an den Gitterstäben,
will eines nur, will leben – leben.
Lass meiner Trauer freien Lauf,
die Schale fängt die Tränen auf.
Vogel der Nacht erhebt sich leise,
berührt mein Herz in stiller Weise.
Es streicht dein Flügel meine Wangen,
bin frei und doch noch hier gefangen.
Ein Licht auf Rosenblattpapier,
der Stift, er schreibt: So bleib doch hier.
Der Wind raunt leis’, erfass Dein Glück,
die Zeit rinnt vorwärts – kein Zurück.
Schau, wie die Quellen sich ergießen
und statt der Tränen Worte fließen.
Vertrocknet ist Dein Angesicht,
im bleichen Licht stehst Du gebrochen,
der Tod aus Deiner Blüte spricht,
an der mein Liebster einst gerochen.
Nun stehst Du still im leeren Raum
und dienst nur den Erinnerungen.
Mit Dir stirbt auch mein Sommertraum,
als wir der Liebe Lied gesungen.
Auf nacktes Grab sinkt sacht der Schnee,
kühlt nicht die Sehnsucht, die hier blühte,
erinnert stumm an tiefes Weh …
ach, meine Liebe nie verglühte.
Ein Schrei dringt mir durch Mark und Bein,
frisst sich in meine Eingeweide,
Ich bin der Schrei – nur ich allein!
Ich brenne, sterbe, liebe … leide.
Mit spitzen Nadeln beißt Dein Mund
mir tiefe Wunden in mein Herz,
saugt sich an meinem Wesen wund;
ich hülle mich in Eisenerz.
Hast Du den Panzer nur geliebt
auf unserem Lager, unserem Reich?
Das Licht, das uns noch Wärme gibt,
ist am Verglimmen, blass und bleich.
Die Tage werden wie die Nächte,
gemalt an einer dunklen Wand,
im Banne dieser finstren Mächte
löst bitter sich das Liebespfand.
Ich brenne, sterbe in den Flammen,
obwohl ich nach dem Leben hasche,
mag ich den Abschied auch verdammen:
Ich steig wie Phönix aus der Asche!
für Maggie, 2017
Nur noch Erinnerung, sie bleibt …
Der Stift in meiner Hand, der schreibt
von längst vergangenen Zeiten –
er fliegt über die Seiten …
Ein Tropfen fällt auf das Papier.
Gilt diese Träne etwa Dir?
Verwischt das neugeborene Wort
– metapfergleich –
verloren … fort!
Blutmond schweigt still,
Nachtwind haucht mild,
allein mein Herz, das pocht so wild –
warum bin ich gegangen?
Fühl mich in mir gefangen,
starr blind auf eine bleiche Wand.
Im Dunkeln strecke ich die Hand
und möchte Dich berühren,
ein letztes Mal verführen.
Will mit Dir auf den Wolken reisen,
in Persepolis fröhlich speisen,
Dich in Magie verweben,
im Dichterhimmel schweben.
Zitronen, reif und zuckersüß,
pflück ich für Dich im Paradies,
wo Rosen dich bedecken –
kein Tod kann mich mehr schrecken.
Teheran, 2010
Mein Honig, mein Charme
sind sehr flüchtig,
mein Herz aus Glas
hat Sprünge und
eine unbeantwortete
Frage ertrinkt im
Wortgefüge
leerer Antworten.
Ich sage »Guten Tag«,
doch du liebäugelst mit
der Nacht, die in ihrer
Vergesslichkeit
die Tage verschenkt.
Die Vergangenheit hat
mich gedichtet,
doch die Gegenwart
stahl meine Poesie.
Nun warte ich auf den
Morgen und seine
Reserve in tausend
Tautropfen.
Wurzeln
Das Geheimnis unserer Welt wird niemand je ergründen,
das Wort, geschrieben in den Sand, wird niemals jemand finden.
Darum schaff’ Dir an diesem Ort Dein Erdenparadies.
So lebe, lieb, erfreue Dich, bevor die Lebensgeister schwinden.
Ich bin kein Baum, der
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