Als ich über die Liebe schreiben wollte,
brach mein Stift und der Wind ergriff
das unbeschriebene Blatt …
Da hörte ich sein Wispern:
Über die Liebe schreibe nicht,
lebe sie!
Du legst Wärme
in mein Lachen,
Leidenschaft
in meine Augen,
Verlangen um
meinen Mund und
in meinen Gang
die Freude auf Dich.
Berührst Du meine
Saiten, werde ich
zur Violine und
folge der Melodie
Deiner Stimme in die
Zärtlichkeit der Nacht,
gebettet im Zauber
aller Liebenden.
1994
Geliebter!
Sei mir zugleich
Feuer und Wasser,
liegt doch im Feuer
die Kraft des Seins
und im Wasser
sein Schutz.
In welcher Sprache ich Dir schriebe,
ob Persisch, Deutsch, es ist doch gleich,
denn Liebe reimt sich nur auf Liebe,
sie füllt die Herzen, macht uns reich.
Sie ist der Inbegriff des Schönen!
Füll mir den Kelch mit rotem Wein,
lass heut ihr Lied für uns ertönen!
Komm, Liebster, schenk mir nochmal ein.
Du bist
der Baum, der meinen Schlaf beschattet,
ein Sturm, der Blut durch meine Adern hetzt,
ein Löwe, der niemals ermattet,
der Quell, der meine Rosenblätter netzt.
Ich bin
der See, in dem Du Dich bespiegelst,
ein Traum, der Deine Sehnsucht weckt,
Dein Brief, den Du mit Gold versiegelst,
Dein Honig, den die Zunge schmeckt.
Wärst Du ein Buch, läs’ ich Dich mit Vergnügen
und küsste blätternd in Dir Blatt um Blatt,
die Liebe spricht aus allen deinen Zügen,
werd’ nie an Dir ermüden, niemals satt.
Wir sind auf dieser Erde Schachfiguren,
die nur die Liebe auf dem Brett berührt,
sie schützt uns, pflanzt in unsere Herzen Spuren
und jeder Schritt zum Herz des anderen führt.
2000
Wer malt die Schatten auf den Sand,
die tanzend in der Sonne schweben?
Ach, könnte ich so unbeschwert
nur tanzen durch mein ganzes Leben.
Die Zeit bahnt ihre Wege durch
Deine Haut, auf der ich
mit meiner Fingerkuppe
wandere, bis ich im Lächeln
Deiner Augenwinkel ankomme.
In Deinen Armen verschmelze
ich mit Dir, schlüpfe in Dein Herz,
vertraue dem Pfand Deiner
Worte und dem Schutz
Deines Atems.
Heiter baue ich Wolkenschlösser
im Bernstein Deiner Augen,
ungeduldig die Nacht
erwartend, die Kupplerin
der Entflammten.
Ich höre Geflüster, ein Wispern in mir,
ein Stimmchen, das mich leis ermahnt:
»Hast Du mich vergessen? Ich weile in Dir.
Sag, hast Du mich jemals erahnt?
Ich lebe in Dir mit den Wellen der Zeit,
bin im Strom Deines Lebens geschwommen,
Du nimmst mich nicht wahr, bist niemals bereit.
Gern wär’ ich bei Dir angekommen.«
Ich schau in den Spiegel vergangener Jahre.
Mein Kindlein – auf ewig verschwunden?
Wo bleibt sie, die Liebe, die ich nicht erfahre?
Ach, hätt’ ich mich nur überwunden!
Der Blick in die Augen verhindert das Wort,
weil ich nicht mehr auf mich zähle.
Wer bin ich? Wer war ich? Das Kind ging fort
und leer ist das Haus meiner Seele.
Bleibt mir nur die Trauer? Da tönt verhalten
in mir ein Klingen und Singen
mit leisen Worten: Du warst gespalten,
gemeinsam wird es gelingen.
Du hast Dich verleugnet. Was Du versteckst,
ist einfach ein klares Bekennen.
Ich werde Dich heilen, bis Du entdeckst,
wir beide sind nicht mehr zu trennen.
Für den Bildhauer Gerd Jörgens und seine Skulptur:
Das innere schlafende Kind, 2015
Ich brannte,
um mich neu zu denken.
Beflügelt erhebe ich mich
aus den Flammen,
eingerieben mit der Asche
meiner Erinnerungen.
Meine Worte fließen in
der Vogelsprache, doch
werde ich kein Käfig sein.
Ich werde zum Nest.
Auf dem Flug zur Sonne
reinige ich mein Herz, wasche
es mit den Tränen der Liebe
und werde zum Kelch der
Glückseligkeit …
Leichtfüßig tanze ich im
Kreise der Liebenden,
empfange das Licht, löse
die Fesseln meines Herzens,
entferne die Schlösser
und werde zum Schlüssel.
Umarme mich an der Pforte meiner
Träume, banne die Schatten einsamer
Stunden und liebkose mich mit der
Heiterkeit eines Sommertages.
Berühre meine Haut, lass sie entflammen
und baue ein Nest zwischen meine Schenkel,
pflücke Küsse von meinen Lippen,
bring sie zum Blühen.
Umkreise heute Nacht mein Lager.
Wir brauchen keinen Wein, um trunken
zu werden, gib mir Deinen Honig,
damit ich mich in Dir erkenne.
Flüstere meinen Namen, wenn unsere
Leiber zum Gesang der Liebe werden
und im wilden Tanz versinken, bis
Morgentau auf unserer Haut glänzt.
Was ist das für eine Nacht, in welcher
der Mond sich an die Sterne erinnert
und der Tag uns zwei Sonnen beschert?
Es ist die Zeit der Liebenden.
2012
Sanft
liebkost mich
Deine Hand,
schenkt mir Kraft und
Geborgenheit.
Ich möchte mich
winzig klein machen,
um mich in diese Hand
hinein zu kuscheln,
mit dem Wissen, sie
wird mich niemals
fallenlassen oder
so fest halten, dass
sie mir den Atem raubt …
1994
Versunken
in den Scherben
meines Traumes,
den Blick verloren
im welken Laub der Zeit,
Erinnerungen,
gesponnen in
verwaiste Netze
auf der Suche
nach Deinen Händen.
Ich wünsche mir, in
den Kokon deiner
Einsamkeit zu schlüpfen,
damit Du den Schleier der
Fremdheit von meinem
Gesicht reißt.
Ich werde mich nicht
täuschen lassen von dem
Stacheldraht, der Dein Herz
umschließt und Dir ein
Gedicht hinein schreiben.
Öffne Deine Sinne
und siehe: Ich bin da,
damit die Flammen
Deines Blickes
meine Haut umfassen.
Schließe Deine Augen
und schmecke den Wein,
in den ich getaucht
Dein Prisma bin und
Dir mit den Farben der
Liebe begegne.
2012
Wie ein Licht in dunkler Nacht
helltest Du mir manchen Traum,
hoffend bin ich aufgewacht,
doch uns trennten Zeit und Raum.
Die Gedanken sind geblieben,
doch die Wege gabeln sich,
Worte in den Sand geschrieben,
schon verweht der letzte Strich.
Mit dem Hauch des grauen Windes,
der den Frost des Abschieds trägt,
gleicht mein Lächeln dem des Kindes,
weil mein Herz doch für Dich schlägt.
Meine Träume
sind Schmetterlinge der Zeit.
Wenn ich sie zu fangen
versuche, sterben sie.
Also forme ich
sie zu Gedichten und
verleihe ihnen Unsterblichkeit,
damit sie in Dir leben.
Asche bedeckt mein Herz,
in dem versteckt die Glut
der Liebe schlummert, unser
geheimes Nest der Geborgenheit,
Dich wärmend, wie
meine streichelnde Hand
nachts auf Deinen Schenkeln.
Wir sind frei wie der Wind, und
doch durch zärtliche Umarmungen
aneinander geschmiedet. Mit jedem
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