Jette schluckte und schaute sie durch glasige Augen an. „Geht es um Henrie? Hat er dir gesagt, dass du mit mir Schluss machen sollst?“
Toni schüttelte leicht den Kopf. Dann nickte sie wieder und Jette schlug sich die Hände vor den Kopf. Eine Träne landete auf Tonis Teppich.
„Also, zu mir hat er nichts gesagt, aber ich habe ihn beobachtet, wie er sich mit ...“ Toni konnte ihren Satz nicht zu Ende bringen, denn Nele platzte rein.
„Ihr werdet es nicht glauben! Ich kam eben von Fanny, fragt nicht warum, und als ich noch ein Eis essen wollte, habe ich die beiden gesehen! Henrie mit Fanny! Sie haben geknutscht, so richtig mit ...“
„Henrie und Fanny haben sich geküsst? So richtig?“ Jette schluchzte. Ihr Gesicht war bleich wie das eines Gespenstes und Tonis Teppich verwandelte sich in ein Salzmeer.
„Als wir zum Tanzen gefahren sind, habe ich die beiden auch beobachtet!“, gab Toni kleinlaut zu. Jetzt fing Jette richtig an zu weinen und drei Mädchen stürzten auf sie.
„Ich wollte es dir nicht sagen, aber ich konnte nicht anders!“
„Es war so schrecklich! Wie konnte ER mit Fanny?“
„Es tut mir so leid, Jette! Vielleicht gibt sich das?“
„Du bist viel hübscher als diese blöde Fanny.“
„Und netter.“
„Cooler, besser, intelligenter, lustiger!“
„Jette, wir kriegen das wieder hin, glaub mir.“
„Schließlich sind wir Supergirls und gemeinsam schaffen wir alles!“
„Henrie wird sich bald ärgern, dass er Fanny geknutscht hat!“
„Erst mal machen wir jetzt ein schönes Picknick! Zum Runterkommen. Mit ganz viel Schokolade und Erdbeeren“, beschloss Toni und holte ihre riesige Tasche aus dem Schrank.
Jette schaute auf und lachte matt. „Erdbeeren!“, grinste sie und schnappte nach Luft. Die Mädchen fingen an zu lachen. War doch eigentlich klar, dass man Jette mit Erdbeeren locken konnte.
„Genau! Richtig so, Jette!“, brüllte Nele und knuffte sie in die Seite. Davon bekam Jette Schluckauf und den ganzen Weg bis zur Geheimstelle wurde gehickt und gelacht.
Jette stopfte sich schon die hundertdreißigste Erdbeere in den Mund. Sie lachte und schien sich nicht mehr an Henrie zu erinnern, bis ihr Handy klingelte.
„Jette, warum gehst du nicht dran?“, fragte Hannah und griff nach Jettes Telefon. Das Display leuchtete auf und man sah einen grinsenden blonden Kopf. Darüber stand Schatziii ruft an <3.
„Geh ran!“, rief Toni und drückte auf grün. Die Mädchen hielten die Luft an.
„Hey Schatz, ich binʼs, Henrie. Kennst du mich noch?“ Er lachte und nannte sie „Schatz“. Als wäre nichts gewesen.
„Hi, i...ich biiinnnnnns, Jä...t...t...t...eeeeeeeeee.“
Im Hörer erklang ein Lachen. „Ich muss mit dir reden, Jette. Bist du alleine?“
„Hmmmmm.“
„Also, du weißt ja, dass wir schon seit fast einem halben Jahr zusammen sind und ich finde ...“
„Was findest du? Dass wir uns trennen sollten? Das seh ich genauso!“, brüllte Jette in den Hörer.
„Was ist denn mit dir passiert? Aber du hast recht. Wir sollten uns trennen. Ich habe ...“
„Eine scheiß Knutschtussi! Meinst du, ich bin blöd, wenn du mit deiner Tussi beim Eisladen stehst? Meinst du, ich krieg das nicht mit, wenn ihr euch vor der Tanzschule das Ja-Wort gebt? Ich bin nicht bescheuert, und weißt du was? Du bist mir so was von egal. Genauso wie Fanny, diese blöde Kuh. Geh nur zu ihr und schlabber sie weiter ab! Aber weißt du, was mich ärgert? Nein? Ich erklärʼs dir. Erstens: Du knutschst rum, bevor du Schluss machst! Total bescheuert. Zweitens: Mich hast du noch NIE geküsst! Und kaum, dass Fanny einen Tag auf der Schule ist, hängst du an ihren Lippen wie eine Zecke! Du bist so widerwärtig! Bähhh“, beendete Jette ihre Rede.
Toni wollte jetzt nicht in Henries Haut stecken. Wer so eine Ansage von seiner Freundin kriegte ... uhhh!
„Und soll ich dir mal was sagen? DU wolltest mich nie küssen. Ich hab es immer versucht, aber du meintest immer wieder, dass wir noch zu jung sind. Außerdem ist Fanny nicht blöd, sondern außerordentlich attraktiv! Ganz im Gegenteil zu dir. Ich versteh mich nicht. Wie konnte ich dich jemals lieben?“, brüllte Henrie zurück.
Die Mädchen zuckten zusammen. Wie konnte man so kaltherzig sein?
„DU BIST DER GRÖSSTE IDIOT, DER MIR JEMALS BEGEGNET IST!“, schrie Jette und legte auf. Sie lächelte und klatschte in die Hände. „So, das Thema wäre wohl beendet!“
*
Die darauffolgende Woche war trüb und grau. Als hätte das Wetter Jettes Laune, regnete es die ganze Zeit. Jette war ein paar Tage nicht in der Schule gewesen.
Hannah und Nele standen vor Tonis Haustür und klingelten. Es war schon Freitag und keiner hatte mehr Lust auf die Woche. Tonis Mutter öffnete die Tür. „Oh, was macht ihr denn hier?“, fragte sie erstaunt. Sie hatte sich einen Handtuchturban um den Kopf gewickelt und trug einen rosa Bademantel. In ihrer linken Hand hielt sie eine Tasse und unter dem Arm klemmte ein Schulbuch.
„Wir wollten Toni zur Schule abholen“, meinte Hannah verblüfft. „Wie immer.“ Erstaunt blickten sie Frau Behnke an.
„Sie war schon superfrüh aus dem Haus. Keine Ahnung, was sie vorhatte“, erzählte Frau Behnke.
„Okay, vielen Dank und einen schönen Tag noch“, sagte Nele und winkte.
Fast waren die beiden Freundinnen schon losgefahren, als Frau Behnke rief: „Wollt ihr nicht noch kurz hereinkommen? Wir sind noch am Frühstücken.“
„Sehr gerne. Vielen Dank.“ Die Mädchen gingen hinein. Sie liebten es, mit Tonis Eltern zu frühstücken, und überhaupt fühlten sie sich richtig wohl hier.
Toni war indessen ganz woanders, nämlich am anderen Ende der Stadt. Jette hatte Toni so leidgetan und da hatte sie sich einen Plan ausgedacht. Sie musste ihre Mutter anlügen, sonst hätte diese es nicht erlaubt, dass Toni so früh aus dem Haus ging. „Mama bekommt es eh raus“, dachte sie.
Sie fuhr auf ihrem Mountainbike zu Henries Haus. Toni wusste, wo es lag, denn als Jette und Henrie noch nicht zusammen gewesen waren, hatten die Mädchen oft hier gelegen und gewartet, bis er aus der Tür kam. Dann hatten sie sich an seine Fersen geheftet, um herauszufinden, ob er eine Freundin hat. Einmal waren sie spät abends auf einen Baum in der Nähe geklettert, um ins Innere des Hauses zu schauen. Sie hatten Glück gehabt. Na ja, Jette hatte Glück gehabt, denn sie hatten direkt ins Zimmer von Henrie gucken können. Die anderen Mädels hatte das nicht im Geringsten interessiert, doch plötzlich hatte Jette aufgeschrien. Henrie hatte sich gerade umgezogen. Was für ein cooler Moment.
Toni erreichte das Haus der Familie Blom. Sie warf ihr Fahrrad in ein Gebüsch und schlich langsam weiter zu einem Fenster, um ins Innere zu schauen. Es fehlten nur noch wenige Meter, doch plötzlich stockte Toni. In der Hofeinfahrt stand ein pinkfarbenes Mädchenfahrrad. Toni überlegte. Henrie hatte drei Brüder, einen Vater und eine Mutter. Doch die Mutter war eher der sportliche Typ und hasste Pink, soweit sie es wusste. „Fanny!“, flüsterte Toni und kroch zu einem Fenster. Vorsichtig lugte sie hinein. Sie war beim Küchenfenster gelandet. Außer dreckigem Geschirr war nichts Auffälliges zu sehen. Toni kroch weiter um das Haus herum. Nun war sie am Wohnzimmer angekommen. Hier sah die Sache schon interessanter aus. Sie hatte Glück. Das eine Fenster war offen und Toni hörte alles.
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