Viviana Uriona - Sie senden den Wandel

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Altbekannt ist, welch wichtige Rolle Medien bei der Konsolidierung oder aber auch bei der Transformation einer Gesellschaft spielen. Was aber geschieht, wenn Medien von unten aus agieren und dies in großer Zahl geschieht, unter Einbindung vieler gesellschaftlicher Akteure sowie gegenüber einem umfassenden Publikum?
In Argentinien hat sich eine faszinierende Radiolandschaft gebildet, die kollektiv, partizipativ und progressiv arbeitet: Die Community-Radios.
Viviana Uriona nimmt uns mit auf eine ethnografische Reise durch die Geschichte dieser Radios, analysiert ihre Arbeitsweise und sucht nach den Gründen ihres Erfolges. Am Ende der Lektüre bleibt eine Frage nicht mehr offen: Könnte hierzulande in gleicher Weise gelingen, was dort geschah?

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Im Jahre 1983 verfügte meine Familie außerdem bereits über ein Fernsehgerät; doch als Argentinien in diesem Jahr den Falklandkrieg verlor, die Militärdiktatur bröckelte und aus der Geschichte verschwand, da verfolgten wir das Unvorstellbare täglich weiter im Radio, weil wir es den ganzen Tag hören konnten.

Das Bild von der geatmeten Luft trifft den Kern der Sache: Der Mensch muss den ganzen Tag, das ganze Leben lang ununterbrochen atmen – Radios gibt es auf Küchenanrichten, in Autos, in tragbarer Form im Bus, in der Schule und auf der Straße. Sie lassen sich am Abend auf dem Nachttisch einschalten und mischen sich in die Träume ein. Radios existieren an allen Orten und sie erlauben es unseren Beinen, Händen und Augen sich mit anderem zu beschäftigen, zu laufen, zu arbeiten, zu ruhen, während unsere Ohren dennoch weiter aufmerksam zuhören können. Das unterscheidet Radios von Fernsehern, Zeitungen oder Büchern. Diese gleichen – um im Bild des „ Leben-müssens“ zu bleiben – dem zum Leben notwendigen Essen und Trinken, aber nicht der Atemluft.

Nicht nur für mich oder meine Familie, sondern für die argentinische Gesellschaft war das Radio das wichtigste Medium, um Informationen zu bekommen. Aber vor allem war es das wichtigste Medium, um analytisches und kritisches Denken zu erlernen und zu üben. Radio war ein Gleichmacher. Niemand musste lesen können, um es zu hören. Niemand musste reich sein, um es zu besitzen. Jeder musste gleichermaßen das eigene Vorstellungsvermögen trainieren, um dem Erzählten die passenden Bilder abzuringen, die Stimmen in Personen zu verwandeln, die Geräusche in Orte zu denken.

Das Radio war, besonders unmittelbar nach dem Ende der Diktatur, ein Labor der Medien und der Kritik der Medien. Viele Menschen, die heute in der argentinischen Medienlandschaft eine geachtete Rolle spielen, egal in welche politische Richtung sie sich mit den Jahren entwickelten, experimentierten und laborierten damals mit dem Radiomachen. Der Umbruch zur bürgerlichen Demokratie ließ eine zuvor nie geahnte Vielfalt politischer Sendungen entstehen, deren Grundlage und Grenzen natürlich in den materiellen Erfordernissen lagen, Technik, Sendeplatz und Personal bezahlen zu können. Auch das wissenschaftliche Nachdenken über das Medium Radio kam in Fahrt und hält bis heute an. Die Rolle des Radios in (insbesondere) der argentinischen Gesellschaft ist durch eine Vielfalt von Publikationen 1für weitere Generationen festgehalten worden. Sie falsifizieren das in Europa projektierte Bild der lateinamerikanischen TV-Familie 2und befassen sich mit der Entstehungsgeschichte und der Entwicklung des Mediums Radio von seinen Anfängen bis hin zum Ende der 1990er Jahre. Inhaltlich konzentrieren sie sich auf das Radio, das heute als etabliert verstanden wird, und zusammenfassend behandeln sie folgende naheliegende Schwerpunkte:

Die Leidenschaft und Abenteuerlust der ersten Generation von Radiomachenden, die sich auf die Entwicklung des technischen Bereichs und des Radios als Gerät konzentrierten. (Los Locos de la Azotea 3) (Ulanovsky, C. et al.: »Días de radio I« 2004: 13-28 und López Vigil, J. I. 2005: 11)

Das Besondere der Live-Sendungen, entweder durch die Direktübertragung von Opernaufführungen oder durch die Vorbereitung von Radioabenden in großen Theatersälen.

Die Rolle der Sendungssprecher*innen (Moderator*innen) und deren Verbindung mit der Hörerschaft, die sich zunächst durch Briefe und später über das Telefon an den Sender zu Wort meldeten.

Das unmittelbare kollektive Gefühl einer Identifikation, bis heute können die meisten Argentinier*innen ohne Zögern auf die Frage antworten: »Welche Radiostation hören Sie gern?«

Die Antworten auf diese Frage fallen natürlich nach Region, Interessen, Musikgeschmack, politischer Verortung etc. ganz verschieden aus. In Argentinien wäre dies zunächst nicht anders als in der Bundesrepublik bzw. in Europa. Doch etwas wäre in Argentinien und in weiten Teilen Lateinamerikas ganz anders als hier in Europa. Viele antwortende Hörer*innen würden Sender nennen, die sich weder als öffentlich-rechtliche bzw. staatliche Sender noch als gewinnorientierte private Sender auffassen lassen. Es wären zahlreiche Sender unter den Nennungen, die einem bestimmten emanzipatorischen Projekt, einem selbstverwalteten Stadtteil, einer großen Fabrik in Arbeiter*innenhand oder einer sozialen Bewegung auf dem Land zugeordnet werden können. Menschen würden damit solche Sender nennen, deren Macher*innen sie häufig persönlich kennen, mit denen sie sich am Mittag oder Abend zum Essen treffen oder am Morgen in der Bürgerversammlung sitzen und die sie vermutlich schon mehrfach eingeladen haben, an der Programmgestaltung oder dem technischen Betrieb dieses Lieblingssenders mitzuwirken.

Einen Teil dieser Sender, die in der argentinischen und lateinamerikanischen Politik und Kultur eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen, sich aber in ihrer Funktion und Relevanz deutlich unterscheiden lassen von den im deutschen und europäischen Kontext (leider) weit weniger bedeutsamen »Freien Radios« fasse ich im Folgenden unter dem Begriff der »Community-Radios« 4zusammen. Ihre Absichten, ihre innere Aufstellung, ihr Selbstverständnis und ihre Funktion für antikapitalistische Transformation und dem Kampf gegen Entfremdung sind ebenso Gegenstände dieser Studie wie die zahlreichen Wechselwirkungen zwischen den Stationen und den sozialen Bewegungen 5.

Als wichtiger Teil einer sehr agilen und wirksamen Gegenöffentlichkeit haben Community-Radios und ihre Aktivist*innen in Argentinien nicht nur den gesellschaftlichen Diskurs nach dem Ende der Militärdiktatur wesentlich mitbestimmt, waren Stimme und Zentrum für antikapitalistische und emanzipatorische Projekte, sondern sie haben auch eine wesentliche Rolle gespielt bei einer radikalen (und vorübergehend wieder gefährdeten) Umgestaltung der argentinischen Medienlandschaft.

Eine der europäischen und deutschen ähnlichen Diskussion über die (ungute) Dominanz der Massenmedien für den gesellschaftlichen Diskurs in der »Öffentlichkeit« 6, die in Argentinien geführt wurde, endete im Dezember des Jahres 2009 für viele Beobachter*innen völlig überraschend mit einem Bundesgesetz, das nicht weniger als einen radikalen 7Umbruch der Medienlandschaft bedeutete. Staatliche Medien (öffentlich-rechtliche 8) und gewinnorientierte (private) Medien sollten sich nun damit abfinden müssen, dass neben ihnen eine dritte Säule, eine dritte Art von Medien gleichberechtigt existieren würde und – das ist das Besondere – ein Drittel aller Sendeplätze und Frequenzen verlangen und zu ihrer Verwendung vom Staat die notwendigen materiellen Mittel fordern könnten. Diese dritte Medienart wird durch das neue Gesetz: private 9(aber) nicht gewinnorientierte Medien genannt.

Das Gesetz musste sich diese Gruppe der Medien nicht erst ausdenken. Diese Art der Medien existierte bereits. Ihre wirkmächtigste Form waren m.E. die Community-Radios. Aber auch andere Radios der dritten Art , erste Stadtteil- Fernsehsender und natürlich auch Zeitungen und Magazine 10dieser Art von Medien waren schon vor Inkrafttreten des Gesetzes zahlreich aktiv, engagierten sich seit Jahren für die Genese des neuen Gesetzes und erfuhren nun eine bis dahin unerhörte Aufwertung.

Die Gegenöffentlichkeit , die alternative Öffentlichkeit , die Gegenhegemonie wechselte aus dem Feld des gegen alle Widerstände dennoch möglich Gemachten hinüber in das Feld der vom Staat Gewollten und Geförderten . Die Kräfte der Veränderung und Überwindung der (kapitalistischen) Gesellschaft, der Entwicklung der Demokratie und der Humanität erhielten ein Drittel der medialen Potenz der Medienlandschaft des Landes als ihr Terrain und Schutzraum zugewiesen. Es war etwas geschehen, das in fast allen anderen Staaten der Welt derzeit vollkommen unmöglich erscheint. Wer es dort dennoch für sich wünscht, muss sich fragen: Wie wurde das Unmögliche möglich gemacht? Wie wurde es erkämpft? Was waren die gesellschaftlichen, sozialen und ökonomischen Momente, die für diesen Kampf hilfreich Pate standen? Was wurde bis heute in der Praxis aus diesem unmöglichen Gesetz umgesetzt? Auch diesen Fragen geht diese Studie umfassend nach.

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