Florian Coulmas - Ich, wir und die Anderen

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Vom Recht des «So sein zu dürfen, wie man ist» und anders zu sein als die Anderen, sind wir alle zutiefst überzeugt. Der Anspruch auf die eigene Identität ist einfach überall: auf Instagram, Facebook, YouTube, bei der Kleidungswahl und Musikvorlieben, in der Politik und bei der Wahl der Nahrungsmittel.Doch wenn alle von Identität sprechen, was ist damit eigentlich gemeint? Die Antwort ist gar nicht so leicht, denn Identität ist eben vielfältig: die der Flüchtlinge und die des Abendlands, die der Nation und der Deutschen, die der Rechtsordnung, der SPD, unserer Wurzeln, des Stadtzentrums, der Landschaft, der Katalanen, der Nationalmannschaft usw.Identität ist zu einem allseits verwendbaren Begriff geworden, der für vieles herhalten muss, auf individueller wie auf kollektiver Ebene. Das Buch zu einem Begriff, der unser Denken und Fühlen bestimmt und längst zur Leit- und Streitfrage der Politik geworden ist.

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Seine Identität kann man suchen, finden, verlieren, ändern oder neu erfinden. Man kann sie mit Gleichgesinnten hochhalten und feiern. Sie kann einem unterstellt, zugewiesen, eintätowiert oder gestohlen werden – aber kaum gestohlen bleiben. Denn was ist man schon ohne Identität? Wo jeder seine Haut zum Markte trägt (und darauf achten muss, welche Farbe sie hat); wo City Branding und Nation Branding an der Tagesordnung sind; wo das Menü im Restaurant ein Wegweiser zur kulinarischen Identität ist; wo der Haar-Stylist verkündet, dass »wie Sie mit Ihrem Haar umgehen, nichts Triviales, da Teil Ihrer Identität ist«; wo bei Sportveranstaltungen die Identität nicht der Sportler, sondern der Zuschauer auf dem Spiel steht; da kommt keiner an Identität vorbei.

Manche, die sich für persönliche oder politische Zwecke auf Identität berufen, kümmert es dabei wenig, ob es um die Identität eines Individuums, einer Gruppe, einer Nation, eines Kontinents oder einer Religionsgemeinschaft geht. Identität ist zu einem proteischen Begriff geworden, der für vieles herhalten muss, auf individueller und auf kollektiver Ebene. Im Folgenden sollen seine meist-thematisierten Seiten erörtert und dabei der ideologische Hintergrund ausgeleuchtet werden, vor dem Identität zu einem Fixpunkt unserer Zeit geworden ist. Ausgehend vom Individuum betrachten wir nacheinander verschiedene seiner Eigenschaften, die es mit anderen teilt. Geschlecht, Rasse, Nation, Kultur, Klasse und Sprache sind diejenigen, die in der Moderne am prägnantesten mit Identität assoziiert sind und für Identität in Anspruch genommen werden.

2. Imbroglio – verwickelt

Mein innerstes Selbst: Tektonik für Teenager

Auf der Schwelle zur Moderne steht prototypisch der junge Werther. Überschreiten kann er sie nicht. Der tragische Held von Goethes spektakulär erfolgreichem Briefroman lebt bis zum selbst herbeigeführten Ende neben einer unglücklichen Liebe die Krämpfe und Verwicklungen eines bürgerlichen Intellektuellen, der sich nicht in die feudalistische Hierarchie eingliedern kann und daran scheitert, einen Platz in der Gesellschaft zu finden, an dem er mit sich selbst im Einklang ist. Diesen Platz nannte nicht Goethe, aber nennen wir heute »persönliche Identität«. Und die Irrungen und Wirrungen, an denen der junge Werther leidet, können wir anachronistisch »Identitätskrise« nennen, eine nicht bewältigte Identitätskrise.

Zweihundert Jahre nach Werther war »Identitätskrise« in aller Munde. In den 1950er und 60er Jahren hatte der Psychoanalytiker Erik Erikson den Begriff bekannt gemacht; in den 70ern war er zum Gemeingut geworden. Wie Goethe mit dem ersten bürgerlichen Roman hatte der Schüler Sigmund Freuds mit seiner Seelenheilkunde für Heranwachsende den Finger am Puls der Zeit und brachte auf den Begriff, was viele seiner Zeitgenossen mehr oder weniger vage empfanden und erlebten. Sich selbst zu finden, war nicht einfach in einer Gesellschaft, die das nicht nur erlaubt, sondern jedem einzelnen zur Aufgabe macht. Freud hatte das Fundament gelegt, indem er die Person bzw. das neugeborene menschliche Wesen, das eine solche werden soll, in drei Teile zerlegte: das allein seinen Trieben gehorchende Es, das gesellschaftliche Werte und Normen beinhaltende Über-Ich und das zwischen beiden eingeklemmt sich formende Ich. Erikson zeigte, dass in diesem Prozess der Ausformung der Persönlichkeit, auch Ich-Identität genannt, einiges schiefgehen kann, worunter insbesondere Heranwachsende leiden. (Dass die Menschen in ihrer Umgebung darunter u. U. auch leiden, ist weniger von Belang.)

Eine Krise ist nach Erikson nicht ein kritischer Punkt am Rande des Abgrunds, sondern, etwas weniger dramatisch, eine notwendige Entwicklungsphase auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Ein Wendepunkt, an dem man vor oder zurück, nach links oder nach rechts gehen muss, um dem eigenen Leben eine Bestimmung, eine Richtung zu geben. Denn die ist nicht per se gegeben, so will es jedenfalls der Geist der Aufklärung, dem zufolge die Menschen – leicht modifiziert mit Jean-Jacques Rousseau sprechend – zwar überall in Ketten liegen, aber immerhin frei geboren sind. Daraus ergibt sich ein Anspruch, den es für viele Menschen in vormoderner Zeit nicht gab. Denn wenn der Adel erblich ist, der Sohn des Leibeigenen Leibeigener bleibt, der Sohn des Tischlers Tischler, und die Tochter standesgemäß verheiratet wird, braucht man sich nicht viele Gedanken darüber zu machen, wer man ist oder was man werden will. Identitätskrisen erübrigen sich.

Anders in unserer heutigen Gesellschaft, die eine Gesellschaft der Qual der Wahl ist. Gewiss empfindet nicht jeder diese Wahl als Qual. Nicht gebunden zu sein, sondern frei entscheiden zu können, sich Beruf, Wohnort, Lebenspartner und vieles andere selbst aussuchen zu können, empfinden viele als großes Glück, das ihre Vorfahren nicht hatten. Dennoch lässt sich kaum leugnen, dass es anstrengend sein kann, das Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Auswählen, Entscheidungen treffen, selbst bestimmen, was geschieht, das sind die charakteristischen Kennzeichen der egalitären und freien Gesellschaft, wie sie der westlichen Welt seit der Französischen Revolution vorschwebt. In ihrem Zentrum steht das autonome Individuum, das weiß, was es tut, es zumindest wissen soll und somit selbstverantwortlich ist.

Die meisten Menschen, die nicht zum Psychiater gehen, erreichen dieses Ziel. Oder, besser gesagt, umgekehrt: All diejenigen, die ihre Pubertät ohne bleibende Schäden hinter sich lassen, gehen nicht zum Psychiater. Ihre Identitätskrise beschränkt sich darauf, zwar ab und zu über die eigenen Füße zu stolpern, aber das wirft sie nicht so aus der Bahn, dass sie psychologischen Beistands bedürften, um sich wieder zurechtzufinden.

Zurechtfinden müssen sie sich allerdings immer, und dazu gehört, dass sie sich finden müssen. Ein bisschen Breakdance, Tecktonik, The Floss mögen dabei hilfreich sein, insbesondere in Gesellschaft derer, die gleiche Vorlieben haben. Der Anspruch ist nicht nur, zu entscheiden, was sie sein wollen, sondern herauszufinden, was sie sind. Die zugrunde liegende Annahme ist, dass das möglich ist. Einerseits erschaffen wir uns, was wir andererseits nur können, indem wir unser »wahres Selbst« finden, das irgendwo in unserem tiefsten Innersten steckt, unverwechselbar und unveränderlich. Das ist Identität in der individualistischen Gesellschaft – zumindest für die, die daran glauben.

Das ist nicht selbstverständlich; ist diese identitätsbesessene Gesellschaft doch auch eine solche, die ihre Mitglieder ständig dazu auffordert, sich »neu zu erfinden«, um glücklicher, produktiver und zufriedener als jemals zuvor zu werden, um mit der Sprache der Werbung zu sprechen, die, wie es ihre Art ist, das Wichtigste unausgesprochen lässt: Nämlich dass wir uns immer wieder neu erfinden müssen, um den Motor der Gesellschaft in Gang zu halten, den Konsum. Neue Kleider, neue Frisur, neue Sonnenbrille, die einzigartige Ferienreise, das neuste SUV-Modell – du möchtest auf dem letzten Stand sein? Wir zeigen dir, was du unbedingt haben musst. Wer so speziell ist wie du, verlangt spezielles Marketing, zugeschnitten auf deine Identität.

Zwischen dem »wahren Selbst« und der »neu erfundenen Identität« entfaltet sich das Leben in der Konsumgesellschaft. Nicht allen fällt es leicht, im Spannungsfeld dieser ja durchaus widersprüchlich erscheinenden Pole ihren Weg zu finden. Wie soll man denn sein wahres Selbst neu erfinden? Veränderung mit Beständigkeit zu versöhnen, ist schwierig, wenn man nicht wie Groucho Marx bereit ist zu sagen: »Dies sind meine Prinzipien; wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch andere.«

Dass Menschen mit dem Lavieren zwischen Prinzipientreue und Erneuerung Mühe haben, kommt u. a. darin zum Ausdruck, dass unter Identitätskrisen nicht mehr nur die Halbwüchsigen leiden. Von dieser Zivilisationskrankheit werden inzwischen auch Menschen anderer Altersgruppen befallen, wenn sie z. B. im Zuge einer Scheidung, des Verlusts einer Anstellung oder sonstiger drastischer Einschnitte »außer sich geraten«, plötzlich Zweifel an sich selbst bekommen und auf die Frage, »Wer bin ich denn eigentlich?«, keine befriedigende Antwort finden, sie aber auch nicht achselzuckend beiseiteschieben können. Das sind diejenigen, die zu sehr an das wahre Selbst glauben. Wenn sie etwas tun oder ihnen etwas zustößt, das mit ihrer Vorstellung davon nicht in Einklang zu bringen ist, reagieren sie darauf mit einer Krise.

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