Wenn du stirbst, bist du vollkommen glücklich und deine Seele lebt irgendwo weiter. Ich habe keine Angst zu sterben. Vollkommener Frieden nach dem Tod, jemand anderes zu werden ist die beste Hoffnung, die ich habe.
Kurt Cobain
Ein paar Definitionen zum besseren Verständnis
Immer mehr Menschen wollen sich selbst entdecken und nutzen alte Techniken, die ihnen helfen, ihr Bewusstsein zu schulen. Sie beschäftigen sich spirituell und wollen ihre eigene Spiritualität kennen- und leben lernen. Wie man an der Geschichte der Menschheit sieht, war es die Spiritualität, die die Evolution des Menschen nicht nur begleitet, sondern maßgeblich geprägt hat: von den Schriften des Sanskrits bis in die heutige Zeit. Nicht wenige dieser wichtigen Schriften, wie zum Beispiel die Bibel, sind die Lebensberichte von einzelnen Individuen, die einen besonderen spirituellen Weg beschritten haben, mitunter sind sie wie der Koran sogar von diesem Einzelnen, in diesem Fall Mohamed, selbst verfasst und aufgeschrieben.
Nachdem wir uns in den letzten zweitausend Jahren vornehmlich auf die Erschaffung materieller Güter konzentriert haben und die Spiritualität in großen Zügen ins Reich der Mystik, Magie und des Hexentums verbannt haben, schwingt das Pendel jetzt wieder zur anderen Seite aus. Wir fangen an zu begreifen, dass das Materielle doch nicht alles ist und dass es da mehr gibt zwischen Himmel und Erde, als sich das Menschlein erträumen kann. Wir suchen wieder Kenntnisse und Erfahrungen aus erster Hand, wollen sie selbst machen und verstehen lernen. Mit anderen Worten: Wir wollen unser Bewusstsein erweitern.
Bevor wir uns wieder dem eigentlichen Thema von Diesseits und Jenseits zuwenden, ist hier doch die richtige Stelle, um zuvor ein paar Begrifflichkeiten zu definieren, über die wir im Laufe des Buches immer wieder stolpern werden.
Der Mensch besteht, so heißt es allenthalben, aus Körper, Geist und Seele. Wobei sich viele nicht so ganz schlüssig sind, was denn nun Geist und was Seele ist. Gehen wir sogar noch einen Schritt weiter: Wir haben nicht nur diese Trinität aus grobstofflichem Körper (Materie), psychischem Leib (Geist) und noetischem Leib (Seele), sondern wir haben zusätzlich noch das Ego und somit kein Trio, sondern ein Quartett, was wir durch das tägliche Leben tragen. Und wenn wir jetzt auch noch das Bewusstsein dazuzählen, dann gibt es in uns drinnen ganz schön viele Aspekte, die alle unter einen Hut gebracht werden wollen, wenn wir ein harmonisches und selbsterfülltes Leben anstreben. Alles zusammen macht unsere „derzeitige Persönlichkeit“ aus.
Bewusst habe ich in diesem Buch darauf verzichtet, einen Unterschied zwischen Bewusstsein und Bewusstheit zu machen. Viele versuchen, diesen Unterschied in der einen oder anderen Form zu definieren, und dennoch wird es so unterschiedlich dargestellt, dass man glauben könnte, jeder hat seine eigene Vorstellung davon und etwas allgemeingültig Anerkanntes gibt es nicht. Wie will man auch etwas definieren, das weder sichtbar noch messbar oder greifbar ist, im besten Falle „nur“ fühlbar.
In meinen Augen gibt es also ein großes, universelles Bewusstsein – das ist, wo alles eins ist, wo alles beginnt, wo alles endet, wo es weder Zeit noch Raum gibt. In diesem Buch bezeichne ich es auch als Lichtraum der Ewigkeit. Gleichzeitig existiert Bewusstsein aber auch hier auf unserer Ebene der Realität. Christof Koch vom Allen Institute for Brain Science drückte es so aus, dass unser menschliches Bewusstsein ein Teil des Bewusstseins des Universums ist. Yogi, spirituelle Meister und Weisheitslehrer gleichermaßen sind davon überzeugt, dass wir alle in diesem universellen Bewusstsein leben, ob wir es wissen oder nicht. Durch dieses Bewusstsein ist alles Leben miteinander und mit dem Universum verbunden. Es durchzieht oder bildet die Grundlage von beidem: der Ewigkeit und der beschränkten Zeit unseres Lebens. Das Bewusstsein ist sozusagen bildlich gesprochen das Zuhause unserer Seele. Von dort kommt und inkarniert sie. Damit sind und bleiben wir, wenn wir uns auf Seelenebene betrachten, immer Bewusstsein. Es gibt sehr unterschiedliche Traditionen wie Yoga, Zen-Buddhismus oder Sufi, die sich auf praktische Weise einer Verfeinerung der Wahrnehmung und des Bewusstseins widmen. Tatsache ist, dass es jedem möglich ist, eine Verbindung mit diesem Bewusstsein zu erreichen. Dummerweise erkennen wir das in unserer menschlichen Inkarnation nicht notwendigerweise, sondern haben uns sehr daran gewöhnt, einer anderen – sehr menschlich individuellen und oftmals egoistischen – Betrachtungsweise unseres Daseins zu folgen.
Ich persönlich habe mich für die Bewusstseinsreise entschieden, um mit mir selbst in Kontakt zu kommen. Sicher gibt es noch eine Vielzahl anderer Methoden. Aber es bleibt ja jedem selbst überlassen, ob und wie er diesen Zugang zu sich selbst finden will. Das Interessante an Bewusstseinsreisen – und in diesem Oberbegriff möchte ich auch die mentale schamanische Reise einbeziehen – ist, dass ich sie nicht steuern kann. Ich versenke mich nur in die Meditation und lasse die Bilder kommen; wenn ich dazu Gelegenheit habe, nehme ich gern die Hilfe eines befreundeten Mental-Coaches oder Psychologen in Anspruch. Beide sagten mir unabhängig voneinander und trotzdem übereinstimmend, dass aus dem Unterbewusstsein, wo die Seele ja auch zu Hause ist, nur die Bilder gezeigt werden, die man zum jeweiligen Zeitpunkt auch im Bewusstsein und in der Wirklichkeit verarbeiten kann. Diese Bilder können sowohl aus realen Quellen stammen, also etwas, was man vorher schon einmal gesehen hat, oder auch komplett aus dem Reich der Fantasie kommen. Von daher solle ich mir keine Sorgen machen und gegebenenfalls auch nicht unnötig darüber grübeln, wenn mir gezeigte Bilder oder Sequenzen unverständlich bleiben. Mein Zusammenspiel von Geist/Seele/Körper wüsste schon etwas damit anzufangen.
Auf einer meiner Bewusstseinsreisen – wir sprachen genau über dieses Buch, und ich reflektierte darüber in meiner abendlichen Meditation – hatte ich einmal das Bild eines Spinnennetzes. Ich sah eine unendliche Vielzahl an Wesen, Tiere, Berge, Bäume, Menschen, alle waren mit Spinnweben miteinander verbunden. Wenn sich eines davon bewegte, setzte es das ganze Netz in Bewegung. Diese Reisen sind ja immer sehr gefühlsintensiv – gerade für mich, die ich im wirklichen Leben eher zu den Kopfgesteuerten gehöre, ist es etwas Besonderes, Gefühle so intensiv erfahren zu können. Bei diesem Bild war es ein wirkliches Gefühl des Verbundenseins, des Wissens, dass man mit jeder kleinen Bewegung einen ganzen Apparat in Bewegung setzt und welche Verantwortung das bedeutet.
Und ich spürte die Liebe, mit der ich diese Bewegungen im Netz machen sollte, um andere damit nicht zu verletzen. Gleichzeitig war es für mich die einfachste Darstellung des „Alles-ist-Eins“. Und wie es oft so ist, wenn einem Gedanken Bilder in den Kopf setzen: Seitdem denke ich wirklich verstärkt darüber nach, wen ich wohl mitberühre im Spinnensetz, wenn ich irgendwelche Aktivitäten in Gang setze oder Entscheidungen treffe.
Einfach ausgedrückt ist die Seele der göttliche Funke, unser unsterbliches Sein in einem ätherischen, energetischen Zustand, eine Essenz unsterblichen Bewusstseins, das wir aus dem Lichtraum der Ewigkeit in diese Inkarnation mitgebracht haben und auch wieder mit zurücknehmen. Sie stammt aus dem großen, universellen, göttlichen, absoluten Bewusstsein – wie auch immer man es nennen mag. Schon bevor sie inkarniert, hat die Seele sich einen Plan zurechtgelegt, was sie auf der Erde als Mensch erfahren möchte.
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