21Vgl. Martin Brauen (Hg.): Peter Aufschnaiter – Sein Leben in Tibet, Innsbruck 1983, S. 14.
22Vgl. Zeugnis Peter Aufschnaiter Jahrgang 1915/1916 des Reform-Realgymnasiums Kufstein, Stadtarchiv Kitzbühel, Personenakte Peter Aufschnaiter.
23Vgl. Peter Aufschnaiters Brief an Sven Hedin vom 08. 09. 1947, abgedruckt in: Martin Brauen (Hg.), Peter Aufschnaiter – Sein Leben in Tibet, Innsbruck 1983, S. 87.
24Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Sven_Hedinabgerufen am 22. 01. 2016.
25Vgl. ebd.
26Fritz Gansberg: Vorwort (1912) zu: Sven Hedin, Drei Jahre im innersten Asien, Braunschweig und Hamburg, 1921, S. 5–7, 5/6.
27Vgl. Acta Studentica, 37. Jg. Juni 2006 Folge 156, S. 15.
28Zeugnis Peter Aufschnaiter 1916/1917 des Reform-Realgymnasiums Kufstein, Stadtarchiv Kitzbühel, Personenakte Peter Aufschnaiter.
29Vgl. Martin Brauen (Hg.): Peter Aufschnaiter – Sein Leben in Tibet, Innsbruck 1983, S. 14.
30Vgl. Heinz von Lichem: Der einsame Krieg, Bozen 1988, S. 226–232 und 246.
31Aufschnaiter war an der nach dem Ersten Weltkrieg grassierenden „Spanischen Grippe“ erkrankt. Anm. NM.
32Stadtarchiv Kitzbühel, Personenakte Peter Aufschnaiter.
33Heimkehrer-Entlassungsschein, Stadtarchiv Kitzbühel, Personenakte Peter Aufschnaiter.
34Reifezeugnis, Stadtarchiv Kitzbühel, Personenakte Peter Aufschnaiter.
35Matrikelschein in der Personenakte Aufschnaiter, Stadtarchiv Kitzbühel, Personenakte Peter Aufschnaiter.
36Hundert Jahre „Skibürgermeister“ Franz Reisch, 1. Fortsetzung. Kitzbüheler Anzeiger 19. 10. 1963, S. 3–4, 4.
KAPITEL 2
FREUNDE FÜRS LEBEN
Wir wissen nicht, warum Peter Aufschnaiter sein Studium an der Universität Innsbruck nach rund einem Jahr abbrach. Wir wissen aber, dass er sich während des Sommersemesters 1921 und in den anschließenden Ferien ausgiebig dem Bergsteigen widmete: Zwischen dem 15. Mai und dem 22. August finden wir allein im Hüttenbuch der südlich des Ellmauer Tors im Wilden Kaiser gelegenen Gaudeamushütte nicht weniger als zwölf Eintragungen des bergfleißigen Philologie-Studenten.
Wir wissen natürlich auch, mit wem Peterl im Kaiser unterwegs war. Meistens war das der aus Innsbruck stammende und seit 1920 in Kitzbühel ansässige Rechtsanwalt Dr. Otto Zimmeter. Bis zur Abschaffung des Adels in der Republik Österreich im Jahr 1919 hatte seine Familie von Zimmeter-Treuherz geheißen. Weitere Bergkameraden waren der Saalfelder AV-Sektionsvorsitzende und Notar Dr. Fritz Rigele sowie der spätere langjährige Rektor der Kitzbüheler Volksschule Michael („Much“) Wieser. Die Bergfreunde waren nicht nur allesamt verdiente Weltkriegsveteranen, die an der Alpenfront gekämpft hatten, sondern sie teilten auch die großdeutsche Gesinnung.
Die ausgeführten Bergfahrten lassen auf eine steil ansteigende Leistungskurve des alpin ambitionierten Studenten schließen, die am 21. August ihren Höhepunkt fand in einer Begehung der renommierten Dülfer-Führe durch die Fleischbank-Ostwand, gemeinsam mit dem Kufsteiner Ausnahmekletterer Franz Weinberger.
Ermutigt durch den Erfolg, versuchte sich Peter Aufschnaiter wenige Wochen später zusammen mit seinem Freund Otto Zimmeter nochmal an diesem Markstein der klettersportlichen Entwicklung. In einem Artikel schilderte der Rechtsanwalt anschaulich, wie es ihnen dabei ergangen ist:
„An einem strahlenden Septembermorgen gingen mein lieber Freund Peter Aufschnaiter und ich die Fleischbank-Ostwand an. Frohgemut kletterten wir darauf los, benützten aber gewissenhaft die vorhandenen Sicherungshaken, die in genügender Anzahl im Fels staken; denn gottlob hatte schon seit geraumer Zeit kein Hakenmarder mehr in der Wand gehaust. Leichtfüßig übertanzten wir die beiden Quergänge, die anstrengende Kaminreihe überlisteten wir in feiner Kletterei an der rechtseitigen Wand, dann kam der hübsche Gang um den Pfeiler und nun standen wir am unteren Ende der bekanntanstrengenden Schlussrisse. […]
Sie beginnen mit einer plattigen Steilrampe; knapp rechts von ihr ist eine mannshohe schwarze Höhle in die Wand geschnitten. Peterl stieg die Rampe hinan; die musste aber ekelhaft schwer sein; denn es schien, als ob er überhaupt nicht vom Fleck käme. Endlich hatte er sie hinter sich und befand sich nun genau oberhalb der Höhle; ich stieg nach; bei Gott, diese Stelle hatte sich gewaschen; die war wirklich bluthart und fürchterlich kraftraubend! Da setzte nun ein schwefelgelber Riss an, der wenig vertrauenserweckend aussah und weiter oben in der Wand versickerte. Ich stand auf einem handtellergroßen Plätzchen; zu meinen Füßen stak ein alter verrosteter Dülferhaken, wohl ein getreuer Zeuge jener berühmten Neufahrt durch Dülfer und Schaarschmidt. Durch einen Schnappring verband ich Haken und Seil und Peterl hing sich an den Riss wie ein Hetzhund an seine Beute. Er verklemmte seinen rechten Fuß ganz verzweifelt in dem Riss, schob sich mühsam und vorsichtig empor und keuchte dabei vor Anstrengung wie eine schadhafte Dampfmaschine. Bald kam er zu einem Felsnagel, der wie ein fauler Zahn wackelte; Peterl gab ihm zwar ein paar wuchtige Hammerschläge auf den Schädel; das nutzte aber auch nicht besonders viel; er kettete das Seil durch einen Federring an den Haken und kletterte wieder weiter. Peter war am oberen Rissende angelangt und musste nun mit weit ausgestrecktem Arm nach links hinüberlangen, um dort einen Griff zu erreichen und sich mit seiner Hilfe aus dem Riss nach links auf kletterbaren Fels hinüberzuschwingen. Ehedem schlug er aber zur Sicherung noch einen Felsnagel und hakte ein. Ich folgte seinem Tun mit gespanntester Aufmerksamkeit. Er befand sich jetzt ungefähr 20 Meter fast senkrecht über meinem Standplatz und langte nun hinüber nach links zu jenem Felszacken, der den Schlüssel zum Weiterweg bedeutet.
Plötzlich stieß sich Peterl mit einem sehr unstandesgemäßen Fluch von der senkrechten Wand weg und sauste auch schon vollkommen lautlos mit unglaublicher Geschwindigkeit knapp neben mir vorbei in die Tiefe. Mein erster Gedanke war: Wenn nur das Seil und die drei Haken halten, sonst liegen wir alle beide in wenigen Sekunden drunten in der Steinernen Rinne! Ich riss das Seil ein wie ein Verrückter. Die beiden oberen Haken wurden durch die fürchterliche Wucht des Sturzes aus der Wand gerissen, als wenn sie in Butter gesteckt hätten. Doch, Gott sei’s gedankt, der ehrwürdige Dülferhaken hielt. Er war eisenhart mit dem Berg verwachsen und hielt treu und fest wie dieser.
Als ich glaubte, dass der Sturz bald beendet war, hielt ich das Seil mit der übermenschlichen Kraft des Verzweifelten; blutige Hautfetzen flogen aus den Handflächen, doch mich beherrschte nur der einzige Gedanke: Nur das Seil nicht auslassen! Endlich hatte ich die Gewalt des Sturzes gebrochen, ich war Herr des Seiles geworden und fühlte, dass mein Freund frei schwebte; durch eine Kette unerhörter Glücksfälle war Peter gerade in die Höhle rechts der Rampe hineingependelt; er hatte sich dabei allerdings den Fuß schwer verletzt und seinen Schädel tüchtig angehaut, dass ein Teil der Rampe wie die richtige Fleischbank eines Metzgers aussah; er redete auch, als ich mich voll Angst um sein Schicksal zu ihm hinuntergeseilt hatte, allerhand irrsinniges Zeug daher, doch ich war heilfroh und dankte dem Himmel, dass ich ihn lebend antraf. […]
Wie ich dann um Hilfe schrie und gehört wurde, wie uns noch in später Abendstunde der Oberländer Dr. Hamm von der Steinernen Rinne aus Rettung für morgen früh versprach und uns dadurch das Warten zu einem aufregenden Erlebnis machte, wie wir mitten in der Fleischbank-Ostwand eine zwar bitterkalte, aber hochromantische, mondscheinumglänzte Beiwacht hielten und dabei wie die Murmeltiere schliefen, wie uns dann die wackere Kufsteiner Rettungsmannschaft mit ihrem Obmann Klammer an der Spitze aus den Felsen holte und dabei alles wie am Schnürchen ging, wie ich noch einen Morgenbummel über die Karlspitze machte, wie mir dann am Ellmauertor durch den Stripsenjochwirt mit einer Flasche Schnaps, die ich vor Freude und Durst unsinnigerweise über den Kopf austrank, der bisher größte Rausch meines Lebens angehängt wurde, sodass ich auf Grutten den Fernsprecher nicht mehr bedienen konnte – das soll alles nur nebenbei gesagt sein!“ 1
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