So bietet der Flugsportverein regelmäßig die Gelegenheit, im kleinen Sportflugzeug eine Runde über der Heimat zu drehen. Gerade vom Westerburger Land aus ist das besonders schön: Von oben bieten die Seen und Weiher der Region ein ganz besonderes Erlebnis. Und der Flug über die Residenzstädtchen Westerburg und Hachenburg oder die Abtei Marienstatt bietet ganz ungewöhnliche Einblicke in die Schloss- und Klosteranlagen. Von weit oben ist auch gut zu erkennen, welche vielfältigen Wirtschaftszweige es im Westerwald gibt: Da sind Tongruben und Steinbrüche genauso gut zu erkennen wie große Gewerbebetriebe oder auch Einkaufszentren. An Aktionstagen werden aber auch Plätze im Hubschrauber angeboten, oder man kann sich am Tandemfallschirm gut gesichert in etwa 4.000 Meter Höhe aus dem Flugzeug stürzen und sicher und zielgenau auf den Flugplatz zurückschweben. Oder man macht Kurse mit und darf dann alleine mit dem Fallschirm abspringen. Mein alter Freund Addi ist sogar so von der Fliegerei begeistert, dass er in Ailertchen den Flugschein macht.
Aber auch, wer sich gar nicht selbst in die Luft traut, kann in Ailertchen den Flugbetrieb erleben – und seien es auch »nur« die Modellflieger. An den Flugtagen im Westerburger Land, in Elz, in Breitscheid oder weiteren Orten gibt es zudem die verschiedensten Fluggeräte zu bestaunen.
Man glaubt es kaum, aber der Westerwald hat sogar einen richtigen Verkehrsflughafen: den Siegerlandflughafen auf der Lipper Höhe im Hohen Westerwald.
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Flugplatz Ailertchen
Flughafenstraße 28
56459 Ailertchen
02663 7404
www.fsv-ailertchen.de
12 Dieser Weg tut müden Füßen gut
Bad Marienberg: Kurpark mit Barfußpfad
Die letzten Kilometer der heutigen Westerwaldsteig-Etappe liegen hinter mir. Ich komme vom Großen Wolfstein herunter, schaue mir kurz den Wildpark Bad Marienberg an und ersteige auch schnell noch den Hedwigsturm. Beim Gang durch die Bismarckstraße spüre ich, dass meine Füße eine kleine Entspannung vertragen könnten. In Bad Marienberg gibt es ja einen Barfußpfad. Also schnell in den kleinen Kurpark, Schuhe und qualmende Socken aus und hinein ins Vergnügen.
Meine Füße erfühlen kantige Holzhackschnitzel, hartes Natursteinpflaster, kribbelnde Tannenzapfen, weichen Rindenmulch, etwas klebrige Bitumenflächen, runde Flusskiesel, aneinandergereihtes Rundholz, raue Baumscheiben und frischen Rasen. Und das alles auf wenigen Hundert Metern. Ein Rundgang über die 18 Felder mit den unterschiedlichen Bodenbelägen regt alle Sinne auf angenehme Weise an – und bietet auf ganz einfache Art Wellness für Körper und Geist. Denn zu beiden Seiten des Weges erfüllen angenehme Düfte von schön angelegten Blumen- und Kräuterbeeten die frische Atemluft. Am Schluss der Rundstrecke entspannen dann meine Beine und Füße endgültig und wohltuend in einem Schlammbecken. Natürlich dürfen sie nach der Schlammdurchquerung wieder saubergeduscht und erfrischt werden.
Jetzt aber schnell frische Strümpfe an und in die Schuhe. Schließlich wartet Kräuterexpertin Iris Franzen auf mich. Mit viel Liebe pflegt sie den benachbarten wunderschönen Apothekergarten nach Pfarrer Kneipp. Er wurde einst in Zusammenarbeit des Kneipp-Vereins mit der Stadt und interessierten Mitbürgern nach dem Schema alter Heilpflanzengärten angelegt. »Man sagt: Gegen jede Krankheit ist ein Kräutlein gewachsen. Der Apothekergarten zeigt eine Vielzahl von Kräutern, jedes einzelne ist beschriftet und erklärt«, erzählt die Kräuterfrau, die in der Saison auch Exkursionen anbietet.
Der Barfußweg im Kurpark ist jederzeit zugänglich, der Eintritt frei. Seine Schuhe, Socken und Strümpfe kann man im Schuhhaus sicher verwahren.
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Kurpark mit Barfußpfad
56470 Bad Marienberg
Tourist-Information
Wilhelmstraße 10
56470 Bad Marienberg
02661 7031
www.badmarienberg.de
13 Geologische Schatzkiste
Enspel: Stöffel-Park
Klirrende Sporen an Cowboystiefeln sucht man hier vergeblich. Auch ein Sheriff, der nach Recht und Ordnung schaut, fehlt. Schließlich sind ja auch keine Bösewichter vorhanden. Die Kulisse aber stimmt. Die könnte einer verlassenen Goldgräberstadt irgendwo in den Weiten des amerikanischen Westens entliehen sein. Dabei sind wir mitten im Westerwald, sozusagen an seinem Herzen.
Der Tertiär- und Industrie-Erlebnispark Stöffel bei Enspel ist ein Freilichtmuseum, auf dessen Gelände 140 Fußballfelder Platz fänden und das es in sich hat. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn im Stöffel-Park zeigt sich, wie steinreich das Oberwesterwälder Kuppenland ist – steinreich an Basalt. Das dunkelgraue bis schwarze Ergussgestein wurde hier abgebaut und wird es in einem kleinen Bereich noch heute. Als Museums- und Event-Orte dienen dagegen die alten Industriebauten wie Brechergebäude, Schmiede oder Kesselhaus aus den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts. Noch spannender und vor allem älter ist das, was hier und da unter dem Basaltgestein zu finden ist: fossile Schätze aus dem Tertiär, einer Zeitperiode vor Millionen Jahren, als sich die Tier- und Pflanzenwelt, wie wir sie heute kennen, zu entwickeln begann. Gefunden wurde in dieser geologischen Schatzkiste eine Maus, die vor 25 Millionen Jahren gelebt hat und in der Region zu Hause war. Als »Steffi Stöffelmaus« begeistert sie heute die Kinder. Besucher dürfen selbst Hand anlegen, das Gestein brechen und ihre fossilen Funde mit nach Hause nehmen. Bei mir war’s zuletzt ein kleiner versteinerter Fisch, der jetzt auf meinem Schreibtisch steht.
Seinen Namen hat der Stöffel-Park übrigens vom Stöffel, einer einstmals fast 500 Meter hohen Basaltkuppe. Sie ist mit den Jahren arg geschrumpft und kaum noch als solche erkennbar.
Kindern und Erwachsenen bietet der Stöffel-Park ein reichhaltiges Seminar- und Event-Programm frei nach dem Motto »Spiel, Spaß, Spannung«.
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Stöffel-Park
Stöffelstraße
57647 Enspel
02661 9809800
www.stoeffelpark.de
14 Nichts anbrennen lassen
Nistertal: Birkenhof Brennerei
Whisky und Westerwald, das passt. Fading Hill heißt der Hochprozenter, den eine kleine Familienbrennerei in Nistertal seit einigen Jahren mit immer wieder neuen »Lebenswässern« aus alten Fässern auf den Markt bringt. In limitierter Auflage. Nur wer zuerst kommt, ist mit von der süffigen Partie beim Rare German Whisky.
Die Birkenhof Brennerei ist seit einer halben Ewigkeit ein Familienbetrieb, der buchstäblich keinen Brand anbrennen lässt. Hier wird handwerkliche Brennkunst seit 1848 gelebt: Was einst als traditionelle Kornbrennerei begann, ist heute ein »Schnapsladen«, der auch schon mal andere, schräge, verrückte Wege geht, zum Beispiel mit einem Möhrenbrand. Steffi und Peter Klöckner, die aktuellen Chefs auf dem Birkenhof, legen die Messlatte hoch, wenn sie an neuen Erzeugnissen arbeiten. Sie sagen: »Im Mittelpunkt steht das Produkt, seine Rezeptur, seine kompromisslose Qualität und sein zu erwartendes Genusspotenzial.«
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