Maxim Ossipow - Kilometer 101

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Maxim Ossipows zweite deutschsprachige Veröffentlichung versammelt Essays, Geschichten und Novellen. Egal welches Genre der Autor wählt, egal wo seine Erzählungen spielen (die russischen Provinzen, Westeuropa, die USA), sein Focus gilt den Erwartungen, Ambitionen und Ängsten seiner Protagonisten. Was diese teilen, ist eine existentielle Einsamkeit; ein schmerzhafter Zustand, der bisweilen aber auch produktive Kräfte freisetzt. Ossipows Charaktere leben voll und ganz im 21. Jahrhundert, sind jedoch getrieben von elementaren zeitlosen Fragen, die endgültige Antworten erfordern, denen sie sich in der Regel entziehen. Der Blick des Autors auf die beschriebenen Verhältnisse ist klar und gänzlich unsentimental, ja gnadenlos, und doch immer getragen von großer Empathie für die handelnden Personen. Ihm gelingt das Kunststück, uns an der Offenbarung plötzlicher Glücksmomente dieser Menschen teilhaben zu lassen.

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Überhaupt sind die alten Frauen am interessantesten. Vor kurzem habe ich eine halbe Nacht lang einen provisorischen Herzschrittmacher einzusetzen versucht; als endlich alles geklappt hatte, drückte ich meinem Assistenten die Hand – und da reichte die eben noch halbtote Alte mir ebenfalls die Hand: „Und ich?“ – und drückte sie fest.

Der ewige Kommentar: „Sie haben gut reden, Maxim Alexandrowitsch.“ Im Klartext heißt das – Sie haben es gut, Maxim Alexandrowitsch, Sie sind nicht zu faul, um dies oder jenes machen.

Die Rolle der Kirche im Leben der Kranken und des Krankenhauses ist nicht der Rede wert. Es gibt noch nicht einmal die äußeren Attribute der Frömmigkeit wie Ikonen auf den Nachttischchen. Und doch sind alle getauft, alle tragen ein Kreuz um den Hals, darunter auch ein schrecklicher Mann namens Ulrich. Er hat mit eigenen Händen achtundsechzig Menschen erschossen (Nationalisten in der Ukraine, Verbrecher nach der Amnestie von 1953 und so weiter, und zwar einfach so, „wegen einer Kleinigkeit“), er ist Chauffeur, Veterinär, Wunderheiler und informeller Mitarbeiter bei der Staatssicherheit (wahrscheinlich eine Lüge). Er hat eine Dienstwaffe, eine automatische Stetschkin-Pistole (wenn das nicht wieder eine Lüge ist). Sein Schlag hat eine Stärke von einer halben Tonne, neulich hat er seinem erwachsenen Sohn die Vorderzähne ausgeschlagen. Ordnung muss sein. Und wer sie nicht einhält, den stoppen wir mit der Faust oder, wenn nötig, mit einer Kugel. Seine Rente: zweitausendsiebenhundert Rubel. Wie, hilft die Staatssicherheit denn nicht? Nein, das ist freiwillig. Mit Ulrich zu reden, ist schrecklich: Ehe man sich’s versieht, greift er zur Stetschkin. (Seine Exfrau, die sich mit schwarzer Magie beschäftigt und ein Büro in Moskau hat, schadet ihm und wendet alles Diesbezügliche an: Karma, Atemschutzgeräte, Magneten). Die Verrücktheit ist eine Folge des vollbrachten Bösen und nicht umgekehrt. Aber solche Patienten sind die Ausnahme, normalerweise sind die Menschen friedliebend.

Der Idiotismus der Obrigkeit (in der Region und in Moskau) wird noch nicht einmal diskutiert, diskutiert werden nur die Möglichkeiten, sie auszutricksen. Deshalb erlebt man Geschichten, für deren Beschreibung man das Genie der Petruschewskaja braucht. Hier eine von ihnen: Es gibt eine Anordnung, nach der amputierte Extremitäten nicht vernichtet (also beispielsweise verbrannt), sondern auf dem Friedhof beerdigt werden müssen. Die nachlässigen einbeinigen Bürger nehmen ihre amputierten Beine nicht mit nach Hause, so dass sich vor kurzem sieben Beine in der Leichenhalle angesammelt hatten. Man musste auf die Beerdigung eines Obdachlosen warten (auf Staatskosten und ohne Zeugen), um ihm diese Beine ins Grab zu legen.

Was sehe ich an Gutem? Die Freiheit, vielen Menschen zu helfen. Selbst wenn die Hilfe nicht angenommen wird – wir schaffen die Möglichkeit. Hindernisse vonseiten der Ärzte und der Administration existieren nicht. Wenn du ein Zimmer mit intensiver Therapie haben willst – bitteschön. Willst du importierte Medikamente austeilen – nur zu. Willst du einen Patienten aufnehmen, damit ihn seine Alkoholiker-Mutter in Ruhe lässt, tu das. Auch das Fehlen von Traditionen hilft. Im Unterschied zu anderen Provinzstädten hält sich N. nicht an irgendwelche Traditionen.

Fremdenfeindlichkeit gibt es im Allgemeinen nicht, obwohl kürzlich ein von einer Druckerei gestaltetes Flugblatt mit dem Text „N. soll eine weiße Stadt bleiben“ von einer Ladentür abgerissen werden musste. Dabei sind meinen Beobachtungen zufolge alle, die etwas für das Krankenhaus tun wollen, Zugezogene. Es gibt eine große Toleranz, darunter leider gegenüber ganz intolerablen Dingen wie dem Heroinhandel, der nicht im Mindesten verurteilt wird. Es ist klar, dass die Moskauer Diebe sind, sollen sie doch.

Es gibt Respekt vor Büchern und Wissen, vor Lebenserfahrung in der großen Welt, aber keinen Neid. Was macht’s, dass die Patienten einer Herzoperation nicht zustimmen – wer hat schon Lust dazu? Und da erklären die regionalen Koryphäen womöglich noch, dass man nichts zu machen brauche. Ein jeder solcher Fall wird wie ein ärztlicher Misserfolg, eine uneffektive Handlung, ein Scheitern aufgenommen. Deshalb muss man die Diplome an die Wand hängen, aber das Wichtigste ist, sich zu bemühen, sich anzustrengen, das Gespräch und die Begegnung mit dem Menschen zu suchen.

Es ist eine Freude, wenn sich zwar kein Verlangen, aber immerhin die Bereitschaft zum Handeln bei Menschen zeigt, die noch vor kurzem hoffnungslose Fälle schienen. Hinzu kommt das Gefühl der Abgeschlossenheit des Geschehens (alle kommen ins selbe Krankenhaus): Die Fortsetzung jeder Geschichte wird bekannt, was die Verantwortung vergrößert.

Es gibt die Freude der Begegnung: Vor kurzem habe ich die magere lustige neunzigjährige Alexandra Iwanowna behandelt (ihr Vater, ein Geistlicher, starb im Lager, die Mutter verhungerte, sie selbst hatte keine Ausbildung und arbeitete als Kindergärtnerin), ich habe bislang keinen Menschen getroffen, der einem Heiligen so nahekam. Ich sage ihr: „Sie haben eine gefährliche Krankheit (Myokardinfarkt), Sie müssen im Krankenhaus bleiben.“ Sie, fröhlich: „Die Vogelgrippe, ja?“

Dieser Tage bekam ich einen Gruß von meinem Urgroßvater, der kurz nach meiner Geburt starb: Ich wurde aufmerksam auf den schönen und seltenen Namen der Patientin – Ruth. „Ruth, die Ausländerin“, sagte ich zu ihr, und sie antwortete: „Nur ein einziger Arzt wurde auf meinen Namen aufmerksam und liebte mich sehr deswegen, ich war sogar bei ihm zu Hause.“ Dieser Arzt war mein Urgroßvater, er lebte nach dem Lager in der Stadt N., 101 Kilometer von Moskau entfernt, wo er auch starb. Heute wird man nicht mehr zum Kilometer 101 geschickt, man muss sich selbst darum kümmern.

Außerdem gefällt mir natürlich das Gefühl, dass es meine Stadt ist, mir gefällt, wenn ich auf der Straße gegrüßt werde. Ein Beherzter in einer Herde von Schafen? Meinetwegen, besser als ein Schaf unter Schafen. Umso mehr, als bald ein weiterer Beherzter auftauchen wird, und dann, wie du siehst, noch einer.

Aus dem Gesagten ist klar, dass ich glücklich bin, in der Stadt N. arbeiten zu können.

April 2006

2.

Noch ein Jahr meines Provinzlebens ist vorbei, vieles hat sich geändert, in großem Maße wegen des oben versprochenen Beherzten, meines jungen Kollegen und Freundes. Zu zweit kommen wir so gut zurecht, dass uns die Kranken kaum reichen. Die Sterblichkeit im Krankenhaus ist auf die Hälfte gesunken. Es gibt immer mehr Möglichkeiten zu helfen, niemand beschneidet die Freiheit, es gibt keinen Grund zu klagen. Ein anonymer Oligarch hat uns einen wunderbaren Apparat geschenkt. Die Arbeit wird professioneller, nähert sich dem Ideal, obwohl sie dennoch weit von ihm entfernt ist. Die Sentimentalität schwindet (wenn man uns die Rolle eines Förderers und guten Menschen aufdrängen will). Wäre das nicht alles geschehen, müsste man die Stadt N. als ein Zugeständnis an die Entropie, als letzte Zuflucht des Doktors Schiwago betrachten: Nicht jeder, der Moskau verließ, ist Generalfeldmarschall Kutusow. Andererseits ist die erste Freude der Begegnung (mit den Leuten, mit der Stadt) vorbei, Grüße von meinem Urgroßvater sind keine mehr eingetroffen, der Blick auf die Umgebung ist nüchterner und deshalb finsterer geworden. Der Einflussbereich unseres Krankenhauses hat sich erweitert, immer häufiger sieht man die Obrigkeit, die des Kreises, die der Region, die von Moskau. Das ist kein Zuckerschlecken, wie der Kollege sagt. Im Unterschied zum Bösen, das immer eine verstärkende Rückwirkung hat (Angst – Atemnot – noch mehr Angst et cetera) wird sinnvolle Aktivität von wachsenden Schwierigkeiten begleitet.

DIE MEDIZIN. Medizinische Hilfe ist in Russland wie früher leicht zu erhalten, aber nicht sehr wirksam: „Sie können versichert sein“, sprach der Doktor weder mit zu lauter noch zu leiser Stimme, „(…) dass ich nie aus Gewinnsucht praktiziere (…) Natürlich könnte ich Ihnen die Nase wieder ansetzen – aber (…) es würde noch viel schlimmer werden. Überlassen Sie das lieber der Natur. Waschen Sie die Stelle öfters mit kaltem Wasser, und ich versichere Ihnen, Sie werden auch ohne Nase so gesund sein, als hätten Sie eine Nase.“ So heilt man auch jetzt ungefähr: In fünf Jahren ändert sich in Russland vieles, in zweihundert Jahren – nichts. Ärzte und Patienten passen wie früher ausgezeichnet zueinander. Aber als wir auftauchen, gerät alles außer Rand und Band: Der eine nimmt, einfach, wenn er sich schlecht fühlt, zu viel Warfarin, ohne zur Kontrolle zu gehen, und hat eine schwere Blutung, der andere hört nach dem Einsetzen einer künstlichen Herzklappe auf, Warfarin einzunehmen, und bekommt eine Thromboembolie der Hüftarterie (man kann sagen: Glück gehabt). Der Grund ist in beiden Fällen derselbe: Alkoholismus und Idiotie der Männer. Die männliche Idiotie zeigt sich in Folgendem: Die überwiegende Mehrheit der Männer antwortet auf die Frage „Was haben Sie für Beschwerden?“ gereizt: „Weißt du, man hat mich zum Kardiologen geschickt.“

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