Maxim Ossipow - Kilometer 101

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Maxim Ossipows zweite deutschsprachige Veröffentlichung versammelt Essays, Geschichten und Novellen. Egal welches Genre der Autor wählt, egal wo seine Erzählungen spielen (die russischen Provinzen, Westeuropa, die USA), sein Focus gilt den Erwartungen, Ambitionen und Ängsten seiner Protagonisten. Was diese teilen, ist eine existentielle Einsamkeit; ein schmerzhafter Zustand, der bisweilen aber auch produktive Kräfte freisetzt. Ossipows Charaktere leben voll und ganz im 21. Jahrhundert, sind jedoch getrieben von elementaren zeitlosen Fragen, die endgültige Antworten erfordern, denen sie sich in der Regel entziehen. Der Blick des Autors auf die beschriebenen Verhältnisse ist klar und gänzlich unsentimental, ja gnadenlos, und doch immer getragen von großer Empathie für die handelnden Personen. Ihm gelingt das Kunststück, uns an der Offenbarung plötzlicher Glücksmomente dieser Menschen teilhaben zu lassen.

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Gedichte hin, Gedichte her – das Verschwinden des Hauses macht fassungslos: Steine, so stellt sich heraus, sind auch nicht von Dauer. Das ist traurig, obwohl es natürlich Schrecklicheres gibt und du nicht Nabokov oder Proust bist. Geh durch die Kiefern über das weiche Moos, geh ans Wasser. Weder die hohen, alten Kiefern noch die dünnen Bäumchen am Ufer noch das Dickicht des Schilfrohrs ist weg: Da sind sie, da, wo sie hingehören.

Eine Erinnerung: 1978, August, das heißt, du bist fast fünfzehn. Mit Charitóscha, einem Mitschüler und Freund fürs Leben, habt ihr die Jacht Delphin zu Wasser gelassen, ein über und über geflicktes Modell aus der DDR (damals war es üblich, Dinge zu reparieren), zwei Schwerter an den Seiten, die das Abdriften verhindern und für Kursstabilität sorgen. Ihr legt ab zu einer Reise über den Zarasaitis-See: du am Stagsegel, Charitóscha am Großsegel und am Steuer. Steiles Segeln am Wind: Mach dich bereit, dich auf die Seite zu legen. „Mamascha: auf Wiedersehen, Freundin: auf Wiedersehen / Ich bin ein Matrose der Baltischen Flotte.“

Aber eines der Schwerter hat sich losgerissen und kann das Boot nicht aus der Bucht hinausführen, die Wellen treiben euch zum Ufer zurück. Lahm versucht ihr, abwechselnd zu rudern. Vater beobachtet es vom Steg: Er ist schon ein paarmal ins kalte Wasser gestiegen und hat euch aus dem Dickicht gezogen. Stopp. Charitóscha hat eine Idee: „Es wäre gut, Epoxid zu beschaffen. Und das Schwert anzukleben, hol’s der Teufel …“ „Ach, Epoxid!“ Bis zum Gürtel im Wasser stehend, hält Vater eine lange Rede. „Rotzlöffel“ war noch das freundlichste Wort, das er fand.

Epoxid wurde zum Schlagwort für abwegige Ideen, und dein Boot wirst du auf der Leinwand sehen, wenn du das Archiv zu durchsuchen beginnst. Anfang der Sechziger hatte die Delphin einen Motor und keinen Mast, Vater sitzt hinten, Mutter fährt Wasserski auf der Oka. Nach Vaters Tod wurdest du impulsiv, aktiv, die Zeit ist gekommen, auch andere Verpflichtungen zu übernehmen: die Fotos zu rahmen, das Archiv aufzuräumen.

Nach dem, was mit dem Haus geschehen ist, bist du auf das Verschwinden der Banja vorbereitet: Sie war hölzern und baufällig. Wir wuschen uns samstags, freitags holten wir Wasser aus dem See und bereiteten das Brennholz vor. „Wir haben gut gearbeitet“, sagtest du mit zehn Jahren zu Josas, dem großen, hageren Hausbesitzer mit den riesigen, sehr kräftigen, von der Arbeit schwarzen Händen, du wolltest dich bei ihm einschmeicheln. „Ja, wir haben alle anderen abgehängt“, antwortete er verträumt. Josas rauchte filterlose Zigaretten: der Geruch des angezündeten Streichholzes und so weiter – wenn du möchtest, erinnere ich mich auch an die Abenteuer in der Banja, aber das hier sind Reiseskizzen und nicht der Film „Amarcord“.

Also weder Haus noch Banja, und sogar den Steg haben sie durch etwas geschmacklos Fundamentales ersetzt. Bleib hier nicht hängen, hier auf der Halbinsel, nimm Tomas mit und fahrt nach Sventa, aber vorher – in den Wald.

Die Bibliothekarin hatte einen Plan gezeichnet: von der Landstraße Richtung Degučiai nach Dusetos abbiegen, dann hinter der zweiten Bushaltestelle nach dem Schild Ausschau halten. „Hier kamen achttausend Juden um, erschossen von den deutschen Faschisten am 26. August 1941.“ Das Wort „Juden“ auf dem Obelisken wirkte wie eine unmögliche Kühnheit, in deiner Jugendzeit wurde dieses Wort nur in besonderen Fällen gebraucht, man konnte die ja nicht Sowjetbürger nennen. Links und rechts ein grasbewachsener Graben, zweihunderttausend litauische Juden liegen in solchen Gräben.

Die Entsowjetisierung hatte sich auch auf das Denkmal ausgewirkt, man hatte die russische Aufschrift entfernt. Ist das richtig? Das ist nicht deine Entscheidung, du hättest sie beibehalten. Jetzt gab es zwei Aufschriften: eine jiddische und eine litauische. „An diesem Ort töteten die nationalsozialistischen Mörder und ihre Helfer auf brutale Weise achttausend Juden – Kinder, Frauen und Männer. Heiliges Gedenken der unschuldigen Opfer“: jiddisch. In der litauischen Version wird das präzisiert: „einheimische Helfer“.

Es gab auch welche, die retteten. Und die erst erschossen und dann retteten. Und sogar umgekehrt – das ist schwer zu glauben, aber auch das ist vorgekommen.

Es herrscht vorbildliche Ordnung: Umzäunung, ordentliche Bordsteinkante, Davidstern auf dem Obelisken, auf dem Sockel Kerzen und die Flaggen Israels, Steine, und irgendjemand hat ein kleines, selbstgemachtes Kreuz mitgebracht. Das war früher nicht da.

„Leiden, beweinen“, sagt Tomas, „ist die Aufgabe der Litauer.“

Alle kennen hier den Witz, dass die letzte Frau unbedingt eine Litauerin sein muss: Sonst kümmert sich keiner um das Grab. Nein, nein, das sind nicht Mandelstams „Frauen, feuchter Erde nah Verwandte“, sondern Versuche des Ausbruchs aus einer beliebigen schrecklichen Lebenssituation.

Auf dem Weg zum Hotel: Erinnerung an den kleinen finsteren Alten von sechzig Jahren mit dem alkoholgeschwärzten Gesicht, einen einheimischen Schlosser oder Elektriker, der auf einem Motorrad mit Beiwagen fuhr und etliche Jahre gesessen hatte: „Die Polacken – an die Mauer. Die Russen – an die Mauer. Die Jidden …“, er hob den Blick und guckte Vater an, „… von den Jidden jeden Zweiten.“

Jetzt hätte man ihm das nicht durchgehen lassen, aber damals duldeten sie das ungerührt, sie waren ja Besatzer. Žydai – ein anderes Wort für Juden hat das Litauische nicht. Unter allen möglichen Aspekten betrachtete sich der Alte ebenfalls als Opfer. Radio Free Europe schickte den Waldbrüdern bis Mitte der Fünfzigerjahre tröstliche Nachrichten: Haltet durch, Kameraden, nicht mehr lange, bald kommt wieder ein Weltkrieg.

Damaliger Aufbruch nach Sventa für einen ganzen Tag: mit Decken und Essen, Büchern, Krügen für Blaubeeren, Körben für Pilze, mit einem Volleyball, und beim Auto sah man durch die Löcher im Boden den Asphalt, und die Gangschaltung war natürlich mechanisch. Wie habt ihr Mutter ausgelacht, als sie später, schon mit dem Anbruch der Freiheit, aus Amerika zurückkam und erklärte, die Autos hätten jetzt keine Gangschaltung mehr – das kann nicht sein –, und sie stimmte zu: Ihr müsst es besser wissen. Und wie sie jetzt mit Vater die einfache Freude teilen würde, die Freude über das vollkommene Auto, auch wenn es ein Leihwagen ist. Nach dem Weg braucht man nicht zu fragen – den zeigt das Navi an. Es schlägt Sventskoe ozero, Sventes ezers vor, das ist es. Auf deinem Umschlag steht ja auch „Maksimas“.

Was ist das denn für eine Grenze? Gehört Sventa zu Lettland? Natürlich, ihr fuhrt ja nach Daugavpils, wenn ihr eine richtige Stadt brauchtet. Dort am Bahnhof stand Lenin auch in der größten Hitze in seiner Pelzmütze mit den Ohrenklappen neben dem großen Gefängnis am Bahnhof. LitSSR, LatSSR – die Grenzen hatten keine gravierende Bedeutung. Und da ist auch die bekannte Straße mit dem Kies, hier hast du Autofahren gelernt. Und der kranke, ungepflegte Wald. Alles bekannt: die Straße und der Wald.

Touristen gibt es offenbar nur wenige, und es ist nicht verboten, ans Wasser heranzufahren. Überlaufen war es in Sventa nie – einer der Gründe, es zu lieben –, früher aber war hier ein Naturpark: Lagerfeuer und Autos verboten. Alles andere ist unverändert: hier der Sand, ein Ruderboot mit schwarzem, glänzendem, fett mit Pech bestrichenem Boden, hier der Steg, der vermodert ist, du hast dich so nach ihm gesehnt. Versuchst, darüber zu gehen, und stehst bis zum Knöchel im Wasser. Trocknest die Füße und schaust dich um.

„Was bläst du immer die Trompete, junger Mann? / Lägst besser in einem Sarg, junger Mann.“ Hast du nicht von hier aus, hinter diesen Bäumen versteckt, die Umgebung mit deiner Trompete beschallt? „Poème de l’Extase“, „Götterdämmerung“ – dieses Gedröhne hieltst du für Musizieren. „Unrhythmisch, dafür schiefe Töne.“ Mein Freund, der Pianist, der jetzt in Amsterdam lebt, überredete mich, die Trompete aufzugeben und zur Flöte zu wechseln – ein leises, sinnliches Instrument. Aber ich konnte mich damit nicht anfreunden. Das Glücksgefühl verbindet sich trotzdem mit der Trompete.

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