| (5) |
a. |
Er hat ihr ein Buch geschenkt. |
|
b. |
Sie bekam von ihm ein Buch geschenkt. |
Das GenitivobjektGenitivobjekt tritt vergleichsweise selten auf. Es lässt sich mit wessen? erfragen. Sprecher des Deutschen tendieren dazu, Verben mit einem Genitivobjekt zu vermeiden. Diese Verben werden daher zunehmend weniger verwendet, oder aber es bildet sich ein alternatives Muster mit einem anderen Objekt.
| (6) |
a. |
Wir gedachten seiner. |
|
b. |
Wir dachten an ihn . (Präpositionalobjekt) |
| (7) |
a. |
Sie erinnerten sich ihrer. |
|
b. |
Sie erinnerten sich an sie. (Präpositionalobjekt) |
Das Genitivobjekt wird also mehr und mehr durch andere Objektarten wie das Präpositionalobjekt verdrängt. Das Genitivobjekt bleibt bei allen Formen der Passivierung als solches erhalten.
3.1.2.4 Präpositionalobjekt
Im Gegensatz zu den anderen ObjektartenPräpositionalobjekt wird beim Präpositionalobjekt vom Verb nicht ein bestimmter Kasus, sondern eine bestimmte Präposition regiert. Die Präposition hat hier eine ganz ähnliche Funktion wie eine Kasusform, weswegen häufig auch von „Präpositionalkasus“ die Rede ist.
Präpositionalobjekte können nicht wie die anderen Objektarten durch ein bestimmtes Fragewort erfragt werden. In Fragen nach Präpositionalobjekten tritt stets die vom Verb geforderte Präposition auf, entweder als selbstständiges Wort oder als Teil eines Pronominaladverbs.
| (8) |
a. |
Er wartet auf seine Tante/auf den Zug. |
|
b. |
Auf wen/worauf wartet er? |
Auch bei der Ersetzung von Präpositionalobjekten durch Proformen bleibt die Präposition erhalten.
| (9) |
Er wartet auf sie/darauf. |
Bei den Präpositionalobjekten wird die Präposition – ganz ähnlich wie der Kasus der anderen Objektarten – vom Verb regiert. Die Präpositionen von Präpositionalobjekten sind daher gar nicht oder nur sehr beschränkt austauschbar. Nur wenige Verben lassen Präpositionalobjekte mit verschiedenen Präpositionen zu, z.B. sich freuen auf/über, sprechen über/von.
Die Präpositionen sind zudem meist semantisch leer, d.h. sie weisen nicht ihre übliche temporale oder lokale Semantik auf. Vgl. etwa
| (10) |
a. |
Otto wartet auf dem Bahnhof. |
|
b. |
Otto wartet auf seine Tante. |
In (10a) hat die PP die Funktion eines Adverbials. Die Präposition ist austauschbar und hat eine spezifische lokale Semantik. In (10b) dagegen, wo die PP die Funktion eines Präpositionalobjekts hat, ist die Präposition nicht austauschbar und besitzt keine eigene Semantik.
Bei den Adverbialen lassen sich die Präpositionen austauschen, da sie nicht vom Verb regiert sind, sondern nur mit dem Adverbialtyp kompatibel sein müssen:
| (11) |
Er wohnt in Berlin/unter der Brücke/auf dem Berg/neben einem Nachtlokal etc. |
AdverbialeAdverbial kennzeichnen eine lokale, temporale, modale oder kausale Situierung des bezeichneten Sachverhalts. Sie können entsprechend ihrem Adverbialtyp erfragt und durch Proformen ersetzt werden (Tab. 2).
| Adverbialklasse |
Semantische Untergruppe |
erfragbar durch |
ersetzbar durch |
| Lokaladverbiale |
lokal i.e.S. |
wo? |
dort, hier, da |
| direktional |
woher?, wohin? |
dorthin, dorther |
| Temporaladverbiale |
Zeitpunkt |
wann? |
dann |
| durativ |
wie lange? |
so lange |
| iterativ |
wie oft? |
so oft |
| Modaladverbiale |
modal i.e.S. |
wie? auf welche Weise? |
so |
| graduierend |
wie sehr? |
so |
| komitativ |
mit wem? |
mit + Pers. Pron. |
| instrumental |
womit? |
damit |
| Kausaladverbiale |
kausal i.e.S. |
warum? weshalb? |
deshalb, deswegen |
| konditional |
in welchem Fall? |
in diesem Fall |
| final |
wozu? zu welchem Zweck? |
dazu |
| konzessiv |
(nur schlecht erfragbar): trotz was? |
trotzdem |
Tab. 2:
Semantische Subklassen der Adverbiale
Als Adverbiale können auftreten:
| (12) |
a. |
Otto sitzt auf dem Baum. (PP) |
|
b. |
Dort steht Anna. (AdvP) |
|
c. |
Otto schläft schlecht. (AdjP) |
|
d. |
Sie warteten den ganzen Tag. (Akkusativ-NP) |
|
e. |
Eines Tages kam sie. (Genitiv-NP) |
|
f. |
Otto schläft, während Anna arbeitet. (Satz) |
SubjektsprädikativeSubjektsprädikativ treten in Kombination mit KopulaverbKopulaverben auf und bilden mit ihnen zusammen das Prädikat. Das Prädikativ bezieht sich hier stets auf das Subjekt, es gibt eine Eigenschaft, eine Rolle oder einen Aufenthaltsort des Subjektsreferenten wieder (daher auch: Subjektsprädikativ).
Ein Subjektsprädikativ kann in verschiedenen Formen auftreten:
| (13) |
a. |
Ich bin müde. (AdjP) |
|
b. |
Hans wird Lehrer. (Nominativ-NP) |
|
c. |
Otto ist von adliger Herkunft. (PP) |
|
d. |
Die Mühe war umsonst. (AdvP) |
|
e. |
Bist du anderer Meinung? (Genitiv-NP) |
Daneben gibt es jedoch auch Prädikative, die sich auf ein Objekt beziehen und daher ObjektsprädikativeObjektsprädikativ genannt werden.
| (14) |
a. |
Sie nannte ihn einen Idioten. |
|
b. |
Man hielt ihn für ein Genie. |
FreiePrädikativfreies PrädikativePrädikativ treten unabhängig von bestimmten Verben auf. Sie beziehen sich auf das Subjekt oder Objekt eines Satzes und benennen einen temporären Zustand:
| (15) |
a. |
Sie kam krank aus dem Urlaub zurück. |
|
b. |
Der Kellner trägt die Suppe heiß herein. |
3.2 Das Prädikat als Satzglied?
Bezüglich der Frage, ob das Prädikat eines Satzes als Satzglied zu werten ist, nehmen die Grammatiken unterschiedliche Positionen ein. Unserer Auffassung nach stellt das Prädikat kein Satzglied in dem oben definierten Sinn dar. Dafür gibt es verschiedene Gründe:
Das Prädikat (bestehend aus den verbalen Teilen im Satz) ist nicht wie die anderen Satzglieder verschiebbar. Verschiebt man ein oder mehrere Verben, so ändert sich meist der Satztyp (aus einem Aussagesatz kann z.B. ein Fragesatz werden) oder der Satz wird ungrammatisch. Es ist auch kaum möglich, das Prädikat durch ein Wort zu erfragen oder es zu pronominalisieren.
Zum Prädikat gehört in Sätzen mit Kopulaverben auch das Prädikativ, das ein eigenständiges Satzglied ist. Dies spricht dagegen, das Prädikat zu den Satzgliedern zu rechnen. Die Verben und insbesondere die Vollverben spielen eine zentrale Rolle im Satz, da sie quasi vorgeben, welche Satzglieder auftreten können. Auch aus diesem Grund werden wir das Prädikat nicht zu den Satzgliedern rechnen.
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