Karin Pittner - Deutsche Syntax

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Dieses Lehrbuch führt in die Grundbegriff e und Methoden der syntaktischen Analyse des Deutschen ein. Behandelt werden syntaktische Kategorien und Funktionen, Valenz und Argumentstruktur, die Formen des Passivs, die Wortstellung, der Aufbau von komplexen Sätzen, Besonderheiten bei der Verwendung der Pronomina sowie Grundbegriffe der Informationsstruktur. Jedes Kapitel enthält Übungen mit Lösungshinweisen und Literaturtipps zum Weiterlesen, die den Studierenden die Möglichkeit geben, sich den Stoff weitgehend selbständig zu erarbeiten.
Stimmen zum Buch:
"eine systematische und sehr verständliche Einführung in die Grundlagen der deutschen Satzstruktur." – Brücken 24/1–2 (2016) N.F.
"Die Verfasser haben ihr im Vorwort angegebenes Ziel vollauf erreicht: Sie haben ein Arbeitsbuch mit Überblickscharakter vorgelegt, das sich als Einführung vorzüglich eignet." – Gerhard Helbig, Deutsch als Fremdsprache

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Bei den Präpositionen mit Dativ- oder Akkusativrektion ist die Variation vor allem semantisch bedingt. Mit dem Akkusativ haben diese Präpositionen einen direktionalen Charakter, während bei Dativrektion die lokal-statische Komponente gekennzeichnet wird:

(10) a. Der Affe sitzt auf dem Baum. (lokal)
b. Der Affe klettert auf den Baum. (direktional)

2.1.3.4 Konjunktionen

Als KonjunktionenKonjunktion bezeichnet man unflektierbare Wörter, die Sätze oder Satzteile miteinander verknüpfen.

Koordinierende KonjunktionenKonjunktionkoordinierende verknüpfen gleichrangige Sätze oder Satzteile:

(11) a. Hans und Peter gehen in den Zirkus.
b. Der Tag geht, und Johnny Walker kommt.
c. Otto soll arbeiten, aber/doch er hat keine Lust.

Subordinierende KonjunktionenKonjunktionsubordinierende leiten untergeordnete (subordinierte) Sätze ein. Formal erkennt man das daran, dass in dem Satz, den sie einleiten, das finite Verb am Ende steht.

(12) a. Hans weiß, dass Anna kommt.
b. Otto weiß nicht, ob sie kommt.
c. Während Anna schläft, arbeitet Otto.

2.1.3.5 Modalpartikeln

ModalpartikelnModalpartikel haben keine eigenständige lexikalische Bedeutung, sondern sie drücken in Kombination mit dem Satzmodus und der Intonation spezifische Sprechereinstellungen aus, weswegen sie auch Abtönungspartikeln genannt werden. Sie sind meist unbetont und treten fast ausschließlich im Mittelfeld eines Satzes auf. Ihr Auftreten ist jeweils auf bestimmte Satzmodi beschränkt:

(13) a. Er hat ja/doch/einfach keine Zeit.
b. Wo bist du denn/überhaupt/eigentlich gewesen?
c. Komm mal/bloß/nur/ruhig her!

Die Wirkungsweise von Modalpartikeln soll an folgendem Beispiel veranschaulicht werden:

(14) a. Komm her! (Imperativsatz, Sprechhandlung: Befehl)
b. Komm ruhig her! (Imperativsatz, Sprechhandlung: Erlaubnis)
c. Komm bloß her! (Imperativsatz, Sprechhandlung: Drohung)

Der im Imperativsatz ausgedrückte Befehl kann durch entsprechende Modalpartikeln entweder zu einer Erlaubnis oder zu einer Drohung abgewandelt werden.

Mit wenigen Ausnahmen sind Modalpartikeln stets unbetont. Zu diesen Ausnahmen gehören die Modalpartikeln ja, bloß, nur in Drohungen ( Komm ja / bloß / nur her! ).

Die meisten Elemente, die als Modalpartikeln auftreten, treten auch in anderen Wortarten auf:

als Adjektiv: ruhig, eben, bloß

als Adverb: eben, schon, vielleicht

als Konjunktion: denn, aber, doch

als Fokuspartikel: auch, nur

als Antwortpartikel: ja, doch

2.1.3.6 Fokuspartikeln

GradpartikelnGradpartikel /Fokuspartikelnsind relativ frei im Satz verschiebbar und haben dann jeweils einen anderen semantischen Bezug.

(15) a. Nur Peter ging gestern ins Kino.
b. Peter ging nur gestern ins Kino.
c. Peter ging gestern nur ins Kino.

Im ersten Satz bezieht sich nur besonders auf Peter , im zweiten Satz auf gestern und im dritten auf ins Kino . Es fällt auf, dass die Konstituente nach der Gradpartikel jeweils einen starken Akzent trägt und in besonderer Weise hervorgehoben ist, d.h. fokussiert wird. Sie enthält die wichtigste Information im Satz. Wegen dieser besonderen Beziehung zur fokussierten Konstituente werden diese Partikeln auch FokuspartikelnFokuspartikel genannt. Sie treten in der Regel direkt vor der fokussierten Konstituente auf, in seltenen Fällen auch danach (16a) oder in Distanzstellung (16b).

(16) a. Die Tochter nur entkam den Flammen.
b. Peter konnte diese Frage leider auch nicht beantworten. (ambig!)

Satz (16b) ist ambig, weil sich die Fokuspartikel entweder auf Peter oder auf diese Frage beziehen kann.

Die prototypischen Vertreter der Fokuspartikeln sind auch , nur und sogar . Sie interagieren in verschiedener Weise mit der fokussierten Konstituente, die einen Bezug zu Alternativen herstellt:

(17) Auch/nur/sogar Peter kommt.

Auch schließt mindestens eine Alternative ein (es kommt noch jemand außer Peter), nur schließt die Alternativen aus (niemand außer Peter kommt) und sogar bezeichnet eine Bewertung dahingehend, dass es in irgendeiner Weise besonders oder unerwartet ist, dass Peter kommt. Hier liegt also in gewisser Weise ein wertender Vergleich mit den möglichen Alternativen vor.

2.1.3.7 Steigerungspartikeln

SteigerungspartikelnSteigerungspartikel (auch Intensitätspartikeln genannt) treten in der Regel zusammen mit graduierbaren Adjektiven auf (selten auch mit Verben und Adverbien) und legen einen bestimmten Grad einer Eigenschaft oder eines Geschehens fest:

(18) a. zu/sehr/ungemein dumm
b. Er liebt sie sehr.

2.1.3.8 Antwortpartikeln

AntwortpartikelnAntwortpartikel können als Antwort auf Entscheidungsfragen (ja/nein-Fragen) dienen. Sie ersetzen vollständige Sätze, weswegen sie auch „Satzäquivalente“ genannt werden.

(19) a. Kommst du? Ja./Nein.
b. Geht sie? Vielleicht./Hoffentlich./Leider.

Die Beispiele zeigen, dass auch Satzadverbien teilweise als Antwort auf Entscheidungsfragen auftreten können. Sie unterscheiden sich jedoch von den Antwortpartikeln dadurch, dass sie alleine vor dem finiten Verb in Aussagesätzen vorkommen können.

2.1.3.9 Interjektionen

InterjektionenInterjektion wie mmh, na ja, brr, gell haben neben rein expressiven ( hurra , igitt, autsch ) teilweise gesprächsgliedernde Funktionen, und werden daher auch Gesprächs- oder Diskurspartikeln genannt. Sie sind in der Regel syntaktisch isoliert, indem sie auch intonatorisch von Sätzen abgegrenzt sind und über eigene Intonationskonturen verfügen. Ihr Wortstatus ist umstritten, da sie auch phonologisch ungewöhnlich sind, weil sie z.B. im Deutschen sonst nicht auftretende Silbenstrukturen aufweisen ( brr, mmh ). Trotzdem sind sie sprachspezifisch und damit zum Wortschatz einer Sprache zu rechnen.

Zu ihren gesprächssteuernden Funktionen gehören Sprechersignale, durch die Sprecher anzeigen, dass sie einen Redebeitrag übernehmen, weiterführen oder beenden möchten (z.B. ja, also, nun, äh ), Hörersignale, durch die Hörer den Sprechern Rückmeldungen geben (z.B. mhm, ja jaja, aha ) und Rückversicherungssignale, die ähnlich wie tag questions im Englischen funktionieren (z.B. oder?, ne? ).

2.2 Phrasenkategorien

Die elementaren Bausteine der Syntax sind die Wörter, die wir aufgrund bestimmter Eigenschaften lexikalischen Kategorien zugeordnet haben.

Nun setzt sich aber ein Satz nicht unmittelbar aus Wörtern zusammen, sondern es lassen sich Gruppen von Wörtern identifizieren, die enger zusammengehören und zusammen eine Phrasebilden. Intuitiv ist es zunächst einsichtig, dass in dem Satz

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