Halten wir also fest, dass es im Wesentlichen drei Mittel zum Aufbau syntaktischer Strukturen gibt:
die Abfolge der einzelnen Elemente
die morphologische Markierung (Flexion)
die Intonation/Interpunktion
2 Syntaktische Kategorien
Was in diesem Kapitel behandelt wird: 
Wortarten: deklinierbare, konjugierbare, unflektierbare Wortarten
Arten von Wortgruppen (Phrasentypen)
Konstituente, Konstituententests
Für die Syntax ist der Begriff der Struktur zentral. Dieser Begriff impliziert zweierlei:
Eine Struktur setzt sich aus einzelnen Elementen („Bausteinen“) zusammen, die sich aufgrund ihrer Eigenschaften in bestimmte Kategorien einordnen lassen.
Die einzelnen Elemente sind so miteinander verknüpft, dass sie bestimmte Funktionen in der Struktur übernehmen.
Wie schon erwähnt, setzt sich eine Struktur aus „Bausteinen“ zusammen, die sich aufgrund ihrer Eigenschaften in bestimmte Kategorien einteilen lassen. Offensichtlich müssen die Kombinationsregeln nicht für jedes einzelne Wort festgelegt werden, sondern es gibt Klassen von Elementen, die sich weitgehend gleich verhalten. Solche Elemente, die gleiche oder ähnliche grammatische Eigenschaften aufweisen, gehören zur gleichen syntaktischen KategorieKategoriesyntaktische.
Die elementaren Bausteine der Syntax sind die Wörter, die sich zu Wortarten gruppieren lassen. Die Wortarten werden auch lexikalische KategorienKategorielexikalische genannt, weil sie im Lexikon einer Sprache verzeichnet sind. Daneben lassen sich auch bestimmte Wortgruppen (oder Phrasen) identifizieren, die sich aufgrund von bestimmten Eigenschaften bestimmten PhrasenkategorienPhrasenkategorie zuordnen lassen.
Elemente, die gleiche oder ähnliche grammatische Eigenschaften aufweisen, gehören zur gleichen syntaktischen Kategorie. Man unterscheidet
Wortarten (lexikalische Kategorien) und
Typen von Wortgruppen (Phrasenkategorien)
Zunächst aber zu den Wortarten. Aufgrund ihrer Eigenschaften ist es uns z.B. möglich, die unbekannten Wörter in folgendem Satz aus einem Nonsense-Text bestimmten Wortarten zuzuordnen.
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Der Benziplauk prümst das Wenzipül. |
Benziplauk und Wenzipül können aufgrund ihrer Position im Satz als Substantive identifiziert werden, denn sie erscheinen nach einem Artikel, was eine für Substantive typische Position ist. Man könnte an dieser Stelle im Satz andere zur Klasse der Substantive gehörige Wörter einsetzen. Hier haben wir ein distributionelles Kriteriumzur Identifizierung eingesetzt. Unter der DistributionDistribution eines Elements versteht man die Positionen im Satz, in denen ein Element auftreten kann.
Auch das Wort prümst lässt sich aufgrund seiner Position im Satz einer Wortart, nämlich den Verben, zuordnen. Hier kommt allerdings noch ein weiteres Merkmal hinzu: -t ist als Flexionsendung eines Verbs erkennbar. Hier haben wir also ein morphologisches Kriteriumfür die Zuordnung zu einer Wortart.
Wörter können also aufgrund von zweierlei Kriterien Wortarten zugeordnet werden, nämlich syntaktisch-distributionellen und morphologischen Kriterien.
Semantische Kriterien spielen dagegen eher eine untergeordnete Rolle. Dies liegt zum einen daran, dass es sehr schwer ist, eine gemeinsame Semantik z.B. für alle Substantive oder alle Verben zu definieren, die nicht wegen ihrer Allgemeinheit eine bloße Leerformel ist. Zum anderen sind natürlich morphologische und distributionelle Eigenschaften leichter zu beobachten und zu überprüfen als semantische. Bei dem folgenden Überblick über die Wortarten werden daher vor allem die ersten beiden Kriterien berücksichtigt.
Anhand morphologischer Eigenschaften lassen sich Wörter zunächst in flektierbare(veränderbare) und unflektierbare(unveränderbare) einteilen. Bei den flektierbarenFlexionWortflektierbares ergeben sich anhand der Flexion wieder zwei Gruppen, nämlich deklinierbareDeklinationWortdeklinierbares und konjugierbare WörterKonjugationWortkonjugierbares.
Nach morphologischen Kriterien erhalten wir also die in Abbildung 1 dargestellte Klassifikation:
Abb. 1:
Einteilung in Wortarten nach morphologischen Kriterien
DeklinierbarWortdeklinierbares sind alle Wörter, die Kasus-, Genus- und Numerusmarkierungen tragen können. Dazu gehören Substantive, Adjektive, Pronomen und Artikel, die im Deutschen folgende Merkmale aufweisen können:
KasusKasus: Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ
NumerusNumerus: Singular, Plural
GenusGenus: Maskulinum, Femininum, Neutrum
KonjugierbarWortkonjugierbares sind alle Wörter, die Person-, Numerus-, Tempus-, Modus- und Genus verbi-Kennzeichnungen tragen können. Die konjugierbaren Wörter sind alle Verben. Verben können im Deutschen folgende Merkmale tragen:
Person: 1., 2., 3.
Numerus: Singular, Plural
TempusTempus: Präsens, Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur I und II
Modus: Indikativ, Konjunktiv, Imperativ
Genus verbiGenus verbi: Aktiv, Passiv
Verbformen, die Person- und Numerusmarkierungen tragen, sind finite VerbformenVerbformfinite .Partizipien und Infinitivformen fehlen diese Merkmale, sie stellen infinite VerbformenVerbforminfinite dar.
2.1.1 Deklinierbare Wortarten
Für eine weitere Unterteilung der deklinierbaren Wörter müssen nun vor allem distributionelle Kriterien herangezogen werden.
SubstantiveSubstantiv (auch: Nomina) unterscheiden sich von allen anderen deklinierbaren Wortarten dadurch, dass ihr GenusGenus unveränderlich ist. Sie treten in der Regel zusammen mit einem Artikel oder Pronomen auf, die die Referenz des Substantivs festlegen.
Man kann unterscheiden zwischen
AppellativaAppellativum (Gattungsnamen): Löwe, Kind, Vase, Tisch, …
StoffsubstantivenStoffsubstantiv: Sie bezeichnen Mengen, die ihrer Natur nach nicht zählbar sind: z.B. Mehl, Reis, Holz, …
AbstraktaAbstraktum: bezeichnen Nicht-Gegenständliches wie Liebe, Hass, Hoffnung, Tod, Freiheit, …
EigennamenEigenname: z.B. Peter, Eva, Struppi, Meier, …
Diese Klassen von Substantiven verhalten sich in Bezug auf das Auftreten eines Artikels unterschiedlich. Stoffsubstantive, Abstrakta und Eigennamen können oft ohne Artikel stehen.
Bei einigen Substantiven treten Genusschwankungen auf:
der/das Teller, die/der Butter, der/das Radio (dialektale bzw. regionale Variation)
Der Genuswechsel kann mit einer Bedeutungsveränderung verbunden sein: der/das Band, die/das Steuer, der/das Tor .
Nicht alle Substantive können Pluralformen bilden, manche treten nur im Singular auf, wie bestimmte Stoffsubstantive (z.B. Reis, Mehl, Sand), Eigennamen und manche Abstrakta (z.B. Hass, Wut, Eifersucht). Umgekehrt können einige Substantive nur im Plural erscheinen (z.B. Geschwister, Alpen).
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