Eine kleine Gruppe von Verben dienen als KopulaverbenKopulaverb. Sie sind selbst relativ bedeutungslos, bezeichnen lediglich einen Zustand ( sein ) oder das Eintreten bzw. die Fortdauer eines Zustands ( werden, bleiben ). Sie bilden das Prädikat zusammen mit anderen Elementen wie Adjektivphrasen, Nominalphrasen im Nominativ, u.a. ( Hans ist/wird/bleibt gesund/ein guter Fußballer ). Durch diese erhält das Prädikat erst seine volle Bedeutung. Den Kopulaverben kommt vor allem eine verbindende Funktion zu, daher ihre Bezeichnung (lat. copulare ‚verbinden‘).
2.1.3 Unflektierbare Wortarten
2.1.3.1 Überblick über die Unflektierbaren
Zu den unflektierbaren WörternWortunflektierbares gehören Adverbien, Präpositionen, Konjunktionen, Partikeln und Interjektionen. Während Adverbien alleine eine Phrase darstellen können, die in der Regel die syntaktische Funktion eines Adverbials ausübt, ist das für alle anderen unflektierbaren Wortarten nicht möglich. Konjunktionen verbinden Phrasen oder Sätze, Präpositionen verbinden sich in der Regel mit einer Nominalphrase, deren Kasus sie regieren. Partikeln können aufgrund ihrer Stellungs- und Betonungseigenschaften weiter differenziert werden in Modal-, Fokus-, Steigerungs- und Antwortpartikeln.
Unflektierbare Wortarten werden in älteren Grammatiken auch unter dem Begriff Partikelnzusammengefasst (Achtung: Als grammatischer Terminus ist das Wort feminin: die Partikel!).
Da morphologische Kriterien hier zur weiteren Unterscheidung natürlich entfallen, können diese Wörter nur nach distributionellen und semantischen Kriterien weiter subklassifiziert werden (Abb. 2).
Abb. 2:
Klassifikation unflektierbarer Wörter
Zu den PartikelnPartikel im engeren Sinn werden hier alle unflektierbaren Wörter gerechnet, die nicht vorfeldfähig sind, d.h. nicht alleine die Stelle vor dem finiten Verb in Aussagesätzen füllen können, keinen Kasus regieren und keine verknüpfende Funktion haben. Dazu gehören Fokus-, Modal-, Steigerungs- und Antwortpartikeln, die aufgrund ihres Stellungsverhaltens und aufgrund semantischer Eigenschaften unterschieden werden können.
Die größte Klasse der Unflektierbaren sind die AdverbienAdverb, die ihrerseits wieder eine recht heterogene Menge darstellen. Als Adverbien werden traditionell solche Wörter bezeichnet, die Ort, Zeit und Art und Weise eines Geschehens näher kennzeichnen können. Dementsprechend unterscheidet man
temporale Adverbien: heute, gestern, morgen, oft, manchmal usw.
lokale Adverbien: dort, hier, unten, dorthin usw.
modale Adverbien: eilends, flugs, gerne usw.
kausale Adverbien: deswegen, daher, umständehalber usw.
Aufgrund einer distributionellen Eigenschaft unterscheiden sich die Adverbien im Deutschen von allen anderen unflektierbaren Wortarten. Sie können nämlich allein vor dem finiten Verb in Aussagesätzen auftreten. Es ist ein einfach anwendbares Kriterium zur Identifizierung von Adverbien, sie an dieser Position im Satz einzusetzen:
Diese Position kann auch von unflektierbaren Wörtern wie leider, hoffentlich eingenommen werden. Diese gehören somit zu den Adverbien, lassen sich jedoch keiner der oben genannten Gruppen zuordnen. Im Gegensatz zu diesen stellen sie einen Kommentar des Sprechers zu dem ganzen Satz dar, weswegen sie auch SatzadverbienSatzadverb oder KommentaradverbienKommentaradverb (gelegentlich auch Modalwörter) genannt werden. Semantisch fallen die Satzadverbien in verschiedene Gruppen:
Sie können eine emotionale Stellungnahme des Sprechers zum bezeichneten Sachverhalt geben, wie z.B. leider, hoffentlich, glücklicherweise, wünschenswerterweise u.a.
Sie können eine Bewertung der Wahrscheinlichkeit des bezeichneten Sachverhalts geben, wie vielleicht, möglicherweise u.a.
Sie können eine Bewertung anderer Art ausdrücken wie dummerweise, schlauerweise, arroganterweise u.a.
Eine weitere Gruppe von Adverbien hat die Funktion, Beziehungen zum Vortext herzustellen, weswegen sie auch KonjunktionaladverbienKonjunktionaladverb genannt werden.
| (9) |
Trotzdem/deshalb/infolgedessen kommt er. |
Diese Adverbien haben eine ganz ähnliche Funktion wie Konjunktionen, sie unterscheiden sich aber von jenen dadurch, dass sie alleine die Position vor dem finiten Verb in Aussagesätzen besetzen können.
Als PronominaladverbienPronominaladverb werden solche Adverbien bezeichnet, die – ähnlich wie Pronomen – stellvertretend für andere, vollsemantische Elemente stehen. Im Gegensatz zu Pronomen sind die Pronominaladverbien unflektierbar. Sie werden gebildet aus den Adverbien da , hier und wo und einer Präposition:
Darauf, darüber, hierauf, worunter etc. gehören also zu dieser Wortart.
Eine weitere Gruppe der Unflektierbaren sind die PräpositionenPräposition. Sie treten zusammen mit einer Nominalphrase auf, deren Kasus sie festlegen (regieren). Der Terminus „Präposition“ suggeriert dabei, dass diese Wörter vor ihrer Ergänzung stehen. Dies trifft für einen Großteil zu, in einigen Fällen zeigen sie jedoch ein anderes Stellungsverhalten. Nach ihrer Position kann man unterscheiden zwischen:
Präpositionen: auf, über, unter, neben, …
PostpositionenPostposition: halber, hinaus, hinauf, zuliebe, …
ZirkumpositionenZirkumposition: um … willen, um … herum, …
AmbipositionenAmbiposition (entweder vor- oder nachgestellt): wegen, nach ( wegen der Kinder, der Kinder wegen )
Alle diese Wörter werden gelegentlich unter dem hinsichtlich der Position unspezifizierten Begriff der „AdpositionAdposition“ zusammengefasst. Gebräuchlicher ist es jedoch, sie alle als Präpositionen zu bezeichnen.
Eine ganze Reihe von Präpositionen können mehrere Kasus regieren. Das Schema in Tabelle 1 gibt einen Überblick über die Kasusrektion von Präpositionen:
| GENITIV |
DATIV |
AKKUSATIV |
DAT/GEN |
DAT/AKK |
| kraft seitens infolge dieseits aufgrund zugunsten |
aus bei zu von seit mit nach gegenüber |
für durch bis gegen ohne um per pro |
trotz wegen statt während längs mittels laut |
an auf in neben hinter vor unter über |
Tab. 1:
Kasusrektion von Präpositionen
Die Variabilität der Kasusrektion ist im Fall der Präpositionen mit Dativ oder Genitiv stilistisch bedingt. Der Genitiv gilt als korrekter und tritt in der Schriftsprache fast ausschließlich auf. Umgangssprachlich wird stattdessen häufig der Dativ verwendet.
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