Karin Pittner - Deutsche Syntax

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Dieses Lehrbuch führt in die Grundbegriff e und Methoden der syntaktischen Analyse des Deutschen ein. Behandelt werden syntaktische Kategorien und Funktionen, Valenz und Argumentstruktur, die Formen des Passivs, die Wortstellung, der Aufbau von komplexen Sätzen, Besonderheiten bei der Verwendung der Pronomina sowie Grundbegriffe der Informationsstruktur. Jedes Kapitel enthält Übungen mit Lösungshinweisen und Literaturtipps zum Weiterlesen, die den Studierenden die Möglichkeit geben, sich den Stoff weitgehend selbständig zu erarbeiten.
Stimmen zum Buch:
"eine systematische und sehr verständliche Einführung in die Grundlagen der deutschen Satzstruktur." – Brücken 24/1–2 (2016) N.F.
"Die Verfasser haben ihr im Vorwort angegebenes Ziel vollauf erreicht: Sie haben ein Arbeitsbuch mit Überblickscharakter vorgelegt, das sich als Einführung vorzüglich eignet." – Gerhard Helbig, Deutsch als Fremdsprache

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2.1.1.2 Adjektive

AdjektiveAdjektiv sind größtenteils komparierbar, d.h. zu ihnen können ein KomparativKomparativ und ein SuperlativSuperlativ gebildet werden (z.B. groß – größer – am größten ).

Adjektive sind deklinierbare Wörter, die zwischen Artikel und Substantiv stehen (attributive Verwendung) und als Teil des Prädikats zusammen mit einem Kopulaverb auftreten (prädikative Verwendung). Bei prädikativer Verwendung bleibt das Adjektiv stets unflektiert.

der gute Wein – der Wein ist gut

Bestimmte Adjektive sind auf eine dieser beiden Verwendungsweisen festgelegt:

der gestrige Tag – *der Tag ist gestrig (nur attributiv )

die Freunde sind quitt – *die quitten Freunde (nur prädikativ)

Die Adjektive, die nur prädikativ auftreten können, sind stets unflektiert und können daher streng genommen gar nicht zu den deklinierbaren Wörtern gerechnet werden. Engel (2004:421f.) bezeichnet sie als „Kopulapartikel“.

Neben ihrer attributiven und prädikativen Verwendungsweise lassen viele Adjektive auch eine adverbiale Verwendungsweise zu:

der Wein schmeckt gut, er fühlt sich schlecht

In dieser Verwendungsweise bleiben Adjektive stets unflektiert.

2.1.1.3 Artikel

ArtikelArtikel treten stets zusammen mit einem Substantiv auf. Zwischen Artikel und Substantiv können nur Adjektive und ihre Erweiterungen treten. Die Funktion der Artikel ist es, die Referenz des Substantivs festzulegen. Man unterscheidet den bestimmten ( der, die, das etc.) und den unbestimmten Artikel ( ein, eine etc.), der im Plural entfällt. Der bestimmte Artikel kennzeichnet eindeutig identifizierbare Größen, die häufig im situativen oder sprachlichen Kontext präsent sind. Der unbestimmte Artikel kennzeichnet dagegen (noch) nicht eindeutig identifizierte Größen.

Häufig lässt sich auch der Kasus nicht am Nomen, sondern nur am Artikel erkennen.

2.1.1.4 Pronomen

PronomenPronomen treten entweder anstelle eines Artikels auf, z.B.

dieses Buch (Demonstrativpronomen)

oder sie stehen anstelle von Artikel + Substantiv:

sein Kind – es, der Mann – er (Personalpronomen).

Eine Reihe von Pronomen können sowohl in Artikelposition wie auch anstelle von Artikel + Substantiv auftreten:

Das ist mein Buch/meines.

Die Unterscheidung von Artikel und Pronomen ist schwierig, manche Grammatiken fassen sie in einer Klasse zusammen (etwa als „Stellvertreter und Begleiter des Nomens“). Die Grammatiken, die eine Unterscheidung machen, legen unterschiedliche Kriterien zugrunde. Darüber hinaus lassen sich die Artikel und die artikelartigen Pronomen zu einer Klasse zusammenfassen, den sog. Determinatoren (da sie die Referenz des Substantivs „determinieren“).

Zu den Pronomen gehören:

Personalpronomen: ich, du, er, sie, es, wir, ihr, …

Possessivpronomen: mein, dein, sein, …

Demonstrativpronomen: dieser, jener, …

Indefinitpronomen: alle, einige, manche, etwas, jemand, man, …

Negationspronomen: kein , niemand, nichts

Reflexivpronomen: sich

Fragepronomen: wer, was, welcher, …

Relativpronomen: der, die, das, …

2.1.2 Konjugierbare Wortarten

Zu den konjugierbaren WörternWortkonjugierbares gehören alle Verben. Aufgrund ihrer Semantik und ihrer Kombinatorik unterscheidet man traditionell folgende Gruppen von Verben:

2.1.2.1 Vollverben

VollverbenVollverb sind alle diejenigen Verben, die ohne Hilfe eines anderen Verbs das Prädikat bilden können. Vollverben heißen sie u.a. deswegen, weil sie eine eigene vollständige Semantik besitzen. Dies ist die weitaus größte Klasse von Verben.

Alle übrigen Arten von Verben sind demgegenüber sehr eingeschränkte Klassen.

2.1.2.2 Hilfsverben

HilfsverbenHilfsverb (auch AuxiliareAuxiliarHilfsverb genannt) werden zur Bildung von bestimmten Tempus- und Modusformen und zur Bildung der Passivformen eingesetzt.

Mit Hilfe von Hilfsverben gebildete TemporaTempusanalytisches (= analytische Tempora):

PerfektPerfekt (gebildet aus der Präsensform von haben oder sein + Partizip II): er hat geschlafen, sie ist gekommen

PlusquamperfektPlusquamperfekt (gebildet aus der Präteritumform von sein oder haben + Partizip II): er hatte geschlafen, sie war gekommen

Futur IFutur I (gebildet aus der Präsensform von werden + Infinitiv Präsens): sie wird kommen

Futur IIFutur II (gebildet aus der Präsensform von werden + Infinitiv Perfekt): sie wird gekommen sein

Der KonjunktivKonjunktiv wird häufig mit Hilfe von würde gebildet:

(2) Ich würde es verstehen, wenn es besser erklärt wäre.

PassivPassivformen werden im Deutschen generell mit Hilfsverben und dem Partizip II gebildet:

VorgangspassivVorgangspassiv (gebildet mit werden + Partizip II): Anna wird von Otto bewundert.

ZustandspassivZustandspassiv (gebildet mit sein + Partizip II): Das Fenster ist geöffnet.

RezipientenpassivRezipientenpassiv (gebildet mit kriegen/bekommen + Partizip II): Sie bekommt das Buch geschenkt.

2.1.2.3 Modalverben

Modalverbensind diejenigen Verben, die eine Möglichkeit, Notwendigkeit, Erlaubnis, Fähigkeit u.ä. bezeichnen. Zu den ModalverbenModalverb gehören im Deutschen können, dürfen, müssen, sollen, wollen, mögen. Diese Verben treten in Verbindung mit infiniten Vollverben oder Kopulaverben (im reinen Infinitiv ohne zu ) auf:

(3) a. Er kann warten.
b. Sie musste arbeiten.
c. Morgen dürfte Hans da sein.

Außerdem weisen diese Verben eine Besonderheit bei der Perfektbildung auf. Sie bilden ihr Perfekt nicht mit dem Partizip II, sondern mit dem Infinitiv (daher auch als „ErsatzinfinitivErsatzinfinitiv“ bezeichnet):

(4) Er hat kommen müssen/*gemusst.

In semantischer Hinsicht unterscheidet man zwei Verwendungsweisen der Modalverben.

Das Modalverb Modalitätdeontischebezeichnet eine Beziehung zwischen dem Subjekt des Satzes und dem Sachverhalt, wie Verpflichtung, Notwendigkeit, Erlaubnis, Fähigkeit, Möglichkeit (subjektbezogene Modalität, auch deontische Modalität genannt):

(5) Eva muss/kann/darf arbeiten.

Das Modalverb bezeichnet eine Einschätzung der Wahrscheinlichkeit seitens des Sprechers (sprecherbezogene, auch epistemische oder inferentielle ModalitätModalitätModalitätepistemische genannt):

(6) Hans muss/kann/könnte in der Bibliothek sitzen.

In semantischer Hinsicht eng verwandt mit den Modalverben sind die sog. HalbmodalverbenHalbmodalverb.

(7) a. Petra scheint zu schlafen.
b. Das Wetter verspricht schön zu bleiben.
c. Die Sache drohte ihm aus der Hand zu gleiten.

Ein klarer Unterschied zu den Modalverben besteht jedoch darin, dass sich diese Verben nicht mit dem reinen InfinitivInfinitivreiner, sondern mit dem zu -Infinitivzu-Infinitiv verbinden.

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