Hans Leip - Das Tanzrad oder Die Lust und Mühe eines Daseins

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Das Tanzrad oder Die Lust und Mühe eines Daseins: краткое содержание, описание и аннотация

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"Tanzrad" betitelt Hans Leip seine Autobiografie und spielt damit auf eine Rummelplatzattraktion an, jenes schnell rotierende Rad, auf dem man sich nur schwer halten kann und von dem man zum Gaudium der Zuschauer früher oder später hinunterrutscht. Als Sohn eines Schauermanns 1893 in Hamburg geboren und in der Langen Reihe in Hamburg-St. Georg aufgewachsen, erwacht in ihm schon früh eine Neigung für die Seefahrt, den Hafen. Diese findet Eingang in sein literarisches und graphisches Werk. Nach dem Ersten Weltkrieg kehrt er zurück in seine Heimatstadt, wo er ein vielschichtiges Oeuvre erarbeitet. «Tanzrad» ist ein ehrliches Buch, reizend durch seine eigenwillige Sprache und seine ungewöhnliche graphische Gestaltung.-

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Immer will ich dich preisen,

grausilberne Vaterstadt,

und was dir weltweit

hansisch gedeiht

und das singige Platt

und die leisen

Lichter von See

und das Fernweh,

das man in deinen Straßen hat.

Für den Empfindsamen ist jede Schule eine Schulung zur

Abseitigkeit Meine Mutter immer das Richtige fühlend hatte mich in der - фото 8

Abseitigkeit

Meine Mutter, immer das Richtige fühlend, hatte mich in der Kapellenstraße bei dem Hauptlehrer der Volksschule

Heinrich Wolgast

untergebracht. Der 1860 geborene Holsteiner galt als Reformer. Meine älteste Schwester, schon einige Jahre Lehrerin, hatte, halb bewundernd, halb bedenklich, von ihm erzählt und meinte, in seinem Kollegium seien die besten Erzieher versammelt.

Das stimmte nicht ganz. Der Behörde ging der fortschrittliche Pädagoge auf die Nerven. Freudigere Lesebücher? Klügere Lehrpläne? Klassenbelegung mit dreißig statt mit fünfzig bis sechzig Schülern? Turnen, Schwimmen, Wandern? Und gar künstlerische Erziehung? Gesündere Räume für den Unterricht? Staubfreie Pausenhöfe? Saubere Aborte? Und gar Schulgärten? Und weg mit dem Rohrstock? – Welche Verleitung zu Aufsässigkeit, Verwöhnung und Luxus! Und welche Überbelastung des Staatssäckels!

Man schickte daher dem kühnen Forderer nicht immer die ähnlich Denkenden, sondern Mucker und Halbinvalide. Mein Klassenlehrer war eine Weile ein sichtlich und hörbar schwindsüchtiger Prügler. Obwohl er mich verschonte und sich desto weidlicher an leicht Bedeppten austobte, empörte mich sein brutales Vorgehen einmal so, daß ich das eingelassene Tintenfaß herausklaubte. Glücklicherweise verschwand er jäh auf den Flur, ehe ich es schleudern konnte, und hustete sich dort luftringend aus anstatt wie sonst überm Papierkorb.

Übrigens übernebelte mich damals – wie soll ich’s nennen – eine Art Schlafwandel, eine Vorstufe wohl der väterlichen abschirmenden Erbschaft. Wieso ich trotzdem in der drangvoll engen Gemeinschaft immer wieder auf den ersten Platz rückte, ist mir schleierhaft. Nur ein paar Lichtblicke vermag ich nachträglich zu erspähen. Einmal las uns Herr Wolgast modernere und bessere Gedichte vor als die, welche damals in pädagogischen Ehren standen, las Verse von Storm statt von Sturm, von Liliencron statt von Gerok.

Gottfried Kellers »Im afrikanischen Felsental / marschiert ein Bataillon ...« hatte mir’s besonders angetan, wenngleich darin gar nichts von Seefahrt zu spüren ist, sondern nur die schaurige Verlorenheit an die Fremde. Das erwähnte ich später einmal, als ich hoffte, bei Wolgast als Junglehrer zu beginnen. Er saß noch immer auf seinem armen Posten, ergraut und mürbe und lächelte bitter: Lieber Heißsporn, Fremdenlegion? Das können Sie als geistig Regsamer in Hamburg unmittelbarer haben. Leider hab ich versäumt, rechtzeitig zu desertieren. Vielleicht gelingt es Ihnen. –

Plötzlich ermunterte er sich: Wissen Sie, was sich mal auf diesem Borgwischgelände befand? Eine Richtstätte. Darum geistert hier so viel voreilig ersticktes Leben. –

Er senkte den Blick auf meine dargereichten Personalien: Geboren am 22. September? Genau wie der Auch-Hamburger

Barthold Heinrich Brockes

Jaja, aber ein reicher Kaufmannssohn, der sich das Studieren leisten konnte, Juristerei natürlich, um Ratsherr zu werden. Und war auch Amtmann in Cuxhaven-Ritzebüttel. Und Bürgerwehrgeneral. Und – welch fingerweisendes Omen! – Protoscholarch! –

Doch drüberhin auch wohl ein begnadeter Dichter, wagte ich einzuwerfen.

Ganz gewiß! Weitschweifig bieder-frömmliche Naturbeobachtungs-Ausbeute. Wissen Sie, daß er auch höchst muntere plattdeutsche Verse machen konnte? Zum Beispiel mit einem Weinzettel an einen eben in den Rat Gewählten:

»So bald as düsse Post up den Borg-Esch erschald, reep ik den Deener gliek, gaf em en Handvull Heller un sede: Loopt geswind, dat ju de Schoh entfallt un haalt en Zedelken uht unsen Radeskeller!« –

Borgesch? Da haben wir’s: Genau hier hat der Hochmögende ein Landhaus gehabt und drum herum einen der schönsten deutschen Barockgärten, ein richtiges irdisches Vergnügen in Gott. Nach seinem Tode ließ man’s verkommen, anstatt es zu bewahren. Das ist bis heute die hansische Art. Und eines Tages erwuchsen hier die vier grausig abstoßenden Volksschulklötze, mehr Zuchthäusern ähnlich. Und da sitze ich immer noch. Waren Sie nicht als Schüler hier rechtzeitig entwischt? Und wollen dennoch zurück? –

Nur Ihretwegen, Herr Wolgast. –

Er winkte trübe ab: Nein, nein, ich bin nichts mehr. –

Als ich 1920 dennoch dorthin gelangte, war er eben gestorben.

Einen seiner früheren Kollegen will ich noch heraufbeschwören. Er hieß Klostermann und betreute die Nebenklasse, wo es beneidenswert heiter herging. Verstohlen sah ich dort mal einen gewaltigen Ozeaner an die Wandtafel gezeichnet. Oho, das war was! Einmal kam er sogar zu uns ins Haus, zusammen mit einigen jungen Musikanten, die meine Lehrerin-Schwester verehrten. Sie besaß

ein Tafelklavier

und Herr Klostermann, gewichtig breit und malerisch pockennarbig, griff in die Tasten und begleitete die Streicher und Flötisten zu etwas Köstlichem, wovon ich noch nichts verstand, außer beglückt zu sein.

Danach las er fast so gut wie sein Schulleiter, und ein Außenseiter wie der, Storms »Pole Poppenspäler« vor. Mein Gott, war das beklemmend schön!

Mich beachtete er nicht, strich mir nicht mal übers Haar. Heute weiß ich aus Erfahrung, er war in seiner Darbietung viel zu befangen, wie es nötig ist für eine gute Leistung.

Meiner Schwester Gretchens Klavier lockte mich selbstverständlich zu abstrus atonalem Lärm. Meine Geschwister hielten sich die Ohren zu, aber mir klang es erbaulicher als etwa die krächzenden Märsche aus dem Trichtergrammophon des Kriegervereins-Präsidenten und Gipsermeisters Zehle gegenüber unserer Wohnung in der Alexander Straße, zweiter Stock. Meiner Mutter waren vier Treppen allmählich zu beschwerlich geworden. Hier gab es auch Vorgartengrün. Dazu mehr Zimmer. Die Kinder waren schon zu groß, um in eine gemeinsame Schlafstube zu passen. Aber somit war auch das Abendsingen im Bett und das gegenseitige Überbieten mit erfundenen Geschichten vorbei.

Du mußt nach Noten üben, sonst wird es nichts Ordentliches! –

Üben? Ein Wort, das mich nie begeistert hat. Damit kam ich auf den Tasten nicht voran. Das würdige Instrument wurde überdies bald für sechs Mark verkauft, weil Not und Noten schlecht zusammenklingen. Im Hafen wurde gestreikt, wohin mein Vater zurückgekehrt und am Kai bis in sein achtzigstes Lebensjahr tätig war. Damals liebäugelte er mit den Sozis wegen ihrer Forderung des Achtstundentages. Und einmal ist er sogar mitmarschiert bis nach Wandsbek zum Waldlokal Jüthorn, und ich war dabei, zur:

Maifeier

Nur einmal im Jahr

ist Erster Mai.

Als ich noch klein war,

nahm mein Vater mich mit.

Da waren alle in Sonntagskluft.

Und Musik war dabei

und Fahnen, tschingbumms, und Polizei

vorn und hinten je vier

hoch zu Pferd.

Und wir gingen, ohne Tritt,

tausendfüßig ins Grüne hinaus

in ein Gartenlokal. Und immer ritt

die Polizei mit. Da fragte ich bang:

Warum sehn die so finster aus?

Mein Vater hielt es der Antwort nicht wert.

Er trank sein Bier

und lächelte an den Helmspitzen entlang

in die mailiche Luft.

Von Unterstützung war nicht die Rede, den mageren Wochenlohn, achtzehn Mark, zu ersetzen. Und den letzten hatte er hoffnungsfroh beim Wetten verspielt. Es war seine einzige Leidenschaft, und ihr wurde in einem winzigen Tabakladen gefrönt, wo er jeden Sonntagmorgen seine Zigarre kaufte, das einzige, was er die Woche über rauchte. Nie hat er etwas gewonnen. Auch nicht beim Kartenspiel.

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