Hans Leip - Das Tanzrad oder Die Lust und Mühe eines Daseins

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Das Tanzrad oder Die Lust und Mühe eines Daseins: краткое содержание, описание и аннотация

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"Tanzrad" betitelt Hans Leip seine Autobiografie und spielt damit auf eine Rummelplatzattraktion an, jenes schnell rotierende Rad, auf dem man sich nur schwer halten kann und von dem man zum Gaudium der Zuschauer früher oder später hinunterrutscht. Als Sohn eines Schauermanns 1893 in Hamburg geboren und in der Langen Reihe in Hamburg-St. Georg aufgewachsen, erwacht in ihm schon früh eine Neigung für die Seefahrt, den Hafen. Diese findet Eingang in sein literarisches und graphisches Werk. Nach dem Ersten Weltkrieg kehrt er zurück in seine Heimatstadt, wo er ein vielschichtiges Oeuvre erarbeitet. «Tanzrad» ist ein ehrliches Buch, reizend durch seine eigenwillige Sprache und seine ungewöhnliche graphische Gestaltung.-

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Abenteurer

Früh war er nach Kalifornien verlockt worden, weil dort das reine Gold glattweg in die Taschen zu raken sei. Zerlumpt war er heimgekommen. Sein hilflos gieriges Gesicht prägte sich mir ein, als er unter den Tisch tauchte, ein Stück Brot, das mir vor Schreck über seine wilde Erscheinung aus der Hand gerutscht war, zu verschlingen. Noch schluckend erzählte er, er sei drüben mal als Pferdedieb verdächtigt worden, wo es ihm doch nur um ein bißchen Hafer zum Brei zu tun gewesen. Schon stand er unterm Galgen, den Strick um die Gurgel. Da habe ihn ein Spelunkenwirt losgekauft, ein Landsmann. Mit dem sei er dann als Kohlentrimmer zurückgelangt. Zum Dank habe er ihm Dorothea zur Frau empfohlen. Und sie habe nichts dagegen gehabt. Denn dieser Barkeeper sei denn doch wohl ein doller Kerl. In der Tat sah er mit seinem gestutzten Schnauz wie ein echter Amerikaner aus, brachte es aber daheim nicht weit.

Mein Vater durfte von den »unsoliden Besuchen« nichts wissen. Aber meine mitleidige Mutter hängte eine blaue Schürze vors Fenster, wenn die Luft rein war, und ließ den Stiefbruder an unseren bescheidenen Mahlzeiten teilnehmen, bis er eine Stellung als Gepäckträger am Altonaer Bahnhof gefunden und heiratete. Er war ein stattlicher Mensch mit schwarzem Vollbart. Ich beneidete ihn um seine Abenteuer, ahnungslos genug, bis ich selber von solchen gekostet. Meine Mutter schüttelte den Kopf: Du bist in der Freiligrath Allee geboren. Die heißt zu Ehren eines Dichters so. Werde du lieber so einer. –

Nein, nicht gern, soll ich geantwortet haben: Ich will Professor werden oder Seeräuber. –

Denn einer hübschen Freundin meiner Schwester war ich mal auf den Schoß gehüpft und hatte sie stürmisch geküßt. Das tat ich mit allen hübschen ihrer Freundinnen. Diese nun hatte gelacht: Du bist ja ein Seeräuber! Warum tust du denn das? –

Da soll ich geantwortet haben: Du schmeckst nach Himmel, das weiß ich längst. –

Darauf hat die Lustige dann gesagt: Und nun redest du auch noch wie ein Professor. –

Wie sollte ich schon einen Unterschied erkennen?

Von Freiligrath wußte ich weiter nichts

Erst in der Schule lernte ich eins seiner langen Gedichte, das von den schlesischen Webern. Da wird der Berggeist Rübezahl vergebens angefleht, und so weben sie zum Hunger- bald das Leichentuch. Mein Glaube an die Macht von Geistern ist seitdem erschüttert. Sein Gedicht »Die Auswanderer« war mir lieber. Erst spät ersah ich, welch Wegweiser mir meine harmlose Mutter da vorgepflanzt. War doch dieser Poet ein vormärzlicher Demokrat und Rebell gewesen, ja, ein Sozialist, als das noch einem Staatsverbrechen gleichkam, ein Kämpfer für Freiheit, Frieden und Menschenrecht. Seine entsprechend flammenden Verse waren zudem gute Lyrik. Das ist bis heute selten. Er war in Europa weit umhergeirrt, nicht zum Vergnügen, sondern, daheim verfemt, als Handelsvertreter und Bankfachmann sein Brot zu verdienen. Erst 1867 bot sich ihm eine deutsche Zuflucht, und zwar in Württemberg, als dort ein altbackenes Ministerium frischeren Geistern Platz gemacht. In Norddeutschland gab es die ersten freien Reichstagswahlen. Der Dichter war fast schon sechzig. Eine nationale Sammlung enthob ihn für seine letzten sieben Lebensjahre der äußeren Sorgen. Er zeigte sich mit einigen patriotischen Versen anläßlich des Sedankriegs erkenntlich, sachlich und ohne Hurra.

Daß die Hitlerzeit diesen aufrechten Schriftsteller ablehnte, war klar. In den bezüglichen Literaturgeschichten ist sein Name nur dürftig erwähnt. Ähnlichkeiten mit seinem Schicksal – wie man mir nachsagt – sehe ich kaum, es sei denn seine Beziehung zu London und der Schweiz. Ich stand seit je abseits jeder Partei, war nie Rebell und Verfechter, sondern mehr

Beobachter und Darleger

Wohl gab ich meine Ansichten freimütig preis und geriet damit zeitweise in Schwierigkeiten. Nie aber habe ich jemandem meine Erkenntnisse aufzuheften gestrebt. Wie sagt Buddha etwa? Strebe jeder nach seiner Vollkommenheit! Nach der Vollkommenheit anderer zu streben ist sinnlos.

Die Einsicht meines Erzeugers lautete auf plattdeutsch etwas einfacher, nämlich:

Dat geiht mi wied vörbi

Das geht mir weit vorbei. Damit schirmte er sich ab. Er nahm keine Stellung zu erregenden Vorfällen. So robust er äußerlich wirkte, so unverzwickt sein Alltag schien, er war innerst empfindlich und verdeckte es mit besagter Wendung und Abwendung. Schwieg auch über empfangene Rippenstöße und Nasenstüber. Diese augenscheinliche Dickfelligkeit mochte sich früh bei der Seefahrt und im Gemetzel zu Gravelotte und St. Privat gebildet haben (Schlachtenorte, die er nur einmal finster genannt). Jede Kontaktnahme schien ihm zuwider. Das verhinderte ein gedeihliches Fortkommen.

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Er stammte aus behäbigem Bauernbetrieb zu Trebel bei Lüchow am Rande der Lüneburger Heide. Das bescheidene Dorf fand sich anno 1979 plötzlich in der Presse erwähnt, als die Einwohner gegen ein unweit geplantes Atommüll-Entsorgungszentrum zu Felde zogen. Sein Vater, Jürgen Heinrich Leip (1791–1856), war nebenbei Schneideramtsmeister. Er selber hatte die Vornamen Johann Heinrich Friedrich. Sein Großvater, Johann Christoph, war als Schafhirte aus Lomitz eingewandert und hatte der Schulzentochter zu einem schon vorehelich sich vorne verkürzenden Kleide verholfen. Wie allen Hirten seit Urzeiten muß ihm einiges Hintersinnige vertraut gewesen sein. Von ihm hatte mein Vater sicher die Fähigkeit geerbt, zum Beispiel die Wundrose »zu besprechen«. Er wurde manchmal sogar ins Krankenhaus geholt. Eine Weitervererbung fand nicht statt. Fast noch ein Knabe, war er als überzählig gen Hamburg, Hafen und weite Welt abgeschoben und hatte die Seefahrt kennengelernt, als sie noch unsägliche Pön und Härte war. Von erlebten Urtümlichkeiten zwischen Las Palmas und Oahu, wo heute Hotellerie und Touristik blühen, hat er nur einmal und nie wieder etwas angedeutet. Er ahnte meine damit erweckten Wunschträume.

Ein früherer Bordgenosse von ihm, Hein Wiggers, später Gastwirt, soll mein Taufpate gewesen sein und heimlich einen Schuß Seewasser ins Taufbecken gegeben haben, angeblich vor der Landemole Alte Liebe zu Cuxhaven mit einer leeren Rumbuddel geschöpft. Und die Taufschale war britisches Porzellan von der Firma Davenport, wo mein Vater bei flauer Arbeitslage am Hafen als Packer und Kutscher aushalf. Mit Pferden konnte er umgehen, weil er nicht zu der noch kleinen Marine, sondern zur Artillerie nach Hannover eingezogen gewesen und einen Apfelschimmel geritten hatte.

Der muntere Pate soll auch geunkt haben, wegen meiner Blondheit und blauen Augen und heftigen Strampelei sei ich zum Wikinger und Piraten geboren. Das haben meine Eltern nicht gern gehört. Obwohl an der Wasserkante fast jeder Junge dazu neigt, ein Störtebeker zu sein. Mag sein, solch Unkerei und Wasserzauber bleibt nicht wirkungslos. Vielleicht darum hat mich der Begriff Freibeuterei später des öfteren beschäftigt, wenn auch nur in sachlicher Darstellung und Romantik, die mir dennoch bis ins Mark griff.

Von echter

Tradition

wie jemand meinte, dürfte da kaum die Rede sein:

Tradition,

was meinen Sie?

Für mich ist dies

der Hafen meiner Vaterstadt

und seine Sirenen-Rhapsodie.

Ozeanerbaß und Schlepperpfiff

rumorten in meinen Knabenschlaf.

Hochgetakelte Drohung und das Verhüllte

der See, wo Gott sich mit dem Teufel traf.

Das war der Einfluß, der mein Staubecken füllte,

bis es überlief. Und daß an der Wand

im ersten Schuljahr der Sandtor-Kai hing,

wo mein Vater mit den Frachten umging.

Überdies, wie ein Forscher ertiftelt hat,

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