Hans Leip - Das Tanzrad oder Die Lust und Mühe eines Daseins

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Das Tanzrad oder Die Lust und Mühe eines Daseins: краткое содержание, описание и аннотация

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"Tanzrad" betitelt Hans Leip seine Autobiografie und spielt damit auf eine Rummelplatzattraktion an, jenes schnell rotierende Rad, auf dem man sich nur schwer halten kann und von dem man zum Gaudium der Zuschauer früher oder später hinunterrutscht. Als Sohn eines Schauermanns 1893 in Hamburg geboren und in der Langen Reihe in Hamburg-St. Georg aufgewachsen, erwacht in ihm schon früh eine Neigung für die Seefahrt, den Hafen. Diese findet Eingang in sein literarisches und graphisches Werk. Nach dem Ersten Weltkrieg kehrt er zurück in seine Heimatstadt, wo er ein vielschichtiges Oeuvre erarbeitet. «Tanzrad» ist ein ehrliches Buch, reizend durch seine eigenwillige Sprache und seine ungewöhnliche graphische Gestaltung.-

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Wir zogen weg

ehe ich die Gegend auf eigenen Füßen erkunden konnte. Erst als ich ein halbes Jahrhundert hinter mir hatte, trieb es mich, das Gefilde meiner Geburt zu besuchen. Dort hatten britische Bomber unsinnig gewütet, obwohl es weder Industrie noch Militär gab. Ein Rest Mauer und Fensterhöhlen starrten mich an, dahinter der fast noch heile eiserne Ofen mit dem wie ein Fragezeichen gebogenen Rohr. Vorn auf dem bröckelnden Sims lag ein Strauß welker Stiefmütterchen. Darunter stand mit Kreide auf geschwärztem Bewurf: Mama, wo bist du?

Nein, mein Herz, es galt nicht meiner Mutter; sie hatte schon bald nach dem Ersten Weltkrieg die Erde verlassen. Sie befindet sich gewiß in dem Himmel, an den sie geglaubt. Und die zerfetzten Fliederbüsche unter der verzweifelten Frage, Mittsommer 1943, waren nicht mehr die, daran ich mich erlabt. (Heute ist das alles zu einem Sportplatz eingeebnet.) Ich war davongekommen und nur ein paar Tage daheim. Meine Geschwister alle ausgebombt, aber sie lebten, wenn nun auch weit verstreut. Mein Haus in Blankenese blieb mit Frau und Töchtern unversehrt. Aber die Vaterstadt war weit herum ein Schutthaufen.

Und fürchterlich auftobt

das Böse dieser Welt.

In Schutt zerfällt,

was deines Lebens Herberg schien.

Wo sollst du wieder Heimat finden?

Wie du auch weinst

nach dem, was nicht mehr ist,

die Stunde mißt

nur deine Gegenwart.

Sieh, schon erblühn der Winden

weiße Kelche auf dem Einst

und heben zart

sich zu dir hin.

So trinke einen neuen Sinn

und sei ihm hold wie einem alten Wein,

der dich begehrenswert und viel gelobt

beglückt. Und nenne ihn:

das trunkne Stillesein!

Meine Mutter war klein und zierlich immer gewillt heiter zu sein niemals - фото 2

Meine Mutter

war klein und zierlich, immer gewillt, heiter zu sein, niemals laut, niemals ungütig, geschickt in allem und unermüdlich, und wo andere gingen, huschte sie.

Ihr einziger Ehrgeiz war, unbescholten zu bleiben, ihr einziges Streben, ihre sechs Kinder möchten etwas Ordentliches werden. Sie hat es, in dürftigen Verhältnissen, fertiggebracht. Geboren als Jus-primae-noctis-Kind eines adligen Gutsherrn bei Kraak nahe Hagenow-Land im Mecklenburgischen. Fürs Kirchenbuch mußte der Knecht Jochim Kröger herhalten. Der junge Freiherr fiel in einem Duell.

Meine Großmutter – die ich nie gesehen – heiratete einen Bahnbeamten. Ihr Kind, Maria, mußte gleich nach der Konfirmation aus dem Dorf, das Brot selbst zu verdienen. Und wurde Dienstmädchen in Hamburg bei einer Schulratsfamilie, wo sie bürgerlich norddeutsch gut Haushalt und Kochen lernte. Ich habe nie Großeltern kennengelernt.

Um 1930 sah ich mir die Gegend ihrer Herkunft an. Ein paar Bauernkaten in flacher Landschaft. Zum Frösteln karg. Mir begegnete ein zerknitterter Alter, und ich fragte ihn.

Marie? kröchelte er: Dee weur de best in Schaul. –

Wie war’s denn damals mit der Gutsherrschaft? –

Doa hebbt wi all Arbeit hatt, lütt Stünn vun hier to Faut. –

Un de Baron? –

Dee weur bald doot. Jagdunfall harn se seggt. –

Ich mochte nicht weiter forschen. Hier hatte meine gute Mama nicht viel verloren und nahm statt dessen viel Last auf sich, als sie mit achtzehn

einen von See an Land Gestiegenen

heiratete.

Im endlosen Sand auf den mageren Wegen zwischen Mecklenburgs Föhrenkratt sah - фото 3

Im endlosen Sand

auf den mageren Wegen

zwischen Mecklenburgs Föhrenkratt

sah ich meine Mutter gehen,

und sie ging, als ging sie mir entgegen.

Kleine bloße Füße. Und es war

das kindliche Gesicht gesenkt.

Verborgen

weinten die hellen Augen.

Sie trug ein armes Bündel in der Hand

und die Schuhe, die bei jedem Schritt

schwerer wurden und noch lange taugen

sollten für schwerere Sorgen.

Der Mond stieg tränenklar

am Wald auf, mild gelenkt

von sieben Rehen,

und die gingen heimlich mit

in die große fremde Stadt.

Zeit ihres Vorhandenseins hat sie von Rehen geträumt. Ich seh sie noch – und hab sie gezeichnet – emsig an einem Wollstrumpf strickend – wie sich ihr zartes Gesicht verklärte, wenn sie mit ihrer Silberfaden-Stimme sang: »Paradies, / Paradies, / wie ist deine Frucht so süß. / Unter deinen Lebensbäumen / wird’s uns sein, als ob wir träumen ...« Die sehr genaue Zeichnung hatte mein großer Bruder Willy an sich genommen; sie verbrannte, als die Bomben 1943 seine Wohnung trafen. Es fand sich eine spätere.

Noch heute kann ich alle Strophen dieses überlieblich todes-sehnsüchtigen Herrnhuter Liedes auswendig. Mein Ohr speicherte leichthin derlei auf, was sich teils erst im Alter wieder hervortraut. Als Junge saß ich gern zur Andacht neben meiner Mutter in der Kapellengemeinde der Stiftskirche (die zu den vielen Altersheimen des Viertels St. Georg gehörte, Stiftungen reicher Handelsherren). Dort ging ich auch zur Sonntagsschule, gleich um die Ecke der Alexanderstraße.

Das letzte Mal aber in der größeren Barockkirche zur Dreieinigkeit, wo ich Chorjunge gewesen war. Ich stak in feldgrauer Uniform und war ein paar Tage auf Urlaub, Weihnacht 1914. Im schütteren Schein der Kronleuchter mochten die gelben emblemlosen Achselklappen des Gardisten den spitzenhäubigen Platzanweiserinnen wie golden und als etwas Höheres vorgekommen sein. Sie führten uns in eine der logenhaften Einbauten, in eine sogenannte Priölke, worin gemeinhin Senatoren die Predigt zu verdämmern pflegten. Da saß die liebe Seele so spinnwebfein neben mir in ihrem schwarzen Seidenkleid, dem einzigen Sonntagsstaat in fast fünfzig Ehejahren; niemals hätte sie ein neues erwartet oder geduldet. Und wie vormals folgten wir gemeinsam aus ihrem Gesangbuch dem Choral. Nahmen dann auch miteinander das Abendmahl, für mich das erste und letzte seit meiner Konfirmation.

Ihre scheuen Gebete

haben denn doch wohl geholfen, die drei Söhne verhältnismäßig unversehrt von der Front heimzugeleiten. Auch waren ihre drei Töchter gesund geblieben.

Sie hatte ihre Sprößlinge allein durch Sanftmut erzogen und durch ihr rührendes Vorbild an Fleiß und Umsicht und – notgedrungener – Sparsamkeit. Einmal, als ich eine fade Mehlsuppe nicht essen mochte, weinte sie still vor sich hin. Da hab ich mich denn doch überwunden.

Nach Fuhlsbüttel nie

höchstens nach Friedrichsberg, äußerte sie gelegentlich. Das eine war das Hamburger Zuchthaus, das andere die Irrenanstalt. Ihr ging das Schicksal einer entfernt Verwandten, ihrer Stiefnichte Selma, nahe, einer tüchtigen und reizvollen Putzmacherin. Die hatte sich aus heiterem Himmel in einem Modegeschäft als Königin von England aufgespielt und eine Menge bestellt. Erfreut vom Inhaber auf englisch angeredet, erklärte sie, sie spreche nur deutsch wie ihr geliebter Prinzgemahl Albert. Man wurde mißtrauisch, verständigte den nächsten Schutzmann, und das Ende war eben die Klapsmühle Friedrichsberg.

Und Tante Dora, Stiefschwester meiner Mutter, jammerte: Marie, dien Kinner sünd all goot to weg und klook sünd se ook. –

Ihre Älteste, Gertrud, war indes so schön, daß ich mich in sie verliebte und auf einem Heideausflug ihr unversehens einen Kuß gab, was sie mit einer Ohrfeige quittierte. Sie starb mit zwanzig an Tuberkulose. Tante Dora besaß ein vergilbtes Buch, »Hermann und Dorothea«, von ihrer Kraaker Mutter, meiner Großmutter also, her, Geschenk vermutlich jenes sagenhaften Barons. Zu spät erkannte ich den Wert der möglichen Goethischen Erstausgabe, da war sie unauffindbar. Und so auch ein in blauen Sammet gebundenes Gesangbuch mit goldenen Schließen. Daß Dorotheas Bruder ausgerechnet Hermann hieß, war sicher auch nicht von ungefähr. Dieser galt übrigens als

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