»Hm …«, er strich mit einer wirschen Handbewegung durch die Luft. »Lass doch diese Förmlichkeiten. Aber wenn ich recht verstanden habe, dann soll ich jetzt umkehren und gehen.«
»Um ganz recht zu verstehen: Es wäre besser gewesen, Sie wären nie gekommen. Weil Sie nun doch schon da sind, können Sie auch mit mir Kaffee trinken. Dabei wollen wir die Sache einmal ganz ruhig besprechen.«
Zweifellos, Irene beherrschte die Situation wieder. Sie ging ein paar Mal hin und her, brachte Tassen, Weißbrot, Butter, Marmelade und schließlich den Kaffee.
»Wir wollen uns gar nichts vormachen, Antretter«, begann sie dann das Gespräch. »Sie sind ein gesetzter Mann, und ich bin nicht mehr jung genug um auf eine Art Werben hereinzufallen, das nach Gefühl und gutem Willen aussieht und doch von Anfang an nur Berechnung war. So ist es doch?!«
Wo ist der Mann, der sofort unumwunden zugibt, wenn seine Schwächen aufgedeckt werden?
»Du hast eine sonderbare Art die Dinge beim Namen zu nennen.«
Irene merkte jetzt, dass sie von seinem Du nicht mehr bestürzt war wie vorher, sondern dass sie es gerne hörte.
»Sie meinen die Wahrheit auszusprechen?«
Um seine Verlegenheit zu verbergen und um eine Pause zu gewinnen nahm er langsam ein Stück Zucker aus der Dose, legte es auf seinen Löffel und sah zu, wie das Stückchen auf der Oberfläche des Kaffees in seiner Tasse langsam zerfloss. Plötzlich nahm er den Kopf zurück.
»Ich will dir einmal was sagen, Irene. Zum Teil magst du Recht haben. Am Anfang wollte ich dir wirklich nur gefällig sein. Aber dann bekam ich heraus, dass du nicht so wohlhabend bist, wie man es allgemein angenommen hat. Ich warf dir sozusagen die Karte hin und du schobst den Stich ein ohne einen rechten Trumpf zu haben. Und dann – ich gebe es zu – wollte ich dich in eine gewisse Abhängigkeit bringen. Da kam mir aber zunächst der Kammermops vom Schloss mit seinem Bilderkauf dazwischen.«
Irene erblasste. Ihre Hand zitterte so heftig, dass sie die Tasse niederstellen musste.
»Welchen Bilderkauf?«, fragte sie sinnloserweise. Aber der Antretter war großzügig und machte eine abwehrende Handbewegung.
»Denk bloß nicht, dass ich mir aus dem Bild etwas mache. Ich nehme eben ein anderes dafür.«
Lange schwieg Irene. Die Rücksichtsnahme des Mannes war doch echt. Er schonte sie, sagte nichts von Betrug. Endlich fand sie die Kraft und die Ruhe ihn voll anzusehen.
»Warum tun Sie das alles, Antretter?«
»Muss ich dir das wirklich erst sagen? Ich dachte, dass eine Frau doch fühlen müsse, wenn sie – einem Mann nicht ganz gleichgültig ist.«
»Ja, doch, das freilich schon«, gestand sie ehrlich.
»Aber überlegen Sie doch, Antretter, ich bin erst seit kurzem Witwe – und ich habe einen erwachsenen Sohn«.
Erregt stand er auf, ging ein paar Mal im Raum auf und ab, die Hände hinter dem Rücken verkrampft. Schließlich blieb er vor dem Fenster stehen und starrte hinaus. Dann drehte er sich heftig um und stieß hervor. »Irene, ich kann und will nicht mehr länger warten. Lass uns heiraten, bald. Dein Sohn wird vernünftig genug sein einzusehen, dass wir nicht länger warten wollen. Was soll aus dem Burschen übrigens werden?«
»Adrian hat sich auf Siebenzell als Forsteleve beworben.«
Kaum merklich zuckte der Sägewerksbesitzer zusammen. In seine Augen war ein harter, kalter Glanz gekommen.
»Dann soll das ganze Geld zum Fenster hinausgeworfen sein, das ihr für seine Schulbildung ausgegeben habt?«
»Adrian meint, dass nichts im Leben umsonst gelernt sei.«
Anton Antretter starrte wieder eine Weile zum Fenster hinaus. Dann meinte er: »Kann man ihm das mit der Jägerei nicht ausreden?«
»Ich glaube kaum. Wenn sich Adrian einmal etwas in den Kopf setzt, kann man ihn nur schwer davon abbringen. Und wenn er Lust und Liebe zu diesem Beruf in sich fühlt –«
»Lust und Liebe«, sprach der Antretter spöttisch nach. Dann griff er nach seinem Hut.
Irene reichte ihm die Hand. Allerdings sagte sie nicht: »Auf Wiedersehen«, sondern: »Leben Sie wohl, Antretter.«
Dann ging er und er hatte es sehr eilig auf die Straße hinauszukommen.
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