KAPITEL 2Die mechanische Extraktion im Trockenen: Reiben und Sieben
KAPITEL 3Die mechanische Extraktion im Nassen: Eishasch
KAPITEL 4Rosin Hash: Quetschtrakt aus der Presse
KAPITEL 5Sicher und sauber
KAPITEL 6Die Herstellung von Cannabis-Extrakten mit Alkohol
KAPITEL 7Cannabis mit CO 2extrahieren
KAPITEL 8Königsdisziplin BHO-Extraktion
KAPITEL 9Cannabis-Konzentrate mit Propan extrahieren
KAPITEL 10Die Extraktion mit Dimethylether
KAPITEL 11Extraktion am lebenden Objekt: Aromabombe Live Resin
KAPITEL 12Öl, Wax, Shatter, Budder, Winterizing und Diamanten schürfen: Die Veredelung
KAPITEL 13THC mit Glycerin extrahieren: Konzentrate für Esswaren und E-Liquids
KAPITEL 14Schnell, einfach und effektiv: Cannabis-Extraktion in der eigenen Küche
KAPITEL 15Genießen satt Ballern: Extrakte konsumieren
KAPITEL 16Ganz zum Schluss ein Blick nach vorne
Glossar
Literatur
Der Autor
Bildnachweis
Als ich vor 35 Jahren das erste Mal ein Cannabis-Extrakt in den Händen hielt, wusste ich sehr wenig über dessen Herkunft. Ich hatte damals in den USA angefangen, ab und zu Cannabis in Blütenform zu rauchen. So war ich bei der Rückkehr nach Deutschland umso überraschter, dass es auf dem europäischen Schwarzmarkt zu dieser Zeit fast ausschließlich Cannabis-Extrakte in Form verschiedener Haschisch-Sorten zu kaufen gab. Mit ein wenig Glück gab es damals auch manchmal Haschisch-Öl aus Marokko oder dem Libanon zu erwerben.
Die Qualität des Haschischs und des Hasch-Öls waren reine Glückssache. Haschisch kam meist aus Marokko und war oft von so minderer Qualität, wie man sie heutzutage kaum noch findet. Der THC-Gehalt der damals berühmten »Europlatte«-oder »Standardplatte» überstieg selten zehn Prozent, oft lag er sogar darunter. Doch auch zu Zeiten der Dominanz von »Standardplatte« und »Border-Paki« (schlechtes schwarzes Haschisch) gab es bei guten Fachverkäufern regelmäßig cannabinoide Leckereien.
Denn anders als heute war Cannabis damals noch weltweit geächtet. So fand die Produktion ausschließlich in den klassischen Anbauländern wie Marokko, Afghanistan und Pakistan statt. Moderne Errungenschaften, die heute ein selbstverständlicher Teil der oft legalen Cannabis-Extraktion sind, waren den ersten Hanf-Veredlern im Rif, in der Bekaa-Ebene oder im Hindukush fremd.
In den Coffeeshops der Niederlande gab es zwar Haschisch aus allen Teilen der Welt. Doch alle anderen Extrakte, die man im Volksmund Hasch- oder Cannabisöl nennt, gelten in den Niederlanden als »harte Drogen« und sind dort noch heute genauso verboten wie Heroin oder Kokain. Deshalb hat das liberale Land im Norden Europas zwar viel zur weltweiten Verbreitung von Cannabiskultur und Cannabisanbau beigetragen. Doch in Sachen Extraktionstechniken ist man in den Niederlanden nicht besonders weit. Nicht einmal Bedrocan, Europas einziger und größter Hersteller von medizinischem Cannabis, darf Cannabisöl produzieren. Das Cannabisöl in deutschen Apotheken stammt deshalb auch immer von Produzenten außerhalb der Niederlande.
Ich bin 1991 das erste Mal nach Marokko gereist, um ein wenig mehr über die Herkunft der Substanz in Erfahrung zu bringen, die in meiner Heimat immer noch als gesellschaftsgefährdend galt. Damals war ich überrascht, wie hochpotent das Haschisch war, das die Bauern im Rif mit einfachsten Mitteln produzierten. Die Sache hatte allerdings einen Haken: Die beste Qualität, die in Europa fälschlicherweise »Zero« oder »ZeroZero« genannt wird, trat zu dieser Zeit sehr selten den Weg übers Mittelmeer an. Das Beste, was man in einem Amsterdamer Coffeeshop erstehen konnte, war Haschisch der ersten oder zweiten Siebung, wie ich während meines ersten Marokko-Aufenhalts erfahren sollte.
»Zero« oder »ZeroZero« sind eigentlich reine Legenden. Bei deren Herstellung wird gar nicht gesiebt, denn es handelt sich um die nullte Siebung, wie der Name sagt. Das heißt, der Bauer klopft oder rollt die getrocknete Pflanze ganz sanft über den Rand einer Schüssel. Die wenigen Trichome (Harzdrüsen), die dabei herabrieseln, sind die nullte Siebung und decken nicht einmal den Eigenbedarf des Bauern. Die beste Qualität, die in den Verkauf gelangt, ist allenfalls die erste Siebung. Auch die zweite oder dritte Siebung ist noch sehr potent. Doch der Großteil der Exportware wurde aus der vierten, fünften oder gar sechsten Siebung gewonnen und hatte so einen sehr hohen Pflanzenanteil. War das Haschisch des fünften oder sechsten Durchgangs so wenig potent, dass es aufgrund des niedrigen Trichom-Anteils nicht mehr zusammenkleben wollte, mischte der Bauer eine kleine Menge gutes Haschischpulver unter. So wurden dann die für den Export bestimmten Platten gepresst.
Nachdem man in Europa Mitte der 1990er Jahre angefangen hatte, selbst Cannabis zu produzieren, brach der Markt für minderwertiges Haschisch aus Marokko langsam aber sicher ein. Die marokkanischen Bauern fingen daraufhin an, sich neben der Quantität ihrer Ernte auch wieder mit deren Qualität zu beschäftigen, und Rucksackreisende trugen dazu bei, indem sie die Rif-Bauern mit Saatgut aus Spanien oder den Niederlanden versorgten. So findet man im Rif-Gebirge, aus dem immer noch über 90 Prozent des in Europa konsumierten Haschischs stammen, heute wieder viel besseres Haschisch als vor 30 Jahren.
Nach meiner ersten Reise nach Marokko hatte ich mir vorgenommen, mehr über die Techniken der Cannabis-Veredelung in Erfahrung zu bringen. 1998 nahm ich dann bei einem deutschen Auswanderer eine Schnapsdestille in Marokko in Betrieb. Die hatte ich beim Bauern meines Vertrauens aufgebaut, um selbst mein erstes eigenes Haschöl zu machen. Mein marokkanischer Freund hatte zu meiner Freude irgendwie Hexan als Lösungsmittel aufgetrieben. Dieser langkettige Kohlenwasserstoff löst die Cannabinoide perfekt von Stängeln und Blättern und verdampft ähnlich gut und schnell wie das heute oft genutzte Butangas oder Dimethylether. Normalerweise benutzte man damals Alkohol oder Aceton als Lösungsmittel; die Extraktion mit Butan oder CO 2waren zu dieser Zeit noch unbekannt.
Der Aufbau der Destille und des Magnetrührers für das Sieden des Hexans waren kompliziert und umständlich, doch das Ergebnis war umwerfend: eine fast farblose Flüssigkeit mit ganz leichtem Bernstein-Teint, die auch bei den erfahrenen und mit einer hohen Toleranz ausgestatteten Rif-Bauern Erstaunen sowie tiefrote Augen verursachte.
Ich staune bis heute immer wieder darüber, mit welch primitiven Mitteln es die Rif-Bauern schaffen, hochqualitative Extrakte zu produzieren, die von Natur aus einen sehr hohen CBD-Anteil haben (siehe Kapitel Haschisch sieben). Auf der anderen Seite bewundere ich die technische Entwicklung, die sich dank einer in Teilen legal agierenden Cannabis-Industrie im vergangenen Jahrzehnt so rasant entwickelt hat wie kaum ein Sektor innerhalb dieser gerade erst entstehenden Branche.
Patientenkollektive aus Kanada und den USA hatten das medizinische Potenzial von Cannabis-Extrakten schon Anfang des Jahrtausends erkannt. Aufgrund des legalen oder zumindest tolerierten Status war es dort möglich, Cannabis zu medizinischen Zwecken anzubauen und zu veredeln. So ist zum Beispiel die erste simple Vorrichtung zur Butan-Extraktion von Cannabis, der Honey Bee Extractor, ein Kind dieser Zeit. Im Laufe der Jahre professionalisierten sich einige dieser Kollektive und wurden aufgrund der Legalisierung an der gesamten US-Westküste sowie in Kanada zu Hauptakteuren eines neuen Marktes. In Kanada stiegen ab 2012 Investoren ein und gaben der Entwicklung nochmals einen enormen Schub.
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