Die Großen scharten sich jetzt dichter um die Kleinen, versuchten sie mit ihren riesigen Körpern zu decken. Doch viel half das nicht. Der feine Sand trieb durch jede Lücke zwischen den Leibern, wirbelte von unten herauf und stürzte von oben herab. Kaum blieb noch genug Luft zum Atmen.
Duna schmiegte sich eng an den Bauch ihrer Mutter. Das Brausen des Sturmes machte ihr angst. Und sie sah, wie ihr Körper allmählich vom Sand begraben wurde. Schon bedeckte eine dünne Schicht ihren Rücken. Und die Sandschicht wuchs weiter, immer höher an ihrem Hals.
Mühsam versuchte Duna sich zu bewegen. Doch sie versank nur tiefer im Sand. Da blieb sie liegen, hielt sich ganz still, als ahne sie, daß dies ihre einzige Rettung war. Und sie schloß die Augen.
Lange lag sie so. Das Atmen fiel ihr schwer. Mit einemmal horchte sie auf. Das Brausen des Sturmes ließ allmählich nach, schien sich zu entfernen. Langsam öffnete sie die sandverklebten Augen.
Die Luft wurde klarer. Schon zeigte der Himmel wieder ein mattes Blau. Und die Sonne schien grell durch die abziehenden Staubwolken.
Jetzt regte sich Dunas Mutter, wuchtete ihren gewaltigen Körper aus der hoch aufgewehten Düne. Auch die anderen bewegten sich schwerfällig. Und nun kam auch Duna frei. Sie spürte Sand auf der Zunge, zwischen den Kiefern. Und sie spürte Durst, brennenden Durst. Aber sie lebte. Und während sie noch ein wenig unsicher losstapfte, rieselten ihr die letzten Sandkörner von den Gliedern.
Die Sonne stand schon tief, als die Saurier den Waldrand hinter den Hügeln erreichten. Der Sandsturm hatte eine tiefreichende Schneise in den Urwald geschlagen, ein undurchdringliches Gewirr umgestürzter und geborstener Stämme: Ginkgobäume, Zypressen und baumartige Palmfarne. An den Rändern jedoch wucherte saftiges Grün.
Schon vor der Waldgrenze hatte Duna ihren größten Hunger an ein paar spärlichen Bodenpflanzen ein wenig gestillt. Doch das genügte längst nicht. Jetzt hielt sie hier an abgebrochenen Baumwipfeln ein üppiges Mahl. Und allmählich fühlte sie sich wieder wohler. Nur ihre Kehle war noch trocken. Noch immer knirschte Sand zwischen ihren Zähnen.
Ihre Mutter brach unbeirrt tiefer in den Wald. Und Duna mußte sich beeilen, ihr durch die Gasse zwischen den Stämmen zu folgen. Der Boden neigte sich hier zu einem sanft abfallenden Hang. Stolpernd hastete Duna durch niedergebrochenes Geäst. Und sie keuchte vor Anstrengung.
Mit einemmal hörte sie von fern ein leises Plätschern. Am Ende des Hanges lag ein enges Tal, durchzogen von einem schmalen Bach, umsäumt von Wildwuchs. Hier endlich blieb Dunas Mutter stehen. Duna wand sich an ihren Säulenbeinen vorbei zum Bachufer, beugte ihren langen Hals tief hinab. Und gierig trank sie das klare Wasser.
Nach und nach stapften auch die anderen durch die von Dunas Mutter freigewalzte Gasse. Doch nicht nur sie kamen. In kurzem Abstand folgten noch zwei fremde Wesen. Zwei gewichtige Stegosaurier nutzten die Gasse als bequemen Weg zur Wasserstelle. Und ihre mächtigen Knochenplatten auf dem Rücken scharrten am Geäst.
Unwillig blickte Dunas Mutter sich um, als auch noch ein kleiner zweibeiniger Raubsaurier folgte, um am Bach nach Wassergetier zu jagen. Doch die Raubechse hielt sich vorsichtig in gehöriger Entfernung. Sie fürchtete wohl einen tödlichen Schlag mit dem mächtigen Schwanz der Brontosaurier.
Langsam stampfte Dunas Mutter im Bachbett hangabwärts. Wasser spritzte gegen ihren tonnenförmigen Bauch. Und Duna, die ihr folgte, bekam jedesmal eine Dusche. Die beiden Stegosaurier waren zurückgeblieben. Und als Duna sich nach den anderen umwandte, sah sie, wie einer der Stegosaurier mit seinem Stachelschwanz die kleine Raubechse zu Boden schlug. Leblos trieb ihr Körper den Bach hinunter.
Das Bachbett verbreiterte sich allmählich und wurde flacher. Ab und zu rupfte Duna einen Farnwedel vom dichtbewachsenen Ufer oder einen Schachtelhalm. Das Laufen auf dem steinigen Bachgrund war anstrengend. Und Duna spürte, wie ihre Beine müde wurden.
Kurz vor Sonnenuntergang lichtete sich das dichte Kronendach über dem Bachbett. In das leise Glucksen des Baches mischte sich das Rauschen eines größeren Flusses. Und wenig später standen die Brontosaurier an einem flachen sandigen Ufer. Der Fluß strömte breit und träge. Und am jenseitigen Ufer fischten dicht über der Wasserfläche einige Flugechsen.
Aber dort drüben bewegte sich auch noch anderes. Vor der Silhouette des Uferwaldes erhoben sich ein paar mächtige Gestalten in der Dämmerung, stampften auf ihren vier Säulenbeinen durch das sumpfige Flachwasser. Ihre langen Hälse schaukelten leicht im Rhythmus ihrer Schritte. Und an ihren im Wasser hängenden langen Schwänzen bildeten sich kleine plätschernde Wellen.
Aufmerksam blickte Dunas Mutter über den breiten Strom. Längst hatte sie die beiden riesigen Gestalten erkannt: an ihren längeren Vorderbeinen. Es waren Brachiosaurier, entfernte Verwandte der Brontosaurier, nur wenig kleiner und harmlose Pflanzenfresser wie sie. Sie suchten hier wohl nur nach Wasserpflanzen. Von ihnen drohte keine Gefahr.
Beruhigt zog sie mit ihrer kleinen Herde weiter, um für die einbrechende Nacht einen bequemen Schlafplatz am Rand des Urwaldes zu suchen.
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